MASARYK-UNIVERSITÄT BRNO Pädagogische Fakultät Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur Das Kurbad Gräfenberg im Spiegel der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in den Jahren 1911 - 1921 Bakkalaureatsarbeit Brno 2007 Betreuer: PhDr. Richard Rothenhagen Verfasserin: Pavlína Hufová 1 Prohlašuji, že jsem bakalářskou práci zpracovala samostatně a použila jen prameny uvedené v seznamu literatury. Souhlasím s tím, aby moje práce byla uložena na Masarykově univerzitě v Brně v knihovně Pedagogické fakulty a zpřístupněna ke studijním účelům. podpis 2 Ich möchte mich gern bei PhDr. Richard Rothenhagen für wertvolle Ratschläge, die er mir bei der Bearbeitung der Arbeit gegeben hat, bedanken. Weiter möchte ich mich bei Marie Katharina Divišová bedanken. Ohne ihre unschätzbare sprachliche Hilfe konnte ich nie diese Arbeit zu Ende bringen. 3 Inhaltverzeichnis: Einleitung 6 1. Historie des Kurorts Gräfenberg 8 1.1 Das Leben von Vinzenz Priessnitz und seine Wirkung 9 2. Einfluss des Kurorts auf die Prosperität der Stadt Freiwaldau 11 2.1 Gesellschaft 15 2.2 Kurort Gräfenberg am Anfang des 20. Jahrhunderts und die Entwicklung 16 3. Die Charakteristik der für die Datenermittlung benutzten Quellen 17 3.1 Patientenverzeichnis und seine Umgestaltung 19 4. Vorkriegszeit 21 4.1 Besucherzahl im Jahre 1911 21 4.2 Ökonomische Situation im Jahre 1911 22 4.3 Die Besucherzahl im Jahre 1912 24 4.4 Ökonomische Lage im Jahre 1912 25 4.5 Zusammenfassung der Vorkriegszeit 26 5. Kriegsjahre 26 5.1 Besucherzahl im Jahre 1914 26 5.2 Ökonomische Lage im Jahre 1914 28 5.3 Besucherzahl im Jahre 1915 29 5.4 Ökonomische Lage im Kriegsjahr 1915 30 5.5 Die Besucherzahl im kritischen Jahr 1916 32 5.6 Die ökonomische Lage im Jahre 1916 33 5.7 Die Besucherzahl im Jahre 1918 34 5.8 Ökonomische Lage am Ende des Kriegs im Jahre 1918 35 5.9 Zusammenfassung der Kriegszeit im Kurort 36 6. Nachkriegszeit 37 6.1 Die Besucherzahl im Jahre 1919 37 6.2 Ökonomische Lage im Jahre 1919 38 6.3 Die Besucherzahl im Jahre 1921 39 6.4 Ökonomische Lage des Kurorts im Jahre 1921 40 6.5 Zusammenfassung der Nachkriegssituation 41 Nachwort 42 Literaturverzeichnis 46 Resume 48 4 Bilderbeilageverzeichnis Einleitung Die Menschen haben sich immer schon nach Abenteuern gesehnt und sind gerne auf Entdeckungsreisen zu den schönsten Flecken dieser Welt gefahren. Außer diesen Motiven, hat sie zum Reisen auch die Sehnsucht nach der Befreiung ihrer Seele und ihres Körpers geführt. Sie wollten vor allem aus dem eintönigen Alltagsleben fliehen, das eng mit dem Wohnort verbunden war. Sie hatten Sehnsucht danach, sich wenigstens für kurze Zeit daraus zurückzuziehen, sich zu erholen und neue Kräfte für den nächsten Kampf mit der Eintönigkeit zu schöpfen. Gleichzeitig gab es allerdings auch eine andere Gruppe, die auf Reisen ging. Es waren jene Leute, die Abwechslung von der gewohnten Umgebung suchten und für kurze Zeit die eigenen vier Wände verlassen wollten. Es waren aber auch Kranke, die Heilung und Hilfe suchten, solche, die an einer langfristigen Krankheit gelitten haben oder Leute die sich rehabilitieren lassen wollten. Wo könnte man das besser machen als an einem Kurort. Aber es war nicht irgendein Kurort. Bad Gräfenberg1 hat bereits im 19. Jh. zu den berühmtesten Heilungs- und Erholungszentren gehört. Es pflegten hierher Gäste aus der gesamten österreichisch-ungarischen Monarchie sowie auch aus anderen Teilen der Welt zu kommen. Sie erfuhren die wunderbare Wirkung des sauberen Quellwassers in Verbindung mit leichter körperlicher Ertüchtigung auf ihre psychische Befindlichkeit. Der Gründer Vincenz Priessnitz war der erste „Wasserdoktor", der Entdecker der therapeutischen Wirkung des Wassers. Seine Theorie hat sich darauf in der ganzen Welt verbreitet. In ganz Europa sind viele Kurorte nach dem Modell Bad Gräfenbergs entstanden, die auf der Hydrotherapie, in Kombination mit körperlicher Ertüchtigung und bodenständigem, bäuerlichen Essen beruhen. Das erste Ziel dieser Arbeit war es, herauszufinden in welchem Ausmaß der Erste Weltkrieg die Besucherzahl des Kurortes beeinflusste. Zur größten Klientel des Kurortes gehörten Angehörige der Oberschicht oder hohe Beamte. Sie sahen sich zweifelsohne im Laufe des Krieges mit Ängsten der Unsicherheit und Bedrohung konfrontiert. Gleichfalls kam es zu Enteignungen und einer gewaltigen Inflation. So ist es geschehen, dass Leute weder Geld noch Lust für Reisen und Kur hatten. Dieses Phänomen hat sicherlich einen unerheblichen Einfluss auf die ökonomische Situation des Kurortes und auf seine Prosperität gehabt. 1 Der heutige und damalige Bestandteil von der Stadt Freiwaldau (heute Jesenik). 6 Das zweite Ziel war es, das Ausmaß der wirtschaftlichen Konsequenzen durch diese Reduzierung der Besucherzahl während der Kriegsjahre herauszufinden. Im Laufe der Arbeit wird man den Zeitraum von 1910 bis 1921 genauer untersuchen, damit man den Stand vor und während des Krieges und danach vergleichen kann. Mit Hilfe von Diagrammen wird die Entwicklung einzelner Werte veranschaulicht. Die Auswirkung des Krieges wird so noch einmal herausgestrichen. Es ist nötig zu unterstreichen, dass diese Arbeit hauptsächlich auf der Verarbeitung der Archivalien beruht. "Kurlisten", wie man die Patientenverzeichnisse damals genannt hat, gab der Kurort mehrmals im Jahr heraus. Diese Listen waren die Hauptquelle bei der Zusammenstellung dieser Arbeit. Es ist möglich sie alle in dem Hauptfond des landeskundlichen Archivs zu finden. Über diesen Zeitraum wurden von dem Autoren in diesem Fond leider nur zersplitterte Informationen gefunden, die ein unklares Bild des Kurortes in diesem Zeitraum geben. Dieser, auf den Kurort bezogener Fond, wurde nämlich nur bis 1910 bearbeitet. Die übrigen Archivalien wurden nach dem Brand, durch den das Archiv in den siebziger Jahren betroffen war, noch nicht sortiert. Gleichfalls gibt es wenig Literatur über die Problematik der Besucherzahl des Kurortes, wie sich später in den einzelnen Kapiteln darstellt. Die Arbeit wird in Kapitel gegliedert, deren Inhalt mit der Forschungsentwicklung im Bereich des angegebenen Themas übereinstimmt. In den ersten Kapiteln werden der Ursprung des Kurortes und die zusammenhängenden klimatischen Bedingungen charakterisiert. Weiter wird hier auch die Persönlichkeit des Gründers Vinzenz Priessnitz näher gebracht. In dem nächsten Teil wird die Zeit des ersten Weltkrieges in der Stadt Freiwaldau und dem Kurort Gräfenberg etwas abgedeckt. Und nun kann auf die Verarbeitung des Problems selbst eingegangen werden. Ein ganzes Kapitel wird den Archivquellen, die die Grundlage für diese Arbeit bilden, gewidmet. Der ganze Zeitabschnitt wird in Kapitel über Vorkriegszeit, Kriegsjahre und Nachkriegszeit eingeteilt. Zur besseren Orientierung sind in der Beilage graphische Darstellungen zugefügt, die einige betrachtete Phänomene bearbeiten. 7 l.Historie des Kurorts Gräfenberg Der Kurort in Gräfenberg, der Bestandteil von Freiwaldau ist und war, so wie das nahe gelegene Lipová2 sind in der ersten Mitte des neunzehnten Jahrhunderts entstanden. Die ersten Heilungsexperimente führte der "Wasserdoktor" Vinzenz Priessnitz in seinem Geburtshaus durch. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Hiermit beginnt die Historie der Hydrotherapie3 . Dank der Spenden von seinen Patienten konnte Priessnitz im Jahre 1822 sein Holzhaus abreißen und an seiner Stelle ein einstöckiges Steingebäude bauen lassen. Die Lizenz für die Kurortsgründung hat er im Jahre 1838 erworben. In demselben Jahr fing er an, einen großen Kurort aufzubauen. Heute findet man hier einen Kongresssaal für verschiedene repräsentative Veranstaltungen, Konzerte, Bälle. Gleichzeitig ist auch noch ein Bettenhaus entstanden, was ein vierstöckiges Gebäude mit Speisesaal war. Die übrigen Gäste, für die kein Platz mehr in dem großen Kurort blieb, hat man in der Stadt unterbracht. Priessnitz wurde durch seinen Fleiß und therapeutische Erfolge zu einer weltberühmten Persönlichkeit. In Gräfenberg4 sind Patienten aus ganz Europa angelangt. Allein im Jahre 1839 gab es 1500 Besucher. Es kamen auch viele berühmte Ärzte, um sich hier mit der Methode der Wassertherapie vertraut zu machen. Nach dem Tod von Priessnitz wurde Josef Schindler5 , der schon seit dem Jahr 1839 das Wasserkurinstitut in Potočná im Besitz hatte, zum Direktor des Kurorts in Gräfenberg. Er hatte auch viel Erfolg durch die Zusammenarbeit mit dem Hauptarzt des Landes Josef Reinhold. In den Jahren 1910 bis 1911 wurde das Hauptgebäude aufgebaut /das Sanatorium von Priessnitz/. In seiner Zeit gehörte es zu den größten Gebäuden seiner Kategorie6 . Der Sanatoriumsbetrieb wurde im Laufe des ersten Weltkrieges weder abgebrochen noch verändert. Trotzdem spiegelte sich der Weltkrieg in der Besucherzahl des Institutes wider. Diese Veränderungen hatten sowohl auf die Stadt Freiwaldau als auch auf ihre Bewohner Einfluss ausgeübt. Die erfolgreiche Entwicklung des Kurorts unterbrach erst der Erste Weltkrieg. In dieser Zeit wurde hier die Rehabilitation der verletzten deutschen Soldaten durchgeführt. Später 2 Zu jener Zeit wurde das Gemeinde Lynda genannt. 3 Die ersten Empfehlungen zur Wasserkur kann man schon bei Hippokrat und seinem Buch „Über Luft Wasser und Orte" finden. 4 Die heutige offizielle Bezeichnung ist Lázně Jeseník. 5 Kočka, M.: Lázně Gräfenberk po smrti Vincenze Priessnitze v letech 1851-1909. In: Vincenz Priessnitz 1799-1851 - Jahrbuch zum 200. Jubiläum des Geburtes GRÄFENBERG 1999, S. 55. 6 Zatloukal P.: Architektura lázní Gräfenberk, Vincenz Priessnitz, Jahrbuch zum 200. Jubiläum des Geburtes, Gräfenberg 1999, S. 82. 8 hat man hier ein Lazarett errichtet. Nach dem Krieg diente das Institut wieder den ursprünglichen Zwecken und so ist es auch heute. Der Nachlass von Priessnitz ist hier immer lebendig und anwesend. Das Leben von Vinzenz Priessnitz und seine Wirkung Vinzenz Priessnitz wurde am 4. Oktober 1799 geboren. Er stammte aus einer Bauernfamilie, die in einem Berghaus in Gräfenberg lebte. Als sechstes Kind hatte er keine leichte Kindheit. Nachdem sein ältester Bruder gestorben war und sich der zweitgeborene Sohn auf die Karriere eines Priesters begeben hatte, wurde Vinzenz Kaplan und Vikar im Stephansdom in Wien. Später wurde er zum Schlosspfarrer des Grafen Brauner in Grafenegg bei Krems8 , wo er dazu vorbestimmt war, im reifen Alter die ganze Wirtschaft zu übernehmen. Die Schule besuchte er nur selten und so hatte er das ganze Leben Probleme zu unterschreiben, obwohl er gut lesen und rechnen konnte. Deswegen hat ihm natürlich sein späterer Konkurrent Johann Schroth, ein nächster „Wasserdoktor" vom unweiten Kurort Lipová, oft Vorwürfe gemacht. Priessnitz war ein munterer, achtsamer, aber gleichzeitig ein schweigender und verschlossener Mensch. Und so blieb er das ganze Leben. Mit 17 Jahren hat er einen schweren Unfall erlitten, als ihm bei der Arbeit auf dem Feld ein aufgejagtes Pferd ins Gesicht gestoßen hat. Der junge Vinzenz ist dabei unter die Räder des Wagens gefallen. Der Wagen ist über seinen Brustkorb gefahren. Der Doktor von Freiwaldau hatte nur wenig Hoffnung und so hat der Junge angefangen sich, gemäß den Flinweisen eines verstorbenen Müllers, selbst zu heilen. Nach seinem Rat sollte er das Quellwasser9 anwenden. Ungefähr nach einem Jahr wurde der Junge völlig gesund! Er hat seinen Umkreis sehr überrascht. Allmählich fing er an, auch das Vieh seiner Nachbarn und sogar Menschen zu heilen. Seine Berühmtheit wurde langsam größer, denn seine Therapie wirkte1 0 . Aber auch damals zu seiner Zeit, gab es böse Zungen. Sie haben ihn Scharlatan genannt. Das war er in Wirklichkeit nicht, wenn wir uns die Problematik objektiv ansehen. Solange er nur seine Nachbarn und die nahe Umgebung seinen Heilprozeduren unterzog, kümmerte sich 7 Melzer, M , Schulz I: Vlastivěda šumperského okresu. OVM Šumperk 1993, S 76. 8 Grünner, O.: Graefenbergbyl prvý. SURSUM 1997, S 15. 9 Oft erzählt man, um die mystische Wirkung zu fördern, von der Sage über die Hirschkuh, die derjunge Vinzenz durch Wasser geheilt hat. 1 0 Während seines Lebens hat er 40 000 Patienten geheilt und in Gräfenberg wurde der Tod von nur 45 Patienten registriert. 9 niemand um ihn. Danach, als sich der Kreis seines Wirkens vergrößerte, vermehrten sich auch die bösen Zungen, vor allem in den Reihen der Ärzte und einiger Priester in Freiwaldau. Trotzdem ist die Zahl von denen gewachsen, die in Gräfenberg Hilfe und Heilung suchten. Sie mussten irgendwo untergebracht werden. Es entsteht die erste Wasserkuranstalt in der Welt. Es wurde die erste Wasseranstalt auf der Welt gebaut, ein Steinhaus, das mit Spenden finanziert und durch Hilfe der Priessnitz Patienten realisiert wurde. Die nächsten Bauten ließen nicht lange auf sich warten. Schon im Jahre 1826 ging Priessnitz nach Wien um ein Mitglied des Kaiserhauses zu heilen. Sein Patient war Erzherzog Anton1 1 . Die bösen Zungen hörten jedoch nicht auf zu kritisieren. Die erste Beschwerdeverhandlung mit dem Stadtrat wurde im Jahre 1822 geführt und endete mit der Rechtfertigung von Priessnitz. Die nächste Verhandlung, diesmal schon vor Gericht, fand im Jahre 1829 in Troppau statt. Diesmal ging es um die vermutliche Herbeiführung des Todes eines Geschäftsmannes aus Troppau, der in Gräfenberg infolge eines kalten Bades starb. Priessnitz beantragte als Gegenmaßnahme eine Lizenz für das Institut, was als ein Kurort dienen sollte. Sein Antrag wurde abgelehnt und Priessnitz zu vier Tagen Gefängnis verurteilt. Das Guberngericht in Brünn, wo Priessnitz seine Berufung einlegte, hob das Urteil auf und am 19. Februar 1830 wurde ihm die Lizenz erteilt. Jetzt stand der Entwicklung des Kurortes sowie seinem Weg zur Weltberühmtheit nichts mehr im Wege. Es kam die Zeit, in der er sich Annerkennung verdiente. Selbst der österreichische Kaiser verlieh ihm eine goldene bürgerliche Verdienstmedaille der ersten Klasse, die vor ihm, im österreichischen Schlesien, noch niemand erhalten hatte12 . Es fing die Zeit an, in der es zur offiziellen Veröffentlichung der Kurlisten kam1 3 . Im Jahre 1829 waren 45 Gäste registriert, im Jahre 1932 schon 118 und im Jahre 1837 waren es schon über 500 Gäste. Es ist wahr, dass Priessnitz ein schwieriges, aufopferndes Leben führte. Er hielt sich an eine strenge Tagesordnung und widmete alle seine Freizeit der Arbeit. Das blieb nicht ohne Konsequenzen. Im Jahre 1847 fiel Priessnitz das erste Mal ins Koma, das zwei Stunden dauerte. Ein Jahr später erlitt er ein schweres Trauma. Das hing auch mit der Revolution, mit der er nicht einverstanden war, zusammen. Er war weder für eine liberale noch eine demokratische Gesellschaftsordnung. Den nächsten Schock verursachte ihm die Trennung 1 1 Grünner, 0.:Graefenberg byl prvý. SURSUM 1997, s. 21. 1 2 Kočka, M : Vincenz Priessnitz -světový přírodní léčitel. Vincenze Priessnitze Stiftung 1996, S. 13. 1 3 SOkA Jeseník, RA Priessnitz-Ripper Fond, KartonN. 13, sign. b. 10 von seiner geliebten Tochter Sophie, weil sie nach Ungarn heiratete . Priessnitz wurde schwächer und litt an Hustenanfällen. Die schwierigste Zeit für Priessnitz war der Winter der siebziger Jahre. Im Frühling 1851 musste er seine Praxis verlassen und im Oktober wurde er ernstlich krank. Seine Wasserkur war nicht mehr wirksam. Priessnitz starb am 28. November im Jahre 1851 um 4 Uhr nachmittags. Die Ärzte gaben als Todesursache einen Unfall an, der vor 34 Jahren von einem Wagen verursacht wurde, worüber alle überrascht waren. Angeblich war es gerade die Wasserkur, die Priessnitz so lange am Leben hielt. Die Wahrheit ist, dass die Verletzungen seiner inneren Organe nach dem Unfall sehr umfangreich waren. Allerdings war die tatsächliche Ursache bis 1882 nicht bekannt. In diesem Jahr entdeckte Robert Koch die Tuberkulose erregende Bakterie, die auch den Tod Priessnitz verursachte. 2. Einfluss des Kurorts auf die Prosperität der Stadt Freiwaldau Wie schon früher erwähnt wurde, korrespondiert die ökonomische Entwicklung und die Prosperität des Kurorts in einzelnen Zeiträumen mit dem Fortschritt der Bautätigkeit in Gräfenberg und seiner Umgebung. Den bedeutendsten Anteil an der Entwicklung des Kurorts hatte der Schwiegersohn von Priessnitz, Hans Ripper. Er begann, sich um das vernachlässigte Institut im Jahre 1876 zu kümmern, nachdem er mit seiner Ehefrau hierher umgezogen ist. Nach dem Tod von Vinzenz Priessnitz wurde der Kurort gemäß seinem Testament dem vierjährigen Sohn Vinzenz Paul anvertraut. In Wirklichkeit kümmerte sich sein Fürsorger Doktor Joseph Schindler darum. Es hat sich erwiesen, dass er ein sehr guter Arzt und Direktor war. Der Ertrag aus dem Kurort hat ihm ermöglicht, eigene Kurhäuser zu bauen und dort seine Patienten unterzubringen. Allerdings wurden im Kurort und in der Stadt noch weitere Konkurrenzhäuser gebaut, welche dem Institut die Gäste wegnahmen. So kam es, dass die Institute von Priessnitz in der Mitte der siebziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts kaum ein Viertel der Besucher hatten. Vinzenz Paul hatte sein Medizinstudium nicht beendet. Die Streitereien um die Erbschaft fingen an und deshalb hat der Landespräsident von Troppau im Jahre 1876 eine Kurkommission errichtet. Hans Ripper war auch einer der Mitglieder. Er hat in Gräfenberg einen Musikpavillon, ein Brief- und Telegrafenamt errichtet. Er beteiligte sich auch an dem Sie hat Josefa Ujhazy geheiratet, der oft in den Kurort kam. Fünf Jahre später hat seinen Bruder Albert eine andere Tochter von Priessnitz Terezie geheiratet. 11 Ausbau vieler Monumente, hauptsächlich an der Statue von Hygie (Statue von Myslbek). Das Bild von Vinzenz Priessnitz in Überlebensgröße ist auch sein Verdienst. Es dekoriert den Eingang in das Sanatorium von Priessnitz bis heute. Die Bautätigkeit in der Stadt und dem Kurort verlief ununterbrochen zwischen den Jahren 1870 und 1913. Schon im Jahre 1868 ist auf dem Hauptplatz von Freiwald Hotel Kretschar erbaut worden. Unter anderen waren es das Hotel Schroth, Hotel zum österreichischen Kaiser, Hotel zum Feldmarschall Radecky, Bahnhofhotel, Gasthaus zu den Ungarn, Gasthaus Bei Stern, Hotel Ehrlich. Dazu gehörte noch im Jahre 1888 das Hotel Krone mit all seinem Komfort und mit prachtvoller Einrichtung. Im Jahre 1868 wurde auf dem Stadtplatz Kaffee Klein im Wiener Stil eröffnet und im Jahre 1910 wurde hier ein neues Wiener Cafe' errichtet. Weiterhin befand sich die Weinstube Gröger und das Tanzlokal Blaue Diele auf dem Hauptplatz. Unterhaltungslokale haben das Fixum für 45 Musiker und Dienst- und Hilfspersonal garantiert. Immer wenn ein neues Kurhaus eröffnet wurde, stieg der Bedarf an neuem Personal. Das wichtigste Personal waren die Stubenmädchen, Küchenpersonal, Dienstpersonal, Masseure, Lakaien. Gleichzeitig eröffnete die Bautätigkeit neue Arbeitsmöglichkeiten in der Baubranche. Man hat eine zweite Ziegelfabrik eröffnet, die bis zu 90 Menschen beschäftigte. Zugleich fanden auch Waldarbeiter und Kutscher, die das Holz für den Backofen transportierten, Arbeit. In den Wintermonaten, in denen der Tourismus im Kurort nicht so stark war, mussten die Unterkunftseinrichtungen rekonstruiert werden. Repariert wurden Dinge, die mit bestimmten Dienstleistungen verbunden waren. In Freiwaldau-Gräfenberg wurden in den erfolgreichen Jahren sogar 40 000 Gäste registriert. Das ist eine respektable Zahl für eine so kleine Ortschaft. Hans Ripper war Mitglied der Landesvertretung in Freiwald. Aus seiner Initiative heraus, wurde der Vorschlag für eine Bahnverbindung zwischen Hannsdorf und Ziegenhals abgestimmt. Diese Bahnverbindung entstand erst im Jahre 1888. Gäste, die vor allem aus dem österreichischen Kärnten, preußischen Schlesien, russischen Polen oder Polen selbst gekommen waren, konnten direkt nach Freiwald fahren. Das bedeutete aber nicht, dass das Gewerbe der Mietskutschen aussterben musste. Im Jahre 1910 hat die Stadt 21 Kutscher beschäftigt. Ihre Dienste benützte man auf der Linie zwischen dem Bahnhof und dem Kurort. Für die Reisen ins Gebirge hat man die Postkutsche benutzt. Damit sind weitere 12 100 Arbeitsmöglichkeiten im Reiseverkehr entstanden15 . Seit dem Jahre 1913 verkehrte der erste Omnibus in der Stadt. Die Linie, welche die Reisenden regelmäßig benutzten, führte bis nach Cervenohorské Sedlo. Jan Ripper war mit Doktor Edmund Rudolph zusammen, zugleich Gründer des Mährischschlesischen Studentenbergvereins /MSSGV/. Dieser Verein war kulturell für das Alvatergebirge sehr wichtig. Jan Ripper nahm sich vor, die Schönheiten des Gebiets zugänglich zu machen. Damit gab er den Impuls für die Lebensweise von Priessnitz. Der Sitz wurde im neu gegründeten Hotel "Zur Krone" eingerichtet. Heute wird dieses Gebäude Hotel Jeseník genannt. Dieser Verein konzentrierte sich auch auf die für die Kurgäste nützlichen Tätigkeiten. Außer der Wasserkur hat man ihnen Bergtourismus, als ein Mittel um Stress loszuwerden, vorgeschrieben. Sogenannte Klimatotherapie16 . Der Verein beschäftigte sich nämlich mit der Einführung touristischer Bezeichnungen und gab touristische Karten und seine Zeitung "Allvater" heraus. Später, als sich der Verein mehr etabliert hatte, übernahm man auch die Finanzierung und begann anspruchsvolle Projekte zu gestalten, wie z. B. den Ausbau einiger Berghütten oder Aussichtstürme. Damit ist der Aussichtsturm "Na Zlatém Chlumu" mit seinen 26 m entstanden, welcher Freiwaldauer Warte genannt wurde, weil sich sein Gipfel mit seinen 875 m gleich hinter der Stadt türmte. Diese Veränderungen gingen auf die Leistungen der Kurkommission und des Vereins MSSGV zurück. Die beiden hatten nämlich ein großes Interesse an der Entwicklung der Stadt und ihrer Gegend. Dadurch wurden nachfolgend mehr Klienten angelockt. Man erwartete einen Anstieg des Fremdenverkehrs in der ganzen Region. Das sollte mehr Arbeitsmöglichkeiten schaffen und damit auch den Broterwerb für die Bewohner des Altvatergebirges. Die Industrie begann, sich mehr in den Städten zu konzentrieren, was die Abwanderung der Dorfbewohner zur Folge hatte. Sie standen am unteren Ende der Klasse des Stadtproletariats und begannen um ihre Rechte zu kämpfen. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg existierten in Freiwaldau nur wenige Fabriken. Da waren zum Beispiel Raymanns Unternehmen und einige kleinere Anlagen. Im Jahre 1890 ist noch die Fabrik von B. Blühdorn zur Herstellung von Handschuhen entstanden, in der 400 Personen Arbeit fanden. Der Kurort selbst hat den Anstoß zur Gründung und Entwicklung von kleineren 1 5 Neben den Kutschern, Pferdeknechten und Fahrern haben vom Fremdenverkehr auch Postkutscher und Schmiede profitiert 1 6 Diese wurde als Heilprozedur im Kurort erst im Jahre 2001 verwendet. Vorher hat man sie empfohlen, doch nicht als Heilmethode benutzt. 13 Handwerksbetrieben gegeben. Ein Bestandteil von Kurlisten wurde auch die Annonce, in der die Geschäftsleute den KurortsbeSuchern ihre Ware anboten. Während der in dieser Arbeit gefolgten Zeitspanne gehörte das Geschäft Berta Naschle, das eine große Auswahl an Textilien anbot zu den meistveröffentlichten Anzeigen. Es wurde Ware von Handtüchern bis Regenschirmen verkauft. Für die Herren war das Atelier und die Druckerei von Rud. Franke von hoher Bedeutung. Eines der wichtigsten Utensilien, über das jeder bedeutende Gast verfügen musste war nämlich eine Besuchskarte. Hierauf konnte man auch Werbung für verschiedene Kaffeehäuser und Konditoreien finden, die seit jeher ein Bestandteil des Kurortslebens waren. Mit dem Ausbruch des Krieges verschwand auch die Annonce aus den Kurlisten. Die letzte wurde im Jahre 1915 gedruckt und nach dem Krieg hat sie niemand mehr genutzt. Dazu war es noch notwendig, sich um die finanzielle Versorgung der Bevölkerung und um ihre Verdienste zu sorgen. Im Jahre 1865 wurde die Darlehenskasse und im Jahre 1872 die Stadtsparkasse gegründet. Der Einwohnerzuwachs erforderte auch die Gründung von neuen Einrichtungen. Dank des Frauenvereins wurde im Jahre 1890 das Krankenhaus in der Stadt errichtet. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Leute auf die Arztpraxen der Kurärzte angewiesen, die aber die Pflege der Kurgäste aus einsehbaren Gründen bevorzugten. Während im Jahre 1869 in der Stadt 5 242 Einwohner registriert wurden, waren es im Jahre 1921 schon 6 722 und 1930 8 261 Einwohner. Das gesamte Lebensniveau in der Stadt wurde erhöht. Im Jahre 1900 wurde Gas eingeführt und im Jahre 1920 kam es zur Elektrifizierung der Stadt und den dazugehörigen Gemeinden. Die Elektrifizierung des Kurorts folgte dann später. Ein ungenügend vertretener Bestandteil der öffentlichen Dienstleistungen war das Schulwesen. Freiwaldau zählte mehr als 5000 Einwohner, allerdings wurde die erste Knabenschule erst im Jahre 1872 gegründet. Im Jahre 1887 kam noch die Mädchenschule dazu (heute die Komenský Grundschule). Die Schulplätze waren unzureichend, was auch Volksschule (1881) und die bürgerliche Schule (1888) betraf. Sie gehörte dem Orden der Ursulinen, der hier eine große geschlossene Einheit mit der Handelsakademie und Familienschule (1902) bildete. Der Zufluss von Kurortsgästen und die allmähliche Umwandlung ihrer sozialen Struktur, ließ die Plätze in den Schulen anwachsen. Deswegen wurde erst im Jahre 1913 das Reform-Realgymnasium in Freiwaldau gegründet, das sich vorläufig in der Knabenschule niederließ. Im Jahre 1883 wurde dazu noch die Lehrlingsschule geöffnet. Darauffolgend entstand während der Ersten Republik die Minderheitenschule für den Unterricht der tschechischen Kinder. 14 Das Freiwaldauer Schulwesen wurde auch in den Werbungsflugblättern der Stadt proklamiert. In einem der Flugblätter aus dem Jahre 1908 war Folgendes zu lesen: „Angenehme gesellige Verhältnisse, vorzügliche Unterkunft und Verpflegung bei billigen Preisen. Promenadenmusik, gute Schulen, Privat-Gymnasium und Privatrealschule mit Pensionat, Mädchen-Pensionat („Ursulinen") stark frequentiert vom In- und Auslande, gute Bahnverbindungen in alle Richtungen"17 . Hinsichtlich des wirklichen Freiwaldauer Schulwesens, publizierte die Werbung sicher nur unzureichende Informationen. Trotzdem wurden diese Flugblätter und Werbung gewünscht, was den Kurort jährlich eine hohe Summe kostete. Die Informationen wurden in den hiesigen Zeitungen oder in den Zeitungen, die in anderen Teilen der Monarchie herausgegeben wurden, veröffentlicht. In Freiwaldau wurde die Zeitung „Mähr.-Schles. Volksfreund" erst im Jahre 1874 publiziert und in der Freiwaldauer Redaktion herausgebracht. Daneben erschien noch das Tagesblatt „Silesia". Die dritte in Freiwaldau herausgegebene Zeitung, entstand im Jahre 1883 unter dem "Taktstock" der Liberalen und nannte sich „Mährisch-Slesische Presse". 2.1 Gesellschaft In dieser Arbeit wird dem wichtigsten Phänomen in der Entwicklung der Heilbehandlung, nämlich dem Wirken von V. Priessnitz in der Zeit von 1848 bis zum Zweiten Weltkrieg, Rechnung getragen. Wir werden die Entwicklung von den Nationalitäten im Grenzgebiet in Beziehung setzen, welche eine prinzipielle Bedeutung hatte. Während der Zeit, die sich diese Arbeit widmet, ist es zu keiner entscheidenden Wende in der Zusammensetzung der Bevölkerung gekommen. Die Liberalisierung der Verhältnisse nach dem Jahre 1848 und nach dem Untergang de Absolutistischen Regierung von Bach kam es in der Stadt Freiwaldau zur verstärkten Entwicklung von Industrie, vor allem des Leinbaus18 , weiterhin des Seidenbaus, der Holzund Papierindustrie. Das wurde zu einer Grundlage für die Entfaltung des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Metallindustrie und der Elektrotechnik während der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert und im weiteren Verlauf des Ersten Weltkriegs. Wichtig für das Gebiet war die Steinbearbeitung. Im Jahre 1890 wurden im Altvatergebiet 109 Steinmetzwerkstätten registriert. Das bedeutendste Unternehmen hieß SOkA Gräfenberg, RA Priessnitz-Ripper Fond, KartonN. 35, sign. a. Seit 1873 war in Freiwaldau die Textilfabrik Riedel und Schiesse in Betrieb. 15 Steinmetzwerkstatt Albert Förster. Nach dem Krieg wurde nur ein Teil erneuert, da die meisten Arbeiter für den Kriegseinsatz bereitgestellt wurden und wenn sie zurückkehrten, waren sie oft arbeitsunfähig20 . Eine bedeutsame Rolle spielte die Struktur der Bevölkerung, welche ihren gewöhnlichen und dauerhaften Verbleib in Freiwaldau und der dazugehörigen Umgebung hatten. Die Besucherzahl des Kurorts wurde von dieser Tatsache beeinflusst. Die Gäste fühlten sich sicher besser in denen für sie bekannten sozialen Verhältnissen. Es muss betont werden, dass in der Vorkriegszeit das Altvatergebiet praktisch die deutsche Einheit2 1 bildete, was sich auch in der sozialen Struktur der Einwohner und in der Mode widerspiegelte. Damit hängt natürlich auch die Gründung von verschiedenen Vereinen, wie z. B. des Vaterlandsvereins, Theatervereins, Lesevereins, Bildungsvereins, Feuerwehrvereins usw. zusammen. Die im Jahre 1921 verwirklichte Volkszählung zeigt, dass dieser Stand fortbestand. Die politische Differenzierung in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts ist in gleichem Sinne verlaufen. Der neue Zustrom der tschechischen Bevölkerung aus den Grenzgebieten wurde erst nach der Aussiedlung auffallend. 2.2 Kurort Gräfenberg am Anfang des 20. Jahrhunderts und die Entwicklung Der Kurort bestand zu dieser Zeit aus den Unterkunftseinheiten verschiedener Kategorien. Mit dem Zustrom neuer Patienten begann man auch neue Unterkunftseinrichtungen zu errichten, und zwar im Kurort selbst oder unten in der Stadt und seiner Umgebung. Die Unterbringung, der Gäste war auf drei Regionen (Rayon) verteilt: I. Bad Gräfenberg, II. Kolonie Gräfenberg (und anliegende Häuser und Villen) und III. Freiwaldau und Böhmischdorf (Jeseník und Česká Ves)2 2 . Im Laufe des letzten Jahrhunderts entstanden auf dem Gebiet von Gräfenberg viele Unterkunftseinheiten. Es handelte sich um Privat- oder Hotelunterkünfte, oder Unterkunftshäuser, die für das Begleitungspersonal bestimmt waren. Dies konnte nur mit genügenden Finanzmitteln erreicht werden. Nach dem Eingriff von Jan Ripper in den 70er und vor allem in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die Mehrheit der Finanzmittel in der Kurkasse gesammelt. Es handelte sich um die wichtigste Einnahmequelle. Die neuen Villen wurden oft nach bedeutenden Persönlichkeiten aus dem politischen, sozialen oder 1 9 Šuleř O.: Kraj žuly a mramoru. Olomouc 1957, S. 37. 2 0 Auf der gleichen Stelle S. 49. 2 1 Nach der Volkszählung im Jahre 1880 sollten im Altvatergebiet 68 023 Deutsche leben. 2 2 SOkA Gräfenberg, Kurlisten 1910-1921. 16 militärischen Umkreis benannt. Wenn diese Persönlichkeiten hierher kamen, hinterließen sich aufgrund ihrer Popularität den Villen und Hotels auch ihre Namen. Ab und zu wurde das Haus nach dem Arzt benannt, der hier seine Praxis hatte. In der Zeit seit 1909 wurde der Direktor der „Priessnitz'sehen Kuranstalten" Herr Univ. Mud. Dr. Rudolf Hatschek. Auf Anregung des bedeutenden Priessnitz Nachfolgers entstand im Jahre 19 1 02 3 das zu jener Zeit größte Kurhaus in Gräfenberg, das den Namen „Priessnitz Sanatorium" (N. 321) bis heute trägt. Nach dem Ausbau wurde es zur Dominante und zum Symbol des Kurorts sowie zum Verwaltungszentrum welches es auch heute noch ist. Das Gebäude kostete insgesamt 5 236 000K. Es wurde in Rayon I eingereiht. In den Kurlisten tauchten auch Kurgäste auf, welche in Gräfenberg und denen in seiner Nähe gelegenen Villen untergebracht wurden. Gäste, welche sich in Freiwaldau oder Böhmischdorf einquartierten, wurden nicht registriert. Die gesamte Besucheranzahl stellt die eigentlichen Tatsachen somit nicht dar. 3. Die Charakteristik der für die Datenermittlung benutzten Quellen Für die Forscher, die sich mit dem Leben von Priessnitz und seinen Nachfolgern und Familienmitgliedern sowie mit der Kurortsentwicklung befassten, ist sicher die Priessnitz Ripper Urkundensammlung (weiter nur RA) von Bedeutung. Sie geht auf das Jahr 1825 zurück und zeigt die Entwicklung bis 1944. Zur Zeit stehen der Familie 272 Bücher, 42 Kartons, 3 Papierkartone, 2 Gedenkbücher zur Verfügung2 4 . Zusammen gezählt sind es 9,77 bm von Materialien. Dieser Fond umfasst auch die für diese Arbeit so wertvollen Unterlagen, die sogenannte Kurliste, ein Verzeichnis von Patienten. Seit dem Jahre 1829, in dem diese Verzeichnisse aufgenommen wurden bis zum Jahre 1839 wurden sie von Hand geschrieben. Seit 1840 wurden sie in gedruckter Form verfasst. Gleichzeitig sind seit diesem Jahr die Klienten des Kurorts in Dolní Lipová und in dem Weiss Institut in Freiwaldau registriert. In diesen Verzeichnissen wurde immer der Name des Gastes, sein Beruf oder Betitelung und sein Stammort angeführt. Aus der Registrierung der abgehenden Gäste konnte man den Transfer der Patienten in eine der drei Anstalten erfahren. In der Was dieses Datum angeht, gibt es Abweichungen in einzelnen Veröffentlichungen. Zatloukal P. führt in seinem Beitrag im Almanach zum 200. Jubiläum der Geburt von Vincenze Priessnitz, einen Artikel mit dem Titel Architektur im Kurort Gräfenberg ein, dass der Bau in den Jahren 1909-1910 stattfand. Grünner O dagegen datiert das Ende des Baus auf das Jahr 1913. Es ist möglich, dass in den Jahren 1912-1913 nur kleine Bauarbeiten im Gebäude des Sanatoriums stattfanden. 2 4 Tinzová B.: Archivní materiály k osobě V.P. a k vývoji lázní Gräfenberk v SOkA Jeseník. In: Vincenz Priessnitz 1799-1851 - Jahrbuch zum 200. Jubiläum des Geburts. Gräfenberg 1999, S. 94. 17 Zeit, welcher wir in dieser Arbeit folgen, wurden jedoch keine diese Verzeichnisse zusammengestellt. Der nächste Fond, der einen kleineren Umfang hat und eine Ergänzung des R A Fonds ist, heißt Fond Gräfenberg und stammt aus den Jahren 1867-1949. Er umfasst 13 Bücher, 7 Kartonen25 . Es geht um 1,15 bm. Dieser Fond konzentriert sich vor allem auf das Ende des neunzehnten Jahrhunderts und auf das zwanzigste Jahrhundert und die Zeit der Verstaatlichung von Kurorten in den Jahren 1945-1948. Es mangelt jedoch an Dokumenten. Der letzte Fond, den man zur Erforschung der Frage des Gräfenberger Kurorts benutzen kann, ist der Fond Bezirksamt Gräfenberg (Freiwaldau). Dieser Fond umfasst die Dokumente für die Jahre 1850-1938. Vor allem wird hier der Fremdenverkehr im Kurort Gräfenberg und die Registrierung von Gästen schriftlich festgehalten. Weiterhin sind hier die Dokumente über Kurgebührenzahlungen und über die Entwicklung von einzelnen Kurhäusern und Gewerben niedergelegt. Wie aus den ausführlichen Forschungsstudien von Bohumila Tinzová folgt, wurde die Kurortsentwicklung in Archivalien bis 1910 verarbeitet. Die nächsten Verarbeitungen der Materialien ließen auf sich warten. Es handelt sich vielmehr um Einzelblätter, Verträge und Briefe, die jedoch keine expliziten Aussagen haben. Aus diesem Grund wäre es zu kompliziert und aufwendig, sich ein Bild von der wirtschaftlichen Situation des Kurorts und dessen Veränderungen während der in dieser Arbeit beschriebenen Zeit zu machen. Wenn wir nach den Informationen über die Besucher des Kurorts suchen, sei es in Gräfenberg oder anderswo, treffen wir auf das Problem der Unverfügbarkeit elementarer Angaben. Niemand hat sich nämlich mit der Verarbeitung der Besucherzahlen der einzelnen Kurorte und der Veröffentlichung dieser Angaben beschäftigt. Eines ist aber sicher und zwar, dass sich mit der Besucherzahl in der Zeit der Prosperität niemand zu beschäftigen brauchte, da die Zahl zufriedenstellend hoch war. Der einzige, der sich mit der Besucherzahl, wenigstens als marginales Thema befasste, war Vladimír Křížek. Er hat eine Tabelle der Besucherzahlen der Kurorte Karlsbad, Marienbad und Franzensbad aus den Jahren 1800 - 198026 angefertigt. Ebd. S. 102. Křížek, V.: Obrazy z dějin lázeňství. Praha 1987, S. 121. 18 3.1 Patientenverzeichnis und seine Umgestaltung Die Hauptquelle von den über die Patienten aussagenden Informationen stellen die „Kurlisten" selbst dar. Sie wurden mehrmals in einem Jahr herausgegeben und standen gegen Gebühr nicht nur den Kurgästen sondern auch den Leuten in der ganzen Monarchie und im Ausland zur Verfügung. Die historisch ersten Patientenverzeichnisse wurden im Kurort Baden-Baden im Jahre 1507 zusammengestellt. Es gibt auch andere Quellen, von denen man Auskunft über Patientenaufenthalte in den Erholungsheimen bekommen kann. Außer den Patientenverzeichnissen, die im Kurort aufgenommen wurden, hatten die Patienten im Falle eines längeren Aufenthaltes auch die Pflicht, sich in den von der Polizeidienststelle registrierten Aufzeichnungen einschreiben zu lassen. Hier sollten sie auch die sogenannte Kurtaxe bezahlen. Diese Summe stellte einen bedeutenden Bestandteil vom Gewinn des Kurorts dar. Doch waren nicht alle Gäste verpflichtet diese Taxe zu zahlen. So war es wenigstens im 19. Jahrhundert. Die später gemachten Angaben kann man nicht genau untersuchen, da sie nicht verfügbar sind2 7 . Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Verpflichtung zur Zahlung der Kurtaxe für alle Offiziere und ihre Diener aufgehoben. Obwohl für die Zeitspanne des Ersten Weltkriegs darüber keine Informationen vorliegen, kann man voraussetzten, dass die Erhebung nicht mehr gültig war, denn die Offiziere bildeten in dieser Epoche den wesentlichen Teil der Klientel. Neben dieser Taxe wurde für die Klienten auch die Musiktaxe verbindlich, die für die Bezahlung der Kurortskapelle bestimmt war. Sie spielte dann im Lusthäuschen vor dem Priessnitz Sanatorium oder im Park unten in der Stadt28 . Die Taxen wurden separat für die Stadt und für den Kurort bezahlt. In der Zeitspanne 1911 - 1921, mit der wir uns in der vorliegenden Arbeit befassen, wurden jedoch die Kurlisten mit einem anderen System geschrieben, als es im 19. Jahrhundert der Fall war. In diesen Kurlisten, die gedruckt und veröffentlicht wurden, stand der Name, gewöhnlicher Aufenthaltsort, Anreisedatum, Unterkunftsgebäude (wohnt hier:), geschrieben. Diese Angaben waren im Laufe der Saison für die Patientenzählung von großer Bedeutung29 , denn es wurde hier die Nummer dem Ankunftsdaten folgend angeführt. RA Priessnitz.Ripper Fond wurde nur bis 1910 und die letzten Jahre nicht komplett bearbeitet. Von der späteren Zeit erscheinen hier nur vereinzelte Schriftstücke. 2 8 Heute: Smetanovy sady. 2 9 Unter dem Begriff Saison ist das ganze Jahr zu verstehen. 19 Nach dieser Zahl kann man sich allerdings nicht richten. Wir müssen in Erwägung ziehen, dass die Ordinalzahl des Patienten lediglich die Person umfasst, die ausschlaggebend für die ganze mitgenommene Gruppe war. Es handelte sich um Personen, die eine hohe Stellung einnahmen. In den Kurlisten stand neben dieser Person auch die begleitenden Personen geschrieben30 , doch ihre genauen Namen wurden nicht registriert. Dazu kamen noch die oben genannten Dienst- und Kammermädchen, die gleichfalls im Kurort untergebracht wurden, doch in der gesamten Besucherzahl nicht eingerechnet wurden. Freilich bezahlten diese Personen auch die Kurgebühr3 1 . Neben dem Haupt- oder Vertretungsnamen (Vater, Ehemann oder Freiherr) wurde ebenfalls der Beruf, Rang, Adeltitel, usw. angegeben. Am Anfang des 20. Jahrhunderts war es nicht üblich, dass sich Frauen alleine auf die Reise machten. Das galt insbesondere während des Krieges. In diesem Fall wurde anstelle des Berufs derjenige des Ehemannes gesetzt. Wenn er nicht mehr am Leben war, wurde die Bezeichnung „Witwe nach" benutzt und nachfolgend Beruf bzw. Rang oder Adelstitel eingeschrieben. Die häufiger anreisenden Gäste waren Geschäftsleute, Staatsangestellte, Offiziere aber auch Schriftsteller, Journalisten und Schauspieler von bedeutenden Theatern. Die nächste Gruppe von Kurortsgästen bildeten die Privatpersonen, die unter der Bezeichnung „privat" registriert wurden. Die Kurlisten wurden herausgegeben, wenn ein Doppelblatt mit einer bestimmten Zahl erreicht wurde. Die Anzahl der veröffentlichten Kurlisten entsprach dem Verhältnis der Besucherzahl. Je kleiner die Pause zwischen den einzelnen Veröffentlichungen war, desto höher war die Besucherzahl. Jeder Kurort hatte einen unterschiedlichen Erfolg erreicht. In Karlsbad gab es 355 Kurlisten pro Jahr, was ein Zeichen seiner Beliebtheit war. Früher gab es die Gewohnheit, nicht nur im Kurort Gräfenberg, dass die Kurlisten in allen Kurorten allgemein und bei der Anreise einer bedeutenden Persönlichkeit herausgegeben wurden. Man kann nur mit Schwierigkeiten feststellen, wie viele der Kurlisten in Gräfenberg pro Jahr gedruckt wurden, weil alle am Ende des Jahres gesammelt und in einem Buch herausgegeben wurden32 . Im Archiv liegen nur diese Buchformate zum Einsehen bereit. Einzelne Kurlisten sind nur vereinzelt erhalten geblieben. Im Allgemeinen gesehen, waren in einer Kurliste außer dem 3 0 In diese Gruppe waren meistens Kammer- und Dienstmädchen, Kindererzieherinnen und manchmal auch Köche inbegriffen. 3 1 Kincel R.: Polští návštěvníci Jeseníků a lázní Gräfenberk v 19. století. In: Vlastivědný sborník Jesenicko. 2003, 4, S. 10. 3 2 Kočka M : Lázně Gräfenberk po smrti Vincenze Priessnitze v letech 1851-1909. In: Vincenz Priessnitz 1799-1851 - Jahrbuch zum 200. Male der Geburte. Gräfenberg 1999, S. 57. 20 Besucherverzeichnis auch noch andere für die Gäste wichtige Informationen enthalten. Auf einer Seite dienten sie als Einladungskarten und Programme der Kulturveranstaltungen, die man in naher Zukunft zu organisieren vorhatte, auf der anderen Seite erfüllten sie die Aufgabe einer Annonce, in der die Geschäftsleute ihre Ware und Dienstleistungen anboten33 . Die Kurlisten wurden vom Verlag der Kurortskommission durch A. Blažek veröffentlicht34 . Der Preis für ein Exemplar ohne Zustellung war 6 K, mit Zustellung dann 7 K. Eine im Rahmen unserer Länder gesandte Kurliste kostete 8 K, ins Ausland dagegen 9 K. Diese Summe machte einen bestimmten Bestandteil der gesamten jährlichen Einnahmen des Kurorts aus35 . In der Aufzählung einzelner Jahre wurden die Gäste nach gewissen Kriterien verteilt, und zwar nach Ort, nach der prozentuellen Vertretung der einzelnen Länder, nach Länge des Aufenthalts und nach Geschlecht. 4. Vorkriegszeit Es handelt sich um eine stabile Zeitspanne, in der die großen Bauwerke in Gräfenberg sowie in Freiwald beendet wurden. In diesem Kapitel und in den nächsten Kapiteln werden alle Patienten nach der Verteilung gezählt, die die Kurkommission in ihren Jahresberichten aufzeichnete. 4.1 Besucherzahl im Jahre 1911 Die Besucherzahl war im Durchschnitt dieselbe wie in den vorigen Jahren, jedenfalls handelte es sich um eine Standardzahl. Trotzdem werden wir uns die Zahlen genauer ansehen und einen Vergleich machen. Im Jahre 1911 kamen beachtliche 4 585 Gäste in den Kurort. Verglichen mit dem Jahr 1899 und seinen 3085 Besuchern, die in den Kurort kamen, handelte es sich diesmal um eine Zunahme von 1500 Besuchern im Laufe eines Jahrzehntes. Im ersten Punkt werden die Gäste je nach ihrem Wohnort aufgeteilt. Es ist auffallend, dass die meisten Gäste aus Mähren kamen und zwar 903 Gäste in einzelnen Gruppen. Die Zunahme lag bei 161 Personen im Vergleich mit dem Jahr 1910. Ein anderes 3 3 So geschah es in der Vorkriegszeit. Danach wurde die Annonce nicht mehr gedruckt, wahrscheinlich wegen Ersparnismaßnahmen. 3 4 SOkA Gräfenberg, Kurlisten 1910-1921. 3 3 Nach der späteren Erforschung auf dem Gebiet des Kurorts wurde festgestellt, dass die Kosten für die Herausgabe von Kurlisten mehrmals die Gewinne überstiegen haben. Diese Tätigkeit hatte einen fehlenden finanziellen Ertrag ausgewiesen. 21 Herkunftsland war Schlesien mit 592 Personen in 412 Gruppen. Weiterhin folgten Niederösterreich (485 Personen in 309 Gruppen) und Galizien3 6 (43 0 Personen in 286 Gruppen)37 . Im Punkt zwei werden wir uns mit den aus anderen Teilen Europas gekommenen Gästen beschäftigen. Die meisten kamen aus Deutschland und zwar 1 394 in 913 Gruppen. Im Vergleich zu 1910 handelte es sich um eine Zunahme von 200 Besuchern, was keinen wesentlichen Unterschied bedeutete. Gleich danach folgte Russland mit seinen 518 Klienten in 344 Gruppen. Aus den anderen Teilen Europas kamen also insgesamt 1 925 Gäste3 8 . Von anderen Kontinenten kamen weniger als im vorigen Jahr 1910, und zwar 10 Personen. Davon kamen 2 Besucher aus Asien, 2 aus Afrika und 6 aus Amerika. Wie ich schon angedeutet habe, reisten im Jahre 1911 insgesamt 4 585 Besucher an. Davon waren 2 296 Männer, 1 771 Frauen und 518 Kinder im Alter bis 14 Jahre. Allerdings kamen nur 2 296 Personen, um sich nach einer Krankheit kurieren zu lassen. Das ist eben nur die Hälfte von allen angekommenen Besuchern. Zuletzt ist es notwendig, die definitive prozentuelle Verteilung von den einzelnen im Jahresbericht angeführten Nationalitäten anzudeuten. Die aus der österreichischungarischen Monarchie stammenden Besucher bildeten 57,79% aller Besucher. Das ist eine bemerkenswerte Zahl von 2 650 Personen. Davon waren 55,83% aus Österreich, 2,04% aus Ungarn und der Rest aus den anderen Staaten der Monarchie. Von allen 4 585 Personen fällt ein Anteil von 30,58% auf Deutsche und 11,62% auf Russen. Von anderen Kontinenten, außer Europa kamen 0.22%. 4.2 Ökonomische Situation im Jahre 1911 Das Jahr 1911 stellte eine Wende in der Entwicklung von Kurorten dar, weil nun, wie schon vorher gesagt wurde, das neue Gebäude des Priessnitz Sanatoriums entstand und sogar zur Dominante des gesamten Kurortskomplex wurde. Das Gebäude war modern und prachtvoll, jedoch kostenaufwendig39 . In diesem Jahr wurde auch die elektrische Straßenbeleuchtung eingeführt. In diesem Jahr wurde dazu noch die elektrische Straßenbeleuchtung der Esplanade, des Musikpavillons, des Lesezimmers und der Räume Das Land, das sich im westlichen Teil der Ukraine erstreckt und vor dem Jahre 1918 Bestandteil der Monarchie war. 3 7 Siehe Graphische Darstellung 2. 3 8 Siehe Graphische Darstellung 4. 3 9 SOkA Gräfenberg, RA Priessnitz-Ripper Fond, Karton N. 25, sign. c. 22 der Kurkommission errichtet. Neu gebaut wurde das Schutzhaus auf der Koppe und der hygienische Teil auf der Koppenpromenade40 . Was die Kurtaxe betrifft, war in diesem Jahr die kassierte Gesamtsumme in Gräfenberg 17 969K und in Freiwaldau 974K. In diesem Jahr kam es zum ersten Mal dazu, dass die Summen in den Nachweisen getrennt angeführt werden, was die Beliebtheit des Kurorts zeigt. Die Leute wollten vorzugsweise im Kurort untergebracht werden und nicht mehr in der Stadt oder in Česká Ves. Der Ertrag aus der Musiktaxe brachte 14 680K/50H für dieses Jahr im Kurort Gräfenberg und 712K in der Stadt. Allerdings bekamen die Klienten in diesem Jahr 196K von den bezahlten Taxen zurück. Der Nettoeingang von dieser reichsten Finanzquelle belief sich im Jahre 1911 auf 34 139K 50H. Das sind 4 000K mehr als 1910. Es ist leicht erkenntlich, dass sich die Besucherzahl in diesem Jahr um fast 13% erhöhte. Dies war ein sehr positives Ergebnis, vor allem wenn man die Verschärfung der politischen und sozialen Situation bedenkt. Zur schlechten Stimmung trugen die vom 13. bis 21. Juni 1911 abgehaltenen Wahlen zum Reichsrat bei, bei denen die Agrarpartei 38 Mandate bekam. Diese Partei entstand nur einen Monat vorher, das heißt am 13.-14. Mai 191141 . Die stärkste deutsche politische Partei wurde die Partei der deutschen Radikalen mit 22 Mandaten. Davon war die hiesige deutsche Bevölkerung nur wenig erfreut. Trotz dieser bedeutenden Ereignisse wurde sichtbar, dass die Erholung, Entspannung und Knüpfung von bedeutenden sozialen Kontakten auch in dieser Zeitspanne eine wichtige Rolle spielte. Es bleibt uns noch, den letzten im Register von Ein- und Ausgaben aufgeführten Posten zu erwähnen. Es handelt sich um einen Beitrag für die Stadt und die daraus folgenden Beiträge an andere öffentliche Stellen. Der Beitrag für den Kurort war derselbe wie im vorigen Jahr, dass heißt 1000K für Promenadenkonzerte und 200K für Straßenbeleuchtung. Die variablen Beiträge an die Stadt summierten sich auf 774K für das Jahr 1911. 1 584K 82H für den Verschönerungsverein, 500K für die Wasserleitung und die Feuerwehr, 450K 40H an den Kurort- und Fremdenverkehrsverband. Die Gesamtsumme der Beiträge belief sich auf 3 309K 22H. Im Vergleich zum letzten Jahr handelte es sich zwar um eine geringe Reduktion, die ein Ersparnis hätte sein können, doch ist der Unterschiedsbetrag dafür zu klein. Der höchste Ausgabeposten bildete wieder die Bezahlung für den Betrieb der Kurortskapelle und die musikalische Betätigung als solche. Diese Summe betrug 14 489K 9H. Die Gesamtausgaben beliefen sich in diesem Jahr auf 48 968K 75H und die 4 0 SOkA Gräfenberg, Kurlisten 1911. 4 1 Gemeinschaftswerk von Autoren: Československé dějiny v datech. Praha 1986, S. 192. 23 Gesamtspesen auf 46 142K 17H. Nach Abzügen blieb Anfang des Jahres 1912 die Summe von 2 826K 58H4 2 in der Kasse. 4.3 Die Besucherzahl im Jahre 1912 Die Besucherzahl hat sich nicht viel verändert, wenn man sich die vorigen Jahre ansieht. Die Besucherzahl sank auf 3 821 Personen in 2 572 Gruppen im Vergleich zum Jahre 1911. Das stellt eine Differenz von 764 Personen dar. Wieder zeigte sich Mähren, Bestandteil der Monarchie, als das stärkste Zustromland. Von dort kamen 829 Besucher in 495 Gruppen in den Kurort. Danach kamen Schlesien, Galizien und Niederösterreich. Von den anderen Staaten Europas wurde die erste Stelle mit Deutschland besetzt und die nächste mit Russland. Die anderen Länder brauchen wir nicht zu erwähnen. Im Jahre 1912 wurde niemand aus Asien gelockt, einen Aufenthalt im wunderbaren Bergkurort zu verbringen. Aus Afrika kamen nur zwei Besucher, aus Amerika dagegen sieben. Es fällt nicht schwer, daraus die Endsumme von neun Besuchern zu berechnen. Die nächsten Zahlen sind diejenigen aus den vorigen Jahren. Weiterhin bleibt die meistgebuchte und beliebteste Aufenthaltsfrist zwei bis vier Wochen. Im Vergleich zum vorigen Jahr haben nur 998 Personen die Möglichkeit zum kürzesten Aufenthalt genutzt. Voraussichtlich ist die gesamte Besucherzahl gesunken. Von allen Besuchern waren 1 844 Männer, 1 453 Frauen und 524 Kinder im Alter bis 14 Jahre43 . Hier muss man erwähnen, dass es sich um eine ungefähre Schätzung handelt, da bei dem Aushilfspersonal, das die vermögenden Kunden begleitete, keine Vermerke betreffs des Geschlechts gemacht wurden. Von der Gesamtzahl der Klienten wurden 2 987 Personen in den Therapieplan eingeschrieben. Der prozentuale Anteil von einzelnen Staaten hat sich nur gegen Hundertstel geändert. Aus der österreichisch-ungarischen Monarchie kamen insgesamt 57,76 % (im Vorjahr waren es 57,79 %), aus Deutschland 30,64 % (30,58 % im Vorjahr) und 10,96 % aus Russland (11,62 % im Vorjahr). Aus den fremden Ländern ist nur ein kleiner prozentualer Zuwachs zu bemerken. Es kamen 0,22 %, dagegen in diesem Jahr waren es 0,24 %, obwohl es dieses Jahr weniger Gäste als im Vorjahr waren. Dieses Jahr sollte aufzeigen, dass sich die Besucherzahl im Zusammenhang mit dem Ausbau des riesigen Priessnitzsanatoriums im Jahre 1911 und seiner Instandsetzung änderte. Das Ergebnis war, dass die Besucherzahl eher die gleiche blieb. Auch stieg die 4 2 Siehe Graphische Darstellung 5. 4 3 Siehe Graphische Darstellung 3. 24 Rentabilität nur langsam und der Ort gewann eher an repräsentativen Charakter. Diejenigen, die sich vom Bau des riesigen und prachtvollen Kurortsgebäudes riesige Besucherzahlen versprachen, erlebten eine Enttäuschung. Und mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sollten keine besseren Zeiten kommen. 4.4 Ökonomische Lage im Jahre 1912 Das Jahr 1912 zeigte keine großen Unterschiede im Vergleich mit den vorigen zwei Jahren. Nur der Saldo am Jahresende war ein wenig niedriger als in vorigen Jahren44 . Die Kurtaxen machten zusammen 17 318K aus, davon kamen 83 8K aus Freiwaldau und der Rest aus dem Kurort Gräfenberg. Der Gewinn aus der Musiktaxe lag bei 13 522K 50H, davon kamen 648K aus Freiwaldau. Der als Taxe gezahlte Betrag von 245 K wurde am Jahresende ausgezahlt. Der Nettogewinn war 30 595K 50H. Ebenso änderten sich die von der Stadt bezahlten Beiträge nicht, d. h. 1000K für Promenadenkonzerte und 200 für Straßenbeleuchtung. Die für die Stadt bestimmte Beitragssumme wurde geändert. Immerhin war der übliche Beitrag dieses Jahr in Höhe von 562K gültig. Der Beitrag für die Wasserleitung in Höhe von 500K und der Beitrag für den Verschönerungsverein in Höhe von 452K blieben ebenso gleich. Nach gestiegenen Preisen für Elektrizität, wurde der Beitrag für Beleuchtung „Petroleum und Diener" eingeführt. Die Summe wurde mit 520K festgesetzt. Dazu kamen die Kosten für Elektrizität und Einführungskosten, beides zusammen 6011K. Im letzten Jahr wurde nämlich in einigen Teilen des Kurorts die Elektrizität eingeführt. Wie üblich wurde die größte Summe für den Betrieb der Musikkapelle und Konzertveranstaltungen und die Kurortsmusik ausgegeben. In diesem Jahr waren es 15 033K. Wie jedes Jahr wurden auch Ende dieses Jahres alle Ein- und Ausgaben von der Kurortskommission gegengerechnet. Der Gewinn bildete die Grundlage für das nächste Jahr. Wie schon angedeutet wurde, war der übrig gebliebene Rest nicht so hoch. In Hinsicht auf die Reparaturen der Kegelbahn des Mecklenburger Vereins und auf die Beiträge für Elektrizität und Beleuchtung, die neulich eingeführt wurden, braucht man sich nicht wundern. Die Gesamtzahl der Einnahmen bildete Ende des Jahres die Summe von 47 908K und 99H, davon wurden 46 743K und 19H von den gesamten Kosten Siehe Graphische Darstellung 5. 25 abgerechnet. Aus dieser leichten buchhalterischen Operation folgt, dass am Anfang des Jahres 1913 immerhin eine Summe von 1 165K 80H in der Kurortskasse verblieb. Es sollte eine finanzielle Basis für die kommenden Jahre sein. 4.5 Zusammenfassung der Vorkriegszeit Wir werden uns mit dem Jahr 1913 nicht mehr beschäftigen, da schon aus den vorigen Jahren folgt, dass sich die Zahlen nicht viel ändern würden. Der Kurort erlebte eine Prosperitätszeit. In den grafischen Darstellungen werden die für dieses Jahr gültigen Zahlen nicht ausgelassen und man kann detaillierte Informationen daraus ersehen. Allgemein kann man sagen, dass die Vorkriegszeit, was die Prosperität angeht, nicht besonders beeinflussend für die nächsten Jahre war. Die Besucherzahl war unterschiedlich. Der Unterschied beruhte nicht auf der Anzahl selbst, sondern auf der sozialen Struktur und beruflichen Ausrichtung der Leute, die den Kurort besuchten. Es kamen weniger Leute aus dem Adel, allerdings mehr Angestellte und Offiziere. Man spürte eine spannende Zeit kommen. 5. Kriegsjahre Das Jahr 1914 kann als Bruchjahr bezeichnet werden. Anfangs gab es noch niemanden, der es ahnen würde. Der Einbruch kam Ende Juli, dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Die österreichisch-ungarische Monarchie hatte keine Kraft mehr und hielt nur wegen des Monarchen Franz Josef I zusammen. Das zeigte sich mit der Annexion von Bosnien im Jahre 1908. Man sah, dass es ein schwerer Brocken für die Monarchie war. Die Probleme ließen auch nicht lange auf sich warten. Auf der einen Seite war das Datum des Kriegsausbruchs in dem Sinne gut, weil der größte Teil der Saison schon abgelaufen war. Doch die Vorzeichen des Krieges ließen sich schon Monate vorher spüren. Dies hatte großen Einfluss auf die Besucherzahl, Prosperität und Ökonomie des Kurorts allgemein. 5.1 Besucherzahl im Jahre 1914 Von den unten erwähnten ökonomischen Daten, welche kein einträgliches Jahr anzeigen, kann man eine davon beeinflusste Besucherzahl voraussetzen. Wenn man die geringen 26 Einnahmen aus den Kurortstaxen berücksichtigt, dann erwartet man auch weniger Gäste, die den Kurort während dieses Jahres besuchten. Das war eben nicht der Fall.4 5 . Im Vergleich mit dem zum Jahr 1912, in dem sich die gesamte Klientenanzahl auf 3 821 belief, kamen im Jahr 1914 nur 61 Gäste weniger, (d. h.) 3 760 geteilt in 2 572 Gruppen. Wenn wir diese Zahlen betrachten, wird klar, dass es sich um eine unerhebliche Anzahl. Wie üblich, kamen die meisten Besucher aus Mähren. Zusammen mit denen aus Schlesien bildeten sie eine Anzahl von 1 138, was ein Drittel der gesamten Anzahl. An zweiter Stelle erschien zum ersten Mal Galizien mit 559 Besuchern und gleich darauf folgte Schlesien. An traditionell vierter Stelle platzierte sich Niederösterreich mit 316 Besuchern46 . Aus anderen Ländern kamen weniger als hundert Kurortsgäste. 96 Gäste kamen aus Tschechien und 70 aus Ungarn. Aus allen Staaten der Monarchie waren es 2 243 Gäste. Aus den anderen Monarchien Europas, kamen die meisten Besucher aus Deutschland. Diesmal waren es 1 127. Danach folgte Russland mit 327 Besuchern. Diese Angaben sollten bald verändert werden. Während die Kenntnis vom Kurort Gräfenberg bei den Deutschen fest verwurzelt war, war das bei den Russen anders47 . Die hiesigen Honoratioren siedelten langsam in andere Erholungsorte der Zeit um. Sie zogen innerhalb des Landes oder in andere Länder um. Im Jahre 1911 kamen noch 518, im Jahre 1913 waren es nur noch 404 Besucher und diese Tendenz vertiefte sich immer mehr. In diesem Jahr (1914) gab es nur 347 Gäste. Offensichtlicher Grund war die Kriegssituation. Die österreichisch-ungarische Monarchie stand ab Mitte des Jahres auch im Krieg gegen das russische Zarentum. Die Besucher aus anderen Staaten Europas waren zusammen 1 501, was verglichen mit der Situation im Jahre 1912 und den 1 605 in Gräfenberg angereisten Gästen keine große Abweichung darstellte. Die Besucherzahl auf dem Gebiet des Altvatergebirges erhöhte sich durch die aus anderen Teilen kommenden Gäste. Während im Jahre 1912 nur neun Gäste anreisten, waren es dieses Jahr sogar 16 Bei einer solchen Anzahl kann man aber nicht von einem Zuwachs sprechen. Diese Angabe könnte als ein Zufall bezeichnet werden. Die meisten Besucher gelangten aus Amerika in den Kurort, konkret 11 Gäste verteilt in 6 Gruppen, das heißt, es ging meistens um Paare. Die prozentuelle Vertretung wird im Folgenden kurz dargestellt. 59,65 % aller Besucher kamen aus der österreichisch-ungarischen Monarchie und 39,92 % dem Rest Europas. Aus den anderen Ländern der Welt reisten 0,43 % an. Siehe Graphische Darstellung 1. Siehe Graphische Darstellung 2. Siehe Graphische Darstellung 4. 27 Was den Männer- und Frauenanteil betrifft, wichen die Angaben in diesem Jahr nicht vom üblichen Standard ab. Es kamen 1 899 Männer, 1 451 Frauen und 410 Kinder im Alter bis 14 Jahre. Die Anzahl der kurzfristigen Aufenthalte, d. h. unter fünf Tage, sind wieder gestiegen. In diesem Jahr haben 1 327 Besucher diese Möglichkeit genutzt. Im Vergleich dazu kamen im Jahre 1912 908 Personen und im Jahre 1910 nur 556 Gäste, was einen Zuwachs von 100 % im Laufe der 4 Jahre bedeutete. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Die Mehrheit der Gäste waren Offiziere und Staatsangestellte aus Troppau, wo die schlesische Landesregierung ab 1860 ihren Sitz hatte48 , sowie aus Wien wo sie in der Zeit der Kriegsbereitschaft viel zu tun hatten. 5.2 Ökonomische Lage im Jahre 1914 Im Jahre 1914 hatte sich der Kriegseinfluss noch wenig sichtbar gemacht, da der Krieg erst an seinem Anfang stand. Im Januar 1914 blieben 3 307K 38H in der Kurortskasse. Die erste Stelle nahmen, wie jedes Jahr, die Gewinne aus der Kurtaxe und der Musiktaxe ein, mit dem Unterschied, dass sie für dieses Jahr ein wenig gesunken waren. Die Kurtaxe machte 13 151K 50H (1912 waren es 17 318K) in Gräfenberg und 795K in Freiwaldau aus. Die Musiktaxe war diesmal niedriger als in anderen Jahren. Die gesamte Summe hat 10 000K überschritten. 9 414K sind für Gräfenberg zu zählen und 638K 50H für die Stadt. Der totale Gewinn aus Kurortsgebühren, nach Abzug der zurückgezahlten Beiträge in Höhe von 141K 50H, war auf 23 857K 50H festgelegt. Dieser Gewinn war um 22 % niedriger als 1912, was natürlich einen großen Einfluss auf den Kurortsbetrieb und seine Ökonomie hatte. Der Beitrag an die Stadt blieb immer der gleiche, 1000K für die Promenadenkonzerte und 200K für die Beleuchtung. Die vom Kurort zurückbezahlten Beiträge erreichten eine ähnliche Summe wie aus dem Jahre 1912. Die Stadt Freiwaldau zahlte 550K zurück. Für Wasserleitungen wurden in diesem Jahr 500K und an Vereine 283K 60H ausbezahlt. Wiederum galt es, dass die von der Stadt ausbezahlten Beiträge in Form der zurückgezahlten Beiträge wiederkehrten. Es erschien hier ein neuer Posten mit der Bezeichnung Verschönerungen4 9 . Gemeinschaftswerk von Autoren: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848-1960. Ostrava 1966, S. 17. 4 9 Dieser Posten hing mit dem Bauabschluss des Priessnitzsanatoriums und seiner Instandsetzung zusammen. 28 Wie üblich, bildete die Musikkapelle und Konzertsveranstaltungen den größten Posten. Während sich im Jahre 1913 die Spesen auf 14 384K 58H beliefen, waren es schon im ersten Kriegsjahr 1914 10 724K 3H5 0 und diese fallende Tendenz sollte sich auch in den nachfolgenden Jahren fortsetzten. Im Jahre 1918 wurde sie dann überhaupt nicht mehr angeführt. Das hing wahrscheinlich mit Sparmaßnahmen zusammen. Die Kapelle wurde aufgelöst und über Konzerte machte sich niemand Gedanken. Doch im Jahre 1919 wurde die Kapelle wieder erneuert. Es ist interessant zu bemerken, dass in diesem Jahr in dem Jahresbericht zum ersten Mal unter Spesen auch die Unkosten für ein Fahrzeug erschienen. Der Kurortbetreiber schuf in diesem Jahr eine Form des Dienstwagens, der zum Abholen der Kurortsgäste diente51 . Die Kosten machte in diesem Jahr 1914 219K 7H. Der Gesamtgewinn des Kurorts lag 1914 nach der Zusammenrechnung der Neben- und Sondereinnahmen bei 38 071K 3H, doch die Spesen für den Kurortsbetrieb erreichten fast das Niveau der Einnahmen. Nach Abzug dieser zwei Posten blieb dem Kurort keine große Summe zur Verfügung. Am Anfang des Jahres 1915 gab es 159K 76H in der Kasse. Das stellt, verglichen mit vorigen Jahren, ein großes Minus dar. Dies hatte Einfluss auf die weitere Unternehmungstätigkeit. Der Kurort wurde zum ersten Mal gezwungen, seine unerfreuliche Finanzlage durch eine Kreditaufnahme zu lösen. 5.3 Besucherzahl im Jahre 1915 Das Jahr 1915 setzte die Tendenz der vorigen Jahre fort. Im Grunde genommen, setzte sich die schon angefangene Entwicklung fort. Es kamen 2 087 Besucher, was nur die Hälfte der Anzahl aus dem vorigen Jahr war. Natürlich sollte sich diese Tatsache in der Prosperität des Kurorts widerspiegeln. Die Folgen waren katastrophal. Zum ersten Mal seit 1900 ist die Besucherzahl auf unter 3 000 gesunken. Auch diesmal ging es um eine Senkung von 3 Besuchern, es kamen 2 997. Die Besucherzahl wies ebenfalls andere grundsätzliche Veränderungen auf. Zum ersten Mal in der Historie der Kurlisten und zum ersten Mal seit dem österreichisch-ungarischen Ausgleich, zu dem es im Februar kam, wurden Österreich und Ungarn als zwei unterschiedliche Länder bezeichnet. Die meisten Besucher kamen aus Mähren, dann Schlesien, Galizien und Niederösterreich. Die wenigsten Besucher kamen aus anderen Ländern Europas. Aus Deutschland kamen fast um 1 000 Gäste weniger als im 5 0 Siehe Graphische Darstellung 6. 5 1 SOkA Gräfenberg, Kurliste 1914. 29 vorigen Jahr32 , es waren 176. Mit Russland war die Situation ähnlich. Es kamen bloß 23 Gäste. Im Jahre 1914 konnte man noch mit 327 rechnen. Dazu kam noch die Tatsache, dass in diesem Jahr kein Bewohner aus den außereuropäischen Ländern in den Kurort anreiste. Dazu werden wir noch eine interessante Angabe der prozentuellen Vertretung einführen, die schon aus den vorher bekannt gegebenen Angaben folgt. In diesem Jahr war der Prozentsatz der aus dem Rest Europas kommenden Besucher nicht einmal 10 %, genau aufgezählt waren es 9,77 %. Den Rest bildeten die Besucher aus der noch nicht festgelegten österreichisch-ungarischen Monarchie. Das war kein Zufall. Es handelte sich um eine vollständige Verwirklichung der sich im Alltag auswirkenden Kriegführung. Noch einmal kann man über ein "erstes Mal" im Zusammenhang mit dem Jahr 1915 sprechen. Diese Angabe spiegelt eher eine finstere Atmosphäre wider. Zum ersten Mal in der Geschichte des Kurorts kamen mehr Frauen als Männer zur Erholung. Die Männer waren 894, Frauen dagegen 1 013. Es geht in diesem Fall um keinen großen Unterschied, doch diese Entwicklung sollte sich leider auch in den folgenden Kriegsjahren fortsetzen53 . Die Anzahl der Kinder sank zum ersten Mal unter 200, es waren insgesamt 180 Kinder. Ganz verständlich vermindert sich mit der kleineren Anzahl der Gäste auch die gesamte Anzahl. Dies ist auch der Unlust zum Reisen während der Kriegsjahre geschuldet. Aus der nächsten Angabe folgt, dass im Gegensatz zu den vorigen Jahren, in denen die Anzahl von den zur Heilung gekommenen Gäste mit der Anzahl der begleitenden oder zur Erholung gekommenen Personen fast übereinstimmte, in diesem Jahr die meisten Gäste zu Heilzwecken durch angewandte Behandlung kamen. Es ging eher um die Gesundheitspflege als um Vergnügen. 5.4 Ökonomische Lage im Kriegsjahr 1915 Die ökonomische Lage des Kurorts war nicht rosig. Im Grundsatz wurde dieses Jahr das schlimmste während der ganzen folgenden Zeit. Die nächsten Jahre sollten auch keine Verbesserung bringen. In der Kasse blieben 159K 76H vom vorigen Jahr übrig. An Kurtaxen hat man durchschnittlich nur einen Bruchteil der üblichen Summe eingenommen. Zusammen machte das 7 143K 50H. Die Musiktaxe machte noch weniger, d. h. zusammen 4 033K. Die im Jahr 1915 eingenommene Gesamtsumme, die früher eine Erwerbsquelle 3 2 Siehe Graphische Darstellung 4. 5 3 Siehe Graphische Darstellung 3. 30 bildete, machte diesmal nach Abzug der zurückbezahlten Kurortsbeiträge 11 139K. Im Unterschied zu dem doppelten Gewinn aus dem Jahre 19 1 45 4 stellte diese Summe eine Katastrophe für den alltäglichen Bedarf dar. In diesem Jahr wurde die größte Summe erstmalig nicht für die Kapelle sondern für Arbeitnehmervergütungen und Miete, die jedes Jahr vom Kurort bezahlt werden musste, benutzt. Das bedeutete die Kürzung vom für die Kapelle und Kulturveranstaltungen bestimmten Budget auf ein Minimum. Diese Summe betrug 3 173K 16H. Die Kosten der Kurmusik lagen lediglich bei 2 907K 18H. Wie jedes Jahr, trug auch in diesem Jahr die Stadt Freiwaldau zur Kurortskasse bei. Es handelte sich diesmal wieder um die gleiche Summe (1000K für Promenadenkonzerte und 200K für Beleuchtung), doch der Charakter dieses Beitrags sollte geändert werden. Während dieser Beitrag in den letzten Jahren eine geringe Summe darstellte, verwandelte sie sich in diesem Jahr in eine sehr einträgliche. Die vom Kurort zurückbezahlte Gebühr, welche unter der Bezeichnung "Beiträge" erschien und auf 550K festgelegt wurde, blieb immer gleich. Die einträglichste Summe, natürlich neben der Bezahlung von Taxen, wurden in diesem Jahr die im Jahresbericht eingeführten Sondereinnahmen. Dieser Posten erschien zum ersten Mal und es wird leider nicht genau aufgegliedert um welche Tätigkeiten oder Verdienste es sich handelte55 . Doch eines ist gewiss, und zwar die Höhe der beigetragenen Summe von 4 300K. Wahrscheinlich handelte es sich um Kredite. Anstatt dessen kam ein neuer Eintrag unter der Bezeichnung „Klavierbenützung" hinzu, welcher allerdings nur 82K ausmachte. Der Ertrag vom Kurlistenverkauf in Höhe von 159K 45H war ebenfalls gering. Im Jahre 1912 dagegen lag er bei 227K 90H und im Jahre 1910 noch bei 523K 80H.5 6 Daraus folgt, dass die Vorliebe für Kurlisten schon vor dem Krieg nachließ und der Krieg diese Tendenz nur noch förderte. Die gesamten Einnahmen im Jahre 1915 machten 17 494K 52H (verglichen mit 1912 und seinen 47 908K 99H) und die Kosten lagen bei 17 181K 62H. Am Anfang des Jahres 1916 blieben 312K 90H in der Kasse, was natürlich mehr als am Anfang des Jahres 1915 war, doch im Zusammenhang mit den zukünftigen Ereignissen, die sich in der Monarchie, den Tschechischen Ländern und dem Kurorte selbst ankündigten, stellte es keine große Summe dar. 3 Siehe Graphische Darstellung 5. 5 5 Nach der Aufteilung von Rückzahlungen aus dem Jahre 1916 ging es wahrscheinlich um eine Anleihe vom „Spitalfonde". 3 6 Siehe Graphische Darstellung 7. 31 Die Besucherzahl im kritischen Jahr 1916 Das Jahr erinnert an eine Kreuzung, die sich in der Mitte zwischen dem Anfang und dem Ende befindet. Niemand konnte damals ahnen, wann der Krieg zu Ende war. Und in diesem Jahr kamen, verglichen mit der ganzen Kriegszeit, die höchste Anzahl von Gästen in den Kurort. Zusammen reisten 2 240 Personen an. Das war allerdings keine grundsätzliche Veränderung, nach der sich die Kurortsleitung sehnte, dar, da der Unterschied zum vorigen Jahr nur bei 153 Gästen lag. Um einen Vergleich anzuführen, im Jahre 1913 kamen zusammen 3 663 Gäste5 7 . Wieder reiste die Mehrheit der Klienten aus Mähren und Schlesien an, und zwar 1 421, wobei sie fast die Hälfte von allen (803 aus Mähren und 618 aus Schlesien) bildeten. Aus Tschechien kamen nur 67 Personen, was natürlich wenig befriedigend war. Besser war die Situation mit den Klienten aus Deutschland, die eine Anzahl von 98 bildeten. Dies ist natürlich dem starken deutschen Einfluss auf dieses Gebiet zu schulden, wie es schon vorher mehrmals erwähnt wurde. Nach Deutschland folgte wieder Russland mit seinen 17 Personen. Weiterhin reiste ein Engländer in den Kurort und mit dieser Angabe wird der Nachweis über andere Länder Europas geschlossen. Das gilt nur, wenn man die Besucher aus Ungarn nicht getrennt zählen möchte (79). Die prozentuelle Vertretung zeigt, dass die aus dem Rest Europas angekommenen Besucher einen niedrigeren Anteil bildeten als es im vorigen Jahr der Fall war, im Konkreten waren es 5,18 %, d. h. 116 Personen. Die meistausgenutzte Aufenthaltsfrist war wieder 5 Tage und gleich danach folgten die 2-4 Wochen-Aufenthalte58 . Gelegentlich pflegten die jungen Ehepaare und Väter hierher zu kommen, um sich Erholung und Ruhe zu gönnen. Es handelte sich in diesem Fall vor allem um Staatsangestellte und Offiziere. Der Männer- und Frauenanteil wich nicht von der Tendenz ab. Es kamen mehr Patientinnen als Patienten, es kamen 1 189 Frauen, 850 Männer und 201 Kinder bis 14 Jahre. 3 Siehe Graphische Darstellung 1. 5 8 Diese Angabe wird sich in der ganzen gefolgten Zeit nicht verändern, deswegen wird es nicht in jedem Jahr angeführt. 32 5.6 Die ökonomische Lage im Jahre 1916 Was die ökonomische Lage betrifft, hatte die erhöhte Besucheranzahl in der ganzen Angelegenheit nicht viel verändert. Der Krieg war grausam und jeder war davon betroffen. Am Anfang blieb in der Kurortskasse, wie wir schon erwähnt haben, eine Summe von 312K 19H übrig. Das ist natürlich mehr als in den vorigen Jahren, doch ist es immer noch zu wenig, um an große Spesen zu denken. Zuerst werden hier die Einnahmen angeführt, um eine Vorstellung von den Kosten zu bekommen, die als Folge der fehlenden Kreditaufnahmen folgten. Hier wird nämlich zum ersten Mal sichtbar, dass der Kurort schon seit 1914 verschuldet war. Langsam begann man mit der Schuldtilgung. Auch wenn es nicht so offensichtlich war, haben die Einnahmen die Ausgaben um eine bestimmte Summe (die oft sehr gering war) überstiegen. Im Jahresbericht über die wirtschaftliche Situation des Kurorts vom Jahre 1916 ist zum ersten Mal der Posten „Restzahlungen aus den Jahren 1914 und 1915" zu lesen. Diese Summe war 793K und 47H. Die Bezüge der Kurtaxen erhöhten sich entsprechend der höheren Besucherzahl Doch kann man von keiner sehr großen Summe sprechen. Man kann diese Gelder als die Hauptquelle der Einnahmen des Kurorts betrachten. Wenn man sie nicht hätte und wenn man die Beiträge von der Stadt nicht bekäme, wäre das sicher ein Grund gewesen, den Kurort zu schließen. Aus der Gesamtsumme in Höhe von 16 454K 47h im Jahre 1916 betrugen die Bezüge von Kur- und Musiktaxen 13 093K 50H. Es wurden nur 31K zurückbezahlt. Die Beiträge waren wie immer gleich, und zwar 1 000K für Promenadenkonzerte und 200 für Beleuchtung. Sonst wurden keine höhere Einnahmen außer dem Posten „Darlehensaufnahme" in Höhe von 1 470K festgestellt. Doch diesen Posten kann man als keine tatsächliche Einnahme bezeichnen. Es geht wieder um ein Darlehen aus dem „Spitalfonde". Der Kurort begann, das Geld zurückzuzahlen, setzte aber die Kreditaufnahmen fort. Sogar die Kurortsgebühren haben dieses nicht verhindert. Die Kosten bildeten den größten Teil des Jahresberichts. Beiträge der Stadt Freiwaldau waren wie üblich 550K. Verwaltungskosten betrugen 3 396K 42H. Die Kosten für den Kurlistendruck wurden auf 341K 41H festgelegt, was natürlich mehr als im vorigen Jahr war, in dem diese Summe 291K betrug. Diese Situation ist gewiss der höheren Besucherzahl geschuldet. Das Betreiben von Musik und der Besitz der Kurortskapelle wurde in den vorigen Jahren zum teuersten Unternehmen. In diesem Jahr wird es nicht anders sein, auch wenn 3 943K 89H auf den ersten Blick nicht so viel aussehen 33 Es wurden 15 425K 13H ausgegeben. Immer wieder handelte es sich im Vergleich mit den Einnahmen um eine niedrigere Summe, doch wir müssen daran denken, welchen Teil von dieser Summe der Kredit bildete. Den musste man in den nächsten Jahren noch abbezahlen. Für das Jahr 1917 blieb ein Überschuss von 1 029K 34H in der Kasse. Das ist nicht schlecht, wenn man sich an die vorigen Jahren erinnert59 . Wegen der verminderten Anzahl der angekommenen Gäste und wegen der ökonomischen Situation des Kurorts wird als nächstes über das Jahr 1918 gesprochen. Der Grund dafür ist, dass die Unterschiede in der Besucherzahl in Hinsicht auf das ökonomische Niveau des Kurorts besser darzustellen sind, was das Ziel dieser Arbeit ist. Wenn man von jedem einzelnen Jahr spräche, wäre das zu ausführlich und langwierig und der Datenüberschuss könnte Verwirrung verursachen. Als erstes wird wieder die Besucherzahl erwähnt, also die Anzahl von den aus den einzelnen Ländern der Welt gekommenen Klienten und wie es im Jahresbericht der Kurkommission verteilt wurde. Nachfolgend werden diese Daten im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Niveau des Kurorts dargestellt. Allerdings hat diese Rezession der Prosperität des Kurorts in Hinsicht auf den andauernden Krieg die vollen Auswirkungen auf den Alltag der Zivilbevölkerung erst am Ende des Krieges im Jahre 1918 ausgeübt. 5.7 Die Besucherzahl im Jahre 1918 In diesem Jahr kamen zusammen 1 970 Personen in den Kurort. Im Vergleich mit dem Jahre 1916 waren es um 270 Patienten weniger. Im Unterschied zu dem Jahr 1917, das hier nicht angeführt ist, ist diese Zahl um 116 gesunken. Dies hätte man genauso wie die sich in der Wirtschaft widerspiegelnden Folgen voraussehen können. 96,30 % der Besucher kamen aus der österreichisch-ungarischen Monarchie. Es waren 1 897 Personen, wovon 22 aus Ungarn stammten. Der größte Anteil der Besucher kam innerhalb der beschriebenen Frist aus dem hiesigen Schlesien (656 in 470 Gruppen), gleich danach folgten die Gäste aus Mähren (599 Besucher in 430 Gruppen). Fast dieselbe Anzahl der Besucher kam aus Niederösterreich und Galizien (281 in 213 Gruppen und 273 in 231 Gruppen).60 Es wäre gut unsere Aufmerksamkeit auf nächstes Phänomen zu richten, das im Laufe des Krieges erschien. Aus dem gezeigten Verhältnis zwischen den tatsächlich angekommenen Gästen und der Anzahl von Gruppen folgt, dass es schlecht um die „Massenbesuche" von 5 9 Siehe graphische Darstellung 5. 6 0 Siehe graphische Darstellung 2. 34 Familien stand und die Besucher in kleinen Gruppen oder allein mit einem Dienst- oder Kammermädchen ankamen. Dies bezieht sich natürlich auf Damen, die Ehefrauen oder Witwen von Offizieren und Kommandanten waren61 . Die Vertretung der aus anderen Ländern kommenden Besucher sank regelmäßig. Konkret waren es 3,7 % der gesamten Klientenanzahl. In den nächsten Jahren sollte sich nicht viel verbessern. Zum ersten Mal in der beschriebenen Zeit erreichte nicht Deutschland, sondern Russland mit 42 Personen die Spitze. Aus Deutschland reisten nur 30 an6 2 . Diese Zahl hängt ersichtlich mit der Entwicklung der Kriegsereignisse zusammen sowie mit der Tatsache, dass die Mehrheit der Kurorte in Tschechien für Deutsche erreichbarer und deshalb auch gefragter war. Außer diesen Gästen ist auch ein Gast aus der europäischen Türkei angekommen. Was die Aufenthaltsfrist betrifft, glichen sich die zwei Extreme langsam an. Einen Aufenthalt unter 5 Tagen haben 331 Klienten und den über 6 Wochen dauernden Aufenthalt 343 Besucher genossen. In diesem letzten Jahr wurde die eingeschlagene Entwicklung in der Besucherzahl von Männern, Frauen und Kindern fortgesetzt. Ebenfalls gab es dieses Jahr mehr Frauen als Männer, und zwar 75 Personen, davon 976 Frauen, 841 Männer und 153 Kinder bis 14 Jahre. 5.8 Ökonomische Lage am Ende des Krieges im Jahre 1918 Wie wir schon erwähnt haben, werden wir uns nicht mehr mit dem Jahr 1917 beschäftigen, da es in den Archivmaterialien nicht zu finden ist. Wir können deswegen behaupten, dass am Anfang des Jahres 1918 in der Kurortkasse 1 814K 94H zur Verfügung standen. In Beziehung auf die vorigen Kriegsjahre ist dieses Ergebnis nicht schwach. Allerdings konnten nicht alle Kosten aufgefangen werden, da diese immer höher wurden. Die wichtigste Einnahmequelle bildete wieder die Bezahlungen von Kurortsgebühren. Der gesamte Betrag war 18 891K 90H. Man weiß nicht mehr genau, wie hoch jede Taxe war, denn sie sind alle zusammen unter einem Posten registriert. Dieses Jahr konnte man nicht mehr mit der Stadt rechnen, was natürlich eine Enttäuschung bedeutete. Es wurde kein Betrag „Beihilfen der Stadt Freiwaldau" mehr bezahlt, wie das vorher der Fall war. Es blieb nur die Summe von 200K als Beitrag für die Beleuchtung. 6 1 Siehe graphische Darstellung 1. 6 2 Siehe graphische Darstellung 4. 35 Andere Einnahmen waren sehr gering, aber zum ersten Mal erschien kein Kredit. Die Einnahmen in diesem Jahr machten 21 365K 65H. Das folgte sicher aus den höheren Einnahmen der Kurortsgebühren, die infolge der Wirtschaftskrise erhöht wurden. Leider wurde weder die Höhe noch die Differenz der Gebühren festgestellt. Nach der Verrechnung der Anzahl der Besucher und der Gebühren aus dem Jahre 1916 ergab sich bis 1917 eine Summe von 5K 80H und im Jahre 1918 von 9K 80H. Das ist allerdings nur eine Orientierung, da das Zählergebnis auch die Musiktaxe beinhaltet. Es ist jedoch ersichtlich, dass die Beiträge um fast die Hälfte erhöht wurden. Dabei muss man auch den fallenden Wert der Krone berücksichtigen. Obwohl die Kostenpositionen überwogen, handelte es sich um geringere Summen. Ihre Höhe lag am Ende des Jahres bei 15 625K 35H. Zu den höchsten Kosten gehörten die Verwaltungskosten in Höhe von 4 716K 65H. Die zweithöchste Summe war der „Taglohn für Wegerhaltung" in Höhe von 2 568K 16H. Der Rest der Kostenpositionen war eher geringfügig. Die Kosten für die Herausgabe der Kurlisten belief sich in diesem Jahr auf 391K, die Einnahmen lagen dagegen war bloß bei 95K 10H. Die Gebühren an die Stadt blieben gleich, d h. 550K pro Jahr. Zum ersten Mal in diesem Jahr tauchten keine mit dem Betrieb der Kurortskapelle verbundenen Kosten auf. Bezüglich dieser Tatsache und im Hinblick auf die Vereinigung von Kurortsgebühren sowie in Beziehung auf die beendete Beitragsleistung der Stadt, die für Promenadenkonzerte bestimmt war, kann man schlussfolgern, dass die Kapelle aus Ersparnisgründen aufgelöst wurde. Nach der Abrechnung des ganzen Jahres kam man im Jahre 1918 auf eine Summe von 5 746K 30H, die in der Kriegszeit ein absolutes Maximum darstellte. Dies bedeutete jedoch keine Wende zum Besseren. Die Krone wurde entwertet. Um sich eine Vorstellung zu machen. Im Jahre 1914 blieben 159K 76h in der Kasse. Für die folgende Entwicklung des Kurorts schien es positiv zu sein. Doch die Ersparnisse zum Nachteil der für Klienten geleisteten Dienstleistungen zu gereichen, stellt eine eher negative Zukunftsprognose dar. 5.9 Zusammenfassung der Kriegszeit im Kurort Der Erste Weltkrieg wurde für den Kurort eine Bewährungsprobe im ewigen Kampf um seine die Durchsetzung. Und der Kurort hat es geschafft. Er war verschuldet, viele von den Gebäuden wurden im Krieg nicht mehr benutzt und sie forderten eine radikale Erneuerung. Im Ganzen gesehen, hat sich das Niveau der angebotenen Dienstleistungen vermindert. 36 Das galt jedoch nicht für die mit den Heilverfahren zusammenhängenden Dienstleistungen. Vor dem Krieg gehörte der Kurort zu unseren modernsten Einrichtungen.63 Die Besucherzahl wurde durch den Krieg beeinflusst. Schon in dem ersten Kriegsjahr sank die Anzahl der Gäste aus dem Ausland rapide. Das betraf vor allem die Länder, gegen die die Monarchie im Krieg war. Davon waren natürlich auch die Gewinne des Kurorts betroffen, da jeder Besucher eine Einnahme darstellte. Jeder von ihnen gab Geld für Essen, Eintrittskarten oder Verkehrsmittel aus. Je weniger Besucher es gab, desto schlimmer entwickelte sich die ganze Situation. Das kritische Jahr 1915 erschütterte den Kurort sozusagen Und während der ganzen Kriegszeit konnte sich der Kurort kaum davon erholen. 6. Nachkriegszeit Nach dem Krieg wollte man alles in den ursprünglichen Zustand bringen. Das Freiwaldauer Gebiet wurde jedoch von der Nachkriegseuphorie nicht verschont. Im Jahre 1918 entstand das Sudetenland, als sich die deutsche Bevölkerung, die die Mehrheit bildete, zur deutschen Angehörigkeit bekannte. Schließlich wurde das Grenzgebiet durch die Heeresmacht angegriffen. Die deutschen Industriebesitzer haben damit gerechnet, dass sich die Zugehörigkeit zum Staat mehr lohnt, doch sie empfanden ein bitteres Gefühl der Unfreiwilligkeit. Sie haben die bis jetzt genossene Priorität verloren. Die Tschechoslowakei war in Tschechien, Mähren, Schlesien, Weitraland, Feldsbergsland, Hultschiner Ländchen, Slowakei und die Karpaten-Ukraine untergliedert. 6.1 Die Besucherzahl im Jahre 1919 Der Kurort war nicht fähig, gleich das ursprüngliche ökonomische Niveau zu erreichen. Das Jahr 1919 wurde von diesen Ereignissen nicht viel beeinflusst. Wir werden es aber dennoch anführen, um die Differenz nach der im Februar 1920 realisierten Währungsreform darzustellen. Daraus lässt sich die Umwandlung und die nach dem Krieg folgenden besseren Aussichten besser ersehen. Das Jahr 1919 stellte sich vorwiegend als Konstante dar. 2 854 Gäste haben den Kurort besucht, was eine Differenz von 884 Personen, im Vergleich zu 1918, bedeutete. Man kann Grünner O.: Graefenberg byl prvy. SURSUM 1997, S. 140. 37 allerdings nicht von einer Rückkehr zum Vorkriegsniveau sprechen. Damals, im Jahre 1912 war die Gesamtzahl der Gäste 3 821. Dazu ist keiner aus dem außer Europa gelegenen Land gekommen und die Besucheranzahl der aus den europäischen Staaten gekommenen Gäste war auch nicht besonders gut. Es kamen 47 Gäste, 43 davon waren Deutsche, 1 stammte aus Russland und 3 aus Großbritannien6 4 . Auf das Ergebnis der prozentuellen Vertretung von 1,65 % kann man im Vergleich mit dem internationalen Prestige nicht als positiv bewerten. Die Veränderungen sollten sich bald woanders zeigen. Nach dem Ersten Weltkrieg ist zwar die österreichisch-ungarische Monarchie in viele neu gegründete Staaten zerfallen, in den Jahresberichten werden diese Staaten aber unter dem Posten von Österreich und seinen Teilen und Ungarn aufgeführt. Aus diesem Gebiet kamen zusammen 2 807 Personen. Die Zahlen hatten wieder die gleiche Tendenz. Aus Mähren kamen mehr Klienten (1 516) als aus Schlesien (893). Es muss betont werden, dass dies eine große Differenz darstellte. Die Anzahl von den aus Galizien und der Ukraine angekommenen Gästen verminderte sich auf 81. Im Gegensatz dazu ist das Niveau der Gäste aus Tschechien (137) oder Niederösterreich (157) gleichgeblieben65 . Die Tschechen selbst wurden durch die Nachkriegseuphorie beeinflusst und begannen mit übertriebenem Eifer den Aufenthalt in der neu entstandenen Republik zu genießen, anstatt ins Ausland zu fahren. Erstaunlicherweise ist der Frauen- und Männeranteil nicht zu dem ursprünglichen Stand zurückgekehrt. Es gab also weiterhin einen Klientinnenüberschuss (1 351) zu 1 241 Klienten. Kinder bis 14 Jahre kamen dagegen mehr, konkret, 262. 6.2 Ökonomische Lage im Jahre 1919 Die höhere Anzahl von Kurortsgästen hat ohne Zweifel zur Erneuerung der Kurortswirtschaft und zum wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen. Am Anfang blieben 10 750K in der Kasse. In dieser Summe ist eben der Kredit vom „Spitalfonde" in Höhe von 5 000K inbegriffen. Der Kurort hatte damit seinen Schuldbetrag noch höher gemacht. Die bedeutendste Kapitaleinbringung bildeten die Kurortsgebühren. In diesem Jahr erreichten sie die Höhe von 32 427K und waren mit denen aus der Vorkriegszeit vergleichbar66 . Die Siehe graphische Darstellung 4. 6 5 Siehe graphische Darstellung 2. 6 6 Vor dem Krieg erreichte der Gewinn an Kurortsgebühren zwar die Summe von 18 000K, man muss aber in Erwägung ziehen, dass der Wert der Krone viel niedriger als vor dem Krieg war. Der Grund dafür waren auch die seit 1918 erhöhten Gebühren. 38 zweitgrößte Einnahmequelle bildete, wenn man von den Kreditaufnahmen absieht, der Gewinn aus allen möglichen Veranstaltungen, die hier während des ganzen Jahres stattgefunden haben. Seien es festliche Veranstaltungen oder Ausstellungen gewesen. Es ging diesmal um 2 100K 40H. Die anderen Posten stellten nur einen kleinen Teil der Einnahmen dar. Der von der Stadt geleistete Beitrag für Promenadenkonzerte sowie für Beleuchtung wurde aufgehoben. Der Ertrag aus den Kurlisten war in diesem Jahr 115K. Die Einnahmen erreichten in diesem Jahr die Summe von 46 326K 64H, die vergleichbar mit der aus der Vorkriegszeit kassierten Summe war67 . Die Kosten in der Tabelle übersteigen wieder die Einnahmen. Das ist diesmal aber nur auf einen Fehler zurückzuführen. Nach dem Krieg wurde die Kurortskapelle errichtet und für die Kurmusik wurden 6 202K ausgegeben. Das waren bei Weitem nicht die Kosten der Vorkriegszeit68 . Die nächste Angelegenheit, die immer wieder auftaucht und die während des Krieges nicht aufgezeichnet wurde, sind die Einnahmen aus der „Mecklenburger Kegelbahn"69 . Mit der Rückkehr des Friedens ist auch die Lust zum Spielen zurückgekehrt. Man musste allerdings die Kegelbahn in Betrieb setzten. Die Kosten dafür machten 3 925K 1H. Eine andere große Summe in Höhe von 5 882K wurde für den Betrieb ausgegeben. Die letzte bedeutende Summe stellten die Kosten für „Wege- und sonstige Herstellungen" dar, und zwar 6 661K 42H. Die an die Stadt bezahlte Summe in Höhe von 550K blieb gleich, lief aber unter der Bezeichnung „Beihilfe". Die Gesamtkosten im Jahre 1919 erreichten eine Summe von 35 170K 72H. Nach der Abrechnung blieben im Jahre 1920 11 155K 92H in der Kasse, welche eine gute Grundlage bildete, auf die man sich in den nächsten Jahren stützen konnte ohne weitere Kredite aufnehmen zu müssen. Das Jahr 1920 wird hier mit Absicht nicht angeführt, da die Daten für dieses Jahr nicht präzise sind und man keine genaue Vorstellung über die Besucherzahl und das wirtschaftliche Niveau bekommen konnte. 6.3 Die Besucherzahl im Jahre 1921 In dem Jahrel921 besuchten 3 709 Gäste den Kurort. Es handelte sich um einen Zuwachs von 1 000 Besuchern, im Konkreten um 955 Personen, im Vergleich zum vorigen Jahr. Die Siehe graphische Darstellung 5. Siehe graphische Darstellung 6. SOkA Gräfenberg, RA Priessnitz-Ripper Fond, KartonN. 33, sign, d, e. 39 Verteilung nach den Orten aus denen sie stammten, wurde nicht geändert. Die Tendenz die Gäste in die Länder Österreich (wo sich auch unser Land befand) und Ungarn zu gliedern wurde weiterhin fortgesetzt. Folglich hat man die anderen Staaten Europas und der Welt extra aufgegliedert. Die absolute Mehrheit der Besucher kam natürlich aus der ehemaligen österreichischungarischen Monarchie an. Im Konkreten waren es 3 519, davon 42 aus Ungarn und 1 aus Bosnien und Herzegowina. Aus der ehemaligen Monarchie nahm noch einmal Mähren mit 2 012 Patienten die erste Stelle ein, gleich danach folgte Schlesien (969) und zum ersten Mal hat sich auch Tschechien durchgedrängt (248). Markant ist die Anzahl der Besucher, welche aus den anderen europäischen Staaten angekommen sind. Sie ist auf 187 gestiegen70 . Viele Klienten kamen auch wieder aus Deutschland, konkret 147 Klienten. Die zweite Stelle nahm Frankreich ein, auf einem ähnlichen Niveau wie Dänemark. Dieses Phänomen ist gut verständlich, denn die tschechisch-französischen Beziehungen wurden nach dem Krieg verstärkt und diese Situation dauerte bis zum Zweiten Weltkrieg, als es dann eine große Enttäuschung gab. Prozentual bilden die aus anderen Teilen Europas angekommenen Besucher 5,05 %. Zum ersten Mal seit dem Kriegsbeginn kehrte auch ein Besucher von einem anderen Kontinent, und zwar aus Amerika, in den Kurort Gräfenberg ein. Er war alleine, aber doch war es ein Zeichen von besseren Zeiten. Die während der Kriegsjahre verfolgte Tendenz des Frauen- und Männeranteils blieb immer gleich. Wieder gab es mehr Frauen als Männer, konkret 1 720 im Vergleich zu 1 675 Männern. Die Anzahl von Kindern im Alter bis 14 Jahre wuchs langsam an. In diesem Jahr kamen 314 Kinder an. 6.4 Ökonomische Lage des Kurorts im Jahre 1921 Die ökonomische Lage hat sich weiterhin verbessert. Wie es oft der Fall ist, finden die Leute immer Geld, wenn es sich um Urlaub und Vergnügen handelt. Das spiegelte sich natürlich auch in den Einnahmen des Kurorts aus dem Jahre 1921 wider. Sie machten am Ende des Jahres die Summe von 89 355K 31H. In diesem Jahr wurden 63 573K 60H an Kurtaxen kassiert. Man muss an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass der Wert Siehe graphische Darstellung 4. 40 der Krone in der Nachkriegszeit nicht der gleiche war und im letzten Kriegsjahr auch die Gebühren erhöht wurden, um die Existenz des Kurorts zu sichern. Was die Beiträge von der Stadt anbelangt, wurden sie von 200 K auf 500 K erhöht. Allerdings wurden keine Beiträge für Promenadenkonzerte geleistet, wie es noch bis 1917 der Fall war. Die Leute hatten wieder größere Lust, um Vergnügen und Sport zu bekommen. Zum ersten Mal seit dem Kriegsende erschienen wieder die Einnahmen aus Tennisplätzen und der Kegelbahn. Es fanden erneut Veranstaltungen und Ausstellungen statt, deren Ertrag 8 257K 80H machte. Es bleibt uns noch, den Gewinn aus den Kurlisten zu erwähnen. Für dieses Jahr waren es 436K 80H. Allerdings waren die Herstellungskosten dafür noch höher, und zwar 551K 38H. Die Differenz zwischen den beiden Summen war aber nicht mehr so drastisch.71 Neben diesen Kosten wurden gleichzeitig auch die Unkosten für die Kurortsmusik auf 24 166K 23H erhöht und die Gesamtkosten für den Betrieb stiegen auf 12 285K. Diese Tatsache wurde von der höchsten Anzahl von Patienten beeinflusst. Die nächstgrößere Summe wurde in diesem Jahr für die Straßenerhaltung unter der Bezeichnung „Wegeinstandhaltung" in Höhe von 13 795K 75H ausgegeben. Zum ersten Mal in der gefolgten Zeitspanne sind die an die Stadt bezahlten Gebühren erhöht worden, woraus sich der Kursverlust der Krone erkennen lässt. Bis zum diesem Jahr waren es 550K. Im Jahresbericht wurden sie seit dem Kriegsbeginn unter dem Posten „Beihilfe" angeführt. In diesem Jahr sind sie auf 1 559K erhöht worden. Der Kurort hat in diesem Jahr insgesamt 76 292K 48H ausgegeben und nach dem Abzug des Einnahmenteils blieben 13 062K 83H für das nächste Jahr in der Kasse. 6.5 Zusammenfassung der Nachkriegssituation Die Rückkehr zum ursprünglich funktionsgemäßen Standard hatte sich mit keinem großen Tempo verwirklicht. Wirtschaftlich stand der Kurort nicht gut da. Man muss noch die wirtschaftliche Situation des ganzen Landes berücksichtigen. Infolge der Finanzpolitik des neuen Finanzministers Alois Rasin wurde keine bessere Entwicklung vollzogen um die Wirtschaft aus dem Nachkriegsschock zu holen. Erst in der zweiten Hälfte der 20er Jahre wurde es besser. Dies galt natürlich auch für den Kurort, da die aus dem Ausland angekommenen Klienten keine der Vorkriegszahlen erreichten und die hiesige Siehe graphische Darstellung 7. 41 Bevölkerung nach der Währungsreform nicht gerade gut dastanden. Durch die steigende Besucheranzahl und bessere Wirtschaft wurde langsam der Prozess der Gesundung der Verhältnisse und Wiederherstellung aufgenommen. Nachwort Die sinkende Besucherzahl hat im Laufe der Kriegsjahre vor allem den Ursprung der Leute beeinflusst, die den Kurort besuchten. Damit ist kein Wohnort gemeint, obwohl dies nach der Auflösung von Partnerbeziehungen eine bedeutende Rolle spielte. Meistens handelte es sich um ihre soziale Herkunft, ihren Beruf oder die Zugehörigkeit zu einem bestimmten „Stamm". Die Tatsache, dass im Laufe der Jahre infolge des verstärkten Kommerzdenkens das Vermächtnis von Priessnitz vergessen wurde, änderte nichts daran, dass eine Menge Leute mit bedeutenden Namen in den Kurort kamen. Nach dem Krieg pflegten die Angehörigen der Familien Lobkowitz und Kolowrat mehrmals im Jahr hierherzukommen. Es ging nicht nur um den Adel. Eine große Anzahl der Gäste stammte aus Troppau, wo die Landesbehörden für das österreichische Schlesien ihren Sitz hatten und weiter aus Brünn, wo sich die Landesbehörden für Mähren befanden. Diese Leute haben verschiedenste Posten in der Verwaltung bekleidet. Mit dem Herannahen des Jahres 1914 und den Auswirkungen des Geschehens begannen immer mehr Angestellte ihre Ehefrauen mit Kindern in den Kurort zu schicken, da sie selbst diese Möglichkeit nicht mehr nutzten konnten. Dieser Trend breitete sich vor allem unter den Offizieren und ihren Familien aus. Das Ausmaß dieses Trends nahm noch zu. Er ist in der graphischen Darstellung N.3 aufgenommen, die den Wandel der Besucherzahl im Zusammenhang mit dem Geschlecht im Laufe der Jahre zeigt. Man kann davon ablesen, dass der Trend vor dem Krieg in eine andere Richtung ging. Damit ist gerade die Besucherzahl von Männern gemeint, da vor allem viele Männer in den Kurort kamen. Gleich im ersten Jahr nach dem Kriegsbeginn kamen aber mehr Frauen, was verständlich ist, denn der Bedarf an Männern stieg anderswo. Die oben angeführte Tendenz vertiefte sich im Laufe der Jahre noch, wie wir uns in der graphischen Darstellung ansehen können. Es ist interessant, dass sich die Lage nach dem Kriegsende und in den ersten Jahren in Richtung der Vorkriegssituation entwickelte. Es wird allerdings nicht das ursprüngliche Niveau erreicht, auch nicht im Jahre 1921 Die Frauen waren in der Mehrheit vertreten. Es bleibt uns noch, eine Tatsache zu erwähnen, die mit dem Krieg und den sozialen Verhältnissen und den Verhaltensnormen zusammenhing. Diese Veränderung ist aus der 42 graphischen Darstellung N. 1 ersichtlich. Hier kann man die vermindernde Anzahl von den in einer Gruppe angereisten Personen bemerken. Was kann das bedeuten? Es zeigt vor allem die höhere Anzahl der ohne Begleitung angekommenen Damen in Hinsicht auf das sich nähernde Kriegsende und die davon verursachten SozialVeränderungen. Sie kamen alleine oder zu zweit oder zu dritt. Die unerfreuliche durch den Krieg hervorgerufene Finanzlage hatte auch Schuld daran. Wir erwähnten die Zusammensetzung der Klienten, die nach dem Herkunftsort unterteilt wurden und die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf dieses Phänomen. Obwohl im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Weltberühmtheit des Kurorts an Bedeutung verlor (die Entwicklung von denen sich in der Nähe der westlichen Grenzen befundenen Kurorten wurde größer), bildeten noch die ausländischen Gäste den größten Klientenanteil. Aus der Darstellung N. 4 folgt, dass die Gäste meistens aus der deutschen Monarchie stammten. Ihre Anzahl war mehrfach höher als die Anzahl derer aus dem hiesigen Österreich angekommenen Bewohnern. Man könnte vermuten, dass die Besucheranzahl infolge der großen deutschen Bevölkerung vor allem von den Bewohnern des österreichischen Teils der Monarchie bebildet wurde. Leider war das nicht der Fall. Diese Besucher wurden wegen dem Krieg abgehalten und auch die Isolation des Kurorts von großen Vergnügungszentren spielte eine Rolle. Der deutsche Teil von den deutschen Besuchern hat mit Stolz die österreichischen ersetzt. Die meisten kamen im Jahre 1911 zu uns, im Konkreten 1400, wie es aus der Darstellung N . 4 hervorgeht. Aufgrund des Kriegsausbruchs wird die rapide Senkung sichtbar. Bei den deutschen Klienten handelte es sich um eine Verringerung auf 84,4 % im Jahre 1915. Nicht anders war es mit den aus Russland angereisten Besuchern. Diese nahmen gleich nach Deutschland die zweite Stelle ein. Die Anzahl dieser Gäste sank am Kriegsbeginn um fast 93,4%. Während im Jahre 1914 noch 347 Besucher zu uns kamen, waren es im Jahre 1915 nur 23. Das trug verständlicherweise auch zu nennenswerten finanziellen Schwierigkeiten bei, deren Vertiefung der Kurort in der Zukunft erleben musste. Die von außereuropäischen Kontinenten angekommenen Klienten besuchten den Kurort nach dem Ausbruch des Krieges nicht mehr. Ihre Anzahl ist von kleiner Bedeutung, wie aus der Darstellung N.4 zu ersehen ist. Den größten Wert stellten die heimischen Besucher für den Kurort dar. Aus dem Schaubild N.2 wird deutlich, dass die Mehrheit von den angelangten Gästen diejenigen aus Mähren waren. Diese Entwicklung wurde nur einmal unterbrochen, und zwar im Jahre 1918, in dem die meisten Gäste aus Schlesien kamen. Schlesien war die ganze gefolgte Zeitspanne 43 an der zweiten Stelle platziert. Es ist interessant, dass der Krieg selbst, keine Besorgnis erregende Senkung in der Zahl der aus diesem Gebiet angereisten Besucher verursachte. Die Verminderung wurde nur durch die Kriegsjahre beeinflusst. Was Mähren anbelangt, wird aus dem Schaubild N.4 klar, dass der Klientenanteil aus Mähren nach dem Kriegsende heftig stieg, während die Besucheranzahl aus den restlichen Teilen der österreichisch-ungarischen Monarchie (in den vorigen Jahren waren Niederösterreich oder Galizien immer auf der zweiten oder dritten Stelle) sank. Der Rückgang ist kaum merklich, doch es geht um einen Rückgang. Diese Situation ist gut verständlich, da der Krieg auf die Zusammensetzung von Besuchern einen großen Einfluss ausübte. Anders war es mit den tschechischen Klienten. Diese bildeten gerade nach dem Krieg die Mehrheit. Die böhmischen Gäste, die früher Kurorte wie Karlsbad, Marienbad oder Teplitz Schönau vorzogen, begannen nun auch eine wichtige Rolle zu spielen72 . Im Jahre 1921 belief sich die Anzahl dieser Gäste auf 248. Im Unterschied zu dem Jahre 1912, in dem ihre Anzahl 43 erreichte, kann man dies als patriotische Sehnsucht und die durch die Gründung der selbständigen Republik hervorgerufenen Euphorie bezeichnen. Das Ziel dieser Arbeit ist es die Veränderungen in der Besucheranzahl im Laufe des Ersten Weltkriegs aufzuzeigen und zu begründen. Dazu wurden vor allem die Kurlisten benutzt, da in der Literatur keine direkten Hinweise zu finden waren. Ein Hindernis waren sicherlich die ungenügend ausgearbeiteten Archivalien im Ortsarchiv. Nach dem Brand aus den 70er Jahren wurde noch nicht alles vollständig restaurier. Dazu wird es in der näheren Zukunft kommen. Infolge der reichen Auswahl an Kurlisten wurde das Ziel der Arbeit nicht ganz erreicht. Die Gesamtheit der Probleme, die sich auf den Sachverhalt der Besucherzahl beziehen, konnte nicht in allen Einzelheiten erörtert werden. Der Kurort hatte einen enormen Einfluss auf die Stadtentwicklung ausgeübt. In der Anfangszeit, die wir in der Arbeit vorgestellt haben, gehörte Freiwaldau zu den lebhaftesten und saubersten Städten, in der man eine der anregendsten Gesellschaft fand73 . Aufgrund des von der Kurkommission und dem Bürgermeister geleiteten Projekts wurde um die Jahrhundertwende ein neues Entwässerungsnetz und eine neue Wasserleitung errichtet. Damit nahm die Stadt einen ersten Platz in der Modernisierung hygienischer Bedingungen in Schlesien ein. Seit 1909 wurde der Ausbau in der Stadt verstärkt, was den 7 2 Allerdings hat auch dieser Kurort die Heilprozeduren von Priessnitz benutzt. 7 3 Im Jahre 1912 wurde hier das Kino mit 450 Plätzen geöffnet. 44 Bau des Pflegeheims, die Ausgliederung von Bau- und Industriezonen, von Gewerbe- und Verkaufsplätzen, Grünanlagen und ruhigen Wohnvierteln betraf. Im Jahre 1913 wurde für die Bevölkerung die wöchentliche Abfuhr von Müll eingeführt. Keine von den oben genannten Leistungen wäre ohne den Kurort realisierbar gewesen, und zwar nicht wegen fehlender Finanzmittel sondern auch wegen fehlender Motivation, die sich sicher aus dem lebendigen Fremdenverkehr ergab. Die Besucherzahl beeinflusste weiterhin die wirtschaftliche Lage des Kurorts. Der Kurort stellte genauer gesagt viele Arbeitsmöglichkeiten für zahlreiche Familien in der Stadt sowie in der Umgebung dar. Die Tatsache, dass die Besucherzahl niedriger wurde hatte die kleine Rentabilität als Folge gehabt. Es führte zu Kündigungen und manche Kurortsgebäude mussten geschlossen werden. Es ging so weit, dass im Jahre 1918 die Kurortskapelle, die bisher vor- und nachmittags auf der Gräfenberger Kollonade zu spielen pflegte, aufgelöst wurde74 . Bei schlechtem Wetter spielte sie im Kongresssaal. Dienstag- und Freitagnachmittags spielte man unten in der Stadt. Infolge ihres Auflösens verloren 30 Personen ihre Arbeit. Die katastrophale Entwicklung des Kurorts hat leider nicht nur diese Leute betroffen. 23,9 % der Freiwaldauer Bewohner arbeiteten im Dienstleistungssektor, der dadurch den größten Schaden nahm. Sekundär waren auch die Gewerbe- und Industriebesitzer betroffen. In diesen Zweigen haben Anfang des zweiten Jahrzehntes 20,8 % der Freiwaldauer Bevölkerung gearbeitet. Es wurde eine große Zahl von Geschäften aufgelöst, die vom Fremdenverkehr abhängig waren. Es wurde gleichfalls auch die Annonce in den Kurlisten abgeschafft. Nach dem Krieg hat sich die Situation nicht viel verbessert. Einen Schicksalsschlag bedeutete das Jahr 1919, in dem es zur Stempelung von Geldscheinen mit der Stempelmarke der Tschechischen Republik kam. Diese Maßnahme hat zwar die Inflation verhindert, gleichzeitig aber die Währung entwertet und für mehrere Bewohner den Bankrott bedeutet. Die Situation begann sich erst in den 20er Jahren zu verbessern, und zwar unter der Leitung von dem Bürgermeister Dr. Bulla. Man begann mit Neubauten und es kam zur Wiederbelebung des Fremdenverkehrs. Am 15. März 1922 wurde ein neues Freibad eröffnet, das die zweitmodernste Anlage in der Republik wurde. Im Jahre 1926 besuchten 8 151 Gäste den Kurort was die doppelte Menge im Vergleich zum Jahre 1910 darstellte. Musikhäuschen wurde im Jahre 1860 gebaut 45 Literaturverzeichnis und die benutzen Quellen: 1. Archivalisehe Quellen: SOkA Jeseník, Fonds: R A (rodinný archiv) Priessnitz-Ripper Lázně Jeseník Kurlisten 1910-1921 2. Sammelwerke: Vlastivědný sborník Jesenicko, 2000/1, 2002/3, 2003/4, 2004/5, 2005/6. Vincenz Priessnitz 1799 - 1851, almanach k 200. výročí narození. Jeseník 1999. 3. Literatur: Buchlovský, M.: Historický obraz tzv. Frývaldovské stávky. Jeseník 2006. David, P.: Reiseführer, Heilbad Jeseník. Praha 1998. Grünner, O.: Graefenberg byl prvý. SURSUM 1997. Grünner, O.: Graefenberg ve víru změn (Z historie lázní Jeseník). SURSUM 1998. Grünner, O.: 150 let Priessnitzova Graefenbergu. SURSUM Helfricht, J.: Disertation - Der Pionér der Natirheilbewegung Vinzenz Priessnitz (1799- 1851) und die Rezeption seiner Hydroterapie im deutschsprachigen Raum bis 1918. Philosophische Fakultät der Palacký-Univerzität Olomouc, 1 Lehrstuhl für Geschichte. 2004. Husa, V.: Dějiny Československa. Praha 1961. Kočka, M.: Vincenz Priessnitz, světový přírodní léčitel. Jeseník 1996. Kočka, M.: Prameny živé vody. Praha 1987. Křížek, V.: Obrazy z dějin lázeňství. Praha 1987. Suleř, O.: Kraj žuly a mramoru. Olomouc 1957. Kolektiv autorů: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848 - 1960. Ostrava 1966. Melzer, M.: Vlastivěda šumperského okresu. O V M Šumperk 1993. Urban, O.: Česká společnost 1848 - 1918. Praha 1982. 46 Vojkovský, R.: Frývaldov, tvrz a zámek v Jeseníku. Vlastivědný průvodce Putujeme po hradech a zámcích. Dobrá 2001. 47 Resumé: Diese Arbeit bemüht sich um den Umriss der Problematik der Ökonomie und der Wirtschaft im Kurort Gräfenberk (heutiger Priessnitz Kurort in Jeseník) in der Zeit des ersten Weltkriegs knapp vor und knapp nach dem ersten Weltkrieg. Zugleich zeigt sie die Veränderung der Gästestruktur, die den Kurort besuchten. So großer und internationaler Konflikt hatte besonders großen Auffall auf die Besuchshäufigkeit des Kurorts. Im Verlauf eines Jahres sank praktisch die Besuchshäufigkeit der Angehörigen einziger Völker (z.B. der Deutschen oder der Russen) zum Nullpunkt. Und das alles auch geschah, dennoch war dieses Umfeld mehr als 90% deutsch. Das hatte ohne Bedenken ungemessenen Auffall auf die Prosperität des Kurorts. Es war ebenso interessant die Veränderung des Gästeverhältnisses nach dem Kriegsende zu beobachten; z.B. vor dem Weltkrieg erschienen hier nur wenige Tschechen, nach dem Weltkrieg stieg ihre Anzahl bis zu dreimal. Was die Bevölkerungsstruktur betrifft, die blieb nach dem Kriegsende praktisch unverändert. This work is trying to outline economical problems in spa Grafenberg (todays Pressnitz's spa in Jeseník) during World War I and closely before and after it. It also shows changes in customer base visiting the spa. Such a huge and international conflict had an immense impact on visit rate of the spa. From year to year the visit rate of some nacionalities (i. e. germans or russians) dropped to zero also because of the surroundings of the spa which was 90% german. Those changes had huge impact on the prosperity of the spa. It was very interesting to follow changes in client base after the end of the war. While before the war, there were minimum Czechs, after it their numbers tripled Concerning structure of resident population it practicaly did not change after the war. 48 Bilderbeilageverzeichnis: Graf 1. Graf 2. Graf 3. Graf 4. Graf 5. Graf 6. Graf 7.