MASARYKOVA UNIVERZITA Pedagogická fakulta DIPLOMOVÁ PRÁCE Brno 2008 Eliška Konopásková Masarykova univerzita Pedagogická fakulta KATEDRA NĚMECKÉHO JAZYKA A LITERATURY Deutsche und Tschechen während der Ersten Tschechoslowakischen Republik in Brünn Diplomová práce Brno 2008 Vedoucí diplomové práce: Vypracovala: PhDr. Richard Rothenhagen Eliška Konopásková Ich erkläre hiermit, dass ich die vorliegende Arbeit selbständig, ohne unerlaubte Hilfsmittel und nur unter Benutzung der in der Arbeit angegebenen Literatur erarbeitet habe. ............................................... Mein Dank gilt Herrn PhDr. Richard Rothenhagen für die Leitung dieser Arbeit. Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung ………………………………………………………………………..7 2. Vorgehensweise …………………………………………………………….........9 3. Brünn und seine Bevölkerung am Anfang des 20. Jahrhunderts …………...10 3.1. Der Kampf um die tschechische Universität …………………………….12 3.2. Der Mährische Ausgleich ………………………………………………..12 4. Das Wendejahr 1918 in Brünn ………………………………………………..15 4.1. Nach dem 28. Oktober 1918 ……………………………………………..16 4.2. Das Brünner Rathaus …………………………………………………….17 4.3. Ein neues Regime ………………………………………………………..18 4.4. Die Reaktion auf die Veränderungen …………………………………....18 4.4.1. Der deutsche Irredentismus ……………………………………...19 4.4.2. Die Atmosphäre unter Brünner Bevölkerung ……………………20 4.5. Das Deutsche Haus und Besední dům …………………………………..21 5. Die Entstehung Groß-Brünns …………………………………………………23 6. Deutsche und Tschechen in der Zeit der 1. Republik bis 1929 ……………...26 6.1. Volkszählungen von 1921 und 1930 …………………………………….27 6.2. Die „deutsche“ Frage …………………………………………………….28 6.2.1. DNSAP und DNP ……………………………………………….30 6.2.2. Der Vertrag von St. Germain und die Verfassung von 1920 ……31 6.2.3. Vom Negativismus zum Aktivismus …………………………….31 7. Die Situation des Brünner Schulwesens nach der Wende …………………...33 7.1. Weiterentwicklung des Brünner Schulwesens …………………………..34 7.2. Das Schulwesen im Jahre 1928 ………………………………………….35 7.3. Brünner Schulelternräte ………………………………………………….36 8. Das Kulturleben der Stadt ……………………………………………………..38 8.1. Die Ausstellung der zeitgenössischen Kultur in ČSR……………………..38 8.2. Vereine …………………………………………………………………..40 8.3. Brünner Zeitungen und Zeitschriften ……………………………………46 8.4. Problematik des deutschen und tschechischen Theaters …………..…...52 8.4.1. Die Übergabe des Stadttheaters an die Tschechen …………..…54 8.4.2. Spuren der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit …………...55 9. Brünner Architektur ………………………………………………………….57 9.1. Ernst Wiesner und Bohuslav Fuchs …………………………………….58 9.2. Adolf Loos ……………………………………………………………...59 9.3. Die Villa Tugendhat ………………………………………………….....60 10. Die Brünner deutsche Sprachinsel in den 20er Jahren ……………………..62 10.1. Die Dörfer und ihre Besonderheiten …………………………………….63 11. Die Volkskultur der Brünner Sprachinsel ……………………………………66 11.1. Nennowitzer Reime ……………………………………………..………66 11.2. Das Kirchweihfest ……………………………………………..………..67 12. Äußere Merkmale …………………………………………………..…………70 12.1. Die Trachten ………………………………………………..…………...70 12.2. Das deutsche Bauernhaus ………………………………..……………...71 12.3. Die Mundart ……………………………………………..………………73 12.3.1. Brinnarisch ……………………………………..………………..75 13. Zusammenfassung …………………………………………...…………………78 14. Resumé ……………………………………………………...…………………..80 15. Quellenverzeichnis ………………………………………..……………………81 16. Anhangverzeichnis ……………………………………..………………………85 17. Anhang ………………………………………………..………………………...86 1. Einleitung Die gemeinsame Geschichte der Deutschen und Tschechen auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik ist mehr als 800 Jahre alt. Die Deutschen lebten in Brünn seit dem 13. Jahrhundert, wo verschiedene Kulturen zusammentrafen. Die Stadt bildeten ursprünglich vier Gemeinden, und zwar eine tschechische, deutsche, jüdische und flämische. Die einzelnen Gemeinden lebten getrennt und pflegten ihre eigene Kultur. Je nach der Stimmung, die in bestimmter Zeit unter den beiden Völker herrschte, wurden die Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen einmal besser, einmal schlimmer. Bis auf einige Zwischenfälle kann man sagen, dass das deutsch-tschechische Verhältnis bis zum 19. Jahrhundert als relativ neutral schien. Die vorliegende Arbeit widmet sich den deutsch-tschechischen Beziehungen in Brünn in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. In den einzelnen Kapiteln wurden positive als auch negative Seiten des Zusammenlebens geschildert. Das Ziel der Arbeit ist es, die Beziehungen in Bezug auf politische Ereignisse zu untersuchen, weiter ihren Charakter festzustellen und positive und negative Qualitäten diesen sozialen Beziehungen zu veranschaulichen. Es wurden einzelne Spuren des Zusammenwirkens und der Auseinandersetzungen beider Nationen gesucht. Die Arbeit wird in drei Hauptteile gegliedert, die den einzelnen Entwicklungsphasen der deutsch-tschechischen Beziehungen entsprechen, indem diese noch in einige Unterkapitel unterteilt werden. Nach den ersten zwei Kapiteln (Einleitung und Vorgehensweise) kommen wir zu der ersten Entwicklungsphase (Kapitel 3), die sich der politischen Situation in Brünn am Anfang des 20. Jahrhunderts widmet. Die damaligen politischen Verhältnisse in der Stadtverwaltung und die wichtigsten Ereignisse wurden in dem dritten Kapitel zusammengefasst. Es wurde die Position der tschechischen Bevölkerung im Vergleich zur Position der deutschen beobachtet. Die angespannte Lage unter der Brünner Bevölkerung im Oktober 1918 wurde ausführlich in dem Kapitel 4 (2. Entwicklungsphase) und seinen Unterkapiteln geschildert. Die einzelnen Unterkapiteln befassen sich mit unmittelbaren Reaktionen der Deutschen und Tschechen auf die Erklärung des neuen Staates. Im Mittelpunkt unseres Interesses steht die Atmosphäre in der Stadt und ihr Zusammenfassen. Die dritte Phase, die nach dem Jahre 1918 anfing, bildet den wesentlichen Teil der Arbeit. Sie umfasst die 20er Jahre der Zwischenkriegszeit. In den Kapiteln 5 bis 11 werden verschiedene Aspekte dieser Problematik betroffen. Diese Phase wird thematisch weiter in drei Teile gegliedert. Der erste Teil bildet das sechste Kapitel, die sich mit den politischen und allgemeinen Umständen befasst. In dem zweiten Teil wird nach den Spuren des Zusammenwirkens und den negativen Merkmalen des Zusammenlebens gesucht. Es werden verschiedene Bereiche ins Visier genommen, wo sich diese Spuren zeigen können. Die Kapiteln sieben, acht und neun betrafen das Schulwesen und seine Problematik, das Schicksal des Brünner Stadttheaters und Brünner Architektur. Die letzten drei Kapiteln befassen sich mit der Brünner deutschen Sprachinsel. Dieser Teil konzentriere sich auf die deutschen Gemeinden, die nach der Enstehung des Groß-Brünns selbständige Dörfer blieben. Es wurde versucht, das Deutschtum in der Sprachinsel vorzustellen. In dem zehnten und elften Kapitel werden die Dörfer und ihre Spezifika beschrieben. Zum Schluss werden in dem zwölften Kapitel äußere Merkmale der Sprachinsel beschrieben, die die Gemeinden eigenartig gemacht haben, wie z.B. die Trachten oder die Mundart. Die Arbeit wird auch um einen Anhang ergänzt, der einige Teile der Arbeit weiter illustrieren soll. Den größten Teil bildet die Dokumentation zur Brünner Architektur, weiter eine Kartenskizze und Bilder der Brünner Sprachinsel und Fotos, die die alten Druckschriften dokumentieren. 2. Vorgehensweise ü Für die allgemeine Geschichte neuer Zeiten interessiere ich mich seit vielen Jahren. Als ich an einer Vorlesung an der Masaryk Universität über deutsch-tschechische Beziehungen teilnahm, stellte ich neue Informationen über dieses Thema fest. Zuerst habe ich den Dozent František Čapka angefragt, wo ich weitere Informationen zu diesem Thema finden konnte. Es wurde mir die Publikation von Jaromír Kubíček empfohlen, die ein Verzeichnis der gesamten Brünner Literatur zwischen den Jahren 1801 und 1979 umfasste. ü Dann suchte ich verfügbare Literatur in der Bibliothek aus. ü Weiter fing ich an im Internet zu recherchieren. Die tschechischen Webseiten enthalten nur oberflächliche Informationen im Vergleich zu den deutschen. Auf die lange Geschichte der Deutschen in Brünn macht die Webseite: www.bruenn.eu/bruna/ aufmerksam. ü Im Archiv der alten Zeitungen fand ich eine Reihe der Zeitungen aus Jahren 1917-1930. Ausführlich analysierte ich drei Zeitungen und eine Zeitschrift. 3. Brünn und seine Bevölkerung am Anfang des 20. Jhds. Anfang des 20. Jahrhunderts war Brünn ein Verwaltungs-, Kultur- und Industriezentrum Mährens. Als Markgrafschaft Mähren hatte das Land im Kaiserreich Österreich-Ungarn einen eigenen Landtag, der in Brünn siedelte. Die Landtage in Markgrafschaft Mähren, Königreich Böhmen und Herzogtum Schlesien wirkten als Selbstverwaltungsorgane im politischen System der Monarchie. Sie vermittelten einen Kontakt zwischen österreichischer Regierung und diesen Ländern. Ihre wichtigste Aufgabe war die Bewilligung von Steuern, die der Monarch nicht ohne Zustimmung der Stände anordnen durfte. Die Landtage und der Reichsrat in Wien beteiligten sich an der Ausübung der Gesetzgebungsmacht. Nach der Begründung der Doppelmonarchie im Jahr 1867 gehörten die böhmischen Länder zum westlichen Teil der Österreich-Ungarischen Monarchie. Bis 1915 wurde es offiziell „Die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder“[1]^)genannt. Vor dem Ersten Weltkrieg war die Stadt überwiegend deutsch. Eine geringe Entfernung zwischen Brünn und Wien ermöglichte zahlreiche gemeinsame Kontakte. Dank einer österreichischen Prägung Brünns wurde es scherzhaft als „Vorort Wiens“ bezeichnet. Nach den Ergebnissen der Volkszählung für die Landeshauptstadt vom 31. Dezember 1910[2]^) lebte in der Stadt 125.737 Personen, daraus meldeten sich 41.143 zur tschechischen Sprache und 81.617 Einwohner zur deutschen Sprache. Wir sollten nicht vergessen, dass viele Brünner aus gemischten Familien stammten und bilingual waren. Sie bevorzugten meistens die Zugehörigkeit zur deutschen Majorität. Die Nähe Wiens und die Tatsache, dass Brünn einen Teil Österreich-Ungarns bildete, trugen dazu bei. Die Schüler, die die beiden Sprachen beherrschten, gingen aus demselben Grund lieber in die deutsche Schule[3]^). Dagegen hatten die tschechischen Schulen immer wenig Schüler und ein enges Umfeld half ihrer Entwicklung nicht. Auch damalige politische Verhältnisse waren zur tschechischen Nationalität in der Frage des Schulwesens ungünstig, denn das deutsche Rathaus genehmigte keine tschechische Bürgerschule einzurichten[4]^). In der Brünner Stadtverwaltung hatte der deutsche Bürgerstand eine entscheidende Position. Die Beamtenstellen waren im Unterschied zu Prag, hauptsächlich den Deutschen vorbehalten. Die damalige Wahlordnung gab dem tschechischen Bürgerstand und Arbeiterschaft keine Aussicht auf einen Erfolg. Deswegen nahmen sie keinen Anteil an Gemeindewahlen bis diese Wahlordnung durch Genehmigung eines neuen Statuts der Stadt im Mai 1905 geändert wurde. Und so kam es in der Brünner Stadtverwaltung endlich zu Veränderungen. An der Spitze der Stadtverwaltung standen die Gemeindevertretung, der Stadtrat und der Bürgermeister. Die neue Gemeindewahlordnung erhöhte die Anzahl der Wähler. Alle Bürger, die seit mindestens zwei Jahren Wohnsitz in Brünn hatten und das 24. Lebensjahr vollendet hatten, konnten wählen. Sie wählten leider nur 9 von 57 Vertretern[5]^). In dieser Zeit entwickelte sich das politische Leben in Brünn genauso schnell wie in anderen großen Städten der Monarchie. In Brünn wirkten mehrere politische Parteien, sowohl deutsche als auch tschechische. Eine führende Position nahm die Deutsche Fortschrittene Liberalpartei ein. Aber auch andere deutsche Parteien stärkten ihren Einfluss, wie die Deutsche Volkspartei oder „všeněmci“[6]^), die antisemitisch orientiert waren. Unter den tschechischen Parteien gewann die Mährische Christsoziale Partei die stärkste Position. In der Brünner Gesellschaft gab es mehrere Probleme zwischen Deutschen und Tschechen. Zu den größten Problemen gehörte das Schulwesen, das unter politischen Verhältnissen auf einer und dann auf anderer Seite litt. Vor der Entstehung der Tschechoslowakei 1918 betraf es die tschechischen Schulen, nach 1918 die deutschen. Zur Zeit Österreich-Ungarns spitzte sich die Situation im Jahre 1905 zu, als die Tschechen Errichtung einer tschechischen Universität verlangten. 3. 1 Der Kampf um die tschechische Universität Die Stadtvertreter verhielten sich gleichgültig gegenüber den tschechischen Forderungen. In den Jahren 1900-1914 wurden 26 deutsche Grundschulen und Kindergarten errichtet, indem tschechische keine. Eine private Initiative versuchte diese Lücken zu eliminieren. Was die Hochschulen betrifft, war die Zuspitzung der Lage noch bedrohlicher. Das deutsche Rathaus drückte sich gegen Entstehung einer tschechischen Universität in Brünn aus. In demselben Sinne fand auch der Volkstag im Deutschen Haus am 1. Oktober 1905 statt. Die tschechische Bevölkerung ließ auf sich nicht warten und versammelte sich an demselben Tag vor „Besední dům“[7]^). Die Situation war angespannt, die Bürger aus beiden Gruppen fühlten sich gefährdet. Eine Massendemonstration entwickelte sich in Zusammenstoßen beider Gruppen. Diese Zwischenfälle brachten nicht nur materielle Schaden. Während der dramatischen Ereignissen von 1905 protestierten vor dem „Besední dům“ Anhänger der neuen tschechischen Universität, dabei wurde ein Tscheche František Pavlík aus Ořechov erstochen.[8]^) Nach 20 Jahren wurde hier eine an die damaligen dramatischen Ereignisse erinnernde Gedenktafel platziert. Die Tschechen waren geärgert und die bürgerlichen Unruhen setzten in Oktober und November 1905 fort. Eine Beruhigung des Nationalstreits brachte erst der Mährische Ausgleich. 3. 2 Der Mährische Ausgleich Am 22. November wurde der Mährische Ausgleich[9]^) unterzeichnet. Dieses Abkommen bedeutete einen Kompromiss zwischen Deutschen und Tschechen im mährischen Landtag. Der Ausgleich bezog sich nur auf Mähren, in Böhmen verursachte er keine Veränderungen. Er umfasste vier Landesgesetze, die in Mähren eine Lösung der Nationalitätensprobleme gewährleisten sollten. Die Tschechen akzeptierten den Ausgleich weil er ihre Position verbesserte, betrachten ihn aber nur als eine Zwischenstufe. Auf Grund der Landesgesetze wurde Folgendes eingeführt: ü Die neue Landesordnung – Die Anzahl der Abgeordneten stieg von 100 auf 151. Innerhalb des Mährischen Landtages wurden folgende drei Kurien gebildet: 1. Die Kurie des Großgrundbesitzes mit zwei Untergruppen 2. Die Kurie der tschechischen Abgeordneten außerhalb des Großgrundbesitzes – 73 Abgeordneten 3. Die Kurie der deutschen Abgeordneten außerhalb des Großgrundbesitzes – 46 Abgeordneten ü Die neue Landtagswahlordnung – Die Zugehörigkeit der Wahlberechtigten für die Landtagswahlen zur tschechischen oder deutschen Volksgruppe wurde über nationale Kataster organisiert. Weiter wurde eine vierte „allgemeine“ Kurie (Wählerklasse)[10]^) eingeführt. ü Die Anwendung der zweiten Landessprache – Die zweite Landessprache sollte in jenen Gemeinden angewendet sein, wo sie von mehr als einem Fünftel der Bevölkerung gesprochen wurde. ü Die Trennung der Schulbehörden – Landes-, Kreis- und Gemeindebehörden wurden in deutsche und tschechische Behörden geteilt. Dieses Gesetz regelte es, dass deutsche Kinder nur noch auf deutsche und tschechische Kinder nur noch auf tschechische Schulen geschickt werden sollten. Die eingeführte Wahlreform ermöglichte zwar mehreren Bürger zu wählen, trotzdem gewannen die tschechischen Parteien keine Mehrheit. Die Kurie des Großgrundbesitzes mit 30 Abgeordneten wurde nämlich nicht geteilt und die Mehrheit hatten hier die Deutschen. Der Einbruch des Ersten Weltkrieges schob die Nationalproblematik aufs Nebengleis ab. Doch die Stellung der Deutschen und Tschechen zum Krieg war unterschiedlich. Die tschechische Gruppe blieb gleichgültig, während die deutsche mehr erregt wurde. Der deutsche Enthusiasmus, wenn man das so nennen kann, hatte nur eine kurze Dauer, denn bald betraf die Brünner Mangel an Lebensbedürfnissen. Auch die Zeitungen beschäftigten sich mit jeweiligen praktischen Problemen. Zum Beispiel die Brünner Zeitung vom 29. Oktober 1917[11]^) informierte ausführlich über Mehl- und Brotzuweisung. Auch weitere Anweisungen, die den Papier- und Kohlemangel betrafen, fehlten nicht. In den letzten Monaten des Krieges wurde die Laune aller Bürger melancholisch und sie hofften auf ein baldiges Ende. Doch unter den tschechischen Politikern herrschte eine anwachsende Aufregung, denn sie gewannen eine Unterstützung und eine Zustimmung der westlichen Mächte mit der Gründung eines eigenen Staates. Sie warteten also auf eine günstige Gelegenheit, um den unabhängigen Staat zu erklären. Diese kam am Ende des Jahres 1918. 4. Das Wendejahr 1918 in Brünn Die Bemühungen der Vertreter des tschechischen Volkes wurden in den letzten Jahren des Ersten Weltkrieges immer stärker. Sie beanspruchten das Selbstbestimmungsrecht der Nationen in dem Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Zur Erfüllung ihres Verlangens kam es endlich im Oktober 1918. Am 14. Oktober fand in den böhmischen Ländern der generelle Streik statt. Auch die Brünner Arbeiterschaft trat bei und tschechische Bürger meldeten sich zu der, die Enstehung der neuen Tschechoslowakischen Republik ankündigenden Proklamation. Brünn wollte nicht abseits stehen, doch am nächsten Tag wurde hier der Streik abgerufen. Auf der Titelseite der Brünner Zeitung vom 18. Oktober erschien der Kaiser Karls Manifest „An meine getreuen österreichischen Völker!“.[12]^) Ein letzter Versuch des Kaisers, die Habsburger Monarchie zu retten, blieb in tschechischen Kreisen ohne Antwort. Die deutschen Abgeordneten des Reichsrates[13]^) in Wien bildeten dagegen eine provisorische Nationalversammlung, die am 21. Oktober die Entstehung „Deutschösterreichs“[14]^) verkündete. Am 12. November beschloss sie die republikanische Staatsform und hierbei das Gesetz über die Staats- und Regierungsform von Deutschösterreich. Laut dem Gesetz sollte ein geeinter deutscher Staat entstehen[15]^). Nicht nur die tschechischen, sondern auch die deutschen Brünner beanspruchten ihre Volksrechte. Am 25. Oktober begegneten sich Bürgermeister Schnitzler, Vertreter deutscher Parteien und Vertreter wirtschaftlicher und beruflicher Vereinigungen. Sie äußerten ihren Willen, das Selbstbestimmungsrecht aller deutschen Volksgenossen in Österreich nachdrücklich zur Geltung zu bringen. Die Situation in der Stadt war angespannt, aber es kam zu keiner erheblichen Auseinandersetzung. Alle warteten ab und beide Seiten rufen zur Ruhe und Ordnung auf. Am 27. Oktober versand der Außenminister der österreichischen Monarchie Andrassy die Antwort Österreich-Ungarns auf die Note der Vereinigten Staaten von Nordamerika an den US-Präsidentten Wilson. Am nächsten Tag erschien das erste, von „Männer des 28. Oktobers“[16]^) unterschriebene, Gesetz des Tschechoslowakischen Staates. Die Nachrichten, die über die neuesten Ereignisse in Prag berichteten, kamen in Brünn mit einer eintägigen Verspätung an. 4. 1 Nach dem 28. Oktober 1918 Die ersten Nachrichten kamen in einer Redaktion von „Lidové noviny“[17]^) in Brünn gegen 6 Uhr abends des 28. Oktobers an. Der deutsche Statthalter wusste es sicher früher und hatte Interesse daran, diese Informationen möglichst lange zu unterdrücken. Auf der Statthalterei und Polizeidirektion wurden in Eile wichtige Dokumente verbrannt. In Brünn gab es bisher keinen tschechischen Nationalausschuss, der wurde erst in der Nacht ernannt. Am 29. Oktober druckten alle Morgenzeitungen die Proklamation zum tschechischen Volk nach. In den Straßen fanden es Versammlungen und ruhevolle Manifestationen statt, die durch eine Beräumung der Stadt von dem österreichischen Regime begleitet wurden. Der tschechische Teil der Brünner Bevölkerung versammelte sich auf der „Česká“[18]^) Straße und auf der anliegenden Seite des Freiheitsplatzes und der deutsche Teil auf der anderen Seite des Platzes und auf der „Běhounská“ Straße. Selbstverständlich herrschte unter den tschechischen Einwohnern eine rege Begeisterung. Schüler und Studenten gingen nicht in die Schule, sondern trafen sich auf dem Freiheitsplatz, der damals noch „der Große Platz“[19]^) genannt wurde. Tschechische Offiziere rissen Karls I. Mützenabzeichen fort und auf einem Balkon des „Besední dům“ wurde eine rot-weiße Fahne ausgehängt, ein Zeichen der tschechischen Nation. Feierlich wurde auch „Wehrmann“[20]^), eine gehasste Statue, heruntergerissen. Diese Statue des Kaisers Joseph II. stand vor dem „Deutschen Haus“[21]^). Die deutsche Bevölkerung war von solchem Verhalten heftig erschüttert. Die deutsche Jugend regte sich darüber noch mehr auf und bereitete sich zum Kampf vor. Trotz allen hitzigen Emotionen kam es zu keinen Gewalttätigkeiten. Die deutsche Brünner Zeitung schilderte diese Ereignisse nur oberflächlich und drückte keine eigene Einstellung zum Geschehen in der Stadt aus.[22]^) Der tschechische sechsgliedrige Nationalausschuss räumte 2 Stellen für Deutsche ein. Er übernahm die Verwaltung aller obersten Staatsbehörden in Mähren und wurde in 4 Sektionen geteilt: Rechts-, Wirtschafts-, Eisenbahn- und Militärsektion. Nach Zeitungsberichten[23]^) vom 2. November wurde der Nationalausschuss mit zu vielen Anfragen und Anrufen gestört, so konnte man ihn weiter nur schriftlich anfragen. Es wies darauf hin, welche aufgeregte Lage in der Stadt herrschte. Am nächsten Tag trat der Statthalter Dr. Johann von Heinold einen Urlaub an und Jan Černý wurde zum neuen Statthalter ernannt. Seitdem übten die Statthalterei und der Nationalausschuss eine gemeinsame Führung der Verwaltung aus. Die deutschen Vertreter bekamen keine klaren Befehle aus Wien und waren verwirrt. Sie konnten einem tschechischen Ansturm nicht länger widerstehen. Am längsten gelang es dem deutschen Rathaus. 4. 2 Das Brünner Rathaus Am Montag des 4. Novembers drangen die Mengen ein. Auf dem Freiheitsplatz versammelten sich etwa 50.000 Bürger und manifestierten für die neu entstandene Republik. Ein Teil der Demonstranten stürmte gegen das Alte von Deutschen noch besetzte Rathaus an. Aber erst am nächsten Tag schied Bürgermeister Schnitzler aus seinem Amt aus. Die ganze Stadtverwaltung war am 6. November völlig in tschechischen Händen. Aus den Fenstern des Brünner Rathauses wurden die rot-weißen Fahnen ausgehängt, die Fanfare von Smetanas „Libuše“[24]^) lautete. Inzwischen versammelte sich eine Menge Leute und begann spontan tschechische Nationalhymne und andere Lieder zu singen. Danach traten drei Redner auf und aus dem tschechischen Rathaus wurde zum tschechischen Volk auf Tschechisch gesprochen. Es begann eine neue Epoche und alle Bürger mussten sich an ein neues Regime anpassen. 4. 3 Ein neues Regime Die Entstehung des neuen Staates brachte viele Veränderungen in das Leben der Brünner. Zuerst änderte man äußere Merkmale der Stadt. Alle Zeichen des alten Regimes wurden eliminiert. Die Kaiserlichen Adler an den Amtsräumen und Amtsgebäuden wurden abgenommen. Alle Gassen, Straßen und Plätze hatten früher amtlich nur deutsche Namen, danach wurden sie entweder ins Tschechische übersetzt oder es wurden ganz neue Bennenungen eingeführt.[25]^) Das neue Regime führte auch neue Feiertage ein. Eine solche große nationale Erinnerungsfeier war der 8. November, der an die Schlacht am Weißen Berge 1620 erinnerte. Die Brünner Zeitung[26]^) berichtete über die ganze Feier bei „Besední dům“. Hier versammelten sich die Brünner und der Mährische Lehrergesangverein sang tschechische und südslawische Nationalhymne und einige Choräle. Dann setzte die Feier auf dem Freiheitsplatz fort. In allen Schulen fanden Schulfeiern statt und auch alle Banken waren geschlossen. Auf diese Neuigkeiten reagierten Deutsche und Tschechen unterschiedlich. 4. 4 Die Reaktion auf die Veränderungen In beiden Nationallagern herrschte eine frische Aufregung. Auf einer Seite Glücklichkeit, auf der anderen Angst und Zorn besonders bei jungen Deutschen, was unter damaligen Umständen verständlich war. Die Vertreter beider Gruppen mussten dringend ruhiges Blut behalten, denn die Situation war ernst und niemand wollte einen Bürgerkrieg. Es entstanden zahlreiche Ausschüsse, die sollten Ruhe und Ordnung unterstützen. Die deutschen Vertreter hatten keine genauen Vorstellungen und kein Programm. Die neuen Verhältnisse bedurften eine schnelle Reaktion und eine Anpassung. Am 1. November wurde einer von allen deutschen Parteien besetzte Vollzugsaussschuss des deutschen Nationalrates gegründet. In den Zeitungen[27]^) erschien eine dringende Bitte des Vollzugsausschusses an die deutsche Bevölkerung. Er verlangte Ruhe und Besonnenheit in dieser Zeit zu bewahren und alles zu vermeiden, was zu irgendwelchen Reibungen Anlass bieten konnte. Insbesondere galt diese Warnung der deutschen Jugend. Auch die deutschen Eisenbahner gründeten ihren Ausschuss, die ihre Interessen verteidigen sollte. In dem Brünner Verwaltungsausschuss wurden 24 Mitglieder nominiert. Tschechische Vertreter besetzten 16 Stellen, der Rest wurde den Deutschen eingeräumt. Anton Jelínek, einer der deutschen Vertreter, versicherte die tschechische Mehrheit, dass die deutschen Mitglieder zum Wohle der Gesamtbevölkerung hätten mitarbeiten wollen. Die politischen Repräsentanten waren sich dessen bewusst, dass es für die Ordnung zu sorgen, im Interesse des ganzen Volkes ist. Aus diesem Grund richtete der deutsche Nationalrat in Brünn einen Ordnerdienst ein, der mit dem tschechischen Sicherheitsdienst kooperierte. Es ist notwendig zu erinnern, dass die Wende spezifische Reaktionen in einigen Gebieten auslöste. Es betraf die überwiegend von Deutschen besiedelten Grenzgebieten Böhmens, und Mährens, wo der deutsche Irredentismus ausbrach. 4. 4. 1 Der deutsche Irredentismus Ein Tag nach der Erklärung des unabhängigen tschechoslowakischen Staates führten die deutschen Politiker in den Grenzgebieten einen eigenen Umsturz durch. Sie erklärten vier deutsche Provinzen[28]^) in Böhmen und Mähren: Deutschböhmen (Reichenberg), Sudetenland (Troppau), Deutsch-Südmähren (Znaim) und Böhmerwaldgau (Prachatice). Die Provinzen kooperierten mit Wien und sollten einen Teil von Deutschösterreich bilden. Die Versuche der tschechischen Regierung die Kontakte zu den Rebellen anzuknüpfen, waren erfolglos. Im November begann die tschechische Armee diese Gebiete wieder zu besetzen. Die Frage der Sudetendeutschen[29]^) blieb aber offen. 4. 4. 2 Die Atmosphäre unter Brünner Bevölkerung In den ersten Tagen nach dem Zerfall Österreich-Ungarns feierte die tschechische Bevölkerung fröhlich ihre Unabhängigkeit. Allmählich stiegen in dem Nationalausschuss schlimme Befürchtungen um die Sicherheit auf. Brünner Kasernen waren voll von deutschen Soldaten, unter denen eine provokative Nachricht verbreitet wurde. Es sollte ein Massaker auf sie vorbereitet werden, der aber nie geschah. Die Informationen sollten zur Auseinandersetzung provozieren, aber es war in den tschechischen als auch deutschen Ausschuss höchst unerwünscht. Weiter gab es Berichte über einzelne Faktoren, die gegen die Integrität des tschechoslowakischen Staates gerichtete Tätigkeit entfalteten. Der Nationalausschuss wollte die Situation in der Stadt beruhigen, so entschied er die Nationalfeier zu beenden. Die Fahnen von den Gebäuden wurden heruntergenommen und das Leben in der Stadt sollte wieder normal verlaufen. Die Befürchtungen der deutschen Einwohner stiegen auf, wie die Anzeigen in der Brünner Zeitung[30]^) nachwiesen. Neu erschienen mehrere Anzeigen, die einen Hausverkauf vermitteln sollten. Gasthöfe und Häuser in den deutschen Gemeinden wurden hier angeboten[31]^). Es häuften sich auch unbefugte Hausdurchsuchen seitens der Militär. Darauf reagierte der Nationalausschuss mit Erlass einer Verordnung über schriftliche Aufträge. Der 28. Oktober 1918 brachte noch eine wesentliche Änderung. Die zwei wichtigsten Zentren der zwei Nationen, das Deutsches Haus und das tschechische „Besední dům“, tauschten ihre Rolle. 4. 5 Das Deutsche Haus und Besední dům Besední dům bedeutete vor dem Wendejahr 1918 eine Zuflucht für tschechische Brünner, hier konnten sich ähnlich denkende Vaterlandsliebende treffen. Seit der Eröffnung im Januar 1873 wurden hier zahlreiche Treffen der Künstler, Politiker und allgemeiner Gesellschaft veranstaltet. In diesem Zentrum des patriotischen Lebens wurde die tschechische Kultur gepflegt und in den aufgeregten Tagen des Oktobers 1918 spielte es noch wichtige Rolle. Aber nach der Wende änderte sich seine Position. Das Haus verlor seine ursprüngliche Bedeutung, denn die Tschechen hatten als Mehrheit in der Stadt ein politisches Zentrum in dem „tschechischen“ Rathaus. Das Besední dům diente als ein kulturelles Gebäude. Auf dem heutigen Mährischen Platz wurde am 17. Mai 1891 das Deutsche Haus^ eröffnet. Die Deutschen konnten ziemlich lange nicht genug Geld sammeln, erst 1882 wurde dank engagierter Unternehmer Wannieck ein Verein Deutsches Haus gegründet. Nach der Eröffnung wurde im Deutschen Haus ein Restaurant mit zwei Kegelbahnen betrieben, weiter ein Café und andere Räume, die den deutschen Vereinen und Parteien vermietet wurden. Es entstand ein Zentrum der deutschen Bürger in Brünn, wo sie ihre Vorträge, Bälle und Konzerte veranstalteten. Eine wichtige Rolle gewann das Deutsche Haus erst nach 1918. Deutsche fühlten sich gefährdet und brauchten ein Zentrum, wo das Deutschtum vereinigt und die deutsche Kultur weiter gepflegt wurde. Tschechen waren gegen Tätigkeiten im Deutschen Haus misstrauisch. Im Herbst 1920 drängten tschechische Demonstranten ins Gebäude ein, brachen eine Theatervorstellung ab und besetzten das Haus für die ganze Nacht[32]^). In den folgenden Jahren kam es wiederholt zu ähnlichen Inzidenten. Das Deutsche Haus wurde nach dem Zweiten Weltkrieg am 19. August 1945 abgebrochen. Die Stadtverwaltung war in den tschechischen Händen und es verschwanden die meisten Zeichen des alten Regimes. Die folgenden Jahre brachten auch solche Veränderungen, die eine zukünftige urbanistisch-architektonische Gestalt der Stadt bildeten. Die wichtigste davon war die Entstehung Groß-Brünns. 5. Die Entstehung des Groß-Brünns Anfang des 20. Jahrhunderts spielte die Architektur in Brünn eine wichtige Rolle, denn auch sie entging nicht den politischen Interessen. Die damaligen politischen Kräfte bemühten sich die tschechischen Einwohner zu isolieren und damit die Mehrheit des deutschen Elementes in der Altstadt zu erhalten. Ein so dringlicher Aufbau war dadurch immer wieder gebremst. Der Aufbau konzentrierte seine Aufmerksamkeit auf die ursprüngliche Innenstadt und nicht auf ihre in dieser Zeit schon einen vorstädtischen Charakter habenden Nachbargemeinden. Das Streben nach Erhaltung der Abtrennung dieser Teile hatte einen klaren Grund. Wenn es zur Verbindung der überwiegend deutschen Innenstadt und der, mit einer zahlenmäßigen Überlegenheit der Tschechen, Nachbargemeinden gekommen wäre, hätten die deutschen Einwohner ihre Überzahl verloren und dadurch auch die Herrschaft über die Stadt. Dieser Zustand ist in den folgenden Graphen (Graph 1, Graph 2) veranschaulicht[33]^). Nach der Enstehung der Tschechoslowakischen Republik veränderte sich rasch unter Zugrundelegung dieser Umstände die den Tschechen übel wollende Situation. Aufgrund des am 16. April 1919 folgenden Gesetzes wurden der Gemeinde Brünn eine Anzahl von Nachbargemeinden angeschlossen und so wurde Groß-Brünn geschaffen[34]^). Insgesamt handelte sich um 23 Gemeinden: Bohunice (Bohonitz), Černovice (Czernowitz), Horní Heršpice (Ober-Gerspitz), Dolní Heršpice (Unter-Gerspitz), Husovice (Husowitz), Brněnské Ivanovice (Nennowitz), Juliánov (Julienfeld), Jundrov (Jundorf), Kohoutovice (Kohoutowitz), Komárov (Kumrowitz), Komín (Komein), Královo Pole (Königsfeld), Lískovec (Leskau), Maloměřice (Malomierschütz), Medlánky, Obřany (Obržan), Přízřenice (Priesenitz), Řečkovice (Ržeczkowitz), Slatina, Tuřany (Turas), Žabovřesky, Židenice (Schimitz), Kamenný Mlýn (Steinmühle)[35]^). Die ursprüngliche Brünn-Gemeinde hatte 140.827 Einwohner, hievon waren 51.970 Deutsche und 83.781 Tschechen, während das neu gebildete Groß-Brünn zählte 221.739 Einwohner insgesamt. In dieser Zeit bildeten die Tschechen 70,9% und die Deutschen 26,5% der Bevölkerung,[36]^) der Rest waren die Juden und andere Nationen. Groß-Brünn wurde aus der deutschen Ansicht als eine die politischen Interessen durchsetzende Verbindung angesehen, indem die Tschechen diese Verbindung als eine notwendige und ganz praktische Lösung verstanden. In jedem Fall waren diese Umstände für die deutsche Seite unangenehmer. Die wachsenden Besorgnisse waren leicht verständlich und gerechtfertigt. Die Bildung Groß-Brünns bekräftigte eine Vormacht des tschechischen Elements. Die einzelnen Nachbargemeinden, konnten sich nicht, wie sie bisher gewöhnt waren, unabhängig fortentwickeln. Dies betraf besonders die überwiegend deutschen südlichen Teilen der Stadt, namhaft Priesenitz, Ober-Gerspitz, Nieder-Gerspitz, Czernowitz und Nennowitz, die eine deutsche Eigenart hatten und behalten wollten. Aber nach und nach kamen hierher immer mehrere Tschechen. 6. Deutsche und Tschechen in der Zeit der 1. Republik bis zum Jahre 1929 Heutzutage ist es schwer nachzuspüren, wie die Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen zum Beispiel im Alltagsleben wirklich waren. Meistens zeigen einige Fakten und Ereignisse, dass sie eher nebeneinander als miteinander lebten. Es wäre ein großer Fehler, diese Nationalproblematik der Zwischenkriegszeit in der Tschechoslowakei nur einseitig anzusehen. Wir müssen mehrere Faktoren in Betracht ziehen. Die Situation war in einzelnen Gebieten unterschiedlich. Es ist höchst wahrscheinlich, dass in Brünn keine so hoch gespannte Atmosphäre wie in den Grenzgebieten herrschte. Auch das Alter spielte seine Rolle. Die ältere Population in Brünn verstand sich als Brünnerbewohner, dagegen der jüngere Teil fühlte sich besonders als Deutsche. Und wie es zur Jugend schon gehörte, verhielten sich impulsiv und radikaler. Nicht zuletzt entstanden grobe Unterschiede in einzelnen Professionen, bestimmten Situationen oder im Kulturleben. In Brünn waren diese Unterschiede erkennbar. Zum Beispiel bei der Gelegenheit der Ausstellung der zeitgenössischen Kultur in der Tschechoslowakei im Jahre 1928 wurde die deutsche Bevölkerung zur Mitarbeit gewonnen, während auf dem Gebiet des Schulwesens und des Stadttheaters negative Gefühle überwogen. In der Wirschaft vermieden die Deutschen gemeinsame Organisation und gründeten den Deutschen Hauptverband der Industrie. Die neue tschechoslowakische Regierung musste sich mit politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten auseinandersetzen. In den ersten Jahren war ihre erstrangige Aufgabe die Stellung zu den deutschen Mitbürgern klarzustellen, denn die unbeantwortete sudetendeutsche Frage ermöglichte kein friedliches Zusammenleben. Auch in Brünn stiegen Unzufriedenheit und Befürchtungen der deutschen Einwohner an. In eine kritische und unsichere Lage gerieten das Schulwesen, vornehmlich deutsche Schulen und ihre Lehrer. Diese Probleme und damit gebundene Unruhe betrafen die Stadt am meisten. Deswegen werden sie in folgenden Unterkapiteln ausführlicher beschrieben. Das, was die Nationalverhältnisse beeinflusste und das Brünner Deutschtum bedrohte, war ein ständiger Anstieg der Einwohnerzahl, die sich zur tschechischen Sprache und Nation meldeten. Diese steigende Tendenz spiegelte sich bereits in den Volkszählungen von 1921 und 1930 wider. 6. 1 Volkszählungen von 1921 und 1930 Während der 1. Republik[37]^) fanden zwei Volkszählungen statt, die die deutschen Einwohner als „Minderheit“ in der Stadt bestätigten. Im Februar 1921 lebten in Groß-Brünn 221.758 Einwohner, hievon 81.182 in den Vororten. 156.000 Brünner meldeten sich zur tschechischen und 56.000 zur deutschen Nation. Im Dezember 1930 stieg die Anzahl der Einwohner auf 264.925. Während die Anzahl in der inneren Stadt nur um 5.411 Personen stieg, waren es in den Vororten schon 38.556 Einwohner. Einen höchsten Bevölkerungszuwachs wiesen die tschechischen Vororte (Židenice, Slatina, Řečkovice) auf, die deutschen Vororte (Priesenitz, Nieder-Gerspitz) stagnierten. Es ist wahrscheinlich, dass in die Stadt mehrere tschechische Arbeiter kamen, die sich in tschechischen Vororten ansiedelten. Immer mehr verminderte sich die deutsche Bevölkerungszahl. Nach der Volkszählung von 1930 lebten in Groß-Brünn etwa 200.000 Tschechen und 52.000 Deutsche. Der Anstieg der Bevölkerungszahl in den Vororten und der inneren Stadt zeigt der nachstehende Graph[38]^). Es änderte sich nicht nur die Nationalstruktur der Bevölkerung, sondern auch die Religionszugehörigkeit. Vor dem Jahre 1910 gehörten rund 93 Prozent Brünner zur römisch-katholischen Konfession. In den Jahren 1910-1930 sank die Anzahl der Katholiken etwa um 16 Prozent. Die Abnahme der katholischen Anhänger verursachte eine Gründung der Tschechoslowakischen Kirche. Die Tschechoslowakische Hussitische Kirche entstand durch Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche im Jahre 1920. Die katholische Kirche stellte für einige Leute das alte Regime dar und deshalb konvertierten sie oder wurden lieber konfessionslos. Diese Tendenz war stiegend, wie der folgende Graph illustriert[39]^). Die Berufsorientierung änderte sich auch. In der Landwirtschaft und Industrie sank die Arbeiterzahl, im Handel und Finanz stieg sie dagegen. Die Volkszählung wies noch eine interessante aber negative Feststellung. 1920 erreichten die Heiraten in Brünn ihren Höhepunkt, 4032 Paare wurden getraut. Weil manche Leute nach der schweren Kriegszeit auch etwas Schönes erleben wollten, heirateten sie schnell und unbedacht. Kurz danach zwei Jahre später wurden 597 Ehen geschieden. Dazu gehörten auch solche Ehen, die durch den Krieg zerrüttet waren. 6. 2 Die „Deutsche“ Frage Ein Militäreingriff gegen den deutschen Irredentismus im November 1918 brachte keine dauerhafte Lösung. In den Grenzgebieten versuchten die Vertreter des deutschen Nationalismus die Bevölkerung zu hetzen. Unglücklicherweise begann auch der tschechische Nationalismus anzusteigen. Es verlief eine “Beräumung“ der Grenzgebieten von deutschen Gedenkstätten. Gegenseitige Auseinandersetzungen kulminierten am 4. März 1919. Die sudetendeutschen Politiker förderten eine Teilnahme der deutschen Bevölkerung an Wahlen ins österreichische Parlament, was ihnen verboten wurde. Im Anschluss daran riefen sie einen generellen Streik aus. Diese Zwischenfälle hatten ein trauriges Ende mit den Toten auf beiden Seiten. Die Brünner Morgenpost widmete sich dem Zusammenstoß in Sternberg, aber die Situation in Brünn wurde nicht erwähnt. Wir können also nur vermuten, was in Brünn geschah. Ein Artikel berichtete: „Bei den heutigen čechenfeindlichen deutschen Aktionen drangen sich die Demonstranten in das Gebäude der Bezirkshauptmannschaft ein.“ Es wurde geschrieen: „Nieder mit den Čechen!“[40]^) Dieser Bericht scheint die gespannten Beziehungen objektiv zu schildern. Die gemeinsamen Beziehungen wurden durch mehrere Faktoren beeinflusst. Am Anfang der Existenz des Staates standen die deutschen politischen Parteien in Opposition. Sie nahmen an der tschechoslowakischen Regierung nicht teil, obwohl sie zur Mitarbeit wiederholt eingeladen wurden. Diese und auch eine tschechenfeindliche Stellung wurden von zwei deutschen Parteien propagiert: DNSAP und DNP. Im Februar 1920 rief bei der deutschen Bevölkerung die Genehmigung der Verfassung einen neuen Unwillen hervor. 6. 2. 1 DNSAP und DNP Die deutsche negativistische Stellung zum neuen tschechoslowakischen Staat unterstützten zwei deutsche Parteien. Die Deutsche Nationalsozialistische Arbeitspartei (DNSAP) entstand im November 1919 in Duchcov. DNSAP gehörte zu den extrem nationalen deutschen Parteien. Von Anfang an pflegte sie die Beziehungen mit den Nationalisten in Deutschland. Ihre Tätigkeit wurde durch ihre Volkssportvereine unterstützt. Die Deutsche Nationalpartei (DNP) wurde am 21. September 1919 in Olmütz gegründet. An der Spitze stand in den Jahren 1920-1925 Herr Lodgman von Auen. DNP verkündete „den Kampf mit allen Mitteln um die Selbstbestimmung“.[41]^) Die beiden Parteien riefen die irredentistischen Unruhen in den Grenzgebieten auf, wo sie auch ihre Beförderer hatten. Nicht alle Deutschen wollten eine Abtrennung und einen Umsturz des tschechoslowakischen Staates. Einige Gruppen versuchten das deutsche Element im Einklang mit der bestehenden Situation durchzusetzen. Darauf wies ein Artikel in der Verständigung vom 15. September 1923 hin. In dieser Zeitung wurde die ganze Titelseite den Gemeindewahlen gewidmet. „Keine Stimme der Nationalpartei!“[42]^) wurde hier geschrieben. Dieser Appell an alle deutsche Gemeindewähler sollte vor dem Gefahr des Nationalismus warnen. Die Zeitung interpretierte noch Lodgmans Meinung: „Hochverrat die erste Pflicht jedes Deutschen.“[43]^) 6. 2. 2 Der Vertrag von St. Germain und die Verfassung von 1920 Den Minderheitsschutz auf der internationalen Ebene stellte der Vertrag von Saint-Germain-en-Laye vom 10. September 1919 sicher. Die Tschechoslowakei verpflichtete sich unter anderen zur Sicherung der Freiheit der Minderheiten. Dieses Dokument beantwortete aber nicht alle Fragen und es blieben mehrere Unklarheiten. Weder tschechische noch deutsche Vertreter waren mit dem Vertrag einverstanden. Der Völkerbundrat[44]^) sollte sich mit eventuellen Beschwerden befassen. In den Jahren 1920-1926 wurden mehrere deutsche Petitionen an den Rat gesendet. Die deutschen Politiker beklagten sich über Unterdrückung von Minderheiten, das Schulwesen, die Bodenreform[45]^) und Nichtbefolgung des Vertrages von St. Germain. Die tschechische politische Repräsentation musste diese Beschwerden erklären und beachten. Am 29. Februar 1920 wurde die neue Verfassung der Tschechoslowakei angenommen. Die Verfassung garantierte Gleichheit der Staatsbürger, weiter das Recht, die Schulen auf eigene Kosten zu gründen. Alle Gewaltsamkeiten gegenüber anderen Nationalitäten wurden strafbar. In solchen Landsbezirken, wo es mehr als ein Fünftel der deutschen Einwohner gab, sollten diese Einwohner bei den Behörden in ihrer Muttersprache behandelt werden. Es betraf 90 Prozent aller Deutschen. Diese Gesetze waren aber ohne weitere Verhandlungen mit den Minderheiten festgelegt. Die Verfassung bestätigte den tschechoslowakischen Staat als ein Nationalstaat der Tschechen und Slowaken. Andere Völkergruppen galten als Minderheiten. Das betraf auch über 3 Millionen in der Tschechoslowakei lebende Deutschen. Wir können nur vermuten, wie sie sich wohl deprimiert gefühlt haben. 6. 2. 3 Vom Negativismus zum Aktivismus 1919-1929 Der Begriff Negativismus wurde von Lodgman von Auen eingeführt und bedeutete eine grundsätzliche Ablehnung einer aktiven Mitarbeit. Schon früher entstand die Bezeichnung Aktivismus, die die Absicht darstellte, durch Zusammenarbeit und Verantwortungsübernahme in der Regierung die Situation der Deutschen zu verbessern. In den ersten Jahren der 1. Republik überwog allgemein der deutsche Negativismus. Bei der Parlamentswahl im April 1920 bekamen die deutschen Parteien 72 der 281 Abgeordnetenmandate. Unter dem Lodgmans Einfluss lehnten die deutschen Parteien eine Teilnahme an der Regierung ab, was sich als eine unglückliche Lösung erwies. Die Vertreter wollten nicht mit der tschechischen Regierung mitarbeiten und sendeten weitere Petitionen an den Völkerbund in Genf. Die Bodenreform brachte neue Unannehmlichkeiten mit. Die Reform bedeutete eine Abnahme der landwirtschaftlich genutzten Fläche, die zum deutschen Landbesitz gehörte. Glücklicherweise begannen die rational eingestellten deutschen Parteien schrittweise die neue Situation zu verstehen. Der Negativismus brachte keine Erfolge. Wenn jemand wirklich etwas für das Deutschtum machen wollte, dann musste er an einer Bildung des neuen Staates aktiv mitarbeiten. Als erster erkannte der deutsche sozialdemokratische Politiker Josef Selinger die Existenz der Tschechoslowakei an. In der zweiten Hälfte der 20er Jahre überwog der deutsche Aktivismus ganz. 1926 enstand eine tschechoslowakisch-deutsche Koalition, als die deutschen Agrarier und Christlichdemokraten der Švehlas Regierung[46]^) beitraten. Zur Beruhigung der Verhältnisse half der Beitritt Deutschlands zum Völkerbund im Jahre 1926 und eine günstige ökonomische Situation nach. Die Popularität der Aktivisten stieg. In den Wahlen 1929[47]^) gewannen sie 75 Prozent aller deutschen Stimmen. 7. Die Situation des Brünner Schulwesens nach der Wende Das komplizierteste Problem stellte in der Zeit vor und auch nach 1918 das Schulwesen dar. Vor dem Zerfall der Monarchie musste das tschechische Schulwesen zahlreiche Hindernisse überwinden. Die damalige deutsche Stadtverwaltung unterstützte nicht die tschechischen Bemühungen. Auch manche Deutschen gaben später zu, dass diese Stadtvertreter einen Fehler begangen. Eine weitere Schwierigkeit war Mangel an Schülern. Die Eltern waren sich der Bedeutung der deutschen Sprache in der Vorkriegszeit bewusst. Sie schickten ihre Kinder lieber in eine deutsche Schule, obwohl sie keine Deutschen waren. Zu Beginn des Schuljahres 1918/1919 hatten die deutschen Schulen etwa 10.600 Schüler und die tschechischen nur 3.300. Diese Angaben umfassen nur die innere Stadt, ohne seine Vororten. Brünn besaß 33 öffentliche deutsche Volksschulen und 14 Bürgerschulen, während die Tschechen nur 10 Volksschulen und nur 2 noch privaten Bürgerschulen zur Verfügung hatten. Diese Umstände wendeten sich rasch. In dem Schuljahr 1919/1920 meldeten sich etwa 8000 Schüler in die tschechischen Schulen an. Nach dem Umsturz erlebte das deutsche Schulwesen in Brünn seine schweren Zeiten. Diesmal wären es die tschechischen Stadtvertreter, die zu den Deutschen nicht zu großzügig wären, meinten einige. Dagegen dachten die anderen, dass die Stadtverwaltung genug oder vielleicht zu großzügig wäre. Das grundsätzliche Problem der deutschen Schulen war ein zunehmender Verlust an Schüler. Vor allem ging es um tschechische Kinder, die früher diese Schulen bevorzugten. Und dazu wanderten noch viele deutsche Familien ab. Die Anzahl der Schüler sank auf 6.200. Deswegen mussten die Deutschen auf viele Schulen verzichten und diese der tschechischen Verwaltung übergeben. In dem Brünner Schulwesen herrschte eine gespannte, vielleicht fast feindliche Atmosphäre. Die deutschen Schulen kämpften um jeden Schüler. Einige derzeitige Karikaturen stellten diese komplizierte Situation dar. Ein bewaffneter Tscheche schleppte ein Kind aus der deutschen Schule nach[48]^). 7. 1 Weiterentwicklung des Brünner Schulwesens Der Verlust an deutschen Schülern setzte die ganze Vormünchner-Zeit fort. Die Verwaltungsbehörden gestatteten den Übertritt von Schulkindern auch während des Schuljahres, was den deutschen Schulen noch mehr schadete. Im Januar 1920 wurde in der Verwaltungskommision ein Antrag auf eine weitere Auflassung von deutschen Volksschulen gestellt. Zuerst handelte sich um 7 Volksschulen, aber Dr. Bulín[49]^) erweiterte diesen Antrag um 4 andere Volks- und 2 Bürgerschulen. Darauf reagierte der Zentralelternrat, der am 2. Februar alle politischen Vereine ins Deutsche Haus berief. Sie drohten mit Steuerverweigerung und mit einem Schulstreit, der auch am 4. März durchgeführt wurde. Der Protest wurde dem Ministerpräsident Tusar[50]^) und dem Unterrichtsminister Habrman vorgelegt. Zwar bekamen sie zuerst eine beruhigende Antwort, die im August 1922 getroffene Entscheidung war abschlägig. Und so wurde z.B. im Schwarzfeld eine Knaben- und Mädchenschule zu einer gemischten Volksschule zusammengelegt. Der Landesausschuss entschied das Brünner Schulwesen nach dem Gesetz zu organisieren. Dieser Erlass betraf nicht nur deutsche, sondern auch tschechische Klassen. Aus Ersparungs- und Gerechtigkeitsrücksichten sollten keine Klassen mit einer Schülerzahl unter 30 bestehen bleiben. Im Schuljahre 1925/1926 erreichte die Schülerzahl an den Volksschulen den tiefsten Stand. Die Anzahl der Schüler sank an den deutschen aber gleichfalls an den tschechischen Volksschulen um 40%. Diesen starken Rückgang verursachten die Geburtenausfälle infolge des Weltkrieges. Zu Beginn des Schuljahres 1925/1926 wurden nur 80 gegen 241 Klassen im Jahre 1918/1919 geöffnet. An den Bürgerschulen zeigten sich die Folge des Geburtenrückganges erst im Schuljahre 1929/1930. Die Entwicklung der Schüleranzahl an den Volks- und Bürgerschulen wurde in der nachstehenden Tabelle graphisch dargestellt.[51]^) Schuljahr Tschechische Schüler Deutche Schüler 1918/1919 3 300 10600 1919/1920 8 000 6 200 1922/1923 8 200 4 600 1925/1926 7 000 3 300 1928/1929 7 300 3 300 ^ Tab. 1: Die Entwicklung der Schüleranzahl in der inneren Stadt von 1918 bis 1929 Das deutsche Schulwesen wurde durch der Stadt finanziell unterstützt. Im Jahre 1926 bekamen deutsche Schulen mit 4.400 Schülern 3,1 Mio. Kronen, die tschechischen Schulen mit 16.300 Schülern 8,1 Mio. Kronen. Wie ihre Finanzsituation und die materiellen Bedingungen wirklich waren ist es schwer festzustellen. Es ist höchst wahrscheinlich, dass es zwischen den beiden Seiten Rivalität herrschte und sie beneideten sich gegenseitig. Gegen eine bessere materielle Ausstattung an den deutschen Schulen protestierten die tschechischen Eltern im Juni 1933. Der mährische Landesschulrat hatte seine deutsche Sektion. Diese stellte ihre Lehrer an Bürger- und Volksschulen an. Nach dem Umsturz verloren viele deutsche Lehrer ihren Platz, auf der anderen Seite entstanden plötzlich mehrere tschechische Schulen und diese wuchsen immer an. Besonders an den Mittelschulen gab es Mangel an Lehrer. Am 13. Mai 1922 erschien in Verständigung ein Artikel „Deutsche Lehrer an die tschechischen Mittelschulen?“[52]^) Der Artikel drückte sich freundlich aus und begrüßte solche Idee, die aber nicht erfüllt wurde. 7. 2 Das Schulwesen im Jahre 1928 Brünn galt als ein wichtiges Zentrum der Landesverwaltung und der Bildung. Im Jahre 1928 gab es in Brünn 57 tschechische Volksschulen, 23 Bürgerschulen und 29 deutsche Volks- und 13 Bürgerschulen. Daneben mehrere Gymnasien, 6 Realschulen (davon 2 deutsche), deutsche und tschechische Handelsakademie, technische Fachschulen, Textilschule, ein tschechisches Konservatorium und andere Fachschulen.[53]^) Diese Angaben umfassen Groß-Brünn mit seinen Vororten. Zu Beginn des Schuljahres 1928/1929 funktionierten 12 tschechische und 6 deutsche Hilfsschulen, was unverhältnismäßig war, denn die tschechischen Schulen umfassten 17.914 Schüler und die deutschen nur 4.255. Die tschechischen Vertreter beschwerten sich an diese Disproportion. Im Jahre 1928 gab es schon 6 Hochschulen in Brünn. Zuerst entstanden deutsche und tschechische technische Hochschule. Nach dem 28. Oktober 1918 wurde Veterinäre Hochschule[54]^) gegründet. Am 28. Januar 1919 wurde Masaryk Universität mit ihren vier Fakultäten (Jura, Medizin, Philosophie, Naturkunde) gebildet. Dazu wuchs Landwirtschaftshochschule[55]^) und Theologisches Studium zu. Ende der 20er Jahre schien die angespannte Lage im Schulwesen beruhigt zu sein. Die am Anfang bedrohlich wirkende Anspannung milderte sich, wenigstens die Unzufriedenheit war nicht mehr so offensichtlich. Auch ein Bericht eines Brünner Elternrates aus dem Jahr 1930[56]^) erwähnte, dass die deutschen Schulelternräte völlig apolitisch wären und irgendwelche Störungen aus dieser Seite unerwünscht wären. Ihre Stellung zu den Brünnern auch tschechischen Stadtvertretern war nicht negativ. Sie widmeten sich hauptsächlich ihrer vielseitigen Arbeit. 7. 3 Brünner Schulelternräte In den ersten Jahren nach dem Zerfall Österreich-Ungarns wurden überall verschiedene Ausschüsse und Räte gebildet. So geschah es den Industrieunternehmungen, Gemeinden, Parteien und sogar die Schüler traten zu Schülerräten zusammen. Diese Gruppen folgten bestimmten Ziele oder sollten drohendes Unheil verhüten. Aus Furcht vor der Auflösung der Schulen wurden die ersten Elternräte in Brünn gebildet. Ihre Aufgabe war es, diese Schulen nach Kräften zu unterstützen, um jedes Kind zu kämpfen und arme deutsche Kinder zu versorgen. Z.B. das Motto des Schwarzfelder Schulelternrates klang: „Alles für unsere Schule!“[57]^) Es handelte sich um freie Vereine, wo jeder Vater, jede Mutter durch eine Anmeldung ein Mitglied werden konnte. 1930 besaß Groß-Brünn 22 Schulelternräte für Volks- und Bürgerschulen. Sie schlossen sich sofort nach ihrer Gründung in 5 Bezirkselternräte von Brünn und diese durch Delegation von je 2 Mitgliedern zu einem Zentralelternrat zusammen. 1919 begrüßte der damalige Regierungskommissär Peter Ehrenfeld[58]^) diese neugegründete Institution als eine dringliche Notwendigkeit und sicherte eine langfristige Unterstützung zu. Schließlich wurde sie auch von dem Minister anerkannt. Alle politische oder sonstige Zersplitterung bewirkenden Bestrebungen waren unerwünscht und sollten von dem Rat ferngehalten werden. Eine äußerst wichtige Aufgabe war die Fürsorge für das Wohl der Kinder. Es fanden zahlreiche Fürsorgeaktionen statt, die das Geld, Kleidung, Wäsche und andere Sachen erwerben sollten. Für arme Kinder wurde auch ein Ferienheim errichtet, dazu noch Spielplätze und Turnbetriebe. Die Schulelternräte versorgten auch Einführung neuer Lehrbücher und andere materielle Ausstattung der Schulen. Sie leisteten also eine humanitäre und gemeinnützige Arbeit. 8. Das Kulturleben der Stadt Die Gesellschaft überstand in der Nachkriegszeit „eine Krise“, die die großen Änderungen hervorrief. Auch wenn es eine Spannung immer herrschte, das Alltagsleben normalisierte sich langsam wieder. Es gab immer Probleme in unterschiedlichsten Gebieten, aber das Leben ging weiter. Die Leute wollten weiter ins Theater gehen, Zeitschriften und Zeitungen lesen, sich weiter ausbilden und sich mit anderen Menschen treffen. Deswegen gründeten sie neue Vereine, um sich so organisieren und sich gegenseitig unterstützen zu können. Für das Kulturleben der Stadt waren diese Vereine lebenswichtig, denn sie unterstützten die Kunst oder selbst die Künstler bildeten ein eigenes Verein. Meistens trafen sich nur Deutsche mit Deutschen oder Tschechen mit Tschechen und pflegten ihre Kultur getrennt. Wir können aber ein paar Ausnahmen finden, wo sich Deutsche mit Tschechen trafen und sogar zusammenwirkten. Hier muss man die Ausstellung der zeitgenössischen Kultur, einzelne Vereine, einige Zeitungen und Zeitschriften und das Brünner Stadttheater erwähnen. Hier können wir die Spuren der Zusammenarbeit finden. 8. 1 Die Ausstellung der zeitgenössischen Kultur in ČSR im Jahre 1928 Am 17. Februar 1927 trafen Vertreter der Hochschulen, Kulturgesellschaften und Vereine zusammen. An dieser Versammlung beteiligten sich 72 tschechische, deutsche und slowakische Vertreter. Ein Aktionsausschuss hatte 8 Mitglieder, hiervon 2 Deutsche. Sie warben fast 800 Aussteller an und gewannen mehr als 3 Mio. Kronen. Die Ausstellung hatte vier Hauptteilen[59]^): A. Der Mensch und belebte Natur B. Der Mensch und unbelebte Natur C. Recht und Staat D. Das geistige Leben des Menschen Die Ausstellung widmete sich unter anderem dem Schulwesen, der Kunst, der Selbstverwaltung von Brünn und Prag. Es wurden mehrere Pavillonen gebaut, z. B. nur der Pavillon der Stadt Brünn kostete 750.000 Kronen. Die Exposition des nationalen Schulwesens stellte das tschechische, deutsche, polnische und ungarische Schulwesen vor. Im Zentrum der neuen deutschen Unterrichtsanlagen stand die Selbsttätigkeit und J. J. Pestalozzi.[60]^) Natürlich hatten nicht alle Deutschen Lust auf irgendwelche Kooperation mit Tschechen und dieser Zustand galt sicher auch umgekehrt. Zum Glück vergaßen sie manchmal in einigen Kreisen die Unterschiede und versuchten eine gemeinsame Sprache zu finden, sowie bei der Gelegenheit der Ausstellung. Im Aktionausschuss gab es 2 Deutsche, das deutsche Schulwesen wurde im Pavillon des nationalen Schulwesens präsentiert. Im Pavillon des Bauwesens stellte die Ständige Delegation der deutschen Baumeister in der ČSR[61]^) aus. Diese Delegation wurde 1922 gegründet und zusammen mit Brünner Baumeistergemeinde umfasste sie ca. 1035 Mitglieder. Die deutsche Technische Hochschule in Brünn stellte im mehreren Bereichen aus. Und zwar Geodäsie, Bergbau, Elektrotechnik und Kommunikation (Telegraf, Telefon, Radio). Daran nahm auch die deutsche Technische Hochschule in Prag teil. Ein wichtiger Teil der Ausstellung bildete die Kunstindustrie. Das Motto lautete: „angewandte Kunst im Wohnen, Kultur und Leben des modernen Menschen“.[62]^) Das Wohnen sollte zweckentsprechend sein und die Schönheit sollte von ihrer Funktion ausgehen. In der Kunstindustrie stellte sich auch der deutsche Werkbund vor. Er beschäftigte sich mit dem Problem, dass die industrielle Produktion die Handwerksarbeit übertraf. Ein moderner Wohnstil setzte einfache Linien durch. Diese Tendenz gab den Handwerkern keine Arbeitsgelegenheit. Der deutsche Werkbund wurde in der Tschechoslowakei im Jahre 1926 gegründet. Er unterstützte eine Verflechtung zwischen der Industrieproduktion, der Kunst und der Handwerksarbeit. Sein Arbeitsinhalt enthielt Vorlesungen, Zeitschriften, Ausstellungen, eine Aufnahme von Kontakten zwischen Vertretern der Industrie und der Handwerksarbeit. Der Werkbund teilte mit: „Zum tschechischen Werkbund (Svazu) stehen wir in einem freundlichen Verhältnis in den kulturellen über Politik stehenden Bemühungen.“[63]^) Die deutsche Teilnahme an der Ausstellung im Mai-September 1928 beweist die Existenz einzelner gemeinsamen Veranstaltungen. Dies deutet auf Bestehen beiderseitigen Versuchen und Bemühungen hin, die Barrieren brechen zu wollen. Diese Problematik war aber zu kompliziert und schmerzhaft. 8. 2 Vereine Eine große Menge von verschiedensten Vereinen gab es in Brünn eine lange Zeit vor dem Jahre 1918. Nach der Erklärung des neuen Tschechoslowakischen Staates setzte ihre Tätigkeit fort. Es wurden noch viele neue Vereine gegründet und alle organisierten zahlreiche Veranstaltungen. In derzeitigen Literatur, Zeitschriften und Zeitungen erschien eine ganze Reihe von Berichten, die mit diesen Veranstaltungen aller Art zusammenhingen. Aus der Zeit der 1. Republik gab es aber keine einen Gesamtüberblick von allen Brünner Vereinen anbietende Publikation. Das reiche Brünner Vereinswesen bestätigte ihre Anzahl im Jahre 1938, damals wurde 1818 Vereine registriert. Im Jahre 1948 sank ihre Anzahl auf 1000. In Brünn wirkten tschechische und deutsche Vereine nebeneinander. Vielleicht trafen sich ihre Vertreter zusammen und kooperierten miteinander, aber sie vereinigten sich nicht und beide Gruppen hatten eigene Vereine in unterschiedlichsten Bereichen. So entstand eine reiche Skala von Bildungs- über Turn-, Kunst-, Leser- bis zu politischen und Hilfsvereinen. Die Vereine waren national profiliert, die tschechischen widmeten sich der tschechischen Kunst, Schule, Kinder usw., sowie sich die deutschen Vereine der deutschen Problematik widmeten. Sie erfüllten mehrere Funktionen, neben Bildungs- und Erziehungsfunktion war es Unterhaltungsfunktion oder charitative Tätigkeit. Zu den tschechischen Vereinen gehörten[64]^): ü Husovický Svatoboj – wurde 1871 gegründet. Er kämpfte gegen Unterentwicklung und Unbewusstheit der nationalen Identität an. Er wurde dank seinem Laientheater berühmt. Sogar einige profesionelle Bühnenschaffende beschwerten sich darüber, dass dieses ihre Zuschauer abwarb. Seine Tätigkeit wurde erst 1952 beendet. ü Vesna – war vor allem ein wichtiger Bildungsverein, der die tschechischen Schulen unterstützte. 1870 entstand ein Mädchengesangverein mit einer Singschule für Mädchen. In den Jahren 1918-1919 verwaltete Vesna schon 13 Schulen. Ein Mädchenlyzeum und eine Anstalt zur Heranbildung der Lehrerinen an den Mädchenschulen. Die ursprüngliche Idee war es, den Frauen eine Bildung zu ermöglichen. ü Brněnský Devětsil – war ein avantgardistischer Kunstverein, der fortschrittliche Künstler und Jurnalisten verband. Er setzte eine neue Literatur durch, die sich an den Alltagsmenschen orientierte. 1924 begannen sie ein Revue Pásmo^x) herauszugeben. ü Aleš – ein Klub der bildenden Künstler entstand im Juni 1919. Aleš beteiligte sich an der Ausstellungstätigkeit in Brünn. ü Koliba – war eine besondere Gruppe der Künstler. Diese Kunstgemeinde bekannte sich zum christlichen Sozialismus und verband Politik mit Religion. ü Filharmonický spolek Beseda brněnská – Bereits im Jahre 1860 organisierten sich Brünner Musikanten in diesem Verein. 1882 gründeten seine Mitglieder eine Musikschule. Der berühmteste Vertreter und Vorsitzende war Leoš Janáček^x). Als Lehrer und Chorleiter unterstützte er die nationale Bewegung. Unter seiner Leitung wurden viele Konzerte für die breite Öffentlichkeit veranstaltet. ü Národní jednota pro JZ Moravu[65]^) – „Volksverein für Südwest-Mähren“ war relativ gegen Deutsche gerichtet. Er wurde schon lange vor dem Umsturz gebildet und unterstützte die ganze Zeit nationale Bewegung. Sie widmeten sich: à der organisatorischen Tätigkeit – Sie gründeten Musik-, Gesang-, Bildungs-, Touristen- und Theaterkreis. à der Bildungstätigkeit – Sie veranstalteten unterschiedliche Vorlesungen und gründeten öffentliche Bibliotheken. à der charitativen Tätigkeit – Der Verein gewährte finanzielle Unterstützung und half Arbeitslosen Arbeit zu finden. Besední dům hatte in der Zeit Österreich-Ungarns zahlreiche Vereine beschirmt. Nach 1918 verlor es schrittweise seine ursprüngliche Bedeutung als Zentrum der tschechischen Nationalbewegung, denn die Hoffnungen der Tschechen auf einen eigenen Staat gingen zur Erfüllung. Dagegen gewann das Deutsche Haus grade nach dem Umsturz an seiner Bedeutung. Die Deutschen, die plötzlich zur Minderheit wurden, fanden hier Hilfe und Geistesverwandte. Sie konnten hier auf Deutsch sprechen, eine deutsche Theatervorstellung anschauen oder Ansprachen und Vorlesungen über deutsche Kultur anhören. Hier wurde das Deutschtum weiter gepflegt. Alle wichtigen Parteien und Vereine siedelten im Deutschen Haus. Neben der Deutsch-demokratische Freiheitspartei und der Deutschen Nationalpartei war es auch der Deutsche Nationalrat, der alle deutschen Parteien vereinigte. Die wichtigsten Vereine waren hier: ü Bund der Deutschen – unterstützte deutsche Juristen und Ärzte in den Regionen, wo Deutsche in Minderheit waren. Weiter half er den deutschen Eltern, die nicht genug Geld hatten, um ihre Kinder in eine deutsche Schule schicken zu können. Es betraf solche Gebieten, wo es nur tschechische Schule gab und die Eltern ihre Kinder in eine deutsche Schule in einem anderen Stadtteil schicken mussten. Der Verein versuchte auch manche tschechische Eltern davon zu überzeugen, dass sie ihre Kinder in eine deutsche Schule anmelden. Denn bei manchen deutschen Schulen drohte ihre Auflösung wegen Mangel an Schülern. ü Deutscher Club, Deutsche Gesellschaft für Wissenschaft und Kunst oder Mährischer Gewerbeverein – der letztgenannte widmete sich Chemie und Volkswirtschaft. ü Verein Deutsches Haus – Dieser Verein war Verwalter des Deutschen Hauses und vermietete Räume an andere Vereine weiter. Er veranstaltete Vorlesungen, Konzerte und Feste. Seine Mitglieder stammten überwiegend aus höheren gesellschaftlichen Schichten, darunter waren Direktoren, Verwaltungsbeamte, Politiker, Juristen, Lehrer oder Großunternehmer. Anfang des Jahres 1919 hatte er 1600 Mitglieder. Die deutschen Vereine, die es auch außerhalb des Deutschen Hauses gab, können wir nach der Einstellung ihrer Tätigkeit in mehrere Gruppen teilen[66]^): I. Volksbildungsvereine – veranstalteten öffentliche Vorlesungen und Kurse. Sie betrieben auch mehrere Volksbüchereien. ü Deutschmährischer Volksbildungsverein – Er organisierte Sonntags- und Schülervorträge[67]^). Sie betrieben eine Volkslesehalle. ü Verein für die Geschichte Mährens und Schlesiens ü Deutschmährische Heimat ü Deutsche Gesellschaft für Wissenschaft und Kunst ü Naturforschender Verein ü Klub für Naturkunde ü Frauenerwerbsverein – veranstaltete Pflichtlehrgänge. ü Brünner Sprachverein II. Theater- und Kunstvereine – organisierten Vorstellungen, Konzerte oder Kunst-Ausstellungen. Natürlich unterstützten sie auch finanziell eine Entwicklung der deutschen Kunst. ü Deutscher Theaterbauverein – sollte die Erbauung eines eigenen deutschen Theatergebäudes organisieren. ü Verein zur Förderung deutscher Theater- und Musikpflege ü Mährischer Kunstverein – wurde aus der Initiative des ehemaligen Bürgermeisters d’Elverta 1882 gegründet. Von Anfang an bemühte sich der Verein ein Künstlerhaus zu bauen. Es gelang endlich im März 1911. Das Künstlerhaus verdient eine besondere Aufmerksamkeit, weil hier viele Ausstellungen stattfanden, an denen nicht nur deutsche sondern auch tschechische und jüdische Künstler teilnahmen. ü Brünner Schubertbund, Brünner Männergesangverein, Markomannen, Werkmeistersängerbund, Deutscher Volksgesangverein, Liederfreunde oder Altbrünner Männergesangverein – waren deutsche Brünner Gesangvereine. Ein Artikel in der Verständigung berichtete von einer schwierigen Finanzsittuation des Stadtorchesters und rief alle Gesangvereine auf, damit sie zur Erhaltung des Orchesters beitrugen, weil es sich um eine Schicksalsfrage der Brünner deutschen Kunst handelte. ü Die Vereinigung deutscher bildenden Künstler Mährens und Schlesiens – „Scholle“ ü Werkbund – wurde 1926 gegründet. Er unterstützte Entwicklung des kulturellen Lebens der Stadt, z.B. im Bereich der Ausstattung des Hauses. III. Schutzvereine – schützten, organisierten und unterstützten die deutsche Bevölkerung und pflegten ihre Kultur. ü Kulturverbandsortsgruppen – 6mal in Brünn ü Bezirkskommission für Kinderschutz- und Jugendfürsorge mit Mutterberatungsstelle ü Deutsche Turnvereine IV. Sportvereine ü Fußball, Tennis, Schach, Jägere, Wanderer, Radfahrer, Autofahrer, Reiter, Eislauf usw. – alle diesen Sportarten hatten eigene Vereine. ü Brünner Ruderklub BRUNA – wurde 1880 in Steinmühle gegründet. Der regelmäßige Teilnehmer an der „Brünner Stadtregatta“, die 1912 zum ersten Mal und 1944 zum letzten Mal stattfand. ü Verein deutschen Touristen in Brünn – gab „Führer durch Gross-Brünn und Umgebung“[68]^) heraus. V. Humanitäre Vereine – gewährten den Menschen unentgeltliche Hilfe. ü Freiwillige Feuerwehr ü Rettungsgesellschaft VI. Daneben gab es unterschiedliche Berufsvereine, politische Organisationen, Geselligkeitsvereine usw. ü Bürgerschullehrebund des Deutschen in Mähren ü Deutschmährischer Volksverein – Der in 1906 gegründete Verein organisierte die Freunde der Verständigung. Dieses fortschrittene deutsche Wochenblatt konzentrierte sich auf die Nationalproblematik und versuchte Kompromisse zu finden. ü Deutsch-Mährischer Jagdschutz- und Hundezuchtverein in Brünn Die meisten Vereine widmeten sich ihrer Tätigkeit und nicht der Politik oder der Nationalproblematik. Mindestens präsentierten sie es nicht in der Öffentlichkeit. Eine positive Tätigkeit in diesem Bereich leistete Mährischer Kunstverein, der eine Schirmherrschaft auch über tschechische und jüdische Künstler übernahm. Národní jednota pro JZ Moravu (Volksverein für Südwest-Mähren) schien mehr an Nationalpolitik interessiert zu sein. Im März 1923 veranstaltete dieser Verein 33 Manifestationen[69]^). Auch in Brünn fand eine statt. Die Vertreter betonten in ihren Ansprachen, dass Tätigkeit der staatfeindlichen Organisationen gründlich unterdrückt sein sollte. Weiter beanspruchten sie eine Regelung der Verhältnisse der Minderheiten und eine Abschaffung aller „Vergünstigungen, die über die Pflicht hinaus wären“. Jeweilige Beamte sollten neue qualifizierte tschechische Beamte ersetzen. Der Verein unterstützte vor allem Tschechen, die in gemischten Gebieten lebten. 8. 3 Brünner Zeitungen und Zeitschriften In der Zwischenkriegszeit wies der Brünner Journalismus eine erhöhte Aktivität auf. Es ist überraschend, wie viele Zeitungen und Zeitschriften aller Art erschienen. Ihre Anzahl war wahrscheinlich aus dem Grund so hoch, dass sowohl Tschechen als auch Deutsche ihre eigene hatten. Es ist zu vermuten, dass manche Zeitungen Leser aus beiden Völkern gewannen. Zu den tschechischen Zeitungen und Zeitschriften gehörten: ü Lidové noviny[70]^) - Die erste Ausgabe erschien am 16. Dezember 1893. Der Gründer war Adolf Stránský, der später die Zeitung besaß. Ihr Prestige wuchs und damit auch Stránskýs Einfluss. 1918 nahm er aktiv am Umsturz teil und später wurde er Geschäftsminister. . Bis 1905 erschien die Zeitung erst am Nachmittag und deswegen waren ihre Nachrichten nicht so aktuell. Eine neue Leitung bedeutete Schritt nach vorne. Seit 1907 hatte die Zeitung ihren eigenen Wiener Parlamentsberichterstatter. Der größte Aufschwung kam in der Zwischenkriegszeit. In dieser Zeit publizierten berühmte tschechische Persönlichkeiten. Zum Beispiel die Schriftsteller Karel Čapek und sein Bruder Josef Čapek, Eduard Bass, Karel Poláček und der erste tschechoslowakische Präsident T.G.Masaryk. Die Zeitung beteiligte sich an Entwicklung des literarischen Schaffens, sie arbeitete mit der jungen Schriftstellergeneration mit. Neben Berichterstattung beinhalteten sie Belehrungs- und Feuilletonseiten. . Später begann ihre beletristische Beilage „Večery lidových novin“ jeden Samstag zu erscheinen. Diese wurde aus einer besseren Papiersorte hergestellt und es ermöglichte hier Fotos zu drucken, was in üblichen Zeitungen nicht möglich war. ü Rovnost „Gleichheit“ - Zum ersten Mal erschien 1885 und seit 1905 wurde sie täglich herausgegeben. ü Moravská orlice „Mährischer Adler“ – wurde 1863 gegründet. ü Naše omladina – war eine unabhängige Zeitschrift, die sich mit Bürger-, Wirtschafts- und Sozialerziehung beschäftigte. Sie erschien seit 1912. ü Mladý svět „Junge Welt“ – erschien in den Jahren 1920-1925. Diese Zeitschrift wurde von Lehrerverein in Brünn herausgegeben. ü Čas (Czas) „Zeit“[71]^) – war ein fortschrittliches, unabhängiges Tagblatt, das sich durch eine scharfe Kritik auszeichnete. Seine Finanzprobleme führten zur Fusion mit anderen Tagblättern. Seit 1932 erschien mit dem Untertitel: das Tagblatt, das sich allen öffentlichen Fragen, den Interessen den Angestellten und allen berufstätigen Schichten widmet. Eine große Menge der deutschen Zeitungen ist vor dem Umsturz herausgegeben worden und erschien weiter nach 1918. Ausführlicher werden hier nur zwei davon analysiert: Brünner Zeitung und Verständigung. Seit 1848 erschien Brünner Zeitung als deutsche Hauptzeitung in Mähren. Früher erschien sie unter dem Titel Mährisch-ständische Brünner Zeitung (seit 1811) und später Brünner politische Zeitung. Ihr ursprünglicher Herausgeber war Mährischer Landtag. Zuerst erschien Brünner Morgenpost als Beilage zur Brünner Zeitung, aber 1921 kam es zur Titeländerung in Brünner Morgenpost. Es handelte sich um eine politische Zeitung, die die Nachrichten über politische Ereignisse und Weltgeschehen brachte. Die Nachrichten versuchten alle Einzelheiten der Ereignisse zusammen zu fassen. Die meisten Berichte über den neuen tschechoslowakischen Staat waren rein informativ. Ihr Stil änderte sich nach dem Umsturz nicht, nur die Nachrichten, im „Amtlicher Teil“ und in der Rubrik „Inland“ orientierten sich nicht mehr an Wien, sondern an Prag. In den Ausgaben von 1917-1920 beinhaltete die Zeitung folgende Rubriken[72]^): à Amtlicher Teil – beschäftigte sich mit den praktischen Informationen über Zuweisungen von Lebensmitteln usw. à Nichtamtlicher Teil - Nach dem 28. Oktober 1918 war sein Arbeitsinhalt von dem staatlichen Neuaufbau zu berichten[73]^). à Inland – vor dem Umsturz beinhaltete die Rubrik die Nachrichten (z.B. Befehlsschreiben) aus Wien. Danach aus Prag. à Brünner und Provinzial Nachrichten – über das Geschehen in der Stadt. Hier wurde über Todesfällen der Brünner Persönlichkeiten, Ausschreitungen oder praktischen Anweisungen informiert. Sie vermittelte der Öffentlichkeit Informationen von der Brünner Verwaltungskommision. à Kunst, Wissenschaft und Literatur – verfolgte das aktuelle kulturelle Geschehen. Besonders betraf es Brünner Stadttheater. à Telegramme der „Brünner Zeitung“ – brachte aktuelle Informationen aus Ausland. à Anzeigenabteilung – beinhaltete Werbung[74]^) und unmittelbar nach dem Umsturz mehrere Anzeigen, die die Häuser und Gasthöfe der deutschen Besitzer zum Verkauf anbaten. à Amtsblatt zur Brünner Zeitung – hatte einen deutschen und ins Tschechische übersetzten Teil. Die Rubrik umfasste Firma-Protokollierungen, Erledigungen und Erinnerungen. à Nach dem 31. Oktober 1918 erschien eine Rubrik Von Deutschösterreich – Diese informierte über Verhandlungen der deutschösterreichischen Nationalversammlung, die in Wien tagte, weiter über Niederösterreichische Landesversammlung, die über einen Anschluss südmährischen deutschen Gemeinden verhandelte.[75]^) Einen interessanten Standpunkt zu der Nationalproblematik vertrat das deutsche politische Wochenblatt Verständigung, das in den Jahren 1922-1924 in Brünn und von 1925 bis 1932 mit dem Untertitel Unabhängiges Wochenblatt erschien. In seiner Programmerklärung äußerte es seine versöhnliche Stellung zur deutsch-tschechischen Problematik. Dieses Blatt vertrat die Linie, eine volle deutsche Gerechtigkeit zu fordern, aber drückte sich gegen die Kämpfer für die „Selbstbestimmung“ und gegen Abtrennung aus. Die Verständigung bot interessante Artikel an, ihrer Stil kennzeichnete sich durch scharfe Kritik. Die Journalisten äußerten nicht nur ihre Meinungen, sondern sie bemühten sich darum, eine Lösung zu finden. Sie stellten sich gegen die deutschen Nationalsozialisten. Im Artikel „Zur Putschaktion der reichsdeutschen und sudetendeutschen Kampfpolitiker“[76]^) warnte sein Autor Karl Flandern die Sudetendeutsche vor dem Gefahr des Faschismus. Er kommentierte diese Kampfpolitik: „Die Träger der Kampfpolitik, die Deutschnationalen, sind am besten Wege, die Totengräber des sudetendeutschen Volkes zu werden.“ In einem anderen Artikel „Nichts lernen und nichts vergessen“[77]^) kritisierte man treffend die politische Kurzsichtigkeit. Der Autor reagierte auf eine Entscheidung des Grazer Stadtrats. Dieser verhinderte einem Verein, der hier lebenden tschechischen Minderheit, eine tschechische Vorstellung im Grazer Stadttheater aufzuführen. Es wurde darauf hingewiesen, dass eine solche Entscheidung den Deutschen in der Tschechoslowakei schadete, denn dort waren sie in der Position der Minderheit. Der Autor erinnerte an die jüngste Vergangenheit: „Kurzsichtiger deutscher Chauvinismus verhinderte die Tschechen, ihr eigenes Theater sich zu bauen…“ „…früher deutsch geführten Stadttheater, heute die Deutschen auf zwei Spieltage beschränkt und schließlich auch diese (2Tage) zu entziehen.“ In diesem Blatt wurden auch mehrere Übersetzungen der tschechischen Artikel abgedruckt oder diese nur kommentiert. Es hieß Tschechische Zeitungsstimme für nationale Verständigung.[78]^) Man erwähnte das tschechische Blatt Czas, das die Politik der tschechischen extremen Nationalisten einer starken Kritik unterzog. Eine andere Übersetzung diesmal aus der „Československá republika“[79]^) widmete sich der tschechisch-deutschen Problematik, die sich nach 5 Jahren immer in einem falschen Kreis befand. Die Verständigung war vielleicht nur ein Tropfen im Meer, aber zeigte deutlich eine positive Haltung zu den deutsch-tschechischen Beziehungen. Sehr oft warnten sie vor den Nationalsozialisten, die die Sudetendeutschen in einen Bürgerkrieg hetzen wollten. Anderseits deuteten sie auf den tschechischen Extremismus und forderten eine Gleichberechtigung der Deutschen. Sie interessierten sich auch für tschechische Meinungen. In Brünn erschien eine große Anzahl an Zeitungen und Zeitschriften. Hier können nur einige erwähnt werden. Die weiteren deutschen Zeitungen: ü Tagesbote aus Mähren und Schlesien (seit 1867) ü Brünner Montagsblatt (1918-1929) ü Deutsche Landzeitung (1919) ü Tagespost für Mähren (1919) ü Brünner Morgenpost (1871, seit Januar 1927 unter dem Titel Morgenpost: deutsches unparteiisches Tagblatt) Ein Angebot an Brünner Zeitschriften war sehr groß. Sie widmeten sich einzelnen Professionen, Hobbys, unterschiedlichen Lebensbereichen und Kultur. Auch Frauen oder Jugend hatten ihre eigenen. Ein kurzer Überblick der deutschen Zeitschriften[80]^): ü Die Wohnung der Neuzeit – illustrierte Monatshefte für Wohnungskunst, Hausbau und verwandte Gebiete. ü Tik-Tak – war eine Zeitschrift für Uhrmacher. Es erschien eine deutsche und eine tschechische Version. ü Der Maßchneider ü Der Rätsel Spiegel ü Die illustrierte Welt ü Die Sportwoche ü Blätter für Obst-, Wein-, Gartenbau und Kleintierzucht (1918-1924) ü Blätter der vereinigten deutschen Theater in Brünn ü Zeitschrift des deutschen Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens Im Januar 1924 begann eine illustrierte Revue Elite, mit dem Untertitel Gesellschaft, Theater, Film, Mode, Sport zu erscheinen. Diese Revue wollte einen Spiegel der Zeit, Stadt Brünn, Landes und Weltbildes werden. Obwohl sie auf Deutsch geschrieben wurde, widmete sich auch der tschechischen Kultur. Es scheint so, dass die Revue den deutschen als auch tschechischen Lesern bestimmt worden war. Sie bot unter anderem kurze Reiseberichte aus aller Welt an, die mit Fotos ergänzt wurden. Für Frauen gab es Reportagen aus einem Modesalon, wo man neue Modetrends bewundern konnte. Weiter wurden hier Mitglieder des vereinigten deutschen Theaters in Brünn vorgestellt. Auch Wiener Kulturleben und Artikel über berühmte deutsche Künstler fehlten nicht. Anderseits eine Titelseite vom März 1924[81]^) widmete sich der Hundertjahrfeier von Friedrich (Bedřich) Smetana. Ein anderer Artikel beschrieb J.S. Machar als Temperamentvollsten aller jungen tschechischen Dichter. Die Elite scheint eine vielseitige Zeitschrift gewesen zu sein, die sich mit der Politik nicht beeinflussen ließ. Sie stellt die Gesellschaft als eine Gesamtheit dar und macht keine Unterschiede zwischen Deutschen und Tschechen. 8. 4 Problematik des deutschen und tschechischen Theaters (von der Wende bis zum Ende der 20er Jahre) Die Frage des Brünner Stadttheaters erschütterte immer wieder die deutsch-tschechischen Beziehungen. Vor dem Jahre 1918 und auch danach war dieses Thema für die Brünner eine empfindliche Stelle. Die politischen Verhältnisse waren nicht immer für eine oder andere Seite günstig. Trotzdem entwickelte sich die Theaterkunst erfolgreich. Vor dem Ersten Weltkrieg und auch während des Krieges nahm das deutschsprachige Theater eine führende Rolle ein. Auf Malinovský-Platz befindet sich eine Sehenswürdigkeit, die an diese Zeiten erinnert. Heutzutage ist unter dem Namen Mahen-Theater[82]^) bekannt. Das Gebäude wurde ursprünglich für die deutschen Einwohner der Stadt gebaut. Am 18. Juli 1881 wurde auf der Stelle der ehemaligen Stadtbefestigung mit einen Bau begonnen. Das Theatergebäude wurde im Neorenaissancestil erbaut und es war das erste Theater in Europa mit elektrischer Beleuchtung. Selbst T.A. Edison besuchte 1911 Brünn. Eine urspüngliche Elektrobirne von Edison ist in einer Vitrine im Vestibül ausgestellt. Von der elektrischen Beleuchtung wurde damals in Zeitungen in ganz Europa geschrieben. Die Eröffnungszeremonie fand am 14. November 1882 statt, ein gesamtes Fassungsvermögen war von etwa 1300 Personen. Die Eröffnungsfeier begann mit Beethovens Vorspiel „Die Weihe des Hauses“, weiter folgte ein von Dr. Franckl (Direktor 1868-1875) gedichtetes Festspiel „Bei Frau Bruna“ und daran die Aufführung von Goethes „Egmont“. Dagegen erinnerte die tschechische Theaterkunst ungern an die Vorkriegszeiten zurück. Die damalig regierenden Kreise wünschten dem selbstständigen tschechischen Theater nicht. Es war unerwünscht, die Emanzipation des Volkes jenigermaße zu unterstützen. Trotzdem wurde das beharrliche Streben der Künstler und nationalbewusster Brünner nach einem neuen Theater nicht aufgegeben, folglich wurde eine Spendenaktion organisiert, die den Ankauf des Gebäudes auf der Veveřístraße ermöglichte. Am 6. Dezember 1884 ist zum ersten Mal der Vorhang im Interimstheater aufgegangen worden. Das Theater musste aber weiter mit seinen Existenzproblemen kämpfen. Vor und besonders während des ersten Weltkrieges dauerte seine ungünstige finanzielle Situation an. Seit der Eröffnung war sein Repertoire bunt gemischt, immerhin überwogen tschechische Autoren. Einen großen Widerhall beim Publikum fand die am 19. August 1917 aufgeführte „Fidlovačka“[83]^) von Josef Kajetán Tyl. Die stehenden Zuschauer begannen das Lied „Kde domov můj“ zu singen. Im Oktober 1918 trat eine entscheidende Wende in der Geschichte des Stadttheaters ein. Die Verhandlungen zwischen Deutschen und Tschechen über die Zukunft des Theaters begannen schon im Dezember desselben Jahres. Eine neu ernannte Kommission beschloss, das Brünner Stadttheater vom Spieljahr 1919/1920 an für 3 Jahre dem tschechischen Theaterverein zu übergeben. In diesen 3 Jahren sollte ein Bau eines neuen tschechischen Theaters beendet gewesen zu sein. Der deutsche Theaterverein konnte hier nur Vormittagsvorstellungen veranstalten. Gegen diese Entscheidung legte er bei der Kommission eine Beschwerde ein. Die Verhandlungen setzten wieder fort, um die nächste Schritte zu diskutieren. Das Ergebnis blieb unbefriedigend, den Deutschen wurden Montage und Dienstage im Stadttheater zugewiesen. Weiter wurde ihnen das Kleine Schauspielhaus auf dem Krautmarkt eingeräumt, das von dem Redoutensaal umgewandelt wurde. Sie hatten zwar noch ein Festsaal im Deutschen Haus zur Verfügung, aber diese 3 Bühnen erwiesen sich als unrentabel. Die Beziehungen im Theaterwesen entwickelten sich in falsche Richtung, am 1. April 1919 und an weiteren Tagen wurden die deutschen Vorstellungen im Stadttheater gestört[84]^). Diese Unruhen folgten dem Ziel, die zwei Spieltage den Deutschen zu entziehen. 8. 4. 1 Die Übergabe des Stadttheaters an die Tschechen Am 30. Juni 1919 kam es zur Übergabe des Theatersgebäudes und am nächsten Tag zog die tschechische Kunst ein. Alle deutschen Bezeichnungen wurden entfernt und durch tschechischen ersetzt. Während die tschechischen Theatermitglieder mit den Proben begannen, konnten die deutschen erst mit den grundlegenden Vorarbeiten beginnen. Die zwei Bühnen in Redoute und im Deutschen Haus waren gar nicht ausgestattet. Ihre beschränkten Raumverhältnisse ohne Hintergründe, Schnürboden, Versenkung oder Dekoration genügten ihren Bedürfnissen nicht. Um diese zwei, insgesamt drei, Bühnen finanzieren zu können, musste das deutsche Theater statt zwei Vorstellungen wöchentlich fünf bis sechs aufführen. Die Ausstattung war nicht ausreichend, um neue Möbel, Kleider, Dekorationen und andere nötige Sachen anzuschaffen, gab es nicht genung Geld. Dazu war ein Betrieb in drei verschiedenen Gebäuden zugleich ungünstig und unrentabel. Zur baulichen Herstellung des Redoutentheaters wurde ihnen von der Stadt 100.000 Kronen ausgezahlt und weitere noch zugesichert. Nicht nur finanzielle Probleme musste man in dieser bewegten Zeit lösen, denn die Atmosphäre blieb immer angespannt. Als die tschechischen „Aktivisten“ das Deutsche Haus am 18. November 1920 besetzten, fand hier grade eine Vorstellung statt.[85]^) Sie verhinderten den Theaterbesuchern das Haus zu verlassen, deshalb musste die Polizie einschreiten, um wieder Ordnung gewährzuleisten. Weitere Störungen gab es im September 1921, damals wurde das Stadttheater von einer Volksmenge belagert[86]^). In den Betrieb des deutschen Theaters griffen nicht nur Unruhen von außen sondern auch von innen ein. Es handelte sich nicht mehr nur um geschäftliche Hindernisse, diesmal stieg die Unzufriedenheit der Künstler selbst. Die einzelnen Angestelltengruppen beanspruchten höhere Löhne und viele Schauspieler verließen das Theater, um eine bessere Stelle in Wien oder Berlin zu bekommen. Mit dem Spieljahr 1921/1922 lief der mit der Kommission abgeschlossene Vertrag ab. Die Entscheidung der Theaterkommission galt nur für 3 Jahre, deswegen wurde von Vertretern des Staates, des Landes und der Gemeinde eine neue Kommission gebildet. Die Verhandlungen zogen sich lange. Schon früher entstand eine Idee ein neues Theatergebäude für deutsche Kunst zu bauen. Es wurde sogar ein Unterausschuss gewählt, welcher vor allem die Unterstützung der Deutschen im Ausland gewinnen sollte. Die allgemein ungünstigen Umstände, wie Verteuerung und Probleme der Brünner Industrie, ermöglichten nicht diese Idee weiterzuentwickeln. 8. 4. 2 Spuren der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit Eine eigenartige Gelegenheit die deutsch-tschechischen Beziehungen zu regeln kam erst im Jahre 1922 und zwar zur Feier des 100. Geburtstages des Naturforschers Johann Gregor Mendel. Das Andenken des berühmten Brünners fand am 23. September im Stadttheater statt[87]^). Beide Nationen feierten gemeinsam, sie veranstalteten eine Festvorstellung für ein internationales Publikum. Das deutsche Theater spielte eine Szene aus „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Richard Wagner und das tschechische Theater stellte den ersten Akt aus Smetanas „Verkaufter Braut“ vor. Beide Bühnen konnten sich dem breiten Brünner Publikum vorstellen. Über dieses besondere Ereignis berichteten sowohl tschechische als auch deutsche Zeitungen. Die Verständigung bot eine Übersetzung eines Artikels aus Lidové noviny[88]^) an. Hier wurde dieses gemeinsame Projekt gelobt und gleichzeitig nach nächster Zusammenarbeit gerufen. Auch die Stellung zur deutschen Kunst wurde mit folgendem Satz geäußert: „Gute deutsche Kunst ist auch für Tschechen einen Vorteil.“ Es ist zu vermuten, dass beide Seiten in diesem Akt ein Vorzeichen für die künftigen Beziehungen sahen. Dass sich die Brünner in der Stadt eine freundliche Atmosphäre zu schaffen bemühten, bewies die weitere Entwicklung. Im November wurde der 40. Gedenktag der Eröffnung des Stadttheaters und auch der 60. Geburtstag des Dichters Gerhart Hauptmann gefeiert. Die tschechische Kommission kam den Deutschen entgegen und überließ ihnen an dem Feiertag, einem Mittwoch, das Stadttheater, was fröhlich angenommen wurde. Als der 100. Geburtstag Bedřich Smetanas gefeiert wurde, studierte das deutsche Theater seine Volksoper „Der Kuss“ ein, wobei sie mit tschechischen Künstlern zusammenarbeitete. Dennoch setzte das Zusammenwirken bei unterschiedlichen Gelegenheiten fort. 1924 wurde „Die verkaufte Braut“ von Bedřich Smetana in den Spielplan der deutschen Bühne aufgenommen, wobei die tschechischen Chormitglieder behilflich waren. Als der 80. Geburtstag des Präsidenten T. G. Masaryk im März 1930 gefeiert wurde, trafen beide Theater wieder zusammen. Und wieder wurden an einem Abend „Die verkaufte Braut“ und „Die Meistersinger von Nürnberg“ gespielt. In den 20er Jahren setzte sich das deutsche Theater mit großen Finanzschwierigkeiten auseinander. Viele Theatersmitglieder schieden aus, weil ihnen bessere Verträge mit höheren Löhnen angeboten wurden. Aus ökonomischen Gründen wurde statt zehnmonatige eine neunmonatige Spielzeit eingeführt. In der Nachkriegszeit mussten beide Seiten sparsam mit Geld umgehen. Dass es zu einem Rollenwechsel im Oktober 1918 kam, wurde in dieser Arbeit mehrmals erwähnt. Die Geschichte des Brünner Stadttheaters bestätigte diese Realität wieder. Außerdem deutete sie die Entwicklung der deutsch-tschechischen Beziehungen nach der Entstehung der Tschechoslowakei an. Die plötzlichen Änderungen und neuen Anfänge waren natürlich schwierig. Besonders der Umzug des deutschen Theaters löste die bitteren Gefühle aus, die länger blieben. Die Zeit milderte schrittweise die nationalen Gegensätze und ermöglichte sogar ein Zusammenwirken. 9. Brünner Architektur Die politischen Veränderungen, die nach dem 28. 10. 1918 eintraten, hatten einen großen Einfluss auf den Aufbau der Stadt. Die Verwaltung wurde in die tschechischen Händen übergeben. Die neuen Stadtvertreter setzten endlich seine architektonischen Pläne durch. Im Gesetz über den Zusammenschluss der Stadt Brünn mit ihren Vororten vom April 1919 wurde die Bildung des Groß-Brünns geregelt. Und eine umfangreiche Neubautätigkeit fing an. In den Jahren 1918-1938 wurden mehr als 35.000 Wohnungen und 10.000 Häuser gebaut[89]^). Es bedeutete einen Anstieg von Neubauten um 70%. In den neu eingemeindeten Stadtvierteln wurden neue Schulgebäuden, Wohnhäuser und auch Industriegebäuden gebaut. Es entstanden neue Straßen und hohe Wohnblöcke zumeist im Norden der Stadt. Am Rand der inneren Stadt wurden ganze Villaviertel gebildet. Einige Villen wurden von bekannten tschechischen und deutschen Architekten projektiert. Besonders im Schreibwald (Pisárky) wurde der Aufbau markant. Hier wurden zum Beispiel Münz Villa, Villa Stiassni, Villa Neumark oder Haas Villa nach einem Entwurf von Ernst Wiesner[90]^) realisiert. Die Villen befinden sich auch in anderen Teilen der Stadt, wie das Fuchs‘ Familienhaus von Bohuslav Fuchs[91]^) in Zlabings (Žabovřesky). Diese Bauwerke blieben bis heute erhalten und gehörten zu den berühmten Brünner Villen, wobei die wirklich bedeutendste die Villa Tugendhat ist. Brünn als eine bedeutende Stadt und ein Verwaltungszentrum Mährens und der Tschechoslowakei erfüllte einige Verwaltungfunktionen. Es wurden in die Stadt verschiedene Institutionen verlegt und Ämter mit zahlreichen Beamten häuften sich. Die erstrandige Aufgabe war es, die neuen repräsentativen öffentlichen Gebäuden auszubauen. In der Zeit der 1. Republik wurden viele architektonische Projekte durchgeführt, die der Stadt das heutige Gesicht drückten. In neuen Projekten und dem Aufbau der Stadt verband sich das tschechische und deutsche Element. Die tschechisch- und deutschsprachigen Architekten arbeiteten nebeneinander und manchmal sogar auch miteinander. Immerhin blieben die österreichischen Einflüsse in den ersten Nachkriegsjahren spürbar. Damals besaß Brünn keine Hochschule für Architektur und Bauwesen, deshalb studierten die meisten Brünner Architekten an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Das betraf natürlich auch die tschechischen. Die jungen Architekten setzten Originalität und Unabhängigkeit von Wiener Kunststil durch. An der Wiege der modernen Brünner Architektur standen schon bereits erwähnte Ernst Wiesner und Bohuslav Fuchs. Neben den großen Persönlichkeiten der Brünner Architektur, mit denen wir uns in den folgenden Kapiteln beschäftigen werden, wirkten in Brünn weniger bekannnte Architekten. Einer von ihnen war Leopold Bauer, der in Krnov geboren wurde und zu den deutschsprachigen Künstlern gehörte. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er später auch selbst lehrte. In Brünn verewigte sich mit einigen Villen, wie Valerie Fischers Villa in Schreibwald[92]^). Weiter war es Josef Polášek, der enge Fuchs‘ Mitarbeiter oder ein weiterer Tscheche Jindřich Kumpošt. 9. 1 Ernst Wiesner und Bohuslav Fuchs Ernst Wiesner und Bohuslav Fuchs waren nicht nur die bedeutendsten Architekten der Ersten Republik im Mähren, denen mehrere berühmte Brünner Sehenswürdigkeiten beigemessen werden, sondern auch die typischen Vertreter der zwei in Brünn neben sich wirkenden Kulturen. Bohuslav Fuchs stellte die tschechische Kultur mit ihrer Sprache dar. Er wurde nicht von der Wiener Kultur beeinflusst, denn er war in der Zeit der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik ganz jung. Geboren wurde er 1895. Seine Hochschulbildung absolvierte er an der Akademie der bildenden Kunst in Prag. Im März 1923 wurde ihm eine perspektive Stelle in Brünn angeboten. In seinem neuen Dienstort entwarf er zahlreiche Gebäuden und lebte hier bis Ende seines Lebens. Fuchs konzipierte seine Projekte in dem funktionalistischen Stil.[93]^) Zu seinem Projekten gehört ein ausgezeichnetes Bauwerk des Stadtbads in Obrowitz, das Hotel Avion[94]^) in der „Česká“ Gasse oder das Postgebäude in der Bahnhofstraße[95]^) und viele andere Bauwerke im Stadtzentrum oder auch die Villen in der Lerchstraße und in Zlabings in Brünn. Noch aktiver beteiligte sich an dem Aufbau der modernen Stadt Fuchs‘ Zeitgenosse Ernst Wiesner, der Vertreter der deutsch-jüdischen Kultur und deutschen Sprache in Brünn. Hier legte er sein Abitur 1909 ab, danach studierte er in Wien. 1919-1939 wirkte er als selbstständiger Projektant, in dieser Zeit wurden viele seine Entwürfe in Brünn durchgeführt. Er entwarf mehrere Villen für gut situierte Einwohner und zugleich zahlreiche öffentliche Gebäuden. Besonders auffälig wirkt das Krematorium am Zentralfriedhof[96]^), das nach seinem preisgekrönten Projekt in den Jahren 1925-1926 erbaut wurde. Gleichzeitig entstand am Zentralfriedhof auch ein anderer Projekt, die Zeremonienhalle, die von Bohuslav Fuchs und Jaroslav Polášek projektiert wurde. Die Verknüpfung und Eintracht den beiden Kulturen verrät häufige Zusammenarbeit der tschechisch- und deutschsprachigen Persönlichkeiten. Das bekannteste Projekt solcher Kooperation ist der Bankpalast auf dem Freiheitsplatz[97]^). Es wurde in einem Wettbewerb entschieden, dass dieser Palast von Bohuslav Fuchs und Ernst Wiesner projektiert wurde. Das Gebäude der Mährischen Bank hat einen Platz unter den bedeutenden Werken des tschechischen Funktionalismus gewonnen. Ernst Wiesner und Bohuslav Fuchs begegneten sich mehrmals bei gemeinsamen Projekten. Die beiden Männer schufen im funktionalistichen Stil und waren von dem Werk von Adolf Loos beeinflusst. 9. 2 Adolf Loos Die Epoche der modernen Architektur in Mähren eröffnete mit dem Bau der Villa des Direktors von Zuckerfabrik in Hrušovany bei Brünn der Architekt und Architekturtheoretiker Adolf Loos. Er wurde am 10. Dezember 1870 in Brünn geboren, seine Herkunft stellte das typische Zeitbild der damaligen Brünner Gesellschaft dar. Er stammte aus einer gemischten Familie, seine Mutter war Tschechin und sein Varer Deutsche. Dieses Phänomen war ziemlich häufig und beweist die Verflechtung der beiden Kulturen. Adolf Loos war ein Kosmopolit, seine Kindheit verbrachte er in Tschechien, studierte in Deutschland und dann in Wien, er unternahm sehr oft Reisen nach Frankreich und Amerika, wo er seine Bauwerke hinterließ. Obwohl er die meiste Zeit in Wien verbrachte, kehrte er immer wieder in die Tschechoslowakei zurück. Seit 1918 hatte er die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft[98]^). Adolf Loos befasste sich nicht der tschechisch-deutschen Beziehungen, er entschied sich aber trotzdem für die Emigration nach Paris, wo er eine künstlerische Freiheit suchte. Mehr als für die Nationalproblematik interessierte er sich für architektonische Frage. Seine Bewunderer Wiesner und Fuchs ließen sich von ihm inspirieren. Seine Arbeit können wir im Bauers Schloss im Schreibwald[99]^) anschauen, wo er das Interieur des Speiseraumes konzipierte. 9. 3 Die Villa Tugendhat Der Brünner Textilindustrielle Fritz Tugendhat und seine Frau Grete gaben ihr Familienhaus bei Ludwig Mies van der Rohe in Auftrag. Grete hatte das Grundstück anlässlich ihrer Hochzeit 1928, von ihren Eltern, der alteingesessenen Industriellenfamilie Löw-Beer, geschenkt erhalten. Ende Dezember 1928 legte Mies dem Ehepaar die ersten Entwürfe vor. Es standen ihm reichliche Mittel zur Verfügung, weil er beim Bauherrn für seine Konzeption ein großzügiges Verständnis fand. Die Kosten des riesigen Hauses waren enorm, allein für die Onyxwand bezahlte man 200 000 Kčs, für diesen Preis hätte man damals das ganze Familienhaus aufbauen können[100]^). Im Juni 1929 wurde mit dem Bau begonnen und schon im Dezember 1930 konnten die Tugendhats einziehen. Aber wenige Jahre nach dem Einzug musste die jüdische Familie 1938 die Tschechoslowakei wegen Nazis verlassen. Im Schwarzfeld auf der Černopolní Straße 45 oberhalb der Stadt Brünn errichtete Mies die dreistöckige Villa der Tugendhats[101]^). Der Architekt entwarf jedes Detail, auch funktions- und formgemäß vollendetes Mobiliar. Seine Auffasung der freien Raumteilung der funktionsmäßig unterschiedlichen Sektoren war radikal. Dadurch wurde das System rigoros voneinander getrennter Funktionseinheiten abgelehnt und die Hauptfwohnfläche des Gebäudes wurde als ein laufender Wohnraum durch einen niedrigen Schrank, eine Onyxwand und eine Ebenholzwand aufgeteilt. Die Villa gilt als ein wichtiger Beginn des Funktionalismus und als einer der bedeutendsten Bauten Mies van der Rohes in Europa. 2001 wurde sie in die UNESCO-Welterbeliste als Denkmal moderner Architektur aufgenommen. Das Haus der Tugendhats ist in der Welt das bekannteste Brünner Bauwerk und daneben auch eine Erinnerung an die am Anfang des 20. Jahrhunderts in Brünn lebende deutsche Kultur. Es lässt sich beweisen, dass es in den einzelnen Professionen ohne Rücksicht auf Sprachezugehörigkeit eine Kooperation gab. Auf dem Gebiet der Architektur wirkte sich die Nationalproblematik nicht aus. 10. Die Brünner deutsche Sprachinsel in den 20er Jahren Die Brünner Sprachinsel umfasste nicht nur die Deutschen der Innenstadt, sondern auch Brünner Vororte und im Süden umgebende Dörfer. Zu den deutschen Brünner Vororten gehörten Ober-Gerspitz, Unter-Gerspitz, Czernowitz, Kumrowitz, Priesenitz und Nennowitz, die der Gemeinde Brünn angeschlossen wurden. Nach der Entstehung des Groß-Brünns im Jahre 1919 blieben nur Maxdorf (Dvorska), Mödritz (Modřice), Morbes (Moravany) und Schöllschitz (Želešice) als selbständige Gemeinden. Später wurde auch Maxdorf nach Brünn eingemeindet. In den 20er Jahren war die Sprachinsel politisch in drei Teile getrennt[102]^): I. Der Bezirk Groß-Brünn – innere Stadt („Altbrünn“), Kumrowitz, Czernowitz, Ober- und Unter-Gerspitz, Priesenitz und Nennowitz II. Der Bezirk Brünn-Land – Mödritz, Schöllschitz, Morbes und Maxdorf III. Der Auspitzer Bezirk – Woikowitz Der Anteil der Deutschen an der Gesamtbevölkerung der einzelnen Gemeinden war unterschiedlich. Während Schöllschitz, Morbes, Unter-Gerspitz und Mödritz sich nahezu rein deutsch erhielten, waren Priesenitz von zwei Dritteln und Maxdorf, Czernowitz, Ober-Gerspitz und Kumrowitz zur Hälfte deutsch. Und in Nennowitz gerieten die Deutschen sogar in die Minderheit. Die Sprachinsel zählte laut Volkszählung vom Jahre 1921 rund 58.000 Deutsche. Eine positive Laune herrschte in der deutschen Landwirtschaft und Industrie, welche in den Gemeinden prosperierten. Fast alle Dörfer südlich der Altstadt boten einen fruchtbaren Boden, besonders Mödritz mit seinem Sauerkraut und Schöllschitz mit seinem Obstbäumchen waren weit und breit bekannt. Daneben wurde hier auch Industrie hoch entwickelt. Während Morbes, Unter-Gerspitz und Maxdorf reine Bauerndörfer waren, widmete sich die Bevölkerung von Mödritz, Schöllschitz und Priesenitz erfolgreich der Industrie. Folgende Übersicht informiert über die deutsche Industrie in einzelnen Gemeinden[103]^): ü Mödritz – eine Zuckerfabrik, eine Sauerkrautfabrik, eine Dörrgemüsefabrik, eine Mühle, eine Ziegelei, eine Fabrik für Bahnbestandteile ü Kumrowitz – Fabriken für Essig, Glühlampen, Spiritus, eine Glockengießerei, eine Kupferschmiede, eine Feilhauerei, eine Mühle ü Czernowitz – eine Spiritus, eine Lederwaren- und Pretsziegelfabrik ü Ober-Gerspitz – eine Kanditen, eine chemische Fabrik, eine Fabrik für ötherische Öle, eine Darmreinigungsanstalt und eine Ziegelei ü Unter-Gerspitz – eine Seifen- und Sauerkrautfabrik ü Priesenitz – eine Sauerkräuterfabrik, eine Mühle ü Schöllschitz – eine Mühle ü Nennowitz – eine Mühle, drei Malzfabriken, eine Konservenfabrik für Seefische, eine tschechische Sauerkrautfabrik 10. 1 Die Dörfer und ihre Besonderheiten Die Einwohner der deutschen Gemeinden pflegten zwar alle das Brünner Deutschtum, sie waren aber auf keinen Fall von gleicher Art und gleichem Wesen. Jede Gemeinde hatte ihr Lebensrhytmus, der seit Jahren typisch nur für diese eine war. Jedes Dorf war originell und hatte seine Eigenart. Es erhielt seine Originalität dank einer alten Gewohnheit, dass das Heiraten meistens nur innerhalb eines Dorfes stattfand. Das betraf auch die Familiennamen. Ein Familienname kam gerade nur in einem Ort vor, für den er heimisch war. Und so jeder zweite Mödritzer hieß Weithofer, aber Heinisch, Kellner oder Kailer stammten aus Morbes und Weber oder Saida aus Czernowitz. Wenn einer Schiller und Ruber hieß, war in Ober-Gerspitz daheim, Grimm lebte in Unter-Gerspitz, Lang in Kumrowitz, Ruber und Schnirch in Nennowitz, Gritzbach in Maxdorf[104]^). Nach der Entstehung des neuen Staates und nach der Bildung des Groß-Brünns befürchteten die Deutschen die Zukunft des Deutschtums und der Traditionen in der Sprachinsel. Die Vertreter der einzelnen Gemeinden riefen die Bewohner zu nationaler Einigkeit auf. Sie stellten sich gegen Mischehen und in dieser Richtung sollten die Turnvereine die jungen Menschen erziehen. Ihre Stellung zur diesen Frage war klar und streng: „Kein Land, kein Haus aus den Händen geben, das deutsche Kind nur der deutschen Schule überlassen, dem deutschen Hause bloß eine deutsche Braut zuführen.“[105]^) Diese Reaktion war aber unter damaligen Umständen verständlich. In Mödritz, Morbes, Maxdorf und Schöllschitz wurde die deutsche Kultur mit allen ihren äußeren Merkmalen, Bräuchen und Sitten und auch eigentümlichen Eigenschaften ihrer Angehörigen am längsten gepflegt und erhalten. Diese Dörfer wurden an Groß-Brünn nicht angeschlossen, deshalb war der Einfluss der Stadt nicht entscheidend. Die Gemeinden bestanden in der Überzahl aus den deutschen Einwohnern. Hier war die Tradition lebendig bis zu dem unglücklichen Jahr 1945, als die Deutschen die Tschechoslowakei verlassen mussten. Der Hauptort der deutschen Sprachinsel war Mödritz, das im Vergleich zu anderen selbständig gebliebenen Dörfern die meisten Einwohner hatte. In Mödritz wurden die größten Feste veranstaltet, wo sich die Deutschen aus der ganzen Sprachinsel trafen. Die Gemeinde war ein kleines Zentrum, in welchem ein Bezirksbildungsausschuss für Brünn-Land und Kommission für Kinderschutz- und Jugendfürsorge siedelten. Weiter wurden hier ein Gesangverein, Turnverein und einige Sportvereine betrieben. In manchen Landgemeinden wurden Schulen errichtet, wobei sich die meisten in Mödritz befanden. Und zwar[106]^): à 1 Landwirtschaftliche Winterschule in Mödritz, 1 Volks- und Bürgerschule in Mödritz, gewerbliche Fortbildungsschule in Mödritz, 1 dreiklassige Volksschule in Schöllschitz, 1 zweiklassige in Morbes, 1 einklassige Volksschule in Maxdorf. Daneben gab es in jeder Geimende einen privaten Kindergarten. 1922 wurde für tschechische Schüler eine eigene Minoritätsschule in Maxdorf gegründet. Auch in Mödritz hatten die neuzugezogenen Tschechen eine Schule. Die tschechischen Arbeiter und Angestellten, die sich hier ansiedelten, brachte die örtliche Zuckerfabrik her. 11. Die Volkskultur der Brünner Sprachinsel Der deutschen Kultur widmeten sich die vorgehenden Kapitel dieser Arbeit, aber es wurde hier nur die Kultur des Groß-Brünns beschrieben. Die Vororte und die selbständigen Dörfer südlich von Brünn, die die Sprachinsel umfasste, werden im folgenden Kapitel ins Visier genommen. In allen Orten herrschte ein reges gesellschaftliches Leben. In den deutschen Gemeinden wurde eine eigenständige Volkskultur erhalten und weiterentwickelt. Dazu gehörten Trachten, örtliche Architektur, Lieder, mündliche Volksliteratur (Sprichwörter, Rätsel, Kinderreime, Abzählreime…), Feste, Mundart und alle Bräuche und Sitten des Volkes. 11. 1 Nennowitzer Reime Die Volkslieder, Erzählungen, Sprichwörter, Rätsel oder Kinderreime wurden von Mund zu Mund vererbt, die Kinder spielten wie heutzutage dieselben Spiele wie ihre Eltern. Viel davon blieb bis heute erhalten, wie z.B. die alten Abzählreime. Die Abzählreime (Auszählreime) aus Nennowitz unterscheiden sich nicht von den heutigen. Mit kleinen Abwandlungen existieren sie in allen deutschsprachigen Gebieten. Auch ihr Prinzip bleibt gleich. Ein Abzählreim wird gewöhnlich in Kinderspielen benutzt. Ein Kind, das im Kreis der anderen steht, sagt in monotonem oder singendem Tone ein Abzählreim her. Bei jeder Silbe wird der Reihe nach auf eines der in einem Kreis stehenden Kinder gezeigt. Das Kind, das zuletzt übrig bleibt oder auf das bei der letzten Silbe des Reims getupft wird, beginnt das Spiel oder geht raus aus dem Kreis. Die Nennowitzer Abzählreime begannen oft mit Abzählen: „1, 2, 3…“ oder mit ähnlichen „Formeln“: „Enze, denze, diflame“, „En, den, dinus“, „Enza, tenza“ usw. Auch in den tschechischen Abzählreimen können wir eine solche „Formel“ finden: „En-ten-týky dva špalíky“. Die meisten Abzählreime sind dann mit „raus“ oder „weg“ beendet. Dasselbe kommt auch in tschechischen vor - „ven“. Einer der bekanntesten Verse in den 20er Jahren und auch heute lautet: „1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, meine Mutter schneidet Rüben, meine Schwester schneidet Speck, schneidet sich den Finger weg.“[107]^) Ein Abzählreim mit „Anfangsformel“: „Enze, denze, diflame, difle, dafle, domine, Argel, Spargel, Zuckerhaus, Du bist drauß.“[108]^) In Nennowitz vererbte man auch einige Zählreime, die sich den kurzen Zählgeschichten zuordnen lassen: „Mein Vater hat ein Haus gekauft, in dem Haus war ein Hof, in dem Hof war ein Garten, in dem Garten war ein Baum, in dem Baum war ein Loch, in dem Loch war ein Nest, in dem Nest war ein Ei, in dem Ei war ein kleiner Papagei.“[109]^) 11. 2 Das Kirchweihfest Die damalige Bevölkerung der Dörfer war sehr gläubig, in keinem Haus konnte die Bibel oder ein Bild eines Heilligen fehlen. Die überwiegende Mehrheit bildeten Katholiken, die nicht nur den Sonntag sondern auch andere Festtage feierten. Der Jahresverlauf wurde von zahlreichen religiösen Feiertagen geprägt, zu den wichtigsten gehörten Ostern, Pfingsten und Kirchweih. In Mödritz, dem Hauptort der Brünner Sprachinsel, fanden die größten Kirchweihfeste statt. Kirchweih wurde als religiöses Fest anlässlich der Weihe einer christlichen Kirche gefeiert. Die Mödritzer Kirche wurde 1341 gebaut und dem Hl. Gotthard eingeweiht. Die ganze Feier dauerte drei volle Tage und begann immer am Sonntag. Am Samstag davor wurde ein mit Kränzen und Bändern geschmückter Kirchweihbaum auf den Dorfplatz gestellt. Der Dorfplatz bedeutete für diese drei Tage in Mödritz den Mittelpunkt der Welt. Unter dem Kirchweihbaum wurde eine Tanzfläche aus ungehobelten Brettern gezimmert. Die alten Volkstänze wurden getanzt und Volkslieder gesungen. Eine große Veranstaltung erforderte eingehende Vorbereitungen und Organisation. Einige Wochen vor der Kirchweih wurde der erste, zweite, dritte nach dem Bedarf noch vierte Altbursche gewählt. Es wurde auch „Tanzmeister“ ausgewählt, der sich um Ruhe und Ordnung auf dem Tanzboden kümmerte. Der erste Bursche hatte die größte Verantwortung, denn er haftete persönlich für alle eventuellen Schäden. Während der drei Tagen lag in seinen Händen die Regierungsmacht, ihm sollten Mödritzer Wachleute gehorchen.[110]^) Der erste Altbursche teilte seine privilegierte Position mit der ersten „Altdirn“[111]^), die zumeist seine Geliebte war. Die deutschen Burschen von Mödritz luden die deutschen Brünner ein. Die Feier fing am Nachmittag an und die Jugend tanzte und trank bis in die Morgenstunde. Die Burschen tranken etwa 10 Fasse Wein und noch mehr Bier aus. Die Mädchen verteilten Rosmarinzweige, mit schwarzrotgelben Schleifen geschmückt. Die Jungen gossen Wein in die Gläser ein und reichten ihn den Besuchern. Dafür bekamen sie eine kleine Geldspende. Am Abend tanzten die Altburschen mit ihren „Dirndeln“ ein Solo. „Dirndeln“ nannte man ihre Erwählten. An dem folgenden Tag mussten die Dirndeln, von Kopf bis zu den Füßen, vollkommen neu herausstaffiert erscheinen. Am diesen Tag wurde alles zum ersten Mal getragen. Am dritten Tag fand ein Zahltanz statt[112]^). Vor dem Tanzboden wurde ein Tisch gestellt, auf den Tisch legten die Mädchen zwei Teller voll Staubzucker, zwei brennende Kerzen und Weinkaraffen. Sobald alles vorbereitet wurde, nahmen die Altburschen Platz an dem Tisch. Dann kam das erste Tanzpaar und der Junge musste sein Mädchen auszahlen. Und so trat Paar nach Paar vor den „Gericht“. Die Altburschen tranken Wein, der mit dem Staubzucker gemischt wurde. Langsam wurden die Zuckerberge kleiner und die Kerzen brannten herab. Und das Kirchweihfest war zu Ende. Der alte Brauch lebte in diesen Tagen wieder auf. Solche Feste halfen die alten Traditionen und die Volksgemeinschaft zu erhalten. Auch wenn Deutsche und Tschechen ähnliche Traditionen einhielten, feierten sie sie getrennt. 12. Äußere Merkmale 12. 1 Die Trachten In vielen Gebieten Mährens verschwanden die Trachten bereits im 19. Jahrhundert aus dem Alltagsleben. In der Sprachinsel konnte Tracht wesentlich länger erhalten bleiben. Das Bemühen, sich von der tschechisch geprägten Umgebung abzugrenzen und die deutsche Identität zu bewahren, war der Hauptgrund dafür. Trotzdem verfiel diese Tradition schrittweise auch hier. Es war in den 20er Jahren einfach nicht „modern“. Noch am Anfang des 20. Jahrhunderts trugen die erwachsenen Mädchen ihre Trachten jeden Sonntag, aber später konnte man nur Bäuerinnen oder ältere Frauen so angezogen sehen. Die Mädchen zogen sie nur bei besonderen Gelegenheiten oder Festen, wie z.B. bei dem Kirchweihfest.[113]^) In den 20er Jahren wurden manche alten Trachten verändert, es war ein Gemisch von Sprachinseltracht, Alpentracht, städtischer Kleidung und slawischer Tracht. Nur in Czernowitz, Kumrowitz und Ober-Gerspitz wurde die bodenständige weibliche Volkstracht erhalten, wobei sich die Tracht der Alten und der Jungen unterschied, genauso wie die Werktagstracht von der Festtagstracht.[114]^) Allen diesen Abänderungen blieben ein Kopftuch und breite Röcke eigentümlich. Die Tradition und die Beliebtheit dieser Kleidung kehrten später wieder zurück. Nach historisch nachgewiesenen Trachten wurden erneuerte entworfen. Es betraf Mödritz, Morbes, Priesenitz und Schöllschitz, alle diesen Gemeinden verfügten über eine eigene Frauentracht. Als Beispiel wird die Mödritzer weibliche Festtracht mit ihren einzelnen Teilen beschrieben, die eine besondere Bennenung hatten[115]^): à „Laibl“ = das Leibchen, das meist aus Samt und bestickt war. à Arm- und Halsausschnitt waren mit Zackenlitze benäht. à „Prusthejmat“ = die Bluse, die aus Perkalchiffon oder Leinen war. Am Halsausschnitt und den gestärkten Puffärmeln waren breite Spitzen angebracht. à „Schurz“ = der Oberrock à „Intaschirz“ = weiße Unterröcke. Gewöhnlich wurden drei diese Unterröcke unter dem Oberrock getragen. Sie waren gestärkt und als Tragehilfe diente ein dicker darunter gebundener Stoff. à „Oaschmaschn“ = die Schleife, mit der die Schürze hinten gebunden wurde. à „Holstiachl“ = das Halstuch à „Kaoupftiachl“ oder „Pundhaubn“ = das Kopftuch, das rote Farbe mit einem bunten Rand hatte. Die Männer trugen in vier vorher erwähnten Landgemeinden dieselbe Tracht. Sie bestand aus[116]^): à „Huit“ = der schwarze breitkrempige Filzhut à „Bejstn“ = braune Weste à Das Sakkko war aus blauem oder braunem Wollstoff. à „Haousn“ = schwarze lange Hose à „Hejmad“ = weißes Hemd à „Pantal“ = schwarze Samtschleife, die an den Kragen der Hemd gebunden wurde. à „Fuißsackln“ = schwarze Socken à „Schuich“ = schwarze Schuhe 12. 2 Das deutsche Bauernhaus In den Gemeinden der Brünner Sprachinsel konnte man eine eigentümliche Architektur finden. Die deutschen Dörfer hatten gewisse Einheitlichkeiten und unterschieden sich von den tschechischen. Aber das typische Bild der Dörfer wurde in den 20er Jahren verändert, weil hier kleinere Familienhäuser und große Zinshäuser zugebaut wurden. Früher wurde das Dorf von alten deutschen Bauernhäusern geprägt. Sie waren nicht identisch, aber hatten einige gemeinsame Merkmale. In Kumrowitz, Czernowitz, Ober- und Nieder-Gerspitz war ihre Ähnlichkeit besonders auffallend und ebenso wurde auch ihre Mundart und Volkstracht betroffen. Die charakteristischen Bauernhäuser waren ebenerdig. Sie standen dicht nebeneinander und bildeten geschlossene Häuserreihen. Das Haus hatte nur ein kleines Vorgärtchen, meistens sogar keines. Früher verwendete man als Baumaterial ungebrannte, selbst hergestellte Lehmziegel, in der Zwischenkriegszeit schon in einer Ziegelei gebrannte Ziegel. Das Gebiet der Ziegelproduktion entwickelte sich offensichtlich erfolgreich, denn die Deutschen besaßen selbst eine Ziegelei in Mödritz und Ober-Gerspitz. Auch die Ziegeldächer lösten die ursprünglichen Strohdächer ab. Im Bauernhaus wurden die Wände vor dem Ersten Weltkrieg weiß gestrichen, unten mit einem blauen Streifen.[117]^) Manche Häuser hatten einen kleinen laubenartigen Vorbau, wo man sich zum Plaudern setzen konnte. Bevor man ein Haus betrat, hatte er einen S-förmig gebogenen Türklopfer benutzt. Hinter der Tür befand sich ein Vorhaus, in dessen Ecke ein großer Tisch mit Bänken stand, der nur im Sommer als Esstisch benutzt wurde. Im Vergleich zur Vergangenheit besaßen nur wenige Häuser einen offenen Herd im Vorhaus, wo man früher mit Holz heizte. Aber Kohle löste Holz ab und der Herd verlor seine Funktion. Aus dem Vorhaus führte eine Tür in die Stube, die das größte Zimmer des Hauses war. In manchen Stuben befand sich ein Backofen, in dem in den 20er Jahren nicht mehr so oft gebacken wurde. Fast in jedem Dorf wurde nämlich eine Bäckerei betrieben. Hinter der Stube befand sich ein Stübchen, das als Schlafzimmer diente. Aus der Stube und dem Stübchen führte je eine Tür in die Küche, die meist erst später zugebaut wurde. Es war aus dem Grunde so, weil früher als Küche ein Platz im Vorhaus beim offenen Herd diente. Keinem Bauernhaus fehlte ein Keller, eine Kammer und natürlich ein Hof mit Viehställen.[118]^) Einige Teile des Hauses und seine Raumausstattung hatten eine besondere Bezeichnung. Ausgewählte Beispiele[119]^): à „Olabn“ auch „Schunda“ - der laubenartige Vorbau à „Olmer“ - ein dreiseitiges kleines Schränkchen, in welchem der Hausherr wichtige Dokumente, die Bibel und Geld bewahrte. à „Stuatz“ - eine etwa 40 Zentimeter hohe Glasglocke, die meist ein Erbstück oder ein Hochzeitsgeschenk war. Unter der Glocke befand sich ein Muttergottesbild und das alles wurde mit Kunstblumen, Glasfrüchten u.ä. geschmückt. à „Stübal“ – die Stube à „Rechen“ – ein Gestell, wo Teller und Krügen für den täglichen Gebrauch abgelegt wurden. Der architektonische Aufbau der alten Dörfer hatte seine Besonderheiten. Die geschlossenen Hausblöcke grenzten einen kleinen Privatraum ab. Man hatte nur einen beschränkten Raum für sich und kam häufiger in Kontakt mit seiner Nachbarn. Die Beziehungen waren auf keinem Fall anonym, wie es in der Stadt vorkam. Die Jungen lebten mit den Alten unter einem Dach, deshalb war eine Zweiteilung des Hauses üblich. Die Alten bewohnten einen kleineren Teil des Hauses, das so genannte Ausgedinge. Damit sie sich nicht gegenseitig störten, hatten manche Ausgedinge einen eigenen Eingang. 12. 3 Die Mundart Die Deutschen in der Brünner Sprachinsel sprachen eine bestimmte Mundart. Die Mundart der meisten Gemeinden, namhaft Kumrowitz, Czernowitz, Ober- und Unter-Gerspitz, Nennowitz, Priesenitz, Morbes, Mödritz, Schöllschitz, gehörte zum oberdeutschen Sprachgebiet.[120]^) Eine Ausnahme stellte die Maxdorfer Sprache vor, die von der in anderen Orten gesprochenen Sprache ganz unterschiedlich war. In Maxdorf wurde eine mitteldeutsche Mundart gesprochen, was sich daraus erklären lässt, dass dieses Gebiet erst später mit Bauern aus dem mitteldeutschen Sprachraum besiedelt wurde. Das Oberdeutsch wird in Nord-, West- und Ostoberdeutsch differenziert, diese können noch weiter untergliedert sein. In Brünn handelte sich um das Ostoberdeutsche, das besser als Bairisch bekannt ist. Die einzelnen örtlichen Mundarten hatten ihre Eigenheiten und wurden von mehreren Seiten beeinflusst. Auch in der Mundart der Sprachinsel wurden solche Einflüsse deutlich, und zwar schwäbische, fränkische und natürlich tschechische. Der nächste verwandte war der Dialekt der Wischauer Sprachinsel. In den einzelnen Gemeinden der Sprachinsel konnte man Unterschiede in manchen Wörtern beobachten. Und so sagte man in Morbes „Mile“ und „Sunnte“ und in anderen Ortschaften „Milich“ und „Sunntich“ für Milch und Sonntag. Die Hauptmerkmale waren allen gemeinsam. Ausgewählte allgemeine Merkmale[121]^): à Schriftdeutsches e (ä) erscheint als a: Talla (Teller), nahn (nähen), Antn (Ente). à Für a sprach man o: Bogn (Wagen), schmol (schmal), Rod (Rad). à Schriftdeutsches e,ä ist durch ej vertreten: rejnna (rennen), Mejssa (Messer), stejhn (stehen). à Statt o stand ou: Voucha (Woche), Koupf (Kopf), Rouck (Rock). à Statt u stand ui: guit (gut), Muita (Mutter), ich muiß (ich muss). à Statt a, besonders vor n, stand ou: Zounbeh (Zahnweh), tounzn (tanzen), ich kou (kann). à Die schriftdeutschen ö, ü, eu wurden entrundet: schej (schön), Knejdl (Knödel), Ruckn (Rücken). à Anlautendes b wurde zu p verhärtet: Pui (Bub), Gopl (Gabel). à Schriftdeutsches w wurde meist zu b: bia (wie), Boch (Wage), Bejch (Weg). à Manchmal schwanden b, ch, n, g: hom (haben), Stum (Stube), nou (noch). à Die schriftdeutsche Endung –ig erschien als –ich: zwanzich (zwanzig). à Die Verkleinerung wurden mit –al gebildet. Es ist selbstverständlich, dass die lange Nachbarschaft von Deutschen und Tschechen die Brünner Mundart in der Sprachinsel beeinflusste. In der Mundart befanden sich auch tschechische Lehnwörter, wie „Kukla“ für Kopftuch, „Katzabajka“ für lange Bluse, „Kosa“ für Ziege. Der tschechische Einfluss war dann in Brinnarisch ganz deutlich zu erkennen. 12. 3. 1 „Brinnarisch“ „Brinnarisch“ wurde das Brünner Stadtdeutsch genannt. In diesem Fall handelte sich nicht um einen Dialekt, sondern um eine Umgangssprache. Brinnarisch war eine Sammlung sprachlicher Eigenheiten, die schriftlich schwer zu vermitteln waren. Diese Eigenheiten wurden erst dann lebendig, wenn ein deutscher Brünner zu sprechen begann. Das Stadtdeutsch kennzeichnete sich durch ihren starken tschechischen Einschlag. Besonders die Jugend bevorzugte diesen Ausdrucksstil und bereicherte es von Jahr zu Jahr. Die Hauptmerkmale[122]^): ü Tschechische Endungen ü Tschechische Aussprache deutscher Laute à Das S wurde scharf ausgesprochen, wo es stimmhaft sein sollte. à ü, ö, eu wurden zu aufdringlich klingendem i, e, aj, die mit der milden Aussprache in den anderen Gebieten der Sprachinsel nicht zu vergleichen waren. Diese Merkmale wurden in mehreren Wörtern sichtbar[123]^): „Schpiletz“ Spielberg „Obetz“ Oberlehrer „Pichze“ Bücher „Schulzo“ Schularbeit „Spigetz“ Spagat „Schlitze“ Schlittschuhe „Flondro“ Flasche „Frgula“ Nase „Doz“ Vater „Maz“ Mutter „Schwitzo“ Schwester „Briz“ Bruder Während die einzelnen Wörter bzw. ihr Aussehen erhalten blieben, starb die eigentümliche Aussprache, die das Brünner Stadtdeutsch charakterisierte, mit den alten Brünnern aus. Ein Teil der ursprünglichen Umgangssprache überlebte in dem Brünner „Hantec“. Hantec ist eine eigentümliche Mundart, die sich von der tschechischen Hochsprache deutlich abweicht. Es entstand als eine Mischung der hannakischen Mundart, zu der „Hantec“ gehört, und der Sprache der deutschsprachigen Einwohner Brünns.[124]^) Die deutschen Einflüsse wirkten sich besonders im Wortschatz aus. Im Wortschatz : „ksicht“ Gesicht „švigrmutra“ Schwiegermutter „kšeft“ Geschäft „partaj“ Partei „šuple“ Schublade Heutzutage wird diese Mundart nur von einigen „Fans“ gesprochen und die Brünner selbst verstehen manchmal nicht, wenn sie „hantec“ hören. Es gibt aber Ausdrücke, die jedem bekannt sind und einen untrennbaren Bestandteil der Brünner tschechischen Sprache bilden. Das meist gebrauchte Wort ist wahrscheinlich „šalina“[125]^) für Straßenbahn. Diese Bezeichnung führt auf das Wort Schall zurück, denn es war ein besonderer Ton und Schall, wenn sich die Straßenbahn ihrer Station näherte. Das Brünner Stadtdeutsch genauso wie „Hantec“ war eine eigenartige Mundart. Eine gegenseitige Beeinflussung der beiden Sprachen weist darauf hin, dass sich auch die Einwohner beeinflussten und das wäre ohne regen Kontakt nicht möglich gewesen. 13. Zusammenfassung Mit dem Verfassen dieser Arbeit wurde es versucht, die Entwicklung der deutsch-tschechischen Beziehungen in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu vermitteln. Die Beziehungen wurden im Zusammenhang mit den damaligen Ereignissen und politischer Situation verstanden. In Brünn bildeten die Deutschen einen großen Teil der Bevölkerung. Ihre Anzahl sank zwar nach der Enstehung der Tschechoslowakei fast um ein Drittel, es bedeutete aber nicht, dass sie plötzlich verschwanden. Aber manche Einwohner, die aus gemischten Familien stammten und bilingual waren, meldeten sich zur tschechischen Nation. Sie haben es aus dem Grunde gemacht, weil die Deutschen in der Tschechoslowakei eine Minderheit bildeten. Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte Brünn zu den Städten mit der Überzahl der deutschen Einwohner. Es ist selbstverständlich, dass die Tschechen sich manchmal benachteiligt fühlten. In der Frage der Bürgerschule und der tschechischen Universität waren diese Beschwerden berechtigt. Anderseits muss man gestehen, dass die Tschechen ihre Kultur hatten und sie auch weiterentwickeln konnten. Wie die Existenz des Deutschen Hauses und des tschechischen „Besední dům“ beweist, hatten beide Kulturen ihre eigenen Zentren und hielten einen Abstand voneinander. Weiter wurde festgestellt, dass die Entstehung des neuen Staates eine Reaktion auch in Brünn erweckte, es kam aber zu keinen gewaltigen Auseinandersetzungen. Auch wenn die Emotionen angespannt waren, gingen die Brünner Deutschen auf Verhandlungen ein. Beide Seiten wollten die Situation möglichst schnell normalisieren. Die ganze Zeit musste ich mich mit dem Mangel an Literatur auseinander setzten, die sich den jeweiligen Verhältnissen widmete. Als ich die Literaturrecherche machte, fand ich zahlreiche Materialien, die sich mit der Situation der tschechischen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg befassten. Manche Quellen boten nur allgemeine Informationen an und deshalb orientierte ich mich auf die Untersuchung der alten Zeitungen und Zeitschriften. Einen äußerst interessanten Standpunkt zur diesen Problematik vertrat die Zeitung Verständigung. Die Journalisten versuchten die Situation zu verstehen und eine Lösung zu finden. Sie waren ganz gegen irgendwelchen Nationalismus und sahen Verfehlungen auf beiden Seiten. In den ersten Nachkriegsjahren betraf die prekäre Lage vor allem das Brünner Schulwesen, die sich mit dem Verlust der Schüler auseinander setzen musste. Das Jahr 1919 war dann besonders für das deutsche Brünner Stadttheater schwierig. Man musste das Gebäude des Stadttheaters den Tschechen übergeben, was sicher sehr negativ angenommen wurde. Trotzdem beruhigten sich die Unruhen und sogar schon im Jahre 1922 waren beide Nationen der Zusammenarbeit fähig. Deutsche und Tschechen haben eine gemeinsame Vergangenheit, lange Zeit lebten beide Nationen in einer Stadt nebeneinader. Die Kulturen beeinflussten sich gegenseitig, wie das Brünner Stadtdeutsch und die tschechische brünner Sprache beweisen. Dessen ungeachtet kann man sagen, dass die beiden Nationen mehr nebeneinader als miteinander lebten. In Brünn gab es auf einer Seite tschechische Vereine, Zeitungen, Schulen, Theater und auf der anderen Seite die deutschen. Auch die eigentümlichen Gemeinden der Brünner Sprachinsel stellten sich ganz gegen Mischehen und irgendwelche Verflechtung beider Kulturen, denn sie befürchteten die Zukunft des Deutschtums. Es gab natürlich Ausnahmen, und zwar gemeinsame Projekte beider Theater bei besonderen Gelegenheiten. Es blieben auch weitere Erinnerungen an das Deutschtum der 20er Jahren bis heute erhalten. Mindestens die Gebäuden der deutschen Architekten oder deutschen Besitzern bilden immer einen bedeutenden Bestandteil der heutigen Stadt. 14. Resumé Předkládaná diplomová práce se zabývá povahou česko-německých vztahů ve městě Brně v prvních třech desetiletích 20. století. Práce je členěna do tří tématických celků, které odpovídají třem časovým fázím, ve kterých se vyvíjely a měnily vzájemné vztahy. První část je obsažena ve 3. kapitole, která se ve svých podkapitolách zabývá obecnými poměry ve městě Brně a postavením českého obyvatelstva ve srovnání s postavením německého na začátku 20. století. Podstatou druhé části jsou bezprostřední reakce obou skupin a celkové změny ve společnosti vyvolané politickými událostmi 28. října 1918. Třetí a zároveň stěžejní část práce tvoří kapitoly 5 až 12 . Tato část se věnuje období po roce 1918. Důraz je kladen na období 20. let a v jeho průběhu se zaměřuje na jednotlivé oblasti, ve kterých se povaha česko-německých vztahů mohla projevit. Na jedné straně sleduje národnostní neshody a na straně druhé naopak situace, kdy docházelo ke vzájemné spolupráci. Důraz je kladen převážně na oblast brněnského školství, divadla, spolků a architektury. Kapitoly 10 až 12 se věnují německému jazykovému ostrůvku u Brna. Tento ostrůvek tvořily některé městské části a přilehlé obce s převahou německého obyvatelstva na jih od Brna. 15. Quellenverzeichnis Beneš, Z. et al. Rozumět dějinám. Vývoj česko-německých vztahů na našem území v letech 1848-1948. 2. Auflage. Praha: Gallery s.r.o., 2002. 304 S. ISBN 80-86010-55-4. Bondi, G. Geschichte des Brünner deutschen Theaters 1600-1925. Brünn: Verlag des Deutschen Theatervereines, 1924. 226 S. Brandt, G. Heimatbüchlein der deutschen Brünner Sprachinsel III. Schöllschitz. Brno: Verlag Deutschmährische Heimat, 1926. 75 S. Čapka, F. Dějiny českých zemí 1800-1918. Brno: Masarykova univerzita, 2003. 228 S. ISBN 80-210-3078-X. Čapka, F. Politické strany 1. republiky. Brno: CERM, 1998. 31 S. 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Brno: Lidové tiskárna, 1937. 15 S. Prachař, A. Velké Brno. Brno: Ústřední spolek učitelský na Moravě, 1925. 216 S. Riedl, D. Tugendhatova vila v Brně od architekta Ludewiga Miese van der Rohe. Brno: Památkový ústav, 1995. 55 S. ISBN 80-85032-43-0. Riedl, D. Brünn. Geschichte, Informationen, Sehenswürdigkeiten. Praha: Olympia, 1992. 124 S. ISBN 80-7033-206-9. Sarnitz, A.: Adolf Loos 1870-1933. Architekt, kritik, dandy. Praha: Slovart, 2004. 96 S. ISBN 80-7209-613-3. Sedlák, J. Slavné brněnské vily. Brno: Muzeum města Brna, 2006. 177 S. ISBN 80-903661-5-5. Seibt, F. Německo a Češi: Dějiny jednoho sousedství uprostřed Evropy. Praha: Academia, 1996. 464 S. ISBN 80-200-0577-3. Sládek, M. Němci v Čechách: Německá menšina v českých zemích a Československu 1848-1946. Praha: Pragma, 2002. 205 S. ISBN 80-7205-901-7. Steiner, E. Die Brünner und ihr Stadttheater. Leimen/Heidelberg, 1964. 95 S. Vaculík, J. Nástin českých dějin 20. století. 2. Auflage. Brno: Masarykova univerzita, 2005. 245 S. 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Brünner Zeitung, 1918, Jg. 71, Nr. 252, S. 1. o.A. Der staatliche Neuaufbau. Brünner Zeitung, 1918, Jg. 71, Nr. 252, S. 1. o. A. Eine grobe nationale Erinnerungsfeier. Brünner Zeitung, 1918, Jg. 71, Nr. 258, S. 4. Brünner Morgenpost (1919) o.A. Zusammenstöbe von Demonstranten mit dem Militär. Brünner Morgenpost, 1919, Jg. 54, Nr. 56, S. 1. Verständigung (1922-1924) o.A. Nichts lernen und nichts vergessen. Verständigung, 1922, Jg. 1, Nr. 2, S. 4. o.A. Deutsche Lehrer an die tschechischen Mittelschulen? Verständigung, 1922, Jg. 1, Nr. 3, S. 4. Flandern, K. Zur Putschaktion der reichsdeutschen und sudetendeutschen Kampfpolitiker. Verständigung, 1922, Jg. 1, Nr. 7, S. 1. o. A. Eine tschechische Stimme zur Verständigung: „Deutsche und Tschechen“. Verständigung,1922, Jg. 1, Nr. 9, S. 4. Hajn, A. Das tschechisch-deutsche Problem in der Tschechoslowakischen Republik. Verständigung,1924, Jg. 2, Nr. 18, S. 2-3. Zeitschriften: Elite: Gesellschaft, Theater, Film, Mode, Sport (1924) 16. Anhangverzeichnis Anhang Nr. 1: Das Deutsche Haus Anhang Nr. 2: Die Anzeige – Haus zum Verkauf Anhang Nr. 3: Titelseite der Verständigung (15. 9. 1923) Anhang Nr. 4: Deutsche Karikatur (1920) Anhang Nr. 5: Titelseite der Brünner Zeitung Anhang Nr. 6: Werbung in der Brünner Zeitung – Baťa Anhang Nr. 7: Titelseite der Elite Anhang Nr. 8: Das Mahen-Theater Anhang Nr. 9: Das Hotel Avion in der Česká Straße Anhang Nr. 10: Das Postgebäude in der Bahnhofstraße Anhang. Nr. 11: Das Krematorium am Zentralfriedhof Anhang Nr. 12: Der Bankpalast auf dem Freiheitsplatz Anhang Nr. 13: Das Villa Tugendhat Anhang Nr. 14: Die Mödritzer Tracht (um 1920) Anhang Nr. 15: Grundriss eines Bauernhauses Anhang Nr. 16: Kartenskizze der Brünner deutschen Sprachinsel ________________________________ [1] Čapka, F. Dějiny českých zemí 1800-1918. Brno: Masarykova univerzita, 2003. S. 104. [2] vgl. Peša, V. Dějiny města Brna, 2.díl. Brno: Nakladatelství Blok, 1973. S. 64. [3] vgl. Nakel, J. Das Brünner Schulwesen in den letzten zehn Jahren. In Alles für unsere Schule! Festschrift zur 10jährigen Bestandesfeier des Elternrates der deutschen Volksschule in den Schwarzen Feldern zu Brünn. 1920-1930. Brünn: Deutsche Volksschule, 1930. S. 25. [4] Nakel, J. Das Brünner Schulwesen in den letzten zehn Jahren. In Alles für unsere Schule! Festschrift zur 10jährigen Bestandesfeier des Elternrates der deutschen Volksschule in den Schwarzen Feldern zu Brünn. 1920-1930. Brno: Deutsche Volksschule, 1930. S. 25. [5] Peša, V. Dějiny města Brna, 2.díl. Brno: Nakladatelství Blok, 1973. S. 67. [6] Mit diesem Begriff wurde die nationale deutsche Partei in Brünn bezeichnet, die sich zur Alldeutsche Bewegung bekannte. Mehr dazu: Čapka, F. Dějiny českých zemí 1800-1918. Brno: Masarykova univerzita, 2003. S. 160 [7] Es wurde nur tschechische Benennung benutzt, denn das Haus war ein politisches Zentrum der Tschechen in Brünn. [8] Kožíšek, F. Brno, hlavní město Moravy. 2. Auflage. Brno: Zemský cizinecký svaz, 1935. S.47. [9] Čapka, F. Dějiny českých zemí 1800-1918. Brno: Masarykova univerzita, 2003. S. 161. [10] vgl. Peša, V. Dějiny města Brna, 2.díl. Brno: Nakladatelství Blok, 1973. S. 67. [11] ohne Angaben. Brünner Zeitung,1917, Jg. 70, Nr. 251, S. 1. [12] o. A. An meine getreuen österreichischen Völker! Brünner Zeitung, 1918, Jg. 71, Nr. 236, S. 1. [13] Der Reichsrat war von 1867 bis 1918 das Parlament der österreichischen Reichshälfte der Donaumonarchie Österreich-Ungarns. Mehr dazu: Vaculík, J. Nástin českých dějin 20. století. 2. Auflage. Brno: Masarykova univerzita, 2005. S. 7. [14] vgl. Čapka, F. Dějiny českých zemí 1800-1918. Brno: Masarykova univerzita, 2003. S.225. [15] vgl. Vaculík, J. Nástin českých dějin 20. století. 2. Auflage. Brno: Masarykova univerzita, 2005. S. 32. [16] vgl. Peša, V. Dějiny města Brna, 2.díl. Brno: Nakladatelství Blok, 1973. S. 76. [17] Eine tschechische Zeitung, die seit 1893 in Brünn erschien. [18] Eine der bekanntesten Straben im Brünner Stadtzentrum. [19] vgl. Prachař, A. Velké Brno. Brno: Ústřední spolek učitelský na Moravě, 1925. S. 75. [20] Votruba, V. Převrat v Brně. Státní převrat z roku 1918 v Brně: soubor vzpomínek. Brno: Moravský legionář, 1933. S. 21. [21] Das Deutsche Haus: siehe Anhang Nr. 1. [22] o. A. Brünner und Provinzialnachrichten. Brünner Zeitung, 1918, Jg. 71, Nr. 251, S. 2. [23] o. A. Vom Národní výbor in Brünn. Brünner Zeitung, 1918, Jg. 71, Nr. 252, S. 1. [24] Libuše (Libussa) war die mythische Stammmuter der Premysliden-Dynastie in Böhmen. [25] Netopil, F. Brünn und seine Vororte. Brünn, ohne Angaben. 1921. S. 5. [26] o.A. Eine grobe nationale Erinnerungsfeier. Brünner Zeitung, 1918, Jg. 71, Nr. 258, S. 4. [27] o. A. Der staatliche Neuaufbau. Brünner Zeitung, 1918, Jg. 71, Nr. 252, S. 1. [28] Sládek, M. Němci v Čechách: Německá menšina v českých zemích a Československu 1848-1946. Praha: Pragma, 2002. S. 26. [29] Im 19. Jahrhundert wurde diese Bezeichnung für den Raum des Grenzgebirges zwischen Böhmen, Mähren und Schlesien verwendet. Später diente es als eine Hilfsbezeichnung für ein Gebiet in der damaligen Tschechoslowakei, in dem überwiegend Deutsche lebten. Der Begriff „Sudetendeutsche“ bezeichnet die deutschsprachige Bewohner des Sudetenlandes. Mehr dazu: Beneš, Z. Rozumět dějinám: vývoj česko-německých vztahů na našem území v letech 1848-1948. Pardubice: Gallery s.r.o., 2002. S. 93. [30] o.A. Brünner Zeitung, 1918, Jg. 71, Nr. 254, S. 2. [31] Die Anzeige: siehe Anhang Nr. 2. [32] Bondi, G. Geschichte des Brünner deutschen Theaters 1600-1925. Brünn: Verlag des Deutschen Theatervereines, 1924. S.152. [33] übernommen von: Peterka, O. Obyvatelstvo města Brna. Brno: Lidová tiskárna, 1937. S.11. [34] übernommen von: Peterka, O. Obyvatelstvo města Brna. Brno: Lidová tiskárna, 1937. S.11. [35] übernommen von: ebenda S.11. [36] Prachař, A. Velké Brno. Brno: Ústřední spolek učitelský na Moravě, 1925. S.102. [37] Als Erste Republik bezeichnet man in Tschechoslowakei die Zeit vom Ende der Monarchie 1918 bis zum Münchner Abkommen am 30. 9. 1938. Mehr dazu: Vaculík, J. Nástin českých dějin 20. století. 2. Auflage. Brno: Masarykova univerzita, 2005. S. 29, 66. [38] übernommen von: Peterka, O. Obyvatelstvo města Brna. Brno: Lidové tiskárna, 1937. S.3. [39] übernommen von: Peterka, O. Obyvatelstvo města Brna. Brno: Lidové tiskárna, 1937. S.12. [40] o.A. Zusammenstöbe von Demonstranten mit dem Militär. Brünner Morgenpost, 1919, Jg. 54, Nr. 56, S. 1. [41] vgl. Čapka, F. Politické strany 1. republiky. Brno: Akademické nakladatelství, 1998. S. 17. [42] Die Titelseite der Verständigung: siehe Anhang Nr. 3. [43] übernommen von: o.A. Deutsche Gemeindewähler! Verständigung. Jg. 2, Nr. 16, S. 1. [44] Der Völkerbundrat war eine internationale Organisation mit Sitz in Genf. Er nahm am 10. Januar 1920 seine Arbeit auf. Er sollte den Frieden sichern. Mehr dazu: Der Völkerbund. [online]. [zit. am 7. 10. 2008]. Verfügbar aus: http://www.wikipedia.de/. [45] Vaculík, J. Nástin českých dějin 20. století. 2. Auflage. Brno: Masarykova univerzita, 2005. S. 38. [46] vgl. Vaculík, J. Nástin českých dějin 20. století. 2. Auflage. Brno: Masarykova univerzita, 2005. S. 53. [47] vgl. Sládek, M. Němci v Čechách: Německá menšina v českých zemích a Československu 1848-1946. Praha: Pragma, 2002. S. 50. [48] Die Karikatur: siehe Anhang Nr. 4. [49] Dr. Bulín war ein Vertreter des tschechischen Nationalausschusses und eine wichtige Brünner Persönlichkeit der Nachkriegsjahren. Mehr dazu: Peša, V. Dějiny města Brna, 2.díl. Brno: Nakladatelství Blok, 1973. S. 77. [50] Vlastimil Tusar war ein Ministerpräsident der Tschechoslowakei in den Jahren 1919-1920. Mehr dazu: Vaculík, J. Nástin českých dějin 20. století. 2. Auflage. Brno: Masarykova univerzita, 2005. S. 40. [51] übernommen von: Čermák, A. Brněnské školství. ohne Angaben. 1937. S. 8. [52] o. A. Deutsche Lehrer an die tschechischen Mittelschulen? Verständigung, 1922, Jg. 1, Nr. 3, S. 4. [53] Vaníček, F. V. Hlavní průvodce: Výstava soudobé kultury v ČSR: Brno květen-září 1928. Brno: Výstava soudobé kultury v ČSR, 1928. S. 53. [54] Heutige Bezeichnung- Veterinär und Pharmazeutische Universität, Brünn [55] Heutige Bezeichnung – Mendel-Universität für Land- und Forstwirtschaft Brünn [56] vgl. Manda, J.Ad. Die ersten Elternräte auf Brünner Boden. Alles für unsere Schule! Festschrift zur 10jährigen Bestandesfeier des Elternrates der deutschen Volksschule in den Schwarzen Feldern zu Brünn. 1920-1930. Brno: Deutsche Volksschule, 1930. S. 5. [57] vgl. Alles für unsere Schule! Festschrift zur 10jährigen Bestandesfeier des Elternrates der deutschen Volksschule in den Schwarzen Feldern zu Brünn. 1920-1930. Brno: Deutsche Volksschule, 1930. 51. S [58] Petr Kerndlmayer wurde zum Regierungskommissär am 6. November 1918 genannt. Mehr dazu: Peša, V. Dějiny města Brna, 2.díl. Brno: Nakladatelství Blok, 1973. S. 78. [59] vgl. Vaníček, F. V. Hlavní průvodce: Výstava soudobé kultury v ČSR: Brno květen-září 1928. Brno: Výstava soudobé kultury v ČSR, 1928. S. 82. [60] Vaníček, F. V. Hlavní průvodce: Výstava soudobé kultury v ČSR: Brno květen-září 1928. Brno: Výstava soudobé kultury v ČSR, 1928. S. 151-152. [61] ČSR ist eine Abkürzung für die Tschechoslowakische Republik. [62] Vaníček, F. V. Hlavní průvodce: Výstava soudobé kultury v ČSR: Brno květen-září 1928. Brno: Výstava soudobé kultury v ČSR, 1928. S. 131. [63] Vaníček, F. V. Hlavní průvodce: Výstava soudobé kultury v ČSR: Brno květen-září 1928. Brno: Výstava soudobé kultury v ČSR, 1928. S. 162. [64] Macků, J. Spolky a společnost. Brno: Dům kultury a osvěty města Brna, 1969. S. 15-17. [65] Chaloupka, J. et al. Pamětní spis k jubileu čtyřicetiletého trvání Národní jednoty pro JZ Moravu. Brno: Národní jednota, 1926. 126. S. [66] Felkl, H. Übersicht der Sprachinsel. Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel I. Brno: G. & R. Karafiat, 1924. S. 95. [67] Brünner Morgenpost, 1919, Jg. 54, Nr. 62, S. 3. [68] Verein deutscher Touristen in Brünn (Hrsg.). Führer durch Gross-Brünn und Umgebung. 2. Auflage. Brünn: F. Irrgang, 1922. 168. S. [69] Chaloupka, J. et al. Pamětní spis k jubileu čtyřicetiletého trvání Národní jednoty pro JZ Moravu. Brno: Národní jednota, 1926. S. 41. [70] vgl. Peša, V. Dějiny města Brna, 2.díl. Brno: Nakladatelství Blok, 1973. S. 82. [71] vgl. Kubíček, J. Soupis novin a časopisů vydávaných na Moravě a ve Slezsku v letech 1918-1945. Brno: Státní vědecká knihovna, 1979. S. 132. [72] Brünner Zeitung, 1917, Jg. 70, Nr. 251, S. 1-7. [73] Siehe Anhang Nr. 5. [74] Die Werbung in der Brünner Zeitung: siehe Anhang Nr. 6 [75] Brünner Zeitung, 1918, Jg. 71, Nr. 251, S. 1. [76] Flandern, K. Zur Putschaktion der reichsdeutschen und sudetendeutschen Kampfpolitiker. Verständigung, 1922, Jg. 1, Nr. 7, S. 1. [77] vgl. o. A. Nichts lernen und nichts vergessen. Verständigung, 1922, Jg. 1, Nr. 2, S. 4. [78] Hajn, A. Das tschechisch-deutsche Problem in der Tschechoslowakischen Republik. Verständigung,1924, Jg. 2, Nr. 18, S. 2-3. [79] Die Zeitung „Československá republika“ erschien früher unter dem Titel Pražské noviny. [80] Kubíček, J. Soupis novin a časopisů vydávaných na Moravě a ve Slezsku v letech 1918-1945. Brno: Státní vědecká knihovna, 1979. 143. S. [81] Die Titelseite der Zeitschrift „Elite“: siehe Anhang Nr. 7 [82] Das Mahen-Theater: siehe Anhang Nr. 8. [83] Das Theaterstück von J. K. Tyl. Aus diesem Werk stammt die tschechische Nationalhymne. Die Melodie wurde von F. Škroup komponiert. [84] vgl. Bondi, G. Geschichte des Brünner deutschen Theaters 1600-1925. Brünn: Verlag des Deutschen Theatervereines, 1924. S. 150. [85] ebenda S. 152. [86] ebenda S. 170. [87] Bondi, G. Geschichte des Brünner deutschen Theaters 1600-1925. Brünn: Verlag des Deutschen Theatervereines, 1924. S. 181. [88] o. A. Eine tschechische Stimme zur Verständigung: „Deutsche und Tschechen“. Verständigung,1922, Jg. 1, Nr. 9, S. 4. [89] vgl. Peša, V. Dějiny města Brna, 2.díl. Brno: Nakladatelství Blok, 1973. S. 96. [90] vgl. Sedlák, J. Slavné brněnské vily. Brno: Muzeum města Brna, 2006. S. 71, 74, 76. [91] Kudělka, Z.: Bohuslav Fuchs. Praha: Nakladatelství československých výtvarných umělců, 1966. 147 S. [92] Sedlák, J. Slavné brněnské vily. Brno: Muzeum města Brna, 2006. S. 62. [93] Ein Stil der Architektur in den 20-70er Jahren des 20. Jhds. In Architektur versteht man unter Funktionalismus das Zurücktreten ästhetischer Gestaltungsprinzipien hinter den die Form bestimmenden Verwendungszweck des Gebäudes. Mehr dazu: Funktionalismus.. [online]. [zit. am 23. 10. 2008]. Verfügbar aus: . [94] Das Hotel Avion: siehe Anhang Nr. 9 [95] Das Postgebäude in der Bahnhofstrabe: siehe Anhang Nr. 10. [96] Das Krematorium am Zentralfriedhof: siehe Anhang Nr. 11. [97] Der Bankpalast auf dem Freiheitsplatz: siehe Anhang Nr. 12. [98] Sarnitz, A. Adolf Loos 1870-1933. Architekt, kritik, dandy. Praha: Slovart, 2004. 96 S. [99] vgl. Sedlák, J. Slavné brněnské vily. Brno: Muzeum města Brna, 2006. S. 48. [100] Frieg, W.: Ludwig Mies van der Rohe – Das europäische Werk (1907-1937). Bonn, 1976. [101] Das Villa Tugendhat: siehe Anhang Nr. 13. [102] übernommen von: Klee, A. Die Brünner Sprachinsel. Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel I. Brno: G. & R. Karafiat, 1924. S. 4. [103] Klee, A. Die Brünner Sprachinsel. Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel I. Brno: G. & R. Karafiat, 1924. S. 4. [104] Klee, A. Die Brünner Sprachinsel. Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel I. Brno: G. & R. Karafiat, 1924. S. 5. [105] vgl. ebenda S. 7. [106] Felkl, H. Übersicht der Sprachinsel. Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel I. Brno: G. & R. Karafiat, 1924. S. 94 [107] übernommen von: Fousek, F. Auszählreime aus Nennowitz. Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel. Brno: G. & R. Karafiat, 1924. S. 66. [108] übernommen von: ebenda S. 66. [109] übernommen von: ebenda S. 67. [110] vgl. Strobl, K. H. Mödritzer Kirchweih. Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel I. Brno: G. & R. Karafiat, 1924. S. 42. [111] vgl. ebenda S. 42. [112] Strobl, K. H. Mödritzer Kirchweih. Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel I. Brno: G. & R. Karafiat, 1924. S. 44-45. [113] Die Mödritzer Volkstracht: siehe Anhang Nr. 14. [114] Appel, F. Die weibliche Volkstracht der Brünner Sprachinsel. Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel I. Brno: G. & R. Karafiat, 1924. S. 22 [115] übernommen von: Die Mödritzer Festtracht. [online]. [zit. am 17. 10. 2008]. Verfügbar aus:http://www.sudetendeutsche-heimatpflege.de [116] übernommen von: Die Mödritzer Festtracht. [online]. [zit. am 17. 10. 2008]. Verfügbar aus:http://www.sudetendeutsche-heimatpflege.de. [117] Felkl, H. Das deutsche Bauernhaus der Brünner Sprachinsel. Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel I. Brno: G. & R. Karafiat, 1924. S. 74-76 [118] Grundriss des Bauernhauses aus Unter-Gerspitz: siehe Anhang Nr. 15. [119] vgl. Felkl, H. Das deutsche Bauernhaus der Brünner Sprachinsel. Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel I. Brno: G. & R. Karafiat, 1924. S. 78-80. [120] Kubelka, V. Etwas über die Mundart der Brünner Sprachinsel. Zweites Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel. Brünn: G.& R. Karafiat, 1925. S. 53. [121] übernommen von: Kubelka, V. Etwas über die Mundart der Brünner Sprachinsel. Zweites Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel. Brünn: G.& R. Karafiat, 1925. S. 55-57. [122] übernommen von: Kubelka, V. Etwas über die Mundart der Brünner Sprachinsel. Zweites Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel. Brünn: G.& R. Karafiat, 1925. S. 55-57. [123] übernommen von: Kubelka, V. Etwas über die Mundart der Brünner Sprachinsel. Zweites Heimatbüchlein der Brünner deutschen Sprachinsel. Brünn: G.& R. Karafiat, 1925. S. 53. [124] vgl. Brněnské hantec. [online]. [zit. am 12. 10. 2008]. Verfügbar aus: . [125] vgl. Hertl, H. Brinnarisch-Die Umgangssprache der Brünner Deutschen in freier und gebundener Form. [online]. [zit. am 12. 11. 2008]. Verfügbar aus: .