http://www.duden-paetec.de/index.htm - ganz guter Text zur Problematik Informationen zur AFS-Methode Seit der Erfindung der Schrift sah man es als völlig „normal“, dass Menschen Wörter unterschiedlich schrieben, aber das Gleiche meinten. Wichtig war nur, dass der Leser den Inhalt auch verstand. Tatsächlich hatten in früheren Jahrhunderten wenige Menschen die Möglichkeit, das Schreiben und Lesen überhaupt zu erlernen. Erst Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) begründete in Großösterreich das Volksschulwesen. Ihr Ziel war es, auch dem einfachen Volk zu ermöglichen, das Schreiben, Lesen und Rechnen zu erlernen. Dies war seinerzeit die hauptsächliche Aufgabe dieser Schulen. Durch das Aufstellen von Rechtschreibregeln für die deutsche Sprache durch Bartholomä Herder (1774–1839) - er gründete 1801 die Verlagsbuchhandlung unter anderem mit dem Schwerpunkt „Nachschlagewerke“ - und Konrad Alexander Friedrich Duden (1829-1911) - er brachte 1880 ein „Vollständiges orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ heraus - wurden Menschen erst auffällig, die nicht imstande waren, diese Regeln genau einzuhalten. Die ersten Erforscher des Phänomens der Legasthenie waren schließlich am Ende des 19. Jahrhunderts Mediziner und in Folge dessen wurde lange Zeit und tatsächlich noch bis heute von Krankheit gesprochen. Auch in der Weltgesundheitsorganisation wird fataler Weise bis heute die Legasthenie als Krankheit definiert. Später befassten sich Psychologen und Soziologen ebenfalls mit dem Thema, was zu einer weiteren Belebung der Legastheniepathologisierung führte. Tatsächlich benötigen legasthene Menschen lediglich individuelle, über das generelle Angebot der Schule hinausgehende Methoden, damit auch sie das Schreiben, Lesen und Rechnen erlernen können. Man schätzt, dass 15% der Weltbevölkerung davon betroffen sind. Deshalb fällt logischer Weise die Förderung bei einer Legasthenie/Dyskalkulie definitiv in den pädagogisch-didaktischen Bereich, weil nur ein Pädagoge grundsätzlich dazu ausgebildet ist, Menschen das Schreiben, Lesen und Rechnen zu lehren. Die pädagogische Forschung strebt deshalb danach, Methoden zu entwickeln, die den besonderen Anforderungen dieser Menschen, die deshalb nicht schwach, gestört, krank oder gar behindert sind, gerecht zu werden. „Legasthenie und Dyskalkulie sind in ihrer Ausprägung so individuell wie ein Fingerabdruck!“ Die AFS-Methode ist das Ergebnis qualitativer und quantitativer empirischer pädagogischer Forschung. Die AFS-Methode ist eine multisensorische Methode, deren Entwicklung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht worden ist. Sie stellt die Individualität des legasthenen/dyskalkulen Menschen in den Vordergrund und wird der multikausalen Problematik gerecht. Sie gehört zu den Methoden, die wissenschaftlich anerkannt und die auch empirisch wirksam ist. In 38 Ländern wird mit dieser Methode legasthenen/dyskalkulen Kindern seit mehr als zehn Jahren erfolgreich geholfen. Der enthaltene Methodenpluralismus und Eklektizismus verspricht den Erfolg. Die AFS-Methode und das AFS-Testverfahren wurden an mehr als fünftausend Kindern evaluiert. Die AFS-Methode zeichnet in der scheinbar ausweglosen Situation eines Betroffenen einen gangbaren Weg aus dem Nebel des Unverständnisses, des Misserfolgs und der Diskriminierung. Sie spricht den Menschen als Gesamtheit an und lässt auch Wege für alternative Methoden offen. Es gibt nicht DIE Legasthenie, deshalb gibt es auch nicht DAS Training. Da jede Legasthenie individuell ist, so muss auch das Training individuell auf die Bedürfnisse des Betroffenen abgestimmt sein. Genau darin liegen die Chancen und auch die Erfolge der AFS-Methode. Die Inhalte der AFS-Methode beruhen auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen, dass eine Verbesserung der Schreib-, Lese- und/oder Rechenfertigkeit eines legasthenen/dyskalkulen Menschen alleine durch das Üben am Symptom nicht zielführend ist. Deshalb muss in den Bereichen der Aufmerksamkeit - um der zeitweisen Unaufmerksamkeit beim Schreiben, Lesen und/oder Rechnen entgegenzuwirken - weiters in den Funktionen oder Sinneswahrnehmungen, die man für das Erlernen des Schreibens, Lesens und Rechnens braucht - diese müssen geschärft werden - und im Symptombereich - um den Wahrnehmungsfehlern entgegenzuwirken - eine gezielte Förderung stattfinden. Die Trainingsmethode verbindet spezielle Elemente aus den jeweiligen Bereichen in der Kombination, die nach vorliegendem Testergebnis für das jeweilige Kind die optimale Intervention darstellen. Die drei komplementären Ebenen können einzeln gewichtet je nach Problemlage herangezogen und ausgerichtet werden. Ist in der Förderung das Zusammenwirken der drei verschiedenen Bereiche gewährleistet, so zeigt eine erfolgte Langzeitstudie mit Deutlichkeit, dass maßgebliche Verbesserungen in allen Bereichen und somit auch im Symptombereich erzielt werden. Die Methode ist in ihrer Komplexität und gegenseitiger Durchdringung der einzelnen Teilbereiche sehr umfassend. Sie erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Primärstatus. Die Bereiche bedingen einander und bringen durch ihre Verknüpfung die gewünschten Verbesserungen. Die Elemente, die für das Erlernen des Schreibens, Lesens und Rechnens grundlegend sind, durchdringen sich gegenseitig. Dadurch erhält jede Trainingseinheit ihren eigenen Charakter, wobei die Gewichtung der Trainingsbereiche aber schwanken kann. Das Gerüst sind bereits vorhandene Trainingsinstrumente, wie die Bereiche A(ufmerksamkeit) F(unktion) S(ymptom), diese können mit einer Vielzahl von anderweitig entwickelten und erprobten Verfahren für legasthene Menschen angereichert werden, die der Trainer individuell für jeden einzelnen Betroffen für richtig hält. Die Gewichtung erhält mit dem AFS-Testverfahren ihr erstes Profil, das sich im Verlauf des Trainings individuell herausbildet. Gerade die Verbesserung im Symptombereich, die sich hauptsächlich durch die konstante Reduzierung der Fehleranzahl messen lässt, ist von besonderer Bedeutung für den legasthenen/dyskalkulen Menschen. Alleine an der Verbesserung der Schreib-, Lese- und/oder Rechenfertigkeiten wird der Erfolg oder Misserfolg einer Methode im diesem Bereich gemessen. Auf keinen Fall ist es möglich, eine Verbesserung der Kinder an Prüfungsergebnissen oder Benotungen zu messen, weil diese von viel zu vielen Faktoren vor allem menschlichen abhängig und deshalb als völlig irrelevant zu betrachten ist. Speziell die Offenheit der AFS- Methode garantiert die Individualität und orientiert sich am Zustand des Betroffenen. In der Anwendung der Methode gibt es, wie bereits erwähnt, klare Richtlinien - sie beinhaltet einerseits speziell entwickelte Trainingsinstrumente, wie die richtige und individuelle Kombination von Aufmerksamkeits-, Funktions- und Symptomtraining, andererseits kann sie durch eine Vielzahl anderweitig entwickelter und für legasthene/dyskalkule Menschen erprobte Verfahren angereichert werden, weil jede Legasthenie individuell und höchstens ähnlich einer anderen verläuft. Sie lässt aber im Detail dem Trainer nicht nur die Wahl, die Trainingsteile frei zu gestalten, sondern die Freiheit, selbst zu entscheiden, welche Programme und Unterrichtshilfsmittel er bei den verschiedenen Teilen des Trainings einsetzt. Jeder Ansatz, der zur Verbesserung des Zustandes des legasthenen/dyskalkulen Menschen führt, kann deshalb integriert werden. Ein völlig freies Integrieren von Anregungen und Erkenntnissen, falls sie dem Ziel, dem legasthenen/dyskalkulen Menschen zu helfen entsprechen, ist möglich. Die Methode ist als eine ganzheitliche völlig offene Methode zu sehen, weil die Kombination von vorgeschriebenen Strukturen und die frei wählbaren Teile der Förderung es erlauben, auf die Probleme der Kinder völlig individuell einzugehen. Die Methode ist offen für Anregungen und Verbesserungen von außen, alle Komponenten sollen sich ergänzen und ineinander wirken, sodass die bestmögliche Hilfestellung dem Kind gegeben wird. Alle Einflüsse aus dem Umfeld des Betroffenen werden sensibel aufgenommen und bei den Interventionen berücksichtigt. Ein Grundsatz der AFS-Methode beruht darauf, dass die pädagogischdidaktische Ebene der Intervention bei einer Legasthenie/Dyskalkulie immer an erster Stelle stehen muss, weil ein dauerhafter Erfolg nur dann gewährleistet ist, wenn man dem Betroffenen speziell auf seine Bedürfnisse abgestimmte Zugänge zum Schreiben, Lesen und Rechnen ermöglicht. Die Zusammenarbeit mit der Familie, dem Lehrer und bei Bedarf im Falle von vorhandenen psychischen (z. B. Hör- und Sehbereich) oder herausgebildeten physischen Auffälligkeiten auch mit anderen Spezialisten ist selbstverständlich. Es ist immer schwierig, Anleitungen für eine Förderung zu geben, ohne dabei Gefahr zu laufen, dass die Anregungen als Rezepte gebraucht werden und die Individualität der Förderung unterbleibt. Ziel der AFSMethode ist es, dass es bei einem legasthenen/dyskalkulen Kind zu einer Verbesserung der Aufmerksamkeit, einer Verbesserung der Funktionen oder Sinneswahrnehmungen und einer Verringerung der Wahrnehmungsfehler beim Schreiben und/oder Lesen und/oder Rechnen und damit einer Verbesserung der Form von schriftlichen Arbeiten im Schrift- und /oder im Rechenbereich kommt. Man geht davon aus, dass bei einem Kind eine Legasthenie/Dyskalkulie vorliegt, wenn man erstens beobachtet, dass die Aufmerksamkeit, wenn das Kind schreibt, liest und/oder rechnet, zeitweise sehr schlecht bis gar nicht vorhanden ist. Dieses weit reichende Unvermögen, die Gedanken mit dem jeweiligen Handeln zu koordinieren, löst geradezu eine Kettenreaktion von folgeschweren Problemen aus. Zweitens, wenn das Kind in den Funktionsbereichen der Optik, Akustik oder der Raumwahrnehmung durch Fehlleistungen in diesen Sinneswahrnehmungen auffällig wird. Drittens, wenn man beim Kind Wahrnehmungsfehler feststellen kann. Aufmerksamkeitstraining Die differenzierte Aufmerksamkeit beim Schreiben, Lesen und/oder auch beim Rechnen, man könnte es auch Unaufmerksamkeit nennen, spielt bei legasthenen Kindern eine wesentliche Rolle, die dazu führt, im Symbolbereich nicht das leisten zu können, was von ihnen erwartet wird. Bei jedem Legasthenietraining soll die volle Aufmerksamkeit gewährleistet sein, damit ein Idealzustand des Lernens und des Vertiefens entsteht. Viele Fehler passieren, weil die Gedanken und das Handeln beim legasthenen Menschen nicht im Einklang stehen. Das heißt, dass die Tätigkeit, die ein legasthener Mensch im Symbolbereich vollführt - er schreibt ein Wort - nicht mit seinen momentanen Gedanken einhergeht. Er ist, wie man so schön sagt: "Nicht bei der Sache". Dadurch entstehen so genannte Wahrnehmungsfehler. In anderen Bereichen findet bei legasthenen Kindern dieser Vorgang nicht statt, außer es liegt ein zusätzliches Krankheitsbild (z.B. ADD, ADHD, etc.) vor. Deshalb ist es auch falsch, legasthene Kinder grundsätzlich als "unkonzentriert" zu bezeichnen. Diese Kinder können sich oft stundenlang einer Sache widmen, die ihnen Spaß macht, wie z. B. das Legospiel. Nur Symbole erzeugen bei ihnen im Unterbewusstsein eine Ablehnung, für die man sie aber nicht verantwortlich machen kann. Es ist als eine biogenetische Anlage zu sehen. Wichtig bzw. vorrangig muss nun die Bestrebung sein, die Kluft zwischen den Gedanken und dem Handeln beim legasthenen Kind zu schließen. Das Zusammenführen der Gedanken und das gleichzeitige Handeln ist nun das oberste Ziel. Ist dies nicht gewährleistet, so wird jedes Legasthenietraining scheitern. Funktionstraining Die Funktionen, die so genannten Sinneswahrnehmungen, die man für das Schreiben, Lesen und Rechnen benötigt, auch Teilleistungen genannt, sind bei legasthenen Kindern differenziert. Legasthene Menschen haben einfach eine andere Wahrnehmung, sehr schnelle Gedankengänge, die sie in bedingter Weise am richtigen Schreiben, Lesen oder Rechnen hindern. Sie erlernen die Kulturtechniken zwar auch, aber in einer anderen Art, als es ihnen in unserem Schulsystem angeboten wird. Dabei sind zwei Dinge zu beachten: Das legasthene Kind braucht eine längere Zeit, um sich mit den Symbolen problemlos auseinandersetzen zu können, und es muss wesentlich vertiefender Wortbilder oder Rechenprozesse erlernen. Symptomtraining Das Symptomtraining ist das Training an den Fehlern. Das Schreiben lernt auch das legasthene Kind nur durch Schreiben, das Lesen durch Lesen, das Rechnen durch Rechnen. Übung macht den Meister, denn auch das legasthene Kind muss üben, genauso wie jedes andere Kind. Wichtig ist nur, dass das Erlernen und Vertiefen auf langsame und stetige Art vor sich geht. Zu viel Information im Symbolbereich ist für das legasthene Kind nicht zuträglich. Wichtig ist auch, dass ein Erlernen mit allen Sinnen erfolgt. Das legasthene Kind lernt durch Angreifen am besten. Man sollte daher dem Kind ermöglichen, Buchstaben und Wortbilder dreidimensional darzustellen, damit es sie sich dauerhafter merken kann.