MASARYKOVA UNIVERZITA Filozofická fakulta DIPLOMOVÁ PRÁCE Brno 2009 Bc. Veronika Hofericová Filozofická fakulta Masarykovy univerzity v Brně Ústav germanistiky, nederlandistiky a nordistiky Karl Norbert Mrasek in Brünn DIPLOMOVÁ PRÁCE Vedoucí práce PhDr. Zdeněk Mareček, Ph.D. Vypracovala Bc. Veronika Hofericová Brno 2009 Mein ausdrücklicher Dank gilt meinem Betreuer, Herrn PhDr. Zdeněk Mareček, Ph.D. Ich erkläre, dass ich die vorliegende Arbeit selbständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe. Wintersemester, Brünn 2009 ………………………………… Inhalt 1. Einleitung……………………………………………………………………….7 2. Karl Norbert Mrasek……………………………………………………………8 3. Brünn……………………………………………………………………..…….10 3.1 Brünner Sprachinsel……………………………………………………..…..11 3.2 Die Vertreibung……………………………………………………………..13 4. Sudetendeutsch………………………………………………………………….14 5. Verlagswesen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Mähren…………….....14 6. Unser Brünn……………………………………………………………………..16 6.1 Junge Theaterliebhaber………………………………………………………16 6.2 Das niesende Bild……………………………………………………….……17 6.2.1 Die Funktion der Brünner Realien…………………………...……….19 6.3 Karoline und Carolus…………………………………………………………19 6.3.1 Die Funktion der Brünner Realien……………………………………20 6.4 Mrasek und Brünn…………………………………………………………….21 7. Erlebtes und Erdachtes……………………………………………….…………..22 7.1 Brünner Dom…………………………………………………………….……23 7.2 Ballade vom Brünner Rad…………………………………………….………25 8. Brünn im Bild………………………………………………………………...…..29 9. Die Brünner und ihr Stadttheater………………………………..……………….32 10. Mähren und Schlesien: 141 Bilder der unvergessenen Heimat………………….33 11. Mutter und Heimat………………………………………………...……………..38 12. Brünn – Stadt der Gegensätze…………………………………………...……….40 13. Der Schönheitsucher……………………………………………………………..42 13.1 Markus Hilbinger und seine Seele…………………………………………….43 14. Wir sind die Heimat…………………………………………………….………..46 15. Der tote Baum……………………………………………………………………48 15.1 Der Baum als Symbol…………………………………….…………………..50 16. Mrasek und Symbole…………………………………………………………….51 16.1 Musik…………………………………………………...…………………….51 16.2 Tod……………………………………………………..…………………….53 16.3 Kirche und Christentum…………………………………..…………………..54 17. Fazit………………………………………………………..…………………….55 18. Quellen……………………………………………………...……………………57 1. Einleitung In meiner Diplomarbeit möchte ich mich mit der Persönlichkeit von Karl Norbert Mrasek beschäftigen, der eng mit der Geschichte und Kultur in Brünn verbunden ist. Mrasek lebte in Brünn in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, wo er als Schriftsteller tätig war. Nicht nur in der Zeitung für die Deutschen, die in Brünn lebten, sondern auch als Autor von Lyrik, Erzählerprosa und als Theater- und Literaturkritiker Bücher und Theater betrifft seine Tätigkeit. Ich werde kurz erwähnenmöchte gern nähern, welche Stellung die Deutschen in Mähren am Anfang des 20. Jahrhunderts hatten, wie sie gedacht und gefühlt haben. Ich werde ihr Kulturleben kurz charakterisieren. War es selten oder häufig, dass die Deutschen in Mähren lebten? Haben sie auch eigene Kultur gepflegt? Einleitend wird Mraseks Biographie dargestellt, auch sein Leben und seine Tätigkeit. Wurde auch was über diesen Schriftsteller von anderen geschrieben? Kann man Materialien und Informationen über ihn finden? Das möchte ich gern feststellen, weil ich glaube, dass es nicht so einfach ist, obwohl er in Brünn so lange lebte. Weiter schreibe ich in meiner Diplomarbeit über Brünn zu der Zeit, zu der hier Mrasek lebte. Im Zusmmenhang mit Mraseks journalistischem Engagement beschreibe ich die Auswirkung des politischen Umbruchs 1918 auf deutsche Presse, Theater, Schulwesen, kurz erwähne ich die Rolle des Vereins Deutschen Haus. Danach beschäftige ich mich schon mit Mraseks Werken mit Brünner Thematik Gibt es eine Entwicklung in Mraseks Erzählungen, Geschichten, bzw. Gedichten über Brünn? Wie waren seine Brünn-Werke in der Ideologie der Deutschen in Mähren verankert? Abschlieβend versuche ich die wichtigsten Merkmale seiner literarischen Brünn-Darstellung zusammenzufassen. 2. Karl Norbert Mrasek Karl Norbert Mrasek wurde am 9. Mai 1892 in Brünn geboren, wo er bei der Arbeiter-Unfalls-Versicherung als Oberkommissär tätig war, nach dem Zweitem Weltkrieg wurde er Direktionsrat in Flieden in Hessen. Mrasek war vor allem Erzähler. Diese Informationen über den Schriftsteller Karl Norbert Mrasek kann man in dem Deutschen Literatur-Lexikon von Wilhelm Kosch[1] finden, nichts anderes. Vergleicht man dieses Lexikon[2] aus dem Jahre 1953 mit demselben Lexikon, der im Jahre 1986 erschienen ist, gibt es fast keine Unterschiede, was die Auskunft über Mrasek und seine Werke betrifft, nur die Werkliste ist Titel aus der Zeit 1953 erweitertworden. Auch Josef Mühlberger geht in sener Geschichte der deutschen Literatur in Böhmen 1900 – 1939[3] über Mrasek nicht achtlos hinweg, und beschreibt ihn als beamteten Direktionsrat, Theater- und Kunstkritiker und Schriftsteller – als eine spätösterreichische Mischung. Mrasek schriebe viele Werke mit bedeutsamen Stoffen, im Grunde aber sei er der Brünner, dessen Taschen mit Brünner Historie und Geschichten vollgestopft waren. Seine Histörchen aus Brünn (1928) sollte er nach der Vertreibung in einigen Büchern fortsetzen, die die Erinnerung an die alte Heimat wach halten sollen. Mühlbergers Charakteristik kann man nur bestätigen, weil Mrasek meistens von Brünn, seiner Innenstadt, aber auch Umgebung, und Personen, die in dieser Stadt lebten, schrieb. Er widmete sich auch der Brünner Geschichte und der Sagen, wie zum Beispiel in dem Gedicht Ballade vom Brünner Rad, das eng mit der Geschichte des Brünner Rades zusammen hängt, das noch heute im Alten Rathaus hängt. Wenn man andere Lexika nimmt, wie zum Beispiel Metzler Lexikon Literatur[4], Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur von Kunisch, Wiesner und Cramer, Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, dessen Herausgeber Prosche war, oder Autoren Lexikon von Lutz und Jeβing, der auch im Metzler-Verlag herausgegeben wurde, findet man über Mrasek gar keine Notiz. Mraseks Werk blieb in formaler Hinsicht epigonal, thematisch allzu eng mit Brünn verbunden und erschien in kleinen Verlagen. Da sind wohl die wichtigsten Gründe seiner Vernachlässigung in literaturgeschichtlichen Nachschlagewerken, wenn man von ästhetischen Kriterien absieht. Eins ist aber sicher: Mrasek wurde in Brünn geboren, wo er bis zu dem Zweiten Weltkrieg tätig war. Er arbeitete als beamteter Buchhalter Kommissar, und zugleich widmete er sich dem Schreiben. Ursprünglich studierte Mrasek Jura in Wien, aber das Studium musste er nach dem Tod des Vaters abbrechen. Mrasek schrieb vor allem Erzählungen, aber zu seinem Werk zählt man auch Gedichte, Novellen, Theaterstücke, Sagen und Balladen oder auch Kritiken. Sein erstes Buch trägt den Titel Sankt Georg mit dem Drachen, das ein im Jahre 1916 erschienen Novellband und in Leipzig erschien. Danach folgten andere Novellen, wie zum Beispiel Die Säumerglocke (1923), Norne (1924), Der Raub im Blick (1942), Der Zaubergraf (1956). Mrasek schrieb aber auch Romane (z.B. Midasgold, 1923), einen historischen Roman (Kein Meister fällt vom Himmel, 1962), Erzählungen (z.B. Ein Tor fiel zu, 1961), Gedichtbände (z.B. Vom Erleben, 1924). Im Jahre 1942 ist es Mrasek gelungen, ein Stück zu schreiben, das den Titel Aschenglut trug, und im Brünner Schauspielhaus aufgeführt wurde. In dieser künstlerisch geprägten Umwelt wuchs der Schüler und der Gymnasiast Mrasek in das deutsche und abendländische Kulturleben hinein. Sie hat seine aufnahmebereite Knabenseele maßgeblich befruchtet und dem Schönen, Edlen und Guten aufgeschlossen entgegenreifen lassen. Seine Hochschuljahre verbrachte er in der Kaiserstadt Wien, die ja für den Brünner und die Deutschen Mährens im allgemeinen den großen kulturellen Mittelpunkt darstellte. Man hat Brünn oft einen „Vorort Wiens“ genannt und damit diese sehr enge Verbundenheit andeuten wollen. Beiden Städten ist Mrasek noch heute in gleicher Liebe und Zuneigung verbunden und beide haben auch den gleichen Anteil an seinem Werden als Dichter. Von frühester Jugend an interessiert sich Mrasek für das Theater und viele Jahre lang schrieb er für den „Brünner Tagesboten“ feinsinnige Kunstberichte, die gesammelt und herausgegeben einen interessanten Beitrag zur Geschichte des deutschen Kulturlebens der mährischen Landeshauptstadt liefern würden. […] Mit vielen Musikern, Schauspielern, Malern, deren Weg zum Erfolg er mit seinen tiefschürfenden Essays begleitete, verband ihn eine echte, auf gegenseitige Förderung bedachte Freundschaft. [5] Die literarische Tätigkeit von Mrasek war auch eng mit Zeitungen verbunden, vor allem mit dem Tagesboten. Im Jahre 1850 wurde in der mährischen Metropole Brünn Brünner Fremdeblatt gegründet, der später, im Jahre 1900, Der Tagesbote genannt wurde[6]. Seine Beiträge umfassenUnter seine Beiträge, die natürlich auch in dieser Zeitung aufgeführt wurden, zählt man Kritiken, Feuilletons, auch Gedichte. Nach der Vertreibung war er Mitglied der Bruno, Heimatverbandes der Brünner in der Bundesrepublik Deutschland e.V., über die seit 1953 die Stadt Schwäbisch Gmünd die Patenschaft übernommen hat. Im Jahre 1967 wurde Karl Norbert Mrasek zu ihrem ersten Kulturpreisträger. Er war auch Mitglied des Heimatverbandes der Brünner Bruna, das die Deutschen, die gezwungen waren, Brünn zu verlassen, vereinigt. Nach der Vertreibung lebte Mrasek vorübergehend in Linz später lebte er in Hessen, wo er auch am 26. April 1985 im Alter von 93 Jahren gestorben ist. 3. Brünn Am Anfang des 20. Jahrhunderts war Brünn die Hauptstadt der österreichischen Markgrafschaft Mähren, das als Industrie-, Handels- und Schulstadt galt. Brünn hatte im Gebrtsjahr Mrasekshat zu dieser Zeit viele Kirchen, die auch national geleilt waren: deutsch war die Stadtpraarkirche St. Jakob. Seit 1981, als der Einfluss der Tschechenzunahm, gab es in Brünn auch das Backsteingebäude des Deutschen Hauses. Der Landtage, die Stadthalterei, Rathaus mit gotischem Portal, Gewerbemuseum, die Oberrealschule und das deutsche Gymnasium, das deutsche und das slawische Vereinshaus, das Stadttheater, das im Jahre 1882 eröffnet wurde, und das als erstes Theater auf dem Kontinent elektrisch beleuchtet wurde. Damals trug dieses Theater den Namen Das Brünner Deutsche Theater. Die Zahl der Einwohner war gegen 20. Jahrhundert etwa 94 000, darunter 69% Deutsche und 31% Tschechen, nicht selten bildeten sich zwischen diesen zwei Nationalitäten Konflikte. Kein Wunder, dass es in Brünn viele Schuleinrichtungen für Deutschen gab: zwei deutsche Obergymnasien, eine deutsche Landes-Oberrealschule und eine deutsche Staats-Realschule. Brünn wurde nie zu einem literarischen Zentrum wie Prag oder Wien, wie ljunge Talente die Stadt bald verließen, um in Wien zu studieren und sich dort bzw. in Berlin niderzulassen. Ihre Bindungen an die Heimatstadt waren jedoch nicht gleich unterbrochen und in der Brünner Presser wurde das Werk von Brünner Landsleuten regelmäßig verfolgt. Robert Musil kam über Stuttgart und Berlin nach Wien, Philipp Langmann, Richard Schaukal, Oskar Jellinek, Karl Hans Strobl und Hans Müller ebenfalls nach Wien, Felix Langer, und Ernst Weiss nach Berlin. Vor dem nationalsozialistischen Terror und dem Zweiten Weltkrieg mussten jüdische Autoren, wie Jelinek, mssten die Stadt verlassen, andere – wie zum Beispiel Karl Kreisler – wurden umgebracht. Trotzdem haben sie auch noch später ihre eigenen Erinnerungen in Texten und Bücher verfasst, es war zum Beispiel Robert Musil. Gerade Musil nannte in seinem Roman Der Mann ohne Eigenschaften eines der Kapitel Beschreibung einer kakanischen Stadt. Kakanien ist ein Model, ein Bild von Brünn. Das Wort Kakanien ist die Abkürzung von „k.k.“ für „kaiserlich – königlich“, hier verstanden als ironische Bezeichnung für die österreichisch-ungarische Monarchie. Kaka kommt aus dem Griechischen und bedeutet auf Deutsch schlecht. 3.1 Brünner Sprachinsel Brünn war und immer ist – mit Ausnahme der Protektorateit bis 1949 - die Hauptstadt Mährens mit politischem kulturellem und wirtschaftlichem Zentrum, das am Anfang des 20. Jahrhunderts als Vorort Wiens bezeichnet wurde, und das seti 1839in der Hälfte durch die Eisenbahn mit Wien verbunden wurde. Neben Brünn zählten zur Brünner Sprachinsel neun Ortschaften Kumrowitz, Czernowitz, Ober- und Untergerspitz, Nennowitz, Priesenitz, Morbes, Mödritz, Schollschitz und Maxdorf. Zu der Zeit waren in der deutschen Hand auch die bedeutendsten wirtschaftlichen Unternehmen. Im Jahre 1896 waren noch 60 von Hundert Deutsche, aber schon im Jahre 1920 bildeten die Deutschen die Minderheit. Gegen das Jahr 1930 zählte Brünn 200 000 tschechische und 52 000 deutsche Einwohner. [7] Bevölkerungsstatistik in Mähren am Anfang 20. Jahrhunderts:[8] 1910 1921 1930 Tschechen 4 383 000 4 713 000 Deutsche 3 512 682 2 173 000 2 271 000 Wie aus der Tabelle hervogeht, wurde die Zahl der deutschen Bevölkerung in Mähren immer niedriger. Im Jahre 1930 lebten in Brünn 52 200 [9] Deutsche. Nach dem Jahre 1928 mussten alle deutschen Beamten tschechische Sprachkenntnisse (Grammatik sowie Literatur) beherrschen, und Brünn wurde von den Tschechen übernommen. In dem Jahre 1921 waren in der Ministerium nur 2 % Deutsche, und im Postministerium waren unter 558 Beamten sogar nur drei Deutsche. Mit dem Anteil Deutschen in anderen Fachgebieten war es ähnlich. Es wurden auch sogenannte Minderheitsschulen gegründet, obwohl es früher deutsche Grundschulen, Gymnasien und auch Hochschulen gab:Seit 1871 hatte Brünn zwei deutsche Staatsgymnasien, 1880 kam die erste tschechische Realschule hinzu. Dem deutschen Bevölkerungsanteil wurden zwar Rechte der Minderheit zugestanden, aber regionale Autonomie hatten sie keine. Es war schon während des Ersten Weltriegs klar, dass die Tschechen ihren eigenen Staat gründen planen, falls der Krieg mit dem sie der Entente enden wird, es wurde im Januar 1918 öffentlich deklariert. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie versuchten die deutschsprachigen Abgeordneten aus Böhnen, Mähren und Schlesien sich gegen den neu entstandenen tschechoslowakischen Staat zu wehren und vierösterreische Proveinzen in Randgebieten abzuspalten. Es waren Deutschböhmen, Böhmerwaldgau, die zu Oberösterreich kommen sollte, in Deutschsüdmähren (sollte zu Niederösterreich kommen) und in Sudetenland, das nur den Osten Böhmens, einen Teil Nordmährens und das ehemalige Österreichisch Schlesien umfasste. 3.2 Die Vertreibung Im Mai 1945 begann in Mähren von der tschechischen Seite der „Abschub“, der von Misshandlungen, Totschlag und Mord begleitet war. Etwa 250 000 Deutsche kamen durch Mord, katastrophale hygiensiche Bedingungen, Folter und Selbstmord ums Leben, aber genauere Untersuchungen fehlen immer. Fast dFrei Millionen wurden insgesamt vertrieben. In Brünn begann das den Todesmarsch am 30.5. 1945, als 25 000 Deutsche ihre Heimatstadt verlassen mussten, weil sie an die österreichische Grenze getrieben wurden. Die Vorhersage von Benesch aus dem Jahr 1943, dass das Kriegsende in der CSR mit Blut geschrieben werde und der Aufruf des tschechischen Generals Ingr aus dem Jahr 1944: „Schlagt sie, bringt sie um, lasst keinen am Leben….“ [10] Nach dem Kriegsende wurden von der tschechoslowakischen Regierung über das ganze Land Internierungslager errichtet, wohin 350 000 deutsche Frauen und Männer deportiert wurden, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Das Deutsche Rote Kreuz spricht bis 1955 von rund 100 000 Ermordeten und Verstorbenen in diesen Lagern. Andererseits wurden viele Deutsche in Tschechien festgehalten, weil man hier Facharbeiter zur Aufrechterhaltung der industriellen Produktion brauchte, und viele von ihnen konnten das Land erst nach Jahren verlassen. Heute gibt es einmal pro Jahr den Sudetendeutschen Tag, an dem sich viele Sudetendeutsche treffen, die noch vor dem Zweiten Weltkrieg Böhmen oder Mähren für seine Heimat hielten. Man kann natürlich auch nicht vergessen, dass die Deutschen mit den Tschechen nicht gut gehandelt haben. Viele tschechschie Leute haben vor dem Beginn und während des Krieges ihr Leben verloren, und für diejenigen, die den Krieg überlebten, waren die Lebensbedingungen in dem Krieg schlimm: das wissen alle. Nur selten kann man aber in Büchern lesen, wie die Deutschen in Mähren und Böhmen auch verfolgt wurden. Das war eigentlich das Ziel dieser Kapitel, die Vertreibung der Deutschen in Mähren aus einer anderern Sichtweise zu betrachten. 4. Sudetendeutsch Der Begriff „Sudeten“ geht zurück auf Ptolemäus als der Gebirgsname auf, womit die böhmischen Gebirge wie Erzgebirge, Riesengebirge und andere bezeichnet wurden. Später, das heißt im 16. Jahrhundert benutzen die deutschen Gelehrten diese Bezeichnung sowohl für Gebietsbezeichnung als auch für das Gebirge. Erst im Jahre 1902 prägt der deutsche Schriftsteller Franz Jesser den Begriff „Sudetendeutschen“, der die Bezeichnung für die Einwohner deutscher Nationalität, die in den böhmischen Ländern leben, bedeutet. Sie bewohnten im Wesentlichen die Gebirgslandschaften, die in der Nähe der Grenze waren, aber zugleich bildeten sie auch Sprachinseln. Zugleich bezeichnet er die Deutschen in Österreich als die „Alpendeutschen“ und die Deutschen in Ungarn als die „Karpathendeutschen“. Unter dem Begriff „Sudetendeutsche Länder“ meint er Böhmen, Mähren auch Schlesien. Aber bis zum Ersten Weltkrieg bleiben die Bezeichnungen „Sudetendeutsch“ und „Sudetendeutschen“ nur eine seltene Bezeichnungen. Diese Begriffe wurden erst im neuen tschechoslowakischen Staat populär, vor allem durch die Sudetendeutsche Partei Konrad Henleins, die am 1. Oktober 1933 um Konrad Henlein als Sudetendeutsche Heimatfront SdH gegründet wurde, und die sich für eine größere Autonomie des Sudetenlandes einsetzte. Im Jahre 1935 war die Sudetendeutsche Partei die stärkste Partei aller Parteien in der tschechoslowakischen Republik, aber sie beteiligte sich nie an der Regierung. Unter sudetendeutsche Autore zählt man Mrasek auch, weil er Deutsche im tschechischen Land war. Er hielt Mähren für seine Heimat, trotzdem wurde er dank seiner deutschen Nationalität vertrieben. 5. Verlagswesen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Mähren Sudetendeutsches Verlagswesen bildete erst nach dem Jahre 1918 heraus, weil es bis dahin von reichsdeutschen und Wiener Verlegern versorgt wurde. Für die Schriftsteller und Dichter bedeutete es, dass sie bedeutend wurden. Am meisten wurden die Verlage von Dichtern gegründet, weil es für sie gutes Unternehmen war, und zugleich gelangten andere sudetendeutsche Autoren, deren Werke hier erschienen sind, zu Ruf und Ansehen. Es war nicht immer einfach, einen sudetendeutschen Verlag zu betreiben, weil die Verleger vielfache Opfer bringen, mussten. Das Interesse der deutschen Bevölkerung an auslanddeutschen Dingen, in diesem Falle an sudetendeutscher Dichtung, war nicht besonders groß, es betraf nur sehr geringe Kreise der Deutschen. Eine Änderung könnte hier gemacht werden, wenn die Buchhändlerschaft sich einmal die Mühe nehmen wollte die sudetendeutschen Verleger zu berücksichtigen oder wenn auch die Werke dieser Schriftsteller zum ganzen Volke sprechen würden. Der Großteil der Werke der Dichter des Landes wurde im Reich verlegt. Zum Mittelpunkt des sudetendeutschen Verlagswesens wurde nach dem Krieg Reichenberg, das als das sudetendeutsche Leipzig bezeichnet wurde. Diese Stadt war Sitz von größeren Verlagsunternehmen. In Reichenberg saß der Sudetendeutsche Verlag Franz Kraus, in dem die Bücher von deutschen Schriftstellern aus Böhmen und Mähren erschienen. Es entstand hier zuerst Volks- und Heimatliteratur, später auch schöne Literatur, Bühne und Hörspiele, Zeitschriften oder Monatsschriften. Um Pädagogik, Lehrbücher und Jugendschriften kümmerte sich in Reichenberg Paul Sollor, um Schulbücher und Unterrichtsbriefe dann Nordböhmischer Verlag. Aber auch in Brünn findet man manche Verlage: Der Verlag Rudolf M. Roher pflegte die Geschichte, Kunstgeschichte, Musikgeschichte, Volkskunde, Sprach- und Literaturgeschichte oder auch Rechts- und Wirtschaftgeschichte. Die Werke der jüdischen Autoren erschienen in Warnsdorf in Verlag Eduard Strache, die sudetendeutsche Heimatforschung, schöne Literatur oder Erzählungsbände in Verlag Eduard Kaiser. Den Verlag von Adam Kraft befand sich in Karlsbad-Drahowitz, der im Jahre 1927 entstand, und in dem die Zeitschriften Ackermann aus Böhmen und Das Deutsch Erbe erschienen sind. In Karlsbad gab es auch den Verlag Karl Hermann Frank, wo nicht nur politisches Schrifttum im Dienste der Sudetendeutschen Partei Konrad Henleins, wie zum Beispiel Bücher oder Broschüre, erschienen, sondern hier wurde auch über Werden und Wachsen der Bewegung unterrichtet. Wichtige und bedeutende Verlage befanden sich auch in Budeweis, Landskron oder Warnsdorf, die sich vor allem mit Heimatbüchern beschäftigten. Mraseks Bücher wurden nach der Vertreibung in dem Brünner Buchring herausgegeben, der seit 1950 in Leimen – Heidelberg seinen Sitz hatte. Dieser Verlag arbeitete mit den Deutschen in Brünn zusammen. Als er das Buch Mähren und Schlesien: 141 Bilder der unvergessenen Heimat zusammen mit Adam Kraft verfasste, erschien dieses Buch natürlich im dem Verlag von Adam Kraft. Mraseks Bücher wurden auch in anderen Verlagen herausgegeben, aber am häufigsten war es in dem Brünner Buchring. 6. Unser Brünn Der Band Unser Brünn enthält zwei kurze Geschichten, Humoresken, die in Brünn spielen. Die Humoreske ist eigentlich eine kurze, harmlose, heitere und humoristische Dichtungsart, die schon am Anfang des 18. Jahrhunderts entstand, aber erst im 19. Jahrhundert sich entwickelte. Humoresken sind Episoden, in denen der bürgerliche Alltag realistisch abgebildet wird, und menschliche Beschränktheit stets humorvoll kommentiert wird. Die Humoresken von Mrasek sind recht kurz, aber wirklich humoristisch und witzig. Weil Mrasek in Brünn lebte, erscheinen in den Geschichten Brünner Realien, wie zum Beispiel die Straßen, Plätze, Theater, konkrete Gebäude und vieles mehr. Am Anfang des 20. Jahrhunderts waren sogenannte „lebende Bilder“ sehr populär, was auch in einer der Geschichten Mraseks z M u sehen ist, weil diese Bilder in seiner Humoreske Das niesende Bild eine wichtige Rolle spielen. In der zweiten Humoreske wird über lebende Bilder geschrieben, die eine Bilddarstellung von Werken der Künstler (Maler oder Plastiker) durch lebende Menschen, eine Personengruppe, vor Zuschauern bezeichnen. Dabei spielen eine wichtige Rolle die Kostüme, die Musik und das Licht. Sie wurden nicht nur in Theatern, sondern auch zu verschiedensten Festen veranstaltet, wie auch in der ersten Geschichte. In der Mraseks Zeit waren diese Bilder sehr beliebt, sogar bei Feiern in Privatkreisn. 6.1 Junge Theaterliebhaber Karl Norbert Mrasek war Dichter, Schriftsteller und Journalist und liebte Theater, was auch in seinen Werken zu erkennen ist. Seine Helden weisen wohl autobiographische Züge auf, weil sie auch Theater mögen. Wladimir ist ein Beamter, ein Statthalterei-Sekretär, der eine Vorliebe für das Theater und vor allem für die Künstlerrinnen hat. Ähnlich ist es auch in einem anderen Buch von Mrasek, in dem Roman Der Schönheitsucher: Der Held studiert Jura und soll auch Jurist werden, weil es sein Vater will, aber er selbst liebt Bücher, Schreiben und Theater. Beide Hauptpersonen sind ähnlich, weil sie einen bestimmten Beruf haben, aber lieben Kunst und Theater. Auch in der Geschichte Karoline und Carolus wird über Theater geschrieben, als diese zwei Verkehrsmittel durch Brünn fuhren, fahren sie am Stadttheater vorbei. Der Leser soll sich durch gemeinsame Erinnerungen angesprochen fühlen, durch eine Erzählgeste wird der fiktionale Rahmen quasi durchbrochen. In den anderen Geschichten hat sein Held Vorliebe für Theater, aber hier ist es nicht möglich, und deshalb widmet er sich einerseits nur dem Theater. Man gewinnt das Gefühl, als ob Mrasek seine eigenen Erlebnisse nur erzählte. In dem ganzen Buch fehlen natürlich auch Bilder von dem Stadttheater nicht: die Wandelhalle und die Freitreppe. Freunde, wem schlägt das Herz nicht höher, wenn er an das Brünner Theater denkt! Das war eine Welt, ein Fluidum, eine Sphäre für sich. Ein Traum von Weiß, Gold und flutendem Licht, von Logen und Rängen, von schönen Frauen, Schmuck, Spitzen und Seide, von Parfüm, Musik, künstlerischen und gesellschaftlichen Ereignissen. Unvergesslich bleibt mir der Eindruck, als ich das erste Mal ins Theater durfte, als kleiner Knabe, in eine Abendvorstellung sogar. Meine Mama war abonniert, Serie gelb – ihr erinnert euch noch: gelb, rot, blau, grün – und ließ mich eines Tages auf ihren Sitz. Operette „Die Landstreicher“. Ich glaube, ich hatte nie wieder ein so nachhaltendes Erlebnis, das mir wie mit einem Donnerschlag das Tor aufriss zu einer bisher unbekannten magischen Welt, der seither meine ganze Liebe, Leidenschaft und Liebhaberei gehörte. [11] 6.2 Das niesende Bild Die erste Humoreske dieses Band spielt in Brünn in der Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, wo Kaiser Franz Josef I. herrschte. Die Hauptperson stellt der k.k. Statthalterei-Sekretär Wladimir Ritter von Sadczansky dar, der von der Exzellenz, dem Herrn Statthalter, eine wichtige Aufgabe hat: Wladimir soll eine festliche Vorstellung im Theater organisieren. Ja, Sadczansky hat seine Beziehung zum Theater, aber zugleich hat er auch eine Beziehung mit einem Mädchen vom Ballett, mit Demoiselle Jeanette Saverelle, mit ihrem bürgerlichen Namen Hansi Zawrzel, zugleich würde er gern eine Tochter des Barons Offenbach, Amelie, heimführen, weil sie aus einer guten Familie kommt. Wladimir überlegt also schon über Vorbereitungen für die Vorstellung und entscheidet sich, seinen Freund, den Grafen Julay-Balatonhazy zu besuchen und um Ratschläge zu bitten. Der Graf hat gute Ideen, und schlägt vor, dass lebende Bilder einen großen Eindruck machen müssen. Aber Wladimir bekommt noch einen Ratschlag, weil er vorhat, mit der Demoiselle Schluss zu machen: Ein Rezept für Abschied von der Demoiselle Saverelle. Am besten wäre es, wenn er einen Freund um Hilfe bitten würde, damit sie Wladimir mit einem anderen erwischt und eine dramatische Szene macht. Die Vorbereitungen für die Vorstellung beginnen, und Sadczansky hat eine gute Idee, die Generalprobe für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, damit die Einnahmen zu verdoppelten. Die Generalprobe wurde drei Tage vor der Festvorstellung angesetzt, aber trotzdem muss schon alles gut klappen, weil diese Probe seine Exzellenz der Statthalter besuchen will. Der Tag der Generalprobe rückt heran, und alles ist in Ordnung. Aber kurz vor dem Anfang erhält Wladimir einen Brief von Amelie, die die Gestalt der Austria darstellt, wo steht, sie komme nicht, weil sie von einer schweren Migräne befallallen worden. Weil die Probe stadtfinden muss, entscheidet sich Sadczansky, die Hansi um Hilfe zu bitten. Die Demoiselle soll statt Amelie die Austria darstellen, aber das Publikum darf es nicht wissen, weil auf dem Programm der Name von Amelie steht. Hansi steht mit dem Rücken zum Publikum, das Orchester intoniert die Kaiserhymne, aber dann passiert der Unfall: Hansi beginnt zu niesen, und die ganze Büste droht herabzustürzen. Baronesse Amelie und ihre Mutter kommen danach doch noch ins Theater, aber sie verstehen nicht, warum das Publikum über sie lacht. Sadczansky muss der Exzellenz über den wahren Sachverhalt berichten, und auch vor das Publikum treten, um dieses Missverständnis aufzuklären. Im Saal ist aber nur Gelächter und zu hören, weil doch die Baronesse im Foyer gesehen wurde. „Die wahre Ursache wird nie an den Tag kommen. Demoiselle Saverelle alias Zawrzel behauptete nachher steif, eine neidische Kollegin hätte ihr Niespulver auf das Kostüm gestreut. Es konnte aber auch sein, dass sie Wladimirs Liebe für erloschen hielt und sich mit echt weiblicher Grausamkeit an ihm zu rächen versuchte. Oder sie wollte aus gekränktem Stolz Vergeltung üben, weil man ihre Mitwirkung für herabwürdigend hielt. Wie dem auch sein mochte, eine solche Blamage war in der ganzen österreichisch-ungarischen Monarchie nicht erlebt worden, noch dazu bei der Kaiserhymne, und Wladimir war der unglückselige Sündenbock.“ ^2[12] Wladimir Ritter von Sadczansky wurde natürlich versetzt, nach Lemberg, und seine Verbindung mir Baronesse Amelie kam nicht in Frage. Hansi Zawrzel hat schon einen neuen Freund. 6.2.1 Die Funktion der Brünner Realien (als identitätstiftendes Motiv) In dieser Geschichte sind nicht so viele Realien zu finden, die mit Brünn etwas zu tun hätten. Ganz am Anfang der Humoreske kann man über die Thomaskirche lesen, an der Wladimir vorbei geht, und die wirklich neben der Statthalterei steht. Weiter kommt er durch die Kirchengasse auf den Großen Platz. Die Kirchengasse gibt es zurzeit nicht mehr, aber wenn Wladimir von der Thomaskirche kommt, könnte diese Straße vielleicht „Rašínova“ heißen. Durch diese Straße kommt er auf den Großen Platz, der heute den Namen „Náměstí Svobody“ trägt. Auf dem Platz stehen immer noch die Mariensäule, über die schon Mrasek schreibt, und auch das Herrenhaus, das ehemals den Grafen Berka von Dub und Lipa gehörte, in dem der Graf Julay-Balatonhazy wohnen sollte. Dieses Haus steht wirklich auf dem Platz, aber der Name hat sich ein bisschen geändert: „Dům pánů z Lipé“. Die meiste Geschichte spielt in dem Theater, aber man erfährt nicht, in welchem. Mehr Brünner Realien sind in dieser Geschichte nicht mehr zu finden. Man kann nur noch lesen, dass es gerade die Österreichisch-Ungarische Monarchie unter dem Kaiser Joseph I. gibt, aber etwas mehr von Brünn erfährt man nicht. 6.3 Karoline und Carolus Die zweite der Humoresken trägt den Titel Karoline und Carolus, die eigentlich eine Trambahn und ein Dampfschiff sind. Diese Geschichte wird vor einem alten Mann erzählt, der von klein auf in Brünn lebte und sich gerade daran erinnert. Damals waren Karoline eine schöne Dampftrambahn und Carolus ein kleines Passagierboot, aber Karoline diente nach ein paar Jahren schon nur als ein Güterwagen vom Bahnhof zu den Fabriken. In einer Fastnacht, als die Turmuhr die zwölfte Stunde schlug, begannen Karoline und Carolus zu erwachen, und weil sie seit vielen Jahren in Dienst sind, wollten sie eine gemeinsame Fahrt ins Glück machen. Unterwegs kommen zu ihnen noch ein Blaue Löwe, der als Pudel aussieht, das Krokodil vom Rathaus und ein Adler vom Schwedendenkmal, und alle zusammen fahren in das Deutsche Haus, wo gerade ein Fest mit Masken und Kostümen stattfindet, so dass die Leute der Meinung sind, dass diese Trambahn mit den Anderen zum Programm gehören. Nachdem alle richtig getanzt haben, entscheiden sie sich, noch ins Zentrum zu fahren, wobei sie noch den Diavolo, den Wirtshaussymbol, treffen. Plötzlich merken sie, dass es schon zehn vor eins ist, was das Ende der Geisterstunde bedeutet. Die Trambahn Karoline muss schnell zum Bahnhof, aber sie hat nicht genug Kohlen, und bleibt in der Straße stehen. Carolus hofft mit Hilfe des Adlers noch rechtzeitig auf seinen Platz zurückzukehren. Weil er aber wenig Zeit hat, lässt er den Carolus ins Wasser fallen, und er selbst muss schnell das Schwedendenkmal erreichen, dass er es nicht mehr schafft, die Flügel einzuziehen. Kurz bevor geschieht ein Malheur dem Krokodil, das die Spitze der Portals in der Mitte verbogen hat. Auch der Blaue Löwe kommt nicht ohne Schaden davon, er gerät im Konflikt mit dem Hund, der hat ihm die Schnauze weggebissen. Am anderen Tag stand in dem „Tagesboten aus Mähren und Schlesien“, was alles in der Nacht passiert wäre jemand hätte den Adler mit schwarzer Farbe beschmiert, das Motorschiff umgestoßen, die Lokomotive versucht zu klauen. 6.3.1 Die Funktion der Brünner Realien In dieser Geschichte erfährt man über Brünn recht viel, Straßennamen, Namen der Vororte, oder Gebäude. Man kann erfahren, dass es schon vor hundert Jahren das Gebäude von Semilasso geb, das als eine Gastwirtschaft diente. Auch das bekannte Hotel Padowetz gab es schon damals, aber zurzeit wird dieses Bürogebäude mit dem hochtrabenden Namen Palác Padowetz wieder zu dem Hotel umgebaut. Es ist auch interessant, dass schon die heutige Linie 1 zur Verfügung stand, die aber nur von Schreibwald oder „Pisárky“ nach Königsfeld oder „Královo Pole“ fuhr. Diese Dampftrambahn wurde nach eine paar Jahren durch eine elektrische Strassenbahn ersetzt. Über das ehemalige Deutsche Haus kann man jetzt nur schwer was finden, aberdieses Haus stand auf dem damaligen Lažanský-Platz, heute Moravské náměstí, und war zwischen 1891 und 1945 der Treffpunkt der Deutschen in Brünn. Auch Mrasek bewunderte dieses Gebäude viel, und man kann sagen, dass er stolz darauf war, auf das Deutschtum. 1951, also sechs Jahre nachdem das im Krieg beschädigte Gebäuge abgerissen wurde beschrieb er das Deutsche Haus folgendemaβen: Wenn je ein Name vollauf seine Bedeutung erschöpfte, so war es die Bezeichnung: Deutsches Haus. Denn es stellte im wahrsten Sinne des Wortes Mittelpunkt, Sinnbild, Hochburg, Inbegriff des Brünner Deutschtums dar. Einfach das deutsche Haus, Kernstück des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens. Der in Pracht und Luxus ausgestattete Große Festsaal mit Marmorsäulen, Täfelung und kassettierter Decke, die mächtige Orgel, der kleine Festsaal und der Engelmannsaal, die Freitreppe, Wandelhalle und das „Aquarium“, das altmodische Kaffehaus mit den unentwegten Tarock- und Billardspielern, der moderne Speisesaal, Konzertterrasse, Schwemme und Schwemmgarten, die Lesehalle und Bücherei im ersten Stock, was haben diese Räume nicht alles erlebt! Schulvereins-, Deutsches Haus- und Techniker-Bälle, Theater- und Rettungs-Redouten, Aschermittwochtreiben; philharmonische, Männergesangs- und Orgelkonzerte; in der Notzeit Heimstätte des Brünner deutschen Theaters; politische Versammlungen, oft schwer bedroht von gegnerischer Belagerung; hier konnte mann zu jeder Zeit den Pulsschlag des Deutschtums verspüren... [13] Der Bau des Deutschen Hauses begann im Sommer 1888, als den Deutschen gelungen ist, das Geld für den Bau aufzubringen. Der wichtigste Gönner war der Unternehmer Friedrich Wannieck. Zu derselben Zeit entsteht in Brünn Verein Deutschen Haus. Die festliche Eröffnung dauerte drei Tage: von 17. Bis 19. Mai 1891. Seitdem stand das Deutsche Haus den Deutschen zur Verfügung, wo Bälle, Konzerte, Vorlesungen, Ausstellungen in vielen Sälen, einem Restaurant, zwei Kegelbahnen stattgefunden haben. Es war einfach das Zentrum für die Deutschen in Brünn. Das Haus war zugleich der Sitz für einige Vereine und Parteien, wie zum Beispiel für den Bund der Deutschen, Deutschen Club, Mährischen Gewerbeverine und nach dem Ersten Weltkrieg Deutsche Gesellschaft für Wissenschaft und Kultur. 6.4 Mrasek und Brünn Schon nach dem Titel des Buches ist es leicht zu erkennen, worum es in diesem Buch geht, was sein Ziel ist. Mrasek lebte in Brünn eine lange Zeit, aber wegen des zweiten Krieges musste er das Land verlassen und emigrieren. Trotzdem sind Mähren und Brünn in seinem Herzen geblieben, und er erinnert sich an sie oft. Schon in der zweiten Humoreske Karoline und Carolus steht in dem ersten Satz: Aus unserem Brünn, was sich noch ein paarmal in der Geschichte wiederholt. Obwohl Mrasek später in Deutschland lebte, hielt er Brünn immer als seine Heimatstadt. Brünn blieb in seiner Phantasie, so wie er die Stadt erlebte, und das konnte ihm keiner weder verbieten noch wegnehmen. Man hat das Gefühl, als ob der alte Erzähler Mrasek selbst ist, der über sein Brünn erzählt und daran erinnert, was er hier als kleiner Junge erlebt hatte. Ist euch nicht, wenn ihr die Augen schließt, und denkt an Brünn, als könntet ihr es morgen betreten? Genau so, wie früher, in glücklichen Zeiten, wenn man auf einer Wanderfahrt oder Ferienreise an Brünn dachte? Wir haben die Heimat nicht verloren. Sie lebt in uns, in unserer Phantasie weiter. Aber die Heimat hat uns verloren. Was heute zwischen Schwarza und Zwitta liegt und atmet, hat nichts mit dem gemein, was wir uns unter Brünn vorstellen. Ein Haufen Steine und Straßen; aber es hat die Seele nicht, die wir suchen. Die haben wir mit uns genommen und tragen sie in unsres Herzens Schrein beschlossen. Wie ein für alle Mal auf einem dokumentarischen Filmstreifen festgehalten. Und wenn wir die Augen schließen, lassen wir ein Stück davon vor unserem geistigen Auge abrollen. Und das ist echt. Das ist unser Brünn.[14]^ ^ 7. Erlebtes und Erdachtes Das Buch Erlebtes und Erdachtes wurde von Reinhard Pozorny zum 70. Geburtstag Mraseks verfasst. Im diesem Buch findet man sowohl Gedichte als auch Humoresken und Geschichten, die gemeinsame Themen haben: Brünn, Tod und Musik. Das Thema von Brünn findet man bei Mrasek sehr oft, in Gedichten sowie Geschichten, wo er Brünn beschreibt, erinnert an dort verbrachte Jahre, wie in den Gedichten Alte Brünner Dominikanergasse oder Der Brünner Dom. Die Atmosphäre der Stadt ist anheimelnd, meistens beginnt das Gedicht am Sonntagnachmittag bei schönem Wetter und Sonnenschein, überall ist es ruhig, und die Leute haben es nicht eilig. Danach beginnt der Dichter an seine liebe Stadt zu erinnern, und die Leser erfahren, wie Brünn damals aussah, wie die Gassen und Straßen hießen, oder welche Namen die bedeuteten Gebäude und Villen trugen. Für Mrasek ist Brünn eine Stadt, die man nicht missen möchte, er setzt Brünn und die Poesie der alten Stadt gleich. 7.1 Der Brünner Dom Der Brünner Dom Wo sich des dichten Häusermeers Gedränge Als steingewordene Woge aufwärts richtet Und, um den Petersberg emporgeschichtet Zur Höhe strebt aus seiner Gassen Enge, dort hat dies sehnsuchtsvolle Aufwärtsstreben der Mensch im Bauwerk weiter fortgeführt, bis er sich ins Unendliche verliert und alle Schwere auflöst in ein Schweben. Gewaltig ragt der Dom mit Gleichniskraft Aus dem Gewirr von Dächer, Toren, Mauerlücken, die hemmend sich an seine Flanke drücken, so dass er sich nach oben Ausweg schafft. Er zwingt den Blick, an seiner Pfeiler Saum, den Türmen, die sich mehr und mehr verjüngen, bis sie im Glanz des Himmelslichts verklingen entlang zu gleiten in den Weltenraum. So steht der Bau als mahnendes Symbol, das Enge, Niedrige zu überwinden, aus eigener Kraft den Weg hinanzufinden, auf dem der Wille Schöpfung werden soll. [15] Der Brünner Dom befindet sich im Stadtzentrum der Stadt Brünn, wo er als die Dominante der Stadt auf einem Hügel steht. Es gibt zwei Gründe, warum Mrasek den Dom bewunderte: erstens war er religiöser Haltung, zweitens war er Brünner. Es ist bekannt, dass Mrasek aus dem Milieu stammt, wo man die Gottesdienste besuchte. Nicht selten beschreibt und bewundert er eine Kirche oder ein Kloster in Brünn mit seinem schönem Portal oder Bildern von einem bedeutenden Künstler, eines seiner Gedichte trägt den Titel Portal eines Stiftes, in dem er sehr gründlich ein Portal beschreibt. Weil er aber Musik liebte, fehlt die Verbindung mit Musik nie: er vergleicht das Portal mit den Instrumenten wie zum Beispiel mit den Posaunen, Klarinetten, Geigen oder auch mit dem Chor. Weil es aber um ein Portal geht, liest man über die Ähnlichkeit mit dem Engelschor. Den texten kann man entnehmen, dass das Christentum für Mrasek wichtig war, deshalb konnte er nicht vergessen, auch den Brünner Dom zu bewundern. Dass der Dom die Dominante Brünns ist, fühlt man in dem ganzen Gedicht, weil Mrasek solche Wörter benutzt, die noch mehr die Prestige dem Dom bringen: emporgeschichtet zu Höhe. Der Dom steht zwar auf dem Hügel, aber Mrasek sieht den Dom noch höher und noch mehr imposant, in dem er diesen Vergleich benutzt. Auch die Wortverbindung im Glanz des Himmelslichts besagt, wie schön und wunderbar das Gebäude aussieht, nicht nur drin, sondern auch vom Außen. Die Worte So steht der Bau als mahnendes Symbol, das Enge, Niedrige zu überwinden sagen dem Leser, dass Gott uns helfen kann, wenn man ein Problem hat, oder nicht weiß, was man weiter mit seinem Leben anfangen soll, kann man den Gott fragen, weil er ihm hilft, und mahnendes Symbol bedeutet etwas Konkretes, den Gott sieht man nicht, den Dom schon, der den Symbol des Christentums darstellt. Was die Struktur betrifft, besteht das Gedicht von fünf Strophen, wobei jede Strophe vier Zeilen hat. In allen Strophen ist derselbe Reim: es geht um den Endreim, in der ersten und vierten Zeile um den einsilbigen Reim, in der zweiten und dritten Zeile um den zweisilbigen Reim. Der Typ ist der umarmende Reim. Sieht man sich die erste Strophe näher an, bilden zweisilbige Endreim Gedränge, Enge bzw. richtet, geschichtet. Die Stadt Brünn ist mit vielen Balladen und Sagen verbunden, aber die Balladen vom Brünner Rad und vom Brünner Drachen gehören zu den bekanntesten von allen. Auch Mrasek hat sich eine Sage gewählt und sie in Verse geracht. Es geht um die Ballade, die von dem Brünner Rad erzählt, das noch zu dieser Zeit in dem Brünner Rathaus zu sehen ist. Kein Wunder, dass Mrasek über das Rad schreibt, das zusammen mit dem Drachen zu den bekanntesten Symbolen Brünns gehören. Diese Sagen sind für die Brünner bekannt, aber nur selten sind sie als ein Gedicht geschrieben, in meisten Fallen liest man die Erzählungen. 7.2 Ballade vom Brünner Rad Ballade vom Brünner Rad Zu Eisgrub saßen in des Dorfes Krug Einst ein paar Meister, schwatzten viel und klug, ein jeder lobte seine Zunft und Lehre und prahlte, was er für ein Kerl wäre. Nur Georg Birk, der Wagnermeister, lacht Und fragt, wer schon Besonderes vollbracht? Da fielen sie empört über ihn her: Wenn einer, der noch nichts getan bisher, das Maul so voll zu nehmen sich erdreistet, muss er erst selber zeigen, was er leistet! „Was gilt die Wette dass ich es vermag“, rief Meister Birk, „an einem einzigen Tag ein frisches Holz mir aus dem Wald zu holen, ein Rad zu zimmern und bis Brünn zu rollen!“ Gesagt, getan. Beim ersten Morgengrauen ward eine starke Ulme umgehauen, die Späne flogen, und nach Mass und Zeichen entstanden kunstvoll Nabe, Kranz gefügt, und kurze Zeit darauf sah man vergnügt den Meister auf dem langen Weg nach Brünn; das Kunstrad rollt er pfeifend vor sich hin. Bevor das Ave noch geläutet hat, gelangt er durch das Judentor zur Stadt und übergab dem Bürgermeister Schram das Rad, der es in seine Obhut nahm. Allein es brachte dieses Meisterstück Dem Meister selber weiterhin kein Glück. Man glaubte damals an des Bösen Macht, wenn jemand Ungewöhnliches vollbracht. Die Neider sprengten aus geheime Kunde, er stehe mit dem Teufel selbst im Bunde; man mied ihn, gab ihm keine Arbeit mehr. Verlassen zog er in der Welt umher Und starb verkannt an einem fremden Ort. Sein Kunstrad aber lebt bis heute fort; Man brachte es im Ratsgewölbe an, wo man es noch bis heute sehen kann. [16] Ballade vom Brünner Rad ist der Titel eines der Gedichte dieses Bandes, natürlich handelt es sich um Geschichte der Stadt, die mit dem Brünner Drachen und Rad verbunden ist. Mrasek schreibt also über das Rad, das der Eisgruber Wagnermeister Georg Birk hergestellt hat. Alles begann in einer Eisgruber Gaststätte, wo sich ein paar Meister lobten, wer mehr klug und geschickt ist, danach haben sie sich gewettet, dass Georg Birk den nächsten Tag ein Rad vom frischen Holz zimmert, und noch denselben Tag es nach Brünn rollt. Das alles ist ihm gelungen, und als Erinnerung an den Tag wurde das Rad im Alten Rathaus gehängt. Aber Birk sollte damals beurteilt, dass er mit Teufel im Bunde steht, und verlor deshalb seine Arbeit, und zog in der Welt umher, wo er auch allein starb. Aber ist diese Ballade im Vergleich mit Brünner Sagen unterschiedlich, oder hat sie Mrasek geändert? Zum Vergleich steht zur Verfügung dieselbe Sage auf Tschechisch in zwei Versionen: Pověst o brněnském kole Kolem roku 1636 žil v jihomoravském městě Lednici muž jménem Jiří Birk. Při popíjení v hospůdce se jednoho večera vsadil se svými kamarády, že během dvanácti hodin porazí strom, udělá kolo k vozu a dokutálí ho až do Brna. Sázka byla uzavřena a samozřejmě se musela pořádně zapít. Ráno se Birk s obrovským klením pustil do práce a v poledne bylo kolo hotovo. Kolář si myslel, že dokutálet kolo do Brna už bude hračka. Velmi se zmýlil. Cesta byla nekonečná, ale poháněla ho představa vysmívajcích se kamarádů. Z posledních sil kolo dokutálel až na radnici, nechal si od purkmistra vystavit potvrzení a vrátil se domů. Tak sázku vyhrál a kolo je zavěšeno v radničním průjezdu dodnes.[17] O brněnském kole Pověst o brněnském kole se zřejmě opravdu stala. Kdysi dávno se řemeslníci vsadili s Birkem, že nevyrobí dřevěné kolo a z Lednice ho nedopraví tentýž den před zavřením bran do Brna. Birk to však dokázal, sázku vyhrál, dostal po jednom tolaru od každého. Birk však skončil špatně. Začalo se o něm povídat, že má asi něco s čertem, jinak by to nedokázal. Práce měl méně a méně, až zemřel v bídě. [18] Was gleich auffällt, ist die Struktur der Sage. Die tschechische Version ist eine Erzählung, während Mrasek ein Gedicht verfasst. Eigentlich nicht nur ein Gedicht, sondern ein Gedicht mit der direkten Rede, die dem Meister Birk, dem Wagnermeister, gehört. Die ganze Ballade ist nicht in einzelne Strophen geteilt, sie bildet nur ein Teil, was auch den tschechischen Versionen ähnlich ist. Was den Inhalt betrifft, ist sie fast identisch, aber nicht ganz. Eine der tschechischen Sage spricht nur über die Wette und dem Gewinn Birks, die andere schreibt auch über den Bund mit dem Teufel und den Tod des Meisters. Aber das Gedicht von Mrasek ist ausführlicher: Mrasek schreibt über die Wette, auch über das Rad, wie es hergestellt wurde, und vergisst nicht, den Teufel und den Untergang Birks zu erwähnen. Mrasek hat in seinem Gedicht einfach nichts vergessen. Weil er noch die direkte Rede benutzte, ist die Handlung mehr spannend und lebhaft. Die restlichen Gedichte dieses Auswahlbandes sind in demselben Stil geschrieben, wie es für Mrasek typisch ist: entweder beschreibt Mrasek ein Stadtviertel oder Gebäude in Brünn, oder er schreibt über den Tod, nicht nur über den Tod der Menschen, sondern auch der Tiere oder Pflanzen. Nur schwer findet man nämlich bei Mrasek ein Buch, wo der Tod nicht vorkommt, was auch in diesem Falle gilt. Die Geschichten auch Gedichte sind voll von Gegenwätzen von Tod und Überwindungen des Todes. Ein Gedicht zum Beispiel trägt den Titel Schöpferische Stunde, und handelt über Tod und Leben zugleich, wobei sie Wörter wie Licht und Dunkelheit, Sein und Schein, sterben und leben enthält. Aus der Polarisierung ergibt sich im Geditcht die Spannung. Der zweite Teil des Buches besteht aus acht Geschichten und Humoresken, deren Hauptthema Musik und Tod sind. Was die Musik betrifft, ist es im Vergleich zu anderen Geschichten von Mrasek interessant, dass in diesem Band nichts über Theater steht, weil er so grosse Vorliebe für Kunst hat. Die Helden dieser Geschichten sind Musiker, Komponisten oder Dirigenten. Die Instrumente, die sie spielen, sind immer verschieden: Geige, Klavier, Flöte und in einem Falle auch das ganze Orchester. Die erste Erzählung trägt den Titel Der musikalische Mokka, wo die Hauptfigur der Komponist Schubert ist. Schubert inspiriert die Zubereitung des Kaffees, eines Mokkas, für seinen Freund, zu einer neuen Komposition, die er gleich schafft und Klavier spielt. In der Erzählung Das Kaiserfleisch geht Mrasek in die Zeit von dem Kaiser Joseph II. zurück, und danach folgt wieder eine Erzählung, die über Musik handelt, und die Das anonyme Konzert heißt. Das Konzert ist von einem bisher unbekannten Komponisten, der heute zu den bekanntesten Komponisten der Welt gehört. Es geht um Mozart. Mrasek wählt immer deutsche Künstler, die bekannt sind, oder die mit Brünn und Mähren zu tun haben. Zweimal gleich getan ist nicht dasselbe erzählt über zwei Damen, die sich zufällig treffen, obwohl sie dasselbe Schicksal haben, und Der Phantom ist eine Phantasieerzählung, die aber über ein beliebtes Thema Mraseks erzählt, und zwar über einen Tod im Kloster. Auch die nächsten zwei Erzählungen Recht muss Recht bleiben und Ein Toter wird lebendig haben ein gemeinsames Thema, nämlich den Tod, aber die zweite der erwähnten Erzählungen ist interessant, weil es um den Tod eines Sohnes geht, den der Vater im Kino trifft. Man kann denken, dass Mrasek seinen Vater vermisst, und möchte ihn mindestens für eine kleine Weile treffen, weil sein Vater ganz früh gestorben ist. Aber das ist nur eine Annahme. Was die letzte Erzählung Ein Toter wird lebendig betrifft, geht es wieder um das beliebtestes Thema von Mrasek: um Musik. Diese Geschichte ist sehr schön, weil sie über zwei Leute, die ohne Worte, nur mit der Musik zusammen kommunizieren, erzählt. 8. Brünn im Bild Jörg und Liesel Marx verfassten das Buch Brünn im Bild, das vor achtunddreißig Jahren erschienen ist. Es geht um einen Bildband,, der den Leuten zeigen soll, wie früher und jetzt Brünn aussah, was sich geändert hat, und welche neue Gebäude in der Stadt entstanden sind. Vor allem zeigt das Buch die Gebäude und Denkmäler, die mit dem Deutschtum verbunden sind, oder die für die Deutschen eine große Bedeutung darstellen. Für den Verlag war die Wahl Mraseks als Kommentator der Brünn-Bilder wohl eine Gewähr, dass das Buch viele Käufer findet. Es war Mrasek, der das Vorwort und die Einführung für das Buch Brünn im Bild schrieb, In seinem Vorwort erfährt man allgemeine Informationen über Brünn, über seine Kultur, Geschichte und Gebäude. Es ist wieder zu erkennen, wie Mrasek die Stadt liebte, und das Deutschtum, das mit Brünn verbunden ist, hervorhob. Dieser Bildband wendet sich zunächst an Menschen, denen die Stadt Brünn Heimat bedeutet, denen sie Inbegriff und Verkörperung ihrer Kindheit und Jugendtage geblieben ist. […] Jedes Winkelgäβchen und jeder Prachtbau, Theater, Deutsches Haus, Künstlerhaus, gemütliche Weinbeisel und repräsentative Festräume, Konzert- und Ballsäle sind für den Brünner mit irgend einem still beglückenden oder festlich rauschenden Erlebnis verbunden; eine besinnliche Betrachtung läβt die Intimsphäre der verlorenen Heimat lebendig werden. Mit Absicht werden auch Bilder gezeigt, wie es damals war und wie es heute aussieht, um einen Vergleich zu ermöglichen zwischen der traditionsgebundenen früheren Bauweise und den Zweckbauten der Gegenwart. [19] Im letzten Abschnitt des Vorwortes schreib Mrasek über die Deutschen und Tschechen, die Jahrhunderte zusammen auf einem Gebiet lebten. Trotzdem aber wurden die Deutschen Brünn nach dem ersten Weltkrieg vertrieben, obwohl sie die Stadt liebten. Auch wenn sie vertrieben wurden, wissen sie, dass sie Brünn nie vergessen, weil sie hier jahrelang lebten, weil Brünn in ihren Erinnerungen für immer so bleibt, wie sie es kennen. So stieβen deutsche und tschechische Kulturbegriffe, Geisteshaltung und Stilgefühl aneinander; und als Brünn nach dem ersten Weltkrieg unter die Herrschaft der neugegründeten Tschechoslowakischen Republik kam, war diese bestrebt, nicht nur dem öffentlichen Leben, sondern auch dem Aussehen des Stadtbildes slawischen Charakter aufzuprägen. [20] In der Einführung beschreibt Mrasek Brünn schon ausführlich, und beginnt mit der Geschichte Brünns, aber lediglich mit der Geschichte, die mit Deutschen zu tun hat, das heißt mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, mit dem Deutschen Kaiser Jodok, es folgen die Österreichisch-ungarische Monarchie, danach Habsburgerreich und alles endet mit dem zweiten Weltkrieg, nach dem die Deutschen aus Brünn vretrieben wurden. Die Leser, die nicht Brünn kennen würden, haben dank Mrasek gute Vorstellung, wie diese Stadt aussieht, und wodurch sie bekannt ist, weil sie der Autor gründlich beschreibt. Zuerst schreibt Mrasek über den Baustil und die Baugeschichte, für die die deutsche Gotik und den Wiener Barock typisch sind. Mrasek vergisst natürlich nicht, die bedeutenden deutschen Künstler, die in Brünn tätig waren, und bedeutende Denkmäler zu nennen: Die Stadtpfarrkirche Sankt Jakob sei mit dem Namen von Heinrich Parler, den Dom und die Thomaskirche restaurierte der Baumeister Mauritz Grimm und der Parnaβ-Brunnen auf dem Krautmarkt ist mit Johann Bernhard Fischer von Erlach verbunden. Bei den Bauten der letzten zwei Jahrzehnte des 19. Hahrhunderts, namentlich beim Stadttheater und dem Deutschen Haus, hebt er ihre Bedeutung als Statussymbole des wohlhabenden Brünner Bürgertums. Die Spätrenaissance schenkte der Stadt Brünn einen anderen Monumentalbau, das von Ende und Böckmann in Anlehnung an norddeutsche Rohziegelbauten errichtete „Deutsche Haus“. Es war mit seinen vielen Räumen, Sälen, Terrassen, mit einem Café, Restaurant und Kegelbahnen der gesellschaftliche und geistliche Mittelpunkt nicht nur für das Deutschtum in Brünn, sondern auch der näheren und weiteren Umgebung, Der deutschen Kunst bot das Künstlerhaus eine würdige Heimstätte. [21] Das Ende der Einführung ist anders geschrieben, als man erwarten würde: Mrasek erwähnt die Kapuzinerkirche, wo tote Mönche zu Mumien austrocknen wurden, neue Gebäude, die in den letzten Jahren in Brünn entstanden sind, auch reiche Grünanlagen, die den Einwohnern zur Erholung, Sport und Spaziergängen dienen. In den letzten zwei Abschnitten schreibt Mrasek wieder über die Deutschen, über die Vertreibung nach dem zweiten Weltkrieg, und über die Zerstörung des Deutschen Hauses. Diese historisch gewachsene Einheit von Mensch und Umwelt fand nach dem zweiten Weltkrieg ein jähes Ende. Am Fronleichnamstag des Jahres 1945 wurden die Deutschen Brünns gewaltsam aus ihrer Heimatstadt vertrieben, die deutschen Inschriften, Tafeln, Hinweise in den Straßen, auf den Häusern, selbst auf den Gräbern entfernt, das Deutsche Haus musste dem Erdboden gleich gemacht, an seiner Stelle eine Rasenfläche angelegt werden. Vielleicht aber ist das Wissen um den Untergang dieses Symbols deutscher Kultur leichter zu ertragen als der Gedanke, es werde weiterhin durch antideutschen Missbrauch ständig entweiht. [22] Obwohl die Deutschen nicht mehr in Brünn leben durften, haben sie die Lebensmut und Lebensfreude nicht verloren, weil sie sich in ihrem großen Heimatverband Bruna zusammengeschlossen haben, und die Erinnerungen an Brünn wach halten, aber nicht nur Erinnerungen, sondern auch Dokumentationen und Bilder, die man in diesem Buch sehen kann. 9. Die Brünner und ihr Stadttheater Dass viele Deutsche in Brünn lebten und Kultur pflegten, zeigt auch das Buch von Eduard Steiner, der als Grafiker, Autor und Künstler bekannt war, mit dem Nachwort von Karl Norbert Mrasek, die das Buch zwanzig Jahre nach dem zweiten Weltkrieg zverfasst haben. Das Ziel dieses Werkes war, den Lesern und Brünnern zu zeigen, was Theater und Kultur für die Deutschen, die hier in Brünn lebten, bedeuteten, wie sie Kultur pflegten, und vor allem wie wichtig für das Deutschtum es war, eigenes Theater zu haben, und deutsche Werke aufzuführen. Es war wieder Mrasek, dessen Aufgabe es war, das Nachwort zu schreiben, in dem er sich der Person von Eduard Steiner und dem deutschen Theater widmet. Das Nachwort beginnt mit Worten: Damit enden diese Aufzeichnungen, zugleich auch die Geschichte des Brünner Stadttheaters, das dem Brünner Deutschtum zum heiß umstrittenen Symbol seines kulturellen und künstlerischen Lebens geworden war und mit der Umwandlung in ein Landestheater dem unmittelbaren Einfluss der Brünner Bevölkerung entzogen wurde. [23] Das Ende bedeutet hier nicht nur das Ende des Buches, sondern auch das Ende der deutschen Kultur in Brünn, wobei das Theater das konkrete Symbol für Kultur bedeutet. Das Theater ist der Ort, wo sich alle Leute treffen und ein Theaterstück bewundern. Das Theater ist immer ein Gebäude, das prächtig und festlich aussieht, und darauf alle Leute stolz sind. Kein Wunder, dass die Deutschen in Brünn noch mehr stolz waren, dass sie ihr eigenes Theater in Mähren hatten. Kurz vor dem zweiten Weltkrieg wurde die Tätigkeit des Theaters vor allem dank der politischen Situation eingestellt, die Bühne wurde für deutsche Aufführungen gesperrt, und die deutsche Theaterkunst musste aus Brünn hinweg. Ein neuer Aufstieg war zu erwarten; aber die nun folgenden Ereignisse des Zweiten Weltkrieges mit den einschneidenden Einschränkungen auf allen Gebieten und auch Einberufungen von Künstlern zur Wehrmacht ließen keine Entfaltung zu. Die in Yalta und Potsdam entfachte Sturmflut spülte mit den deutschen Bewohnern auch die deutsche Theaterkunst aus der Stadt Brünn hinweg, der sie durch Jahrhunderte Glanz und Ansehen verliehen hatte. [24] Der Grund, warum dieses Buch entstanden ist, war, den Lesern zu vermitteln, wie wichtig das Theater für die Deutschen war. 10. Mähren und Schlesien: 141 Bilder der unvergessenen Heimat Adam Kraft hat zusammen mit Karl Norbert Mrasek ein Buch über Mähren und Schlesien ausgebracht, das über Geschichte Land und Leute von Mähren handelt. Das Buch ist in zwei Teil gegliedert: den ersten Teil bildet der Text von Karl Norbert Mrasek, und den zweiten Fotographien mährischer Sehenswürdigkeiten. Mrasek geht bis in die frühe Geschichte des Landes, als hierher noch die Hunnen mit Anführer Attila kamen. Mrasek beschreibt die Geschichte sehr gründlich, und vergisst nichts, was mit den Deutschen zu tun hat. Obwohl im 6. Jahrhundert die Slawen da waren, verdanken sie dem deutschen Kaufmann Samo, dass dieser eine Widerstandsbewegung gegen Awaren, die zugleich mit den Slawen ins Land kamen, organisierte. Drei Jahrhunderte später kamen zwei Mönche aus Griechenland ins Land, die die Bibel ins Slawische übersetzten, und bei der Messe slawische Sprache benutzen. Bisher war es so, dass die lateinische Sprache benutzt wurde, aber die zwei Slawenapostel fingen an, den Schutz des deutschen Reiches zu verschmähen. Solche Beispiele liest man im Text vom Mrasek viele. Es fällt auf, dass Mrasek nur die Augenblicke aus der Geschichte erwähnt, die mit dem deutschen Reich eng verbunden sind. Weil der Text in neunzehn Kapitel geteilt ist, trägt jedes Kapitel einen Titel. Der Titel Das Heil aus dem Osten und seine bittere Lehre handelt über die Apostel Cyrillus und Methodius, die die deutsche Sprache verdrängt haben, und schon der Titel verrät, welche Position da Mrasek einnimmt. Zwei Gegensätze sind hier sehr deutlich: Ost gegen West, oder die Deutschen gegen Slawen. Oder auch das Richtige gegen das Schlechte? Das unrühmliche Ende des Großmährischen Reiches erwies zum ersten Mal den tragischen Irrtum der Slawen, aus dem sie nichts gelernt haben: dass ein Versuch, sich vom Westen zu lösen, damit endet, vom Osten verschlungen zu werden. Denn Moimir und seine Nachfolger waren drauf und dran gewesen, Mähren auch auf religiösem und geistigem Gebiet nach Osten zu orientieren. Rastislaw forderte Glaubensboten aus Konstantinopel an, die den Missionaren aus Bayern und Franken entgegenarbeiten sollten. Es kamen zwei griechische Mönche ins Land, Konstantin, der sich später Cyrill nannte, und Method, die unter dem Schlagwort „Slawenapostel“ in die Geschichte eingegangen sind, weil sie die Bibel ins Slawische übersetzten, dafür eine eigene, die cyrillische Schrift erfanden und zum Erstaunen der gesamten Christenheit vom Papst die Erlaubnis erwirkten, sich bei der Messe der slawischen Sprache zu bedienen. Diese Extratour, die den Schutz des deutschen Reiches verschmäht hatte, führte ins Verderben. [25] Dass sich die Tschechen nicht gut benommen hätten, sagt hier Mrasek sehr rasant. Schon der erste Satz, der mit den Worten tragischer Irrtum beginnt, zeigt daran, dass etwas Schlechtes und Tragisches folgen wird, was auch Mrasek am Ende mit dem Wort Verderben beweist, und der Gegensatz Ost vs. West fehlt auch nicht. Aber warum war diese Tat so tragisch? Für wenn? War es so schlecht, dass die Slawen die slawische Sprache benutzen, und dass sie die Bibel in eigene Sprache übersetzen wollten? Die Frage ist leicht zu beantworten: Ja, natürlich. Es war schlecht, aber nicht für die Slawen, sondern für die Deutschen. Und das Mähren wandte sich dem Deutschen Reich vom Rücken ab. Was noch die Geschichte Mährens betrifft, vergisst Mrasek nicht, auch Brünn, seine geliebte Stadt, zu erwähnen. Weil die Tschechen nicht ganz fähig wären, müssten sie deutsche Gemahlinnen heiraten, damit nach Mähren Arbeitskräfte kämen: Przemysl von Mähren heiratete Margarethe von Meran, Konrad von Brünn hatte eine Gräfin Hilburg von Tengling zur Ehefrau. Einerseits denkt Mrasek immer an Brünn und erwähnt auch einen Markgrafen aus dieser Stadt, andererseits sind ihm zufolge die Deutschen besser, und müssen Mähren helfen. Beid der Darstellung des Kulturtransfers in Europa sieht Mrasek davon ab, dass im Verhältnis zum Mittelmeerraum bzw. zu Frankreich, Deutschland die Rolle des Empfängers zufiel, während deutsche Hofkultur , deutsches Stadt- und Bergrecht wieder während der Ostkolonisation zum Beispiel nach Böhmen kamen. Er betont nur die Überlegenheit der deutschen Kultur gegenüber der damaligen slawischen. Wie immer leisteten die Deutschen ganze Arbeit. Sie entfalteten so etwas wie ein Wirtschaftswunder. Im Schweiße ihres Angesichts rodeten und bebauten sie Stück um Stück des Brachlands. Die ältesten nachweisbaren Rodungen sind in Südmähren zu finden, wo aus dem nahen Niederösterreich nur die Grenze überschritten zu werden brauchte. Dabei kam den Siedlern der Räderpflug mit der eisernen Pflugschar sehr zustatten, während die Tschechen immer noch den altertümlichen Hakenpflug verwendeten. [26] Aber die Betriebsamkeit der Deutschen war schöpferisch. Sie schufen etwas ganz Neues, das bisher im Lande unbekannt war. Die Tschechen wohnten in weit auseinandergezogenen Dörfern, meist in Hütten aus geflochtenen Weidenruten, mit Lehm beworfen und mit Stroh gedeckt. […] Nun kamen die Deutschen daher und gründeten Städte als selbstständige Gebilde, mit eigener Verwaltung und Gerichtsbarkeit, als deren Träger sich allmählich ein freier Bürgerstand herausbildete. Meist waren es Handwerker, Gewerbetreibende, Kaufleute, die in diesem Sinn ihre geschlossenen Siedlungen zum Markt-, Umschlag- und Handelsplatz für das landwirtschaftliche Hinterland ausbauten. [27] Nach Mrasek waren die Deutschen besser, mehr geschickt und schöpferisch als die Tschechen, was nicht nur Wirtschaft, sondern auch das Bauwesen, Musik und Malerei betrifft. Ein anderes Kapitel des Textes trägt den Titel Wir hatten gebauet…. In diesem Kapitel steht, was alles in Mähren von den deutschen Künstlern gebaut wurde, wie zum Beispiel Kirchen, Burgen, Klöster oder Schlösser. Mrasek erwähnt solche Personen, wie die Baumeister Anton Pilgram, Johann Santini Aichel oder Mauritz Grimm, weiter in Brünn tätige Meister Adolf Loos, Anton Hanak oder Josef Winterhalder. Nie vergisst Mrasek zu betonen, wie wichtig diese Personen und Künstler für die Geschichte, Kultur und Bauwesen Mährens waren, weil tschechische Leute und Künstler nicht so schöpferisch und geschickt waren. Die kulturhistorisch bedeutsamen Bauten stammten von deutschen Künstlern. Die ersten romanischen Kirschen und Klöster entstanden nach Vorbildern in Bayern und Österreich, da ja die Erbauer, die Mönche und Missionare, aus diesen Gegenden kamen, wie den überhaupt das Wirken der Kirsche in der Zeit der Kolonisierung dem deutschen Element eine wertvolle Stütze war. Und die Städte hatten die Deutschen gegründet; selbst in jenen, die im Lauf der Zeit tschechisch wurden, künden die Steinmetzeichen immer noch von den deutschen Erbauern. [28] In diesem Stil ist das ganze Kapitel geschrieben, immer weiter liest man davon, wie die Deutschen gut waren, und wie sie die Tschechen gefördert hätten. Auch die Maler, Musiker, Dichter oder Forscher. Mrasek denkt noch an den Gründer der Vererbungslehre, den Johann Georg Mendel, der in Brünn tätig war, an den Psychoanalyriker Siegmund Freud, an den Erfinder der Turbine Viktor Kaplan oder den Begründer der Phänomenologie Edmund Husserl. Die deutsche Geschichte ist nach Mrasek auch mit der Persönlichkeit von Johann Amos Comenius eng verbunden, weil die Schriften von Comenius in Deutschland populär waren, obwohl die Deutschen nicht mit allen Ansichten von ihm einverstanden waren. Trotzdem verbindet ihn Mrasek auch mit der Geschichte Deutschlands, damit er noch mehr zeigt, wie wichtig die Deutschen für die Tschechen waren. Am Ende seiner Übersicht schreibt Mrasek über die Sprachinseln, die es in Mähren gab, und auch davon, dass in einigen tschechischen Städten die deutsche Bevölkerung über die Tschechen überwogen, zum Beispiel in Iglau. Die Aufgabe von Mrasek war, einen Text zu den Fotos zu schreiben, der das Land charakterisieren würde, und zwar die geschichtliche Entwicklung, und vor allem die Geschichte, die auf Beziehungen zu deutschen, für seine Leser geläufigen Geschichte hinweist. Das ist sicher dem Autor gelungen, aber der Text schreckt auch nicht davor, Tatsachen verzerrt wiedergegeben. Wenn man einen solchen Text liest, muss man denken, dass die Tschechen nichts können, und das ganze Land mit der Geschichte hätten die Deutschen geschaffen. Mrasek beschreibt die Tschechen als unfähige, unschöpferische, unselbstständige Leute, die ohne Deutsche ganz verloren wären. Die Deutschen hätten Gebäude gebaut, Musik komponiert, Gedichte geschrieben, Städte gegründet und Verwaltung organisiert, das alles für die Tschechen. Mrasek endet seinen Text mit folgendem Satz: Hier aber sei in Wort und Bild festgehalten, was das Deutschtum dieses Landes durch seine Geschichte und seine Kultur für das Abendland bedeutet hat, welche landschaftliche und architektonische Schönheit unser Heimatland auszeichnet, das wir verlassen mussten und das uns nun zum Sehnsuchtsland geworden ist.[29] Dieser einzige Satz ist die Zusammenfassung des ganzen Textes von Mrasek. Die Projektion der eigenen Enttäuschung von dem unglücklichen 20. Jahrhundert kann man gut nachvollziehen. Die Abkoppelung von einem Dialog mit den Tschenen, die in ihren Augen an allem schuld seien, führt aber dazu, dass die Behauptungen Mraseks den tschechischen Leser befremden. Gerade an solchen Gesten, die den an dem herab setzen und die eigenen Überlegenheit so ostentativ äussern, ist die deutsch-tschechische Koexistenz nämlich gescheitert. Beide Volksgruppen haben da wenig Fähigkeit erwiesen, sich in den andem hineinzuversetzten und mehr Einsicht für die Situation des andern zu erweisen: die Tschechen nach 1918 und nach 1945, die Deutschen im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Trotzdem bleibt aber Mähren für die Vertriebenenn ein Sehnsuchtsland und die Tschechen sollten realisieren, dass gerade die Vertreibenen und ihre Nachkommen eine Zielgruppe sind, der man ein positiveres Bild Mährens vermitteln sollt, u.a. dadurch, dass man auch verbitterte Landsleute wie Mrasek zur Kenntnis nimmt. Was aber an diesem Text besticht ist, sind die Metaphern und Vergleiche, die hier Mrasek häufig benutzt, die in anderen Texten von diesem Schriftsteller nicht zu finden sind. Statt Amerika benutzt Mrasek die Bezeichnung die Neue Welt, oder sehr schön benutzte er folgenden Satz: So wie alle Wasser Mährens nicht nach Böhmen, sondern zur Donau fließen, so war das Kulturzentrum für das Deutschtum im Mähren nicht immer Prag, sondern eigentlich Wien. Mrasek vergleicht hier Kultur und Gewässer in Böhmischen Ländern. Die Einsamkeit des Textes könnte man so erklären, dass dieser Text fünfzehn Jahre nach dem Kriegsende entstanden ist, als schon Mrasek in Brünn nicht mehr lebte, weil er gezwungen war, die Stadt zu verlassen. Die Kränkung des Heimatverlustes konnte er nicht überwinden. 11. Mutter und Heimat Die Mutter ist uns Heimat in der wir geborgen sind. Sehnend hält sie die Hände über ihr großes Kind. Heimat ist wie eine Mutter, Ursprung und lichter Schein; hüllt mit zärtlicher Obhut gleich einem Mantel uns ein. Müssen wir eines entbehren, oder sind beide nicht mehr, fühlt man, was man verloren und das Herz wird schwer. Nimmer lässt sich ersetzen, was im Gewordenen ruht: heimatliche Zuflucht, mütterliche Hut.[30] Das Gedicht erschien im Jahre 1958 in der Vierteljahresschrift für Mähren und Schlesien, die von Dr. Richard Zimprich redigiert wurde. Diese Zeitschrift entstand in Steinheim am Main, und die vor allem deutschen Schriftsteller haben hier ihre Beiträge veröffentlicht. Es waren solche Beiträge, die mit den tschechischen und mährischen Städten verbunden waren. Deshalb findet man in diesen Schriften viele Gedichte und Erzählungen auch von Mrasek. Das Gedicht Mutter und Heimat gehört in diesn Kontext, obwohl in dem Gedicht kein Ort genannt ist. Aber man weiß, an welche Stadt oder welches Land Mrasek denkt, es geht natürlich um Mähren mit der Stadt Brünn, wo Mrasek geboren wurde und lebte. Die zweite Strophe beginnt mit ähnlichen Worten wie die erste Strophe, aber hier fühlt man noch deutlicher, dass die Heimat, in diesem Fall die Stadt Brünn, seine Mutter ist. Die restlichen Strophen sind aber ganz andere, sie sind nicht mehr positiv, sondern sie sind schon traurig. Mrasek musste Brünn verlassen, obwohl er nicht wollte. Er musste Brünn entbehren, und beide sind nicht mehr: Mrasek und Brünn. Er sehnt sich immer nach der Stadt, und keine andere kann sie ersetzen, weil diese Stadt wie seine Mutter ist. Das Gedicht ist in vier Strophen geteilt, und jede Strophe ist mit vier Zeilen gebildet. Die erste Strophe ist der Beginn des Gedichtes, und der Leser soll schon wissen, dass es um eine Erinnerung an eine Stadt geht. Der Reim hier ist im Stil der Volkspoesie, wird der Wohlklang zugunsten der Bedeutung zurückgenommen, nur die zweite und vierte Zeile enthalten den einsilbigen Endreim: sind – Kind. Die zweite Strophe ist inhaltlich der ersten Strophe ähnlich, weil man wieder über die Stadt und der Gefühle und Liebe des Autors liest. Der Reim ist Endreim und Kreuzreim, auch einsilbig. Den Kreuzreim am Ende der Zeilen enthält auch die dritte Strophe, die sich schon aber inhaltlich unterscheiden, weil sie voll von Sehnsucht und Traurigkeit ist. Die letzte Strophe ist der ersten und dritten Strophe ähnlich, weil man hier liest, wie sehr Mrasek Brünn liebt, und wieder vergleicht er die Stadt zu der Mutter, die sich um ihn kümmert. Der halbe Kreuzreim weich in der letzten Strophe dem aabb-Reim, der durch die Schlüsselbegreiffe zusammenführt. Den Reim findet man auch in der zweiten, dritten und vierten Zeile: ruht – Zuflucht – Hut. Obwohl Mrasek nicht konkret ist, ist es sehr deutlich, dass er seine Heimatstadt Brünn sehr vermisst, und immer an diese Stadt denkt. Brünn bleibt für immer in seinem Herz, und keine andere Stadt, in der er mal leben wird, kann die mährische Metropole ersetzen. Brünn ist einfach wie seine Mutter, die er nie vergisst. 12. Brünn – Stadt der Gegensätze Dieser Aufsatz von Mrasek erschien in der Vierteljahresschrift für Mähren und Schlesien. Gleich am Anfang erklärt Autor, warum er den Titel Brünn – Stadt der Gegensätze wählte: in Brünn standen immer zwei Wesensarten, die deutsche und tschechische Wesensart, die auch oft im Widerstreit standen. Weiter stehen gegeneinander moderne Gebäude (riesige Warenhäuser aus Beton und Glas, Geschäftsstraßen mit Lichtreklame oder Verkehr in den Straßen) gegen alte, romantische Gässchen, Häuschen oder Überreste der Stadtmauer. Mrasek vergisst nicht, die Geschichte Brünns zu erwähnen: von den Tataren, Türken und Hussiten bis zu Schweden und Preußen, die Brünn besetzen wollten. Danach beschreibt Mrasek die Umgebung der Stadt, die sicher sehr schön ist. Nach Süden, gegen Wien, ist die fruchtbare Ebene offen, im Norden legen sich die Wald- und Felsenberge des Mährischen Karstes wie ein Mantel um die Stadt. Aus dem Häusergewirr erheben sich der Petersberg mit dem ragenden Dom und der Spielberg mit der alten Feste auf seinem Rücken, die ihre eigene Geschichte hat. [31] Obwohl es nicht für Mrasek typisch war, ist es ihm sehr schön gelungen, den Mährischen Karst zu erwähnen, den er mit dem Mantel der Stadt vergleicht. Nur selten findet man ähnliche Vergleiche. Was aber sehr typisch für Mrasek ist, sind die Klöster und Kirchen, die er nie vergisst. Auch jetzt erwähnt er den Petersberg mit dem Dom, neben drei Stadtkirchen - Thomaskirche, Kapuzinerkirche und Jakobskirche. Spielberg mit seinem Gefängnis verbindet er mit Silvio Pellico, der hier gefangen saß und dichtete. Es ist nichts Besonderes, dass Mrasek keinen anderen Häftling erinnert. Pellico schuf hier seine Gedichte „Le mie prigioni“, und ließ Brünn so in die europäische Literaturgeschichte eingehen. Mrasek schreibt noch kurz über Industrie und deutsche Hochschulen in Brünn, aber bis zu Ende des Textes konzeentiert er sich nur noch auf Kultur: auf Theater, Naturwissenschaftler und Dichter. Das Theater in Brünn, das erste Stadttheater auf dem Kontinent mit elektrischer Beleuchtung, nach Plänen von Fellner und Helmer. Von wichtigen Persönlichkeiten sind noch mit Brünn der Begründer der Vererbungslehre Gregor Mendel und der Erfinder der Turbine Viktor Kaplan verbunden, weil sie hier eine Zeit wirkten. Das Brünner Theater genoss besten Ruf, es galt als Sprungbrett für die große Künstlerlaufbahn; von hier gingen Leo Slezak und die Jeritza, Jerger und Patzak, Attila Hörbiger und Adrienne Gessner, Marischka, Imhoff und viele andere in die Welt. Brünner waren Erich Wolfgang Korngold, die Dichter Richard von Schaukal, Hans Müller und Ernst Lothar; Karl Hans Strobel reifte hier zum Dichter. [32] Der Text endet wieder mit der Erklärung der nationalen Gegensätze. Mrasek hat aber schon einen Text geschrieben, der diesem Text sehr ähnlich ist. Es geht um das Buch Mähren und Schlesien 141 Bilder der unvergessenen Heimat, die Mrasek zusammen mit Adam Kraft verfasste. Mrasek hatte die Aufgabe, den Einführungstext zu schreiben, der ganz lang war, und über die Geschichte, Kultur und auch über die Wirtschaft Brünns erzählte, und erst fünf Jahre später nach dem Text Brünn – Stadt der Gegensätze entstand. Beide Texte sind sehr ähnlich, teilweise sogar identisch, wenn zum Beispiel Mrasek über Kichren, Theater oder Gregor Mendel und Viktor Kaplan schreibt: diese Sätze sind identisch. …Viktor Kaplan, der Erfinder der nach ihm benannten Turbine. [33] Trotzdem unterscheiden sich diese Texte, weil der spätere Text subjektiver geschrieben ist. Die Tschechen sind dort als unfähige, unschöpferische und faule Leute beschrieben. Das findet man in dem Text, der die Vierteljahresschrift entstand, überhaupt nicht. Dieser Text ist, im Vergleich zu dem späteren Text, objektiver schrieben. 13. Der Schönheitsucher Der Roman Der Schönheitsucher erschien im Jahre 1923, der in zwei Teile geteilt ist. Die Haupfigur, die das ganze Buch handelt, trägt den Namen Markus Hilbinger. Am Anfang scheing Markus ein normaler Junge zu sein: er wächst in der Familie mit der Mutter und dem Vater, der als Amtsvorstand berufstätig ist. Nach der Grundschule besucht Markus die Mittelschule, wo er seinen guten Freund Richard Korne kennenlernt. Beide Jungen haben Vorliebe für Literatur und Kunst, und so schliessen sie einen Bund, in dem sie Gedichte, Romane oder Erzählungen vorlesen und über Bücher diskutieren. Nach der Mittelschule steht vor ihnen die Frage der Berufswahl: Korne besucht die Akademie für Schauspielkunst, und Markus studiert nach dem Wunsch seines Vaters die Rechtswissenschaft, obwohl er sich lieber dem Kunst widmen möchte. Beide Freunde studeiren in Wien, und Korne verlässt zum erstenmal sein Vatershaus. In Wien lernt er Dora Ahlsun kennen: eine junge Malerin, die Markus versteht, und in die er sich verliebt. Dora hat aber in ihrer Heimat (Kopenhagen) seinen Geliebten, wohin sie auch später zurück kehrt. Markus, Korne, Dora und ihre Freundin Mimi unternehmen verschiedensten Wanderungen in die Umgebung, besuchen Ausstellungen, Galerien, vowon Markus sehr begeistert ist. Nach Weihnachten und dem Besuch seines kranken Vaters hat Dora eine Überraschung für Markus: Sie gibt seine Novelle einem Bekannten, der mit anderen Schriftsteller die literarische Zeitschift gründet. Weil die Novelle gut ist, wird Markus gebeten, mit ihnen zu arbeiten. Markus ist glück. Am im Frühling endet sein Glück. Markus bekommt die traurige Nachricht, dass sein Vater gestorben ist, und muss in seine Heimatstadt fahren, um sich um die Mutter zu kümmern. Er beginnt, am Präsidium als Praktikant zu arbeiten, was im aber keine Freude bringt. Zu derselben Zeit lernt er eine geheiratete Frau Wendegöst, die auch nach Seele sucht. Esta Wendegöst ist auch künstlerisch begabt, sie malt und schafft Gedichte, und kennt die literarische Zeitschift, in der die Novelle von Markus erschienen ist. Weil sich diese Zwei sehr gut verstehen, fangen sie an, sich regelmässig zu treffen. Als letzter Gruss und die Erinnerung an seine Freundin aus Wien erhält Markus ein Aquarell von Dora, das er in seiner Amtsstube aufhängt. Dem Oberkontrollor Kleising gefällt das aber nicht, und nachdem Markus nicht sein Befehl hört, das Bild wegzugeben, verschwindet das Bild von seiner Stube. Markus fühlt sich benachteiligt und entscheidet sich, davon eine Erzählung im Wochenblättchen der Stadt zu veröffentlichen. Für diesen Tat steht Markus vor dem Disziplinarrat, die ihm eine Strafe und Rüge erteilt, aber in der Zukunft muss er alle seine Texte zur Genehmigung vorlegen, womit Markus natürlich nicht einverstanden ist, und muss den Amt verlassen. Die ganze Stadt weiβ schon von seiner Beziehung mit Esta. Markus bittet sie, dass sie mit ihm lebt, was sie aber ablehnt. Markus hat jetzt keinen Beruf, keine Freundin, die ihn so verstanden und begriffen hat, und die für ihn seine Erfüllung darstellte. Kurz besucht er noch seinen Freund Korne in Wien, aber Markus benimmt sich seltsam, und fährt wieder in seine Heimatstadt zurück. Schon aus dem Zug sieht er den Dom und steigte auf seinen Turm, auf dem er sich so nahe der Sonne und seiner Seele fühlt. Dort oben verliert er aber den Halt und fällt mit dem Schrei aus dem Domturm hinunter. Seine Seele, nach der er das ganze Leben suchte, schwebte himmelan, und wurde endlich weit und frei. 13.1 Markus Hilbinger und seine Seele Markus Hilbinger ist die Hauptfigur des Romans. Er besucht die Grundschule, danach die Mittelschule und später Rechtswissenschaft. Am liebsten möchte er sich aber der Kunst, vor allem der Literatur widmen. Das ganze Leben muss er machen, was ihm andere Leute befehlen, oder was sie von ihm erwarten. Weil er keine Geschwister hat, kümmern sich seine Eltern nur um ihn, um einen einzigen Sohn, dem sie jeden Wünsch erfüllen. Die Familie lebt i der Stadt, so dass der kleine Markus fast keine Zeit in Natur verbringt. …, und da die Eltern ihre ganze, überquellende Liebe auf den einzigen Spröβling ergossen, wurde er sorgsam behütet wie ein kostbarer Schatz. Jeder Wille wurde ihm getan und jeder Wunsch erfüllt, bis auf einen, nach dem er sich am meisten lehnte: ungebundene Bewegung und heiteres Spiel in Gottes freier Natur. Gärten gab es bei den Häusern in der inneren Stadt nicht, und so verlief seine Jugend eintönig und erlebnislos in engen Wohnstuben, die er nur in Begleitung seiner Eltern verlassen durft. […] Es war stets die gleiche Zeit und der gleiche Weg in den Anlagen am Stadtberge, immer derimal um die alten Festungsmauern herum. […] Der kleine Markus ging wie ein sittsamer Musterknabe nebenher und durfte nicht rechts und links vom Wege. [34] Währen der Mittelschule schieβ Markus mit seinem Freund Korne einen Bund, wo Dramen gelesen, Gedichte vortragen und Bücher besprochen wurden - das hat ihm Freude gebracht, weil er grosse Vorliebe für Literatur hat. Auch in Wien, wo beide Jungen studieren, unternehmen sie noch mit zwei Mädchen Wanderungen in die Freie, besuchen Ausstellungen und Galerien, sprechen über Kunst und Literatur. Markus ist lustig und glücklich. Wegen des Studiums arbeitet er mit der Redaktion einer literarischen Zeitschrift zusammen, was bedeutet, dass er sich der Tätigkeit widmet, die er wirklich gern macht – dem Schreiben. Leider dauert es nicht lange, und Markus fängt an zu arbeiten. Seine Arbeit – Paritkum am Präsidium – bringt ihm keine Freude, und er muss wieder das machen, was er aber wirklich nicht möchte. Nach dem Beschluss des Disziplinarrates soll Markus alle Texte zur Genehmigung vorlegen, womit er seine Freiheit verliegern würde – und verliert lieber seinen Beruf. „Niemals!!!!!“, schrie Markus Hilbinger und griff sich mit wahnsinniger Gebärde an den Kopf. Herr Gott des Himmels und der Erde, nun wagte man die letzte Freiheit, die er noch besatz, anzutasten!! […] „Nie und nimmermehr!!! Gerade die Form, das ist es, was isch nicht ertrage! Form ist Zwang, und Zwang ist Rechswidrigkeit. Der Gedanke, dass ich es nicht tun konnte, wen ich wollte, wäre mir unerträglich. Form! Form! Kennt Ihr nichts anderes als Form? Kennt Ihr nicht Genie, Talent, Geist, kennt Ihr nicht Seele, Schönheit, Kunst? [35] Das ganze Leben wird von Markus etwas erwartet, obwohl er lieber etwas Anderes machen möchte. Deshalb sucht er nach einer Seele, die ihn verstehen würde. Diese Seele stellt zuerst seine Freundin aus Wien dar, Dora. Dora aber vermittelte ihrem Freunde etwas ganz Neues, das diesem trotz seiner Sehnsucht nach Schönheit bisher fremd geblieben war: die Dinge, die Natur, die Farben nicht bloss zu sehen, sondern schauen zu können schauen mit seiner Seele. [36] Es ist ganz natürlich, dass sich Markus in Dora verliebt. Sie verbringen ganz viel Zeit zusammen, und diskutieren über Kunst. Dora ermöglicht auch dem Markus, seine Novelle in der literarischen Zeitschift zu veröffentlichen. In seiner Heimatstadt kennt Markus Esta Wendegöst kennen, die malt und Gedichte schreibt. Sie gestattet, seine Gedichte dem Markus lesen zu lassen, die die ewige Suche nach Schönheit beschreiben. Markus glaubt, dass Esta seine Seele, die er stets sucht, ist. Er hatte gemeinst, in eine Seele horchen zu können, und seiehe, da lag eine seele offen wie ein Buch vor ihm da, so gross und frei und klar, dass er es gar nicht zu fassen vermochte und vor dieser Offenbarung heiligehrfürchtig ersachuerte. Denn da, was da geschreiben stand, deckte sich is in die kleinsten Feinheiten mit seiner eigenen Überzeugung, jedes dieser Gedichte könnte er selbst geschrieben haben. [37] Du bist mir mehr, du bist mir alles, was ich vom Leben geträumt, wornach ich mich sinnlos gesehnt. Du bist meine Erfüllung!... [38] Weil am Ende Markus keine Freundin auch keinen Beruf hat, bemüht er sich, einen Beruf im Theater zu finden, das gelingt ihm aber nicht, weil er ein unbekannter Jüngling ist. Markus fühlt sich leer. Er klettert den Domturm in seiner Heimatstadt, damit er naher der Sonne und Schönheit wäre, und mit dem Fall aus dem Turm hat er sein Leben verloren. Vielleicht hat er seine Liebe, seine Seele verloren, womit er sich nicht abfinden konnte. Der Tod bedeutete für Markus Erfüllung, Freiheit, und seine Seele war endlich frei. Der Leib zerschmetterte tief unten an dem Katzenbuckelprlaster des Domgäβchens und ward der Erde wiedergegeben. Seine Seele aber schwebte himmelan, dem Licht entgegen. Dehnte und weitete sich, wurde gross, weit und frei, rauschte in ddie Unendlichkeit und tauchte in die Urweigkeit, sog den Atem des Weltgeistes n sich ein, sättige sich mit heiliger Wunschlosigkeit überirdischen Erfüllseins und kehrte zu ihrem Ursprung zurück, zu Schönheit. [39] 14. Wir sind die Heimat Die Heimat, das sind wir; ist unser Herz und unser Lebenskreis, ist unser Geist und unser Fleiß. Was unter den Begriff der Heimat fiel ging mit uns ins Exil. Was blieb, ist nur Gefäß: Vase ohne Blumen, Acker ohne Krumen, Rahmen ohne Bildnis; seelenlose Wildnis. [40] Das Gedicht Wir sind die Heimat erschien in derselben Vierteljahresschrift für Mähren und Schlesien wir der Text von Mrasek Brünn – Stadt der Gegensätze. Das Gedicht wurde in einer Nummer im Jahre 1956 veröffentlicht, als Mrasek schon in Deutschland lebte. Dieses Gedicht ist eigentlich eine Erinnerung an seine liebe Heimat, die Mähren mit Brünn ist. Die Heimat, die für Mrasek die Stadt Brünn ist, bleibt in seinem Herzen und seinen Erinnerungen, auch wenn er „seine Stadt“ verlassen musste und ins Exil ging. Weil er in seinem lieben Brünn nicht mehr leben darf, das Zurückgebliebene ist gesitlos und sinnlos geworden, eine leere Hülle. Genauso bleibt Brünn leer, wenn dort nicht mehr die Deutschen leben, die es so gern hatten, aber vertrieben wurden. Das Gedicht ist in zwei Strophen geteilt. Die erste Strophe enthält fünf Zeilen, in denen der Leser erfährt, was alles für den Autor seine Heimat bedeutet, und wie er sie liebt. Sehr häufig werden die Wörter wir, unser, uns benutzt, mit denen Mrasek hervorhebt, dass er das Exilschicksal mit anderen, mit seinen Lesern, teilt. In dieser Strophe befindet sich der einsilbige Endreim, der aber nicht ganz regelmäßig ist: es geht um den Paarreim – Kreis – Fleiß, fiel – Exil, aber noch die erste Zeile reimt sich mit den letzten Zeilen. Die zweite Strophe erklärt schon, was alles Brünn ohne seine Männer ist: es ist wie Vase ohne Blumen, das heißt leer, ohne Leben und nicht schön. Auch Acker ohne Krumen ist nicht komplett, nur unvollständig, weil diese zwei Teile des Ackerbodens immer zusammen gehören, so wie Mrasek und Brünn. Wenn der Rahmen ohne Bildnis ist, entsteht ein leeres Loch, eine Wildnis. Mrasek benutzt keine Adjektive, keine Artikel, nur Substantive, als ob er noch mehr ausdrücken möchte, wie leer seine Heimat ohne ihn ist. Diese Vergleiche sind für Mrasek nicht typisch, aber wenn er diese Metaphern schon benutzt, verfehlen die Verse ihre Wirkung nicht. Der Reim in dieser Strophe ist der zweisilbige Endreim – Paarreim. Die Gedichte, in denen er an Brünn erinnert, sind sehr ähnlich. Dieses Gedicht ist dem Gedicht Mutter und Heimat ähnlich, weil er dieselben Wörter benutzt, wie zum Beispiel Heimat, Herz, unser, wir und andere. 15. Der tote Baum In der Vorstadt steht ein abgestorbener Baum Ragt gespenstisch in die dunkle Nacht Schon verdorrt ist alle grüne Pracht Einsam träumt er seinen Todestraum Seinen morschen Stamm umflimmern Ferner Großstadt geile Lichter Die wie Schlangenschuppen schimmern Und von Glanz und Elend, Dirnen und Gelichter Einen frechen Hexensabbath künden, Zuckend wie der Nerv in Luft und Sünden. Doch die kahlen, toten Äste Schreien mit verzweifelter Gebärde, Abgekehrt von dieser Erde Die den Tod von ihnen löste Wie mit dürren Greisenhänden Dass sie Halt im Jenseits fänden Hoch hinan in dunkle Ferne In die Ewigkeit der Sterne Die in heilig reinem Blinken Wunschlos tiefe Ruhe winken. Also steht der abgestorbene Baum, Ein Vermittler zwischen Luft und Tod, Aus dem Sündenglanz, der ihn umloht, sich erlösend in den Himmelstraum. [41] Das Gedicht ist in vier Strophen geteilt, aber nur die erste und die vierte Strophe sind ähnlich. In der ersten Strophe liest man über den Baum und über die Umgebung, wo sich der Baum befindet. Es handelt sich um einen toten Baum, wobei der Tod noch mit der Nacht, Einsamkeit und einem Gespenst hervorhebt ist. In dem ganzen Gedicht findet man den Endreim, wobei noch in dieser Strophe den umarmenden, einsilbigen Reim. Die zweite Strophe beschreibt schon die ganze Umgebung, in der sich der abgestorbene Baum befindet: in der Nacht sind die Lichter von der fernen Stadt zu sehen, und gerade diese ferne Großstadt zeigt wieder auf die Einsamkeit des Baumes. Hexensabbat, Sünde, Dirnen oder Gelichter sind Verführungen durch eine geistlose Stadt. In der dritten Strophe steht die Verbindung der Worte Schlangenschuppen schimmern, die in den Lesern für die wiederholte Laute „sch“ das Gefühl eines Raschelns abruft. Diese Strophe enthält sechs Zeilen, die ersten vier Zeilen haben den zweisilbigen Reim, End- und Kreuzreim, sogar ist da der identische und erweiterte Reim zu erkennen: Lichter – Gelichter. In den zwei letzten Zeilen gibt es den Paarreim und reinen Reim. Die folgende, dritte Strophe beschreibt die Gefühle des toten Baumes, zugleich auch die Umgebung, die ferne Stadt und ein Stadtleben, das nur eine Vereinwamung zur Folge hat. Dass hier der Baum mit dem Menschen viel zu tun hat, ist hier leicht zu sehen: Die Äste werden mit menschlichen Händen verglichen. Diese Strophe ist die am längsten, sie enthält sogar acht Zeilen, die ersten vier haben den sowohl einsilbigen als auch zweisilbigen, und auch umarmenden Reim, im Rest dieser Strophe gibt es den zweisilbigen Reim, den Paarreim. Die letzte Strophe ist der ersten ähnlich, diese hat auch nur vier Zeilen mit dem einsilbigen, umarmenden Reim. Was sehr interessant ist, ist das letzte Wort der ersten und vierten Strophe. Die erste Strophe endet mit dem Wort Todestraum, weil der Baum noch nicht tot ist, sondern er träumt es nur. Ganz am Ende des Gedichtes steht das Wort Himmelstraum, weil alle nach ihrem Tod in den Himmel kommen. Es bedeutet, dass der Baum schon tot ist, dass alles schon aus ist. 15.1 Der Baum als Symbol Symbol ist eine Idee, die beim Leser Konnotationen auslösen soll. In dem Gedicht ist der Baum ein Symbol für das Leben. Menschen aller Zeiten, Kulturen oder Religionen wussten, was ein Baum bedeutet. So zum Beispiel waren die Kelten, die jedem Menschen einen Baum zuschrieben, von seinem Geburtstag abhängig. Dieses Symbol ist auch in der heiligen Schrift zu finden: Gott ließ Bäume aus dem Boden wachsen, die Früchte trugen, es waren die Bäume des Lebens. Eine andere Bedeutung ist auch zu finden, der todbringende Baum der Erkenntnis, der für Eva und Adam verboten war, stellte den Baum des Todes dar. Diese beiden Baumsymbolen, das Gute und Böse, Leben und Tod, sind bei vielen Künstlern zu finden. Zwischen einem Baum und einem Menschen gibt es viele Gemeinsamkeiten, weil der Mensch sein Leben im Bild des Baumes sieht – Fast überall ist der Brauch bekannt, bei der Geburt eines Menschen einen Baum zu pflanzen. Wenn dieser Geburtsbaum verdorrt, ist das ein Zeichen für den nahen Tod solches Menschen. Was dann das Alter betrifft, werden sowohl Bäume als auch Menschen allein gelassen. Hat der Baum keine Zweige mehr, ist auch der Mensch dem Wind und der sengenden Sonne ausgeliefert, ohne Baum geht nichts. Im Baum wird einfach das Naturgeschehen gesehen, wie bei dem Menschen: das Wachsen, Blühen, Reifen, Früchtetragen und zu Ende das Vergehen. Wo der Baum stirbt, stirbt auch der Mensch. Nicht nur das Todbringende, sondern auch Dämonische, Unheilige und Gefährliche können sich in Bäumen aufhalten. Es handelt sich um Gespenster und Seelen, die im Baum wohnen. Das Gefährliche können noch die Landschaft oder auch die Nacht darstellen. Das Hauptthema des ganzen Gedichtes ist sicher der Tod in verschieden Formen, wie zum Beispiel die Nacht, Einsamkeit, Elend oder Erlösung sind. Der Baum ist dem Menschen ähnlich, die Äste sind den Händen ähnlich, und am Ende des Lebens bleiben beide alleine, und träumen ihren Traum die Himmelfahrt. 16. Mrasek und Symbole Symbole sind Aspekte der Literatur, die dem Leser eine Frage stellen, was das Symbol eigentlich bedeutet. Man kann das Symbol definieren als ein Textelement. Je länger Gedichte oder Erzählungen sind, desto stärker auch die Möglichkeit von Symbolen. Zur literarischen Symbolik zählt man auch Lautsymbolik, weil der phonetischen Gestalt eines Wortes zusätzliche Bedeutungen zugeschrieben werden (zum Beispiel u – dunkel, tief), weiter die Namensymbolik oder die antithetische Konfiguration wie zum Beispiel Leben – Tod, die bei Mrasek sehr oft zu finden sind. Symbol bedeutet aber vor allem Zeichen, dessen Bedeutung erraten und erschlossen werden muss. Mrasek benutzt am häufigsten drei symbolische Bereiche: Tod, Musik und Christentum. 16.1 Musik Warum Mrasek Vorliebe in Musik hatte, ist klar, weil er Musik pflegte und auch im Theater tätig war. Viele Musiktheoretiker finden die Verbindung zwischen Musik und Gefühlen des Menschen, was sicher stimmt. Man muss nicht Worte benutzen, trotzdem kann man Vieles mit der Musik sagen. Diesen Aspekt zeigt Mrasek in seiner Erzählung mit dem Titel Der musikalische Mokka. Schubert war nicht nur ein Musikus vor dem Herrn, sondern auch ein Meister in der Zubereitung des Kaffees. Wie eine heilige Handlung zelebrierte er die einzelnen Handgriffe, mit Hingabe braute er das köstliche, anregende Getränk. Ein Mokka, von ihm bereitet, war ein erlesener Genuss; dieser Duft, dieses Aroma - - so trank man ihn nirgend anderswo! […] Krch – krch – krch – knarrte weiterhin die Maschine in die Stille. Aber nun schien es kein mahlendes Geräusch mehr. Das Kräzchen ordnete sich zu einem seltsamen Rhythmus. Immer energischer, drängender taktierte die Kurbel. Und plötzlich, mit jäher Bewegung, sprang Schubert auf. Polternd plumpste die Mühle zu Boden, die Körner sprangen ringsum über die Diele. Schubert hatte alles um sich vergessen. Er setzte sich ans Klavier, schlug einige Tasten an. Ein beglücktes Leuchten glitt über sein Gesicht; befriedigt nickte er sich selber zu und wühlte mit mächtigen Griffen in berauschenden Tönen. [42] In diesem kurzen Beispiel sieht man, wie Mrasek die Verbindung zwischen Gefühlen oder Genießen und der Musik findet. Als Vorbild dient in dieser Erzählung der deutsche Komponist Franz Schubert, der die Musik liebte, und der Kaffee erinnert ihn an Musik, den er mit den Tönen ausdrückt. Die Zubereitung des Kaffees mit der Kaffeemühle verursacht, dass Schubert beginnt, Klavier zu spielen. Er muss nichts sagen, und der Leser weiß, dass er Kaffee mag. Ähnlich ist es auch in einer anderen Geschichte von Mrasek, die Intermezzo heißt. Diese Geschichte erzählt von zwei Menschen, einem Jungen und einem Mädchen, die sich zufällig in einem Wald treffen. Beide lieben Musik und spielen ein Instrument. Beglückt erkannte Vitus, dass zwei Menschen auch ohne Worte, bloß durch die Sprache der Töne, einander so unendlich viel sagen können, wenn sie Gleiches empfinden. Als sie so eine Weile miteinander geplaudert hatten, er auf der Geige, sie auf der Flöte, kam ihm der Gedanke, ein Duett zu versuche. Eine schlichte Liebesweise fiel ihm ein, die geigte er langsam vor und bedeutete ihr, die Weise auf der Flöte nachzuspielen. Als dies gelang, spielte er untermalend mit. Finetta geriet in kindliche Freude; ihre Augen begannen zu leuchten, sie klatschte vor Vergnügen in die Hände und bat durch Zeichen um Wiederholung. Nun nahm Vitus die Terz, umrankte die Grundtöne mit steigenden und fallenden Figuren und schmückte die Melodie mit satter Klangfülle. So geigten und bliesen sich die beiden Menschenkinder in helle Begeisterung. [43] In dieser Geschichte gelang es dem Mrasek auszudrücken, wie zwei Leute ganz ohne Worte zusammen sprechen können. Sie benutzen kein einziges Wort, nur spielen sie, er Geige, sie Flöte. 16.2 Tod Das Symbol des Todes befindet sich bei Mrasek am häufigsten, sowohl in Erzählungen und Geschichten, als auch in Gedichten. So tragisch endet zum Beispiel die Novelle Der Schönheitsucher, in der die Hauptfigur vom Kirchenturm hinunter springt. Sie nimmt ihr Schicksal an und erfüllt ihre Aufgabe oder ihre Bestimmung bis zu ihrem denkwürdigen Ende. Vielleicht könnten die genannten Figuren im weitesten Sinne als Helden bezeichnet werden. Zugleich ist der Körper das Gefängnis der Seele. Die Auflösung des Körpers, also sein Tod, musste demnach die Befreiung des Geistes bewirken. Der Tod prägt auch manche Gedichte von Mrasek, zum Beispiel das Gedicht Schöpferische Stunde: Der Stunden tiefste liegt um Mitternacht. Der Lärm der Straße stirbt; doch aus der Stille rings umher erwacht geheimnisvolles Leben, der unsichtbaren Welt anheimgegeben, ein Schattenreich, das um Gestaltung wirbt.[44] Das Gedicht ist voll von Symbolen: Tod ist immer etwas Geheimnisvolles, Tiefes und für die Menschen Fremdes. Das Geheimnisvolle ist hier mit den Wörtern tief, Mitternacht, stirbt und geheimnisvoll ausgedrückt. Die Lautsymbolik konzentriert sich in dem dunklen Vokal u: Stunde, umher oder unsichtbar. Dass Tod der Menschen zugleich unmittelbar die Geburt des Kindes ist, was zugleich die antithetischen Konfigurationen sind, findet man in den Gegensätzen stirbt und Leben. Wenn es um den Tod geht, liest man noch über Winter oder Herbst, was Symbole für Erstarrung, Melancholie oder Einsamkeit sind, in diesem Fall ist es nicht klar, um welche Jahreszeit es sich handelt. 16.3 Kirche und Christentum Das Thema der Religion und des Christentums ist bei Mrasek ein sehr beliebtes Thema, weil er selbst gläubig war. In seinen Erzählungen und Gedichten bewundert er Klöster, Kirchen, Portale oder Künstler, die an dem Bau dieser Klöster und Kirchen teilgenommen haben. So entstanden zum Beispiel Gedichte Der Brünner Dom, Portal eines alten Stiftes oder die Geschichte Das Phantom. Immer beschreibt er die Klöster oder Kirchen so gründlich, dass man sich leicht vorstellen kann, wie diese Gebäude aussehen. Er bewundert diese Bauten nicht nur vom Außen, sondern die Leser erfahren auch, wie sie drin geschmückt sind, welche Künstler oder Meister an ihren Bauten teilgenommen haben. Das Thema der Kirche benutzt Mrasek auch in seinen Erzählungen, die in einer Kirche oder Kapelle spielen. Der Tod als Erlösung der Seele vom irdischen Jammertal zählt zu zentralen Vorstellungen des Christentums. Wenn jemand stirbt, bedeutet das nach der Religion den Anfang von einem neune Leben, in dem Fall Mraseks nicht nur von einem neuen Leben, sondern auch von neuen Pflanzen und Tieren. 17. Fazit Obwohl Mrasek so lange in Brünn lebte, gibt es hier fast keine Literatur, und es war nich einfach, Literatur und Materialien zu Mrasek finden. Deshalb musste ich die meisten Bücher von ihm in Deutschland suchen, wo es schon ganz viele Materialien gab. Mrasek schrieb viele Bücher über Brünn, über die Stadt, die er für seine Heimatstadt hielt, warum sind hier also so wenige Bücher? Meiner Meinung nach ist es so, weil er hier in der Zeit zwischen beiden Weltkriegen lebte und ein Deutscher war. Zu der Zeit waren hier die Deutschen nicht willkommen, und die Tschechen hatten auch keine Interesse, deutsche Literatur zu lesen, was wir noch heute mal sehen können. Das kann also der Grund sein, warum ich fast alle Bücher in Deutschland suchte. Das Niveau am Anfang des 20. Jahrhunderts in Brünn war für die Deutschen nicht einfach und nicht immer gut, weil es immer zwischen ihnen und den Tschechen Streite und Konflikte gab. Der Höhepunkt dieser Streite war, dass die Deutschen gezwungen waren, Brünn zu verlassen. Aber trotzdem haben sie hier Vieles gemacht: sie hatten eigenes Theater, wo regelmäßig deutsche Werke aufgeführt wurden, deutsche Gymnasien, Technische Hochschule, deutsche Zeitung, aber was für sie am wichtigsten war, das war ihr Deutsches Haus, an das sie so stolz waren. Dort konnten sie sich treffen, sich unterhalten und deutsche Kultur pflegen. Jetzt nach 60 Jahren können wir das Haus nicht mehr sehen, weil das durch einen Brand zerstörte Gebäude abgerissen wurde. Die Perspektive eines vertriebenen Brünners kann für einen Tschechen durchaus neu sein. In allen Werken kann man fühlen, dass Mrasek Brünn sehr liebte und nie aufhörte, an die Stadt zu erinnern. Weil er nach 1945 im Exil lebte und als Sutor auf die Lesergemeinde seiner Landsleute nagewisen war, schrieb er hat er so viele Bücher über diese Stadt. Die Verklärung durch Erinnerung ließ seine Lyrik und Epik versöhnlicher wirken als der publizistische Text zum Bildband Mähren und Schlesien:141 Bilder der unvergessenen Heimat, das er zusammen mit Adam Kraft schrieb. Dieser Text enthält sehr negatives Bild der Tschechen, das auf mich als Anbiederung an die Vertriebenene wirkte. Die restlichen Texte sind den Anderen ähnlich. Trotzdem erfahren die Leser, wie die Bedingungen für Deutsche in Mähren vor und nach dem Weltkrieg waren: vor dem Weltkrieg stand in Brünn Deutsches Haus, wo sie sich treffen konnten, und über deutsche Literatur diskutieren. Deutsche Zeitung Tagesbote fehlte auch nicht, wo Beiträge deutscher Autoren erschienen. Dank dem Zweiten Weltkrieg wurden die Deutschen vertrieben, und ihre Werke erschienen in deutschen Ländern. Auch heute sind Bücher von Mrasek sehr schwer zu bekommen, eigentlich nur in Deutschland. Obwohl er viele Jahre in Brünn verbracht und über die Stadt geschrieben hat, bekommt man seine Büchen in der Metropole Mährens nur schwer – dank dem Weltkrieg hatten die Tschechen keine Interesse für deutsche Bücher. Erst nach vielen Jahren hat es sich geändert, und die Tschechen lesen wieder duetsche Autoren – hoffentlich finden wir in tschechischen Bibliotheken auch Mrasek. 18. Quellen Primäreliteratur: Mrasek, Karl Norbert: Unser Brünn. Brünner Humoresken von Karl Norbert Mrasek. Brünner Buchring 1951, 5. Band Mrasek, Karl Norbert: Erlebtes und Erdachtes. Zusammengestellt und mit einer Würdigung versehen von Reinhard Pozorny. Leimen-Heidelberg 1962 Mrasek, Karl Norbert: Vorwort und einführender Text. In: Marx, Jörg und Liesel: Brünn im Bild. Brünner Heimatbote. Leimen – Heidelberg. 1970. Mrasek, Karl Norbert: Nachwort. In: Steiner, Eduard: Die Brünner und ihr Stadttheater. Ein Stück deutscher Theatergeschichte. Brünner Heimatbote. Leimen – Heidelberg. 1964. Mrasek, Karl Norbert; Kraft, Adam: Mähren und Schlesien: 141 Bilder der unvergessenen Heimat. Adam Kraft Verlag. Augsburg. 1960. Mrasek, Karl Norbert: Der Schönheitsucher. Roman. Im Max Ahnert Verlag zu Cassel. 1923. Sekundärliteratur: Krywalski, Diether: Weit von hier wohnen wir, weit von hier. Beobachtungen und Gedanken zur deutschsprachigen Literatur in den böhmischen Ländern. Vitalis, Prag 2002, 1. Ausgabe, Band-Nr.4. Krywalski, Diether: Knaurs Lexikon der Weltliteratur. Autoren, Werke, Sachbegriffe. Droemer Knaur München/Zürich 1979. Krywalski, Diether (Hg.): Handlexikon zur Literaturwissenschaft. Herausgegeben von Diether Krywalski. Ehlenwirth, München, 1974. Krywalski, Diether, Born, Jürgen (Hgg.): Deutschsprachige Literatur aus Prag und den böhmischen Ländern 1900-1939. Chronologische Übersicht und Bibliographie. 3., vollständige überarbeitete und erweiterte Ausgabe. Herausgegeben und eingeleitet von Jürgen Born und Diether Krywalski. München: Saur 2000. Burdorf, Dieter / Fasbender, Christoph / Moenninghoff, Burkhard (Hgg.): Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen. Begründet von Günther und Irmgard Schweikle. Herausgegeben von Dieter Burdort, Christoph Fasbender und Burkhard Moenninghoff. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Verlag J. B. Metzler. Stuttgart. Weimar. 2007. Kosch, Wilhelm: Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch. Zweite, vollständig neubearbeitete und stark erweiterte Auflage. A. Francke AG, Verlag, Bern, 1953, 2. Band. Kosch, Wilhelm: Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch. Dritte, völlig neu bearbeitete Auflage. Zehnter Band. Herausgegeben von Heinz Rupp und Carl Ludwig Land. Francke Verlag Bern. 1986. Wunderlich, Werner (Hrsg.) Literarische Symbolfiguren. Von Prometheus bis Švejk. Beiträge zu Tradition und Wandel. Verlag Paul Haupt Bern und Stuttgart. 1989. Becher, Peter / Fiala-Fürst, Ingeborg (Hg.): Literatur unter dem Hakenkreuz. 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[9] Kaunzner, Friedrich: Heimat Böhmen: historisches Gedenkbuch. Böhmen – Mähren – Schlesien. Sudetendeutsche Landsmannschaft Kreisgruppe Regensburg. Regensburg. 2005. S. 181. [10] Kaunzner, Friedrich: Heimat Böhmen: historisches Gedenkbuch. Böhmen – Mähren – Schlesien. Sudetendeutsche Landsmannschaft Kreisgruppe Regensburg. Regensburg. 2005. S. 190. [11] Mrasek, Karl Norbert: Unser Brünn. Brünner Humoresken von Karl Norbert Mrasek. 5. Band. Brünner Buchring. 1951. S. 30. [12] Mrasek, Karl Norbert: Unser Brünn. Brünner Humoresken von Karl Norbert Mrasek. 5. Band. Brünner Buchring. 1951. S. 18. [13] Mrasek, Karl Norbert: Unser Brünn. Brünner Humoresken von Karl Norbert Mrasek. 5. Band. Brünner Buchring. 1951. S. 32. [14] Mrasek, Karl Norbert: Unser Brünn. Brünner Humoresken von Karl Norbert Mrasek. 5. Band. Brünner Buchring. 1951. S. 38. [15] Mrasek, Karl Norbert: Erlebtes und Erdachtes. Zusammengestellt und mit einer Würdigung versehen von Reinhard Pozorny. 1962. Verlag für heimatliches Schrifttum Leimen – Heidelberg. S. 11. [16] Mrasek, Karl Norbert: Erlebtes und Erdachtes. Zusammengestellt und mit einer Würdigung versehen von Reinhard Pozorny. 1962. Verlag für heimatliches Schrifttum Leimen – Heidelberg. S. 12. [17] www.ticbrno.cz [18] www.ticbrno.cz [19] Mrasek, Karl Norbert: Vorwort. In: Marx, Jörg und Liesel: Brünn im Bild. Vorwort und einführender Text von Karl Norbert Mrasek. Brünner Heimatbote. Leimen – Heidelberg. 1970. S. 5. [20] Mrasek, Karl Norbert: Vorwort. In: Marx, Jörg und Liesel: Brünn im Bild. Vorwort und einführender Text von Karl Norbert Mrasek. Brünner Heimatbote. Leimen – Heidelberg. 1970. S. 5. [21] Mrasek, Karl Norbert: Einführung. In: Marx, Jörg und Liesel: Brünn im Bild. Vorwort und einführender Text von Karl Norbert Mrasek. Brünner Heimatbote. Leimen – Heidelberg. 1970. S. 7. [22] Mrasek, Karl Norbert: Vorwort. In: Marx, Jörg und Liesel: Brünn im Bild. Vorwort und einführender Text von Karl Norbert Mrasek. Brünner Heimatbote. Leimen – Heidelberg. 1970. S. 8. [23] Mrasek, Karl Norbert: Nachwort. In: Steiner, Eduard: Die Brünner und ihr Stadttheater. Ein Stück deutscher Theatergeschichte. Brünner Heimatbote. Leimen – Heidelberg. 1964. S. 95. [24] Mrasek, Karl Norbert: Nachwort. In: Steiner, Eduard: Die Brünner und ihr Stadttheater. Ein Stück deutscher Theatergeschichte. Brünner Heimatbote. Leimen – Heidelberg. 1964. S. 95. [25] Mrasek, Karl Norbert; Kraft, Adam: Mähren und Schlesien: 141 Bilder der unvergessenen Heimat. 1960. Adam Kraft Verlag. Augsburg. S. 11. [26] Mrasek, Karl Norbert; Kraft, Adam: Mähren und Schlesien: 141 Bilder der unvergessenen Heimat. 1960. Adam Kraft Verlag. Augsburg. S. 15. [27] Mrasek, Karl Norbert; Kraft, Adam: Mähren und Schlesien: 141 Bilder der unvergessenen Heimat. 1960. Adam Kraft Verlag. Augsburg. S. 15. [28] Mrasek, Karl Norbert; Kraft, Adam: Mähren und Schlesien: 141 Bilder der unvergessenen Heimat. 1960. Adam Kraft Verlag. Augsburg. S. 22. [29] Mrasek, Karl Norbert; Kraft, Adam: Mähren und Schlesien: 141 Bilder der unvergessenen Heimat. 1960. Adam Kraft Verlag. Augsburg. S. 30. [30] Mrasek, Karl Norbert: Mutter und Heimat. In: Zimprich, Richard: Mährisch – Schlesische Heimat. Vierteljahresschrift für Kultur und Wirtschaft. 3. Jahrgang. Geleitet von Dr. Richard Zimprich. Quellenverlag V.Diwisch. Steinheim am Main. 1958. S. 150. [31] Mrasek, Karl Norbert: Brünn – Stadt der Gegensätze. In: Zimprich, Richard: Mährisch – Schlesische Heimat. Vierteljahresschrift für Kultur und Wirtschaft. 1. Jahrgang 1955/56. Geleitet von Dr. Richard Zimprich. Quellenvertrag V. Diwisch. Steinheim am main. S. 122. [32] Mrasek, Karl Norbert: Brünn – Stadt der Gegensätze. In: Zimprich, Richard: Mährisch – Schlesische Heimat. Vierteljahresschrift für Kultur und Wirtschaft. 1. Jahrgang 1955/56. Geleitet von Dr. Richard Zimprich. Quellenvertrag V. Diwisch. Steinheim am main. S. 123. [33] Mrasek, Karl Norbert: Brünn – Stadt der Gegensätze. In: Zimprich, Richard: Mährisch – Schlesische Heimat. Vierteljahresschrift für Kultur und Wirtschaft. 1. Jahrgang 1955/56. Geleitet von Dr. Richard Zimprich. Quellenvertrag V. Diwisch. Steinheim am main. S. 123. ^ [34] Mrasek, Karl Norbert: Der Schönheitsucher. Der Roman. Im Marx Ahnert Verlag zu Cassel. 1923. Seite 7. [35] Mrasek, Karl Norbert: Der Schönheitsucher. Der Roman. Im Max Ahnert Verlag zu Cassel. 1923. S. 116. [36] Mrasek, Karl Norbert: Der Schönheitsucher. Der Roman. Im Max Ahnert Verlag zu Cassel. 1923. S. 30. [37] Mrasek, Karl Norbert: Der Schönheitsucher. Der Roman. Im Max Ahnert Verlag zu Cassel. 1923. S. 87 – 88. [38] Mrasek, Karl Norbert: Der Schönheitsucher. Der Roman. Im Max Ahnert Verlag zu Cassel. 1923. S. 100. [39] Mrasek, Karl Norbert: Der Schönheitsucher. Der Roman. Im Max Ahnert Verlag zu Cassel. 1923. S. 126. [40] Mrasek, Karl Norbert: Brünn – Stadt der Gegensätze. In: Zimprich, Richard: Mährisch – Schlesische Heimat. Vierteljahresschrift für Kultur und Wirtschaft. 1. Jahrgang 1955/56. Geleitet von Dr. Richard Zimprich. Quellenvertrag V. Diwisch. Steinheim am main. S. 271. [41] Mrasek, Karl Norbert: Der tote Baum. In: Tagesbote. 12. 6. 1931. Morgenausgabe. S. 7. [42] Mrasek, Karl Norbert: Erlebtes und Erdachtes. Zusammengestellt und mit einer Würdigung versehen von Reinhard Pozorny. 1962. Leimen – Heidelberg. S. 16 [43] Mrasek, Karl Norbert: Erlebtes und Erdachtes. Zusammengestellt und mit einer Würdigung versehen von Reinhard Pozorny. 1962. Leimen – Heidelberg. S. 37. [44] Mrasek, Karl Norbert: Erlebtes und Erdachtes. Zusammengestellt und mit einer Würdigung versehen von Reinhard Pozorny. 1962. Leimen – Heidelberg. S. 10