Gründung des tschechischen Verbandes und des Nationalausschusses
vom 19. November 1916

An die tschechische Nation!

Die Ereignisse der gegenwärtigen Zeit nötigen die tschechischen Parteien zu gewissen Fragen und Erscheinungen einen gemeinsamen Standpunkt einzunehmen. Es sind Änderungen in Sicht, welche die Grundlagen des österreichischen Staates und seiner Verfassung berühren könnten, Fragen, deren einseitige Lösung nicht im Interesse unserer Nation wäre. In den heutigen bewegten Zeiten weltgeschichtlicher Ereignisse kann keine Partei allein die Verantwortung für die Sicherheit der politischen Rechte der ganzen Nation und für die weitere Entwicklung tragen, welche nach Beendigung der Kämpfe auf den Schlachtfeldern folgen werden.

In der Überzeugung, dass wir mir dem Willen der ganzen, heute mehr denn je vorher nach nationaler Einheit rufenden Nation erfüllen, und dass wir gleichzeitig im Interesse der altehrwürdigen Dynastie und der großen geschichtlichen Sendung des Reiches handeln, die vor allem auf der Einheit und Erhaltung der Unteilbarkeit ihrer Königliche und Länder, sowie auf der völligen Gleichberechtigung aller Völker beruht, vereinigen wir auf Grund des Mehrheitsprinzips die tschechischen Abgeordneten im Reichsrate in die Einheit des ,,tschechischen Verbandes" (ceský svaz).

Neben dieser Vereinigung, der tschechischen Abgeordneten, deren Zweck das einheitliche Vorgehen in nationalpolitischen und verfassungsrechtlichen Fragen ist, tritt gleichzeitig ein aus Vertretern der politischen Parteien gewählter Nationaler Ausschuss, genannt Nationalausschuss (národní výbor) ins Leben, der allem politischen Beginnen des tschechischen Verbandes Stütze und gleichzeitig oberste sittliche Instanz in allen Erscheinungen des politischen Lebens sein wird, welche eine Lösung vom allnationalen Standpunkte erfordern und sich der Kompetenz der Tätigkeit der Abgeordneten entziehen.

Abbildungsquelle:
Epstein, Leo: Studienausgabe der Verfassungsgesetze der Tschechoslowakischen Republik. Reichenberg, 1932.
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