MASARYKOVA UNIVERZITA Filozofická fakulta Bakalářská práce Petra Splíchalová Masaryk-Universität in Brünn Philosophische Fakultät Institut für Germanistik, Nordistik und Nederlandistik Deutsche Sprache und Literatur V Petra Splíchalová Tannöd Der Roman und der Film im Vergleich Bachelorarbeit Betreuer: Mgr. Aleš Urválek, Ph.D. 2013 Ich erkläre, dass die vorliegende Arbeit mein Werk ist, das ich selbstständig ausgearbeitet habe. Die Literatur und die Quellen, mit denen ich gearbeitet habe und die ich zitiert habe, sind im Literaturverzeichnis aufgeführt. Brünn, im Juli 2013 Petra Splichalovä An dieser Stelle möchte ich mich bei Herrn Mgr. Ales Urvälek, Ph.D. für seine Ratschläge und bei meiner Schwester Pavlina für ihre Hilfe bedanken. Inhalt 1 Einleitung 2 2 Wahre Begebenheit 3 2.1 Die Tat und ihre Entdeckung 3 2.2 Die Ermittlung 3 2.3 Faszination mit Hinterkaifeck 4 3 Das Buch 6 3.1 Tannöd 6 3.1.1 PlagiatsVorwurf 6 3.2 Autorin 7 3.2.1 Kalteis (2007) 7 3.2.2 Bunker (2009) 8 3.2.3 Finsterau (2012) 8 3.3 Hauptpersonen 9 3.3.1 Hermann Danner 10 3.3.2 Theresie Danner 11 3.3.3 Barbara Spangler 12 3.3.4 Marianne Danner 13 3.3.5 Marie Meiler 13 4 Der Film 14 4.1 Die Regisseurin 14 4.2. Tannöd als Film 15 4.2.2 Die Handlung 15 5 Der Film und das Buch im Vergleich 20 5.1 Der Aufbau 20 5.1.1 Die Form und der Erzähler 20 5.1.2 Anfang und Schluss 21 5.2 Der Vergleich nach Themen 22 5.2.1 Der Mord 22 5.1.2 Inzest 26 5.3 Ausgewählte Szenen, die unterschiedlich sind 27 5.3.1 Der Anfang 27 5.3.2 Erzählungen 28 6 Zusammenfassung 31 7 Literaturverzeichnis 32 1 „ Zwei größte menschliche Erfindungen Der Buchdruck, der zur Erweiterung der Bücher führte, und der Fernseher, der den Menschen das Lesen abgewöhnt. " Georges Elgozy 1 Einleitung Bücher waren früher eine unabkömmliche und wichtige Bestandteil des Lebens der Menschen. Aber seit der Erfindung des Fernsehers und der Filme begannen sie wegstoßen zu werden und heute schaut der überwiegende Anteil der Leute lieber einen Film an, statt ein Buch zu lesen. Es ist bequemer und es nimmt weniger Zeit in Anspruch. Vielleicht ist auch das der Grund dafür, dass es für die Filmemacher ziemlich üblich ist, ein Buch als Vorlage zu nehmen und nach dem einen Film zu drehen. Überdies gilt, je berühmter Buch, desto früher man seine Verfilmung abwarten kann. Für das Buch ist seine Verfilmung Ehre, aber zugleich auch ein Ende, denn nur wenige Leute werden es dann lesen - es ist langsamer und anstrengender. Zurzeit gibt es schon viele Werke, denen so eine Auszeichnung zugeteilt wurde. Unter anderem geht es auch um den Kriminalroman Tannöd. Gerade diesen Bestseller sowie seine Filmadaptation wählte ich für meine Arbeit, um sie mit einander zu vergleichen. Zuerst beschreibe ich die Begebenheit, die als Inspiration für die Autorin diente. Zugleich werde ich noch andere Verarbeitungen dieses Ereignisses erwähnen. Den Anfang des anderen Kapitels widme ich dem Buch selbst. Folgend beschäftige ich mich mit der Autorin Andrea Maria Schenkel und ihren anderen Werken und dann beschreibe ich die Hauptpersonen. Das vierte Kapitel konzentriert sich auf die Verfilmung. Ich stelle hier die Regisseurin Bettina Oberli vor, dann werde ich mich mit der Handlung befassen. In dem letzten Kapitel vergleiche ich beide Medien. Ich beschreibe zuerst Unterschiede in den Werkaufbauten und danach analysiere ich die Unterschiede in den Handlungslinien. 2 2 Wahre Begebenheit 2.1 Die Tat und ihre Entdeckung Wie schon gesagt, das Buch Tannöd basiert auf einem authentischen Ereignis. Die Autorin änderte nur einige Sachen, z.B. Namen, den Ort und die Zeit. Dieser Fall gehört zu den rätselhaftesten Verbrechen Deutschlands. Bis heute gibt es keine Aufklärung und keinen Täter. Es geschah auf einem Einödhof namens Hinterkaifeck, der etwa 300 Meter von Gröbern zwischen Ingolstadt und Schrobenhausen lag. Dort wurden am 31. März 1922 sechs Personen umgebracht. Es war die Familie Gruber - Austragsbauer Andreas Gruber, seine Ehefrau Cacilia Gruber, ihre verwitwete Tochter Viktoria Gabriel, ihre Kinder Cacilia und zweijähriger Josef - und ihre Magd Maria Baumgartner. Sie wurden erst nach vier Tagen gefunden, nachdem sie von keinem gesehen worden waren und keiner hatte über sie gehört. Ihr Nachbar Lorenz Schlittenbauer schickte seine zwei Söhne nach Hinterkaifeck, damit sie sich dort umsehen, ob es dort jemanden gab. Als sie zurück kamen und mitteilten, dass sie niemanden gesehen hatten, ging Schlittenbauer selbst noch mit zwei Männern zum Hof. Sie fanden Andreas, Cacilia, Viktoria und kleine Cacilia im Stall, die Magd in ihrer Kammer und kleinen Josef in seinem Stubenwagen. Die Toten (1-4) wurden im Stall aufgefunden, sie waren übereinandergelegt und mit einer Türe unter Stroh notdürftig versteckt worden. Die Toten (5 und 6) waren im Haus umgebracht und dort in den jeweiligen Zimmern belassen worden. Allen wurde der Schädel eingeschlagen.1 2.2 Die Ermittlung Bis heute ist es ungeklärt, wie viele Täter es gab. Es ist dagegen ganz sicher, dass der oder die Täter sich nach der Tat im Haus aufhielten, weil die Kühe gemolken und gefüttert wurden, in der Räucherkammer war ein frisch angeschnittener Schinken, usw. Die Polizei bezeichnete die Tat als Raubmord, obwohl nichts gestohlen worden war. Dies ist aber nicht die einzige Sache, wo die Beamten versagten. In der heutigen Zeit stellte sich heraus, dass die Kriminalisten damals schlampig gearbeitet hatten, denn einige Angaben waren meist 1 Hinterkaifeck: Ein Mordfall und kein Ende [online]. 2007 [zit. 2013-19-06] Zugänglich auf: http://www.hinterkaifeck.net/index.php?menuid= 1 l&reporeid=77. Projektabschlussbericht. Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern. 3 unvollständig oder ungenau und manchmal sogar falsch. Was den Tatort betraff, übersahen sie (oder nicht fanden) wesentliche Gegenstände, wie z.B. Speckschwarten im Heu oder die Tatwaffe. Diese wurde erst nach einem Jahr bei dem Abriss des Gutes im Fehlboden des Hofes zufällig aufgefunden. Es handelte sich um eine Spitzhacke. Einige Fehler machten die Beamten auch im Bezug auf Vernehmungen. Z.B. der Mechaniker, der vor der Entdeckung der Leichen in Hinterkaifeck eine Maschine repariert hatte, wurde erst drei Jahre später vernommen. Ebenfalls die Schwester der ermordeten Magd wurde erst nach zehn Jahren befragt, obwohl sie die letzte war, die Familie Gruber lebend gesehen hatte. 2.3 Faszination mit Hinterkaifeck Es sind bereits 91 Jahre seit der Begebenheit verstrichen, sie weckt jedoch immer noch das Interesse der Menschen. Der Mordfall wurde seitdem mehrmals verfilmt und verfasst. Als Erster verarbeitete diesen Stoff Johann L. Hecker. Seine neun Fortsetzungsgeschichten Hinterkaifeck - Eine düstere Erinnerung erschienen 1951 im Donaukurier. Mit dem Mordfall beschäftigte sich auch Peter Leuschner, ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Er widmete sich dem Fall in seinen zwei Sachbüchern Hinterkaifeck Deutschlands geheimnisvollster Mordfall (1978) und Der Mordfall Hinterkaifeck - Spuren eins mysteriösen Verbrechens (1997), wo erstmals die Ermittlungsarbeit der damaligen Polizei dokumentiert wurde. Es gibt auch ein paar Dokumentarfilme mit dem Thema des sechsfachen Mordes wie z. B. Hinterkaifeck - Auf den Spuren eines Mörders. Es ist ein Kurzfilm aus dem Jahr 1991, in dem einige Zeitzeugen wie die Abkömmlinge von Lorenz Schlittenbauer oder Karl Gabriel, der Ehemann von Viktoria, zu Wort kommen. Im Jahr 2007 erschien ein umfassender Bericht, eine Studienabschlussarbeit, die 15 Studenten an der Fachhochschule für Verwaltung und Recht in Fürstenfeldbruck bei München verfasst hatten. Der Bericht enthielt nicht nur eine umfangreiche Analyse des Verbrechens, sondern auch das gesellschaftliche Umfeld und die fallanalytische Bewertung des Mordes. Im Jahre 2009 kamen gleich drei Filme über Hinterkaifeck in Kinos. Einer davon ist Tannöd, der nach dem gleichnamigen Buch gedreht wurde, daran schließt sich der Film Hinterkaifeck - die wahre Geschichte hinter Tannöd an, der dazu gehörige Fakten bietet. 4 Der bislang letzte Film heißt Hinter Kaifeck. Es ist ein Mysterythriller, der nach dem Fall frei gedreht wurde. 5 3 Das Buch 3.1 Tannöd Tannöd ist der erste Kriminalroman von Andrea Maria Schenkel. Er erschien im Jahre 2006 und wurde eines der erfolgreichsten Debüts auf dem Gebiet der Literatur in Deutschland. Für die Erzählung wählte Schenkel eine ungewöhnliche literarische Form - es ist eine Mischung aus Aktenzügen, Berichten und Gebeten. Das Besondere ist aber nicht nur die Form, sondern auch die Tatsache, dass es in der Geschichte keinen Detektiv oder Polizisten gibt. Die Handlung spielt sich in einem Dorf in Oberbayern Mitte der 50er Jahren ab. Ein „Interviewer", der dort einst einen Sommer verbrachte, kommt in das Dorf und unterhält sich mit den dortigen Bewohnern. Sie erzählen ihm von der grausamen, blutigen Tat, die sich auf dem entlegenen Tannöd-Hof ereignete - die ganze fünfköpfige Familie Danner einschließlich ihrer Magd wurde dort mit einer Spitzhacke bestialisch totgeschlagen. Der Krimi Tannöd bekam mehrere Auszeichnungen. Im Jahr 2007 erhielt er den Deutschen Krimipreis, den Corine Weltbild Leserpreis und den Friedrich Glauser Preis. Ein Jahr später wurde er mit dem Martin Beck Award für den besten schwedisch übersetzten Kriminalroman ausgezeichnet. Das Buch wurde in zwanzig Sprachen übersetzt und über eine Million Mal verkauft. Es wurde auch als Hörbuch verarbeitet, als Bühnenwerk umwandelt und im Jahre 2009 verfilmt. 3.1.1 Plagiatsvorwurf Im April 2007, nachdem sich das Buch zum Bestseller entwickelt hatte, erhob Peter Leuschner, ein Münchner Journalist, der zwei Sachbücher über Hinterkaifeck geschrieben hatte, Klage gegen Schenkel. Er warf ihr vor, von ihm einige Passagen oder Formulierungen abgeschrieben zu haben. Seine Anwälte wiesen z.B. daraufhin, dass er als erster Autor die Reihenfolge der Morde beschrieben hatte, und diese Reihenfolge, ihrer Meinung nach, begründete eine urheberrechtliche Schutzfähigkeit. Das lehnte der Vorsitzender Richter ab, weil die Reihenfolge des Mordgeschehens aus Polizeiakten zu ableiten war. 6 Am meisten beschäftigte sich das Gericht mit den Details, die es bei beiden Autoren gab. Das war beispielsweise die Szene, wenn der Bauer die Fußspuren im Schnee beobachtete, die nur zum Haus führten, aber nicht mehr weg. Das Gericht betrachtete es aber nicht als erwiesen, diese Einzelheiten wären eine produktive Leistung Leuschners gewesen, weil eine Menge von Details aus den Zeugenaussagen und Berichten folgte. 3.2 Autorin Andrea Maria Schenkel ist eine 51 jährige deutsche Schriftstellerin. Sie wohnt mit ihrer Familie, dem Mann und drei Kindern, in Regensburg. Diese einstige Hausfrau schrieb bis heute vier Bücher: Tannöd, Kalteis, Bunker und Finsterau. Ihre Werke sind Kriminalromane, deren Erzählungen auf einer wahren Geschichte basieren, nur der dritte Krimi steht heraus. Diese Romane möchte ich jetzt ein bisschen nahebringen. 3.2.1 Kalteis (2007) Kalteis ist der zweite Roman Schenkels und gleich dem Tannöd wurde er auch sehr erfolgreich, im Jahre 2008 erhielt er den Deutschen Krimipreis. Andrea M . Schenkel inspirierte sich wieder von einer wahren Geschichte. Diesmal diente als Vorlage der Fall des Frauenmörders und Vergewaltigers Johann Eichhorn, der im Buch Josef Kalteis benannt wurde. Johann Eichhorn, der "Schrecken des Münchner Westens" , suchte mit dem Fahrrad junge Frauen und wenn er Einer begegnete, schleifte sie in Wald, vergewaltigte, manchmal umbrachte und die Leichen auf grässliche Art und Weise schändete. Er hatte auf seinem Gewissen etwa neunzig Vergewaltigungen und fünf Frauenmorde. Er wurde gefasst und verurteilt erst, nachdem er ein Kind übergefallen hatte. Im Jahre 1939 wurde er mit dem Fallschwertmaschine hingerichtet. Die Autorin erzählt die Geschichte aus mehreren Perspektiven, woraus eine Montage von Vernehmungsprotokollen, Monologen, Aktennotizen und erzählenden Passagen entsteht. Die Erzählung wird von zwei Seiten aufgerollt. Sie beginnt mit der Mörderstimme bei Interview mit Andrea Maria Schenkel: "Bestseller kann man nicht planen". Stern.de [online]. 2007 [zit. 2013-24-06] Zugänglich auf: http:/ATOW.stem.de/kultur/buecher/interview-mit-andrea-maria-schenkel- bestseller-kann-man-nicht-planen-594967.html 7 seiner eigenen Hinrichtung und geht rückwärts bis zum Mord der Hauptfigur Kathie. Von dieser Stelle läuft die Erzählung wieder vorwärts Richtung Zukunft, noch einmal bis zur Mörder Hinrichtung. 3.2.2 Bunker (2009) Dieser Krimi beschreibt als einziger von den vier Romanen Schenkels keinen realen Kriminalfall. In dem Buch wird Geschichte einer jungen Frau, Monika, erzählt. Sie wird von einem Mann in ihrer Wohnung beobachtet und kurz danach überfallen. Der Mann entführt sie von ihrer Arbeitsstelle in eine alte, einsam gelegene Mühle im Wald, wo er aufwuchs. Monika hat keine Ahnung, warum sie dort gesperrt ist, bis sie ein Foto von ihr und ihrem Bruder findet. Daraus schließt sie, dass es vielleicht mit dem Tod ihres Bruders etwas zu tun hat. Der Entführer könnte möglicher Mörder ihres Bruders sein. Der Mörder, den sie damals angegeben hatte. Monikas Versuche, den Mann aus der Reserve zu locken, funktionieren nicht. Nach ein paar Fluchtversuchen und Delirium schlägt sie dem Entführer vor, ihren Chef zu bestehlen. Ihr Plan scheitert, wenn Hans - wie sie ihn nennt - den Chef tötet. Gleich anderen Kriminalromanen ist auch dieser in Schenkels Stil geschrieben. Das heißt, es wird vor allem aus zwei Ich-Perspektiven erzählt. Eine gehört dem Entführer, die zweite gehört Monika. Eine dritte Erzählebene beschreibt das Eintreffen der Polizei und des Krankenwagens zur Mühle. 3.2.3 Finsterau (2012) Nach dem weniger erfolgreichen Bunker kehrt A. M. Schenkel zu ihrem bewährten Rezept zurück - in dem Krimi Finsterau verarbeitet sie einen authentischen Fall. Es geht wiederholt um einen Mord in einer bayrischen Einöde, wieder befinden sich im Buch Dialektausdrücke und die Geschichte wird wieder in Schenkels bekannter Montageart aus Zeugenaussagen und Rückschauen erzählt. Die Geschichte spielt sich in den 40er Jahren ab, am Ende des zweiten Weltkriegs, in einem kleinen Dorf namens Finsterau. Die Hauptperson heißt Johann Zauner, ein strenggläubiger Christ, den das Leben nicht hätschelte - harte Arbeit, der Erste Weltkrieg, widerspenstiges Kind Afra. Als Johann sich wagt, einem nazilobenden Pfarrer in der Kirche zu stellen, wird er verhaftet. Nach seiner Heimkehr schweigt er. 8 Eines Tages kehrt Afra nach Hause in Finsterau zurück. Ihr Elternhaus hatte sie Jahre zuvor verlassen. Sie ist schwanger, Vater ihres Kindes, ein Kriegsgefangener aus Frankreich, löste sich in Luft auf. Afra und ihr Vater streiten sich und nach der Geburt des Kindes nehmen die Streite zu. Dann werden Afra und Albert, wie sie ihr Kind nannte, plötzlich tot gefunden. Für den Mord wird der Vater verhaftet und verurteilt, obwohl er sich unschuldig erklärt. Erst nach ein paar Jahren erscheint eine neue zur Wahrheit führende Spur. 3.3 Hauptpersonen „In Prosatexten handeln Figuren. Sie sind die Träger der Handlung, spricht man von Hauptfiguren, andernfalls treten sie nur als Nebenfiguren in Erscheinung." Im Roman Tannöd treten viele Figuren aus, aber nur einige sind die „Träger der Handlung". Die wichtigste Rolle trägt die Familie Danner, vor allem Hermann Danner, seine Frau Theresie und ihre Tochter Barbara, weil sich die ganze Geschichte fast nur um die drei dreht. Unter Hauptpersonen reihe ich auch Barbaras Tochter Marianne und die Magd Marie Meiler ein. Alle diese Figuren werden von den anderen charakterisiert, aber der Leser erfährt fast nichts über ihr Aussehen, nur ihr Charakter. Danners können wir als eine patriarchale Familie bezeichnen. Das große Wort hat Danner, er ist das Haupt der Familie. Im Dorf sind sie nicht beliebt, die Dörfler mögen sie gar nicht. Sie finden sie eigenbrötlerisch, komisch und sehr geizig. Als ich im Sommer schon einmal den Motor der Futterschneidemaschine reparieren musste, haben die mir nicht einmal eine Brotzeit angeboten. Obwohl ich doch über fünf Stunden ununterbrochen an diesem Motor herumgeschraubt und gearbeitet habe. Nicht einmal ein Glas Wasser oder eine Tasse Milch, geschweige denn eine Halbe. [... ] Ich hätte da wirklich keinen Bissen runtergekriegt, aber anbieten hätten sie einem schon was können, finde ich. Das gehört sich einfach so. Gigl, Claus. Abiturwissen Deutsch - Textanalyse und Interpretation. Stuttgart: Ernst Klett Verlag GmbH, 2005. S. 115 4 Schenkel, Andrea Maria. Tannöd. Hamburg: Lutz Schulenburg, 2006. S. 40 9 3.3.1 Hermann Danner „Nicht alle Figuren, die in einer Erzählung oder in einem Roman auftreten, wirken auf den Leser gleichermaßen sympathisch."5 Gerade das ist Danners Fall. Auf den Leser wirkt er als ein sehr böser und grausamer Mann, der niemanden mag, nur sich selbst. Er ist stolz, „hat mit niemandem geredet, der ihm nicht zur Nasen gestanden ist" (S. 107). Er wirkt misstrauisch, einsilbig, schadenfroh. Er mag, wenn er jemandem schaden kann und er verbirgt es nicht. Er prahlt sogar damit. Zugleich prahlt er sehr gern mit seinem Vermögen. Der alte Danner hatte ihm einmal das ganze Haus und den Hof gezeigt. [...] „Der alte Depp" hatte ihm sogar von seinem Geld erzählt, das er „nicht alles auf die Bank legt". Zu Hause hatte er auch immer etwas und nicht wenig. [...] Der alte war ein Schlitzohr, einer, den der Mich zu nehmen wusste. Der Danner prahlte damit, wie er seine Nachbarn über den Tisch gezogen oder übers Ohr gehauen hatte. (S. 55) Danner kam mit 26 Jahren als Knecht auf den Tannödhof. Er war groß, stattlich, gut aussehend. Zu Theresie, seiner späteren Frau, war er aufmerksam, weil er nach dem Hof gierte. Nachdem er Theresie geheiratet hatte, veränderte er sich. „Zeigte sein wahres Gesicht. War grob zu ihr, schlug sie sogar, wenn sie ihm nicht zu Willen war." (S. 61) Sich selbst sieht er frei, er beherrscht die anderen gern, aber niemand kann ihn beherrschen. Stadtleben, das ist nichts für ihn. Er muss frei sein. Sein eigener Herr sein. Niemand kann über ihn bestimmen. Er ist das Maß aller Dinge hier. Hier auf dem Hof ist er der Herrgott. (S. 64) Im ganzen Buch findet man fast nichts Gutes über Danner. Eigenbrötler, bauernschlau, grantig, kein guter Mensch - das alles ist er den Bewohnern nach. Sie hassen ihn. Der einzige, der Danner nicht so kritisiert, ist Herr Pfarrer. Ihr Mann war ein Patriarch im guten wie im schlechten Sinne dieses Wortes. Sein Wort war innerhalb der Familie Gesetz. Niemand konnte sich gegen ihn auflehnen, niemand. Niemand konnte sich seinem Willen widersetzen. Ein gläubiger Mann war 5 Gigl, Claus. Abiturwissen Deutsch — Textanalyse und Interpretation. S. 115 10 er bestimmt, wenn auf eine, seine eigene Art. Er war eher, würde ich sagen, ein Mann des alten Testamentes. Hart zu sich, hart zu den Seinen. (S. 108-109) 3.3.2 Theresie Danner „Dannerin", wie sie alle nennen, ist eine alte, sehr stille Frau. Im Dorf ist sie ebenso wie ihr Mann nicht zu beliebt. Die Leute finden sie mürrisch, unfreundlich, verschlossen. In Wirklichkeit ist sie aber nur verhärmt und von Leben enttäuscht, weil sie es mit Danner nicht leicht hatte. Ihre einzige Freude sind die Enkel Marianne und Josef, denen sie „eine recht liebevolle Großmutter" (S. 93) ist. Die alte Frau Danner, die war eine gute Christin. Eine einfache Frau, die aber sehr gläubig war. Sie suchte oft Trost und fand ihn auch im Gebet. Sie war sehr verschlossen und in letzter Zeit nahm die Verschlossenheit eher noch zu. (S. 108) Theresie hatte das Leben nie zu leicht. Sie wuchs in einer kalten, bigotten Umgebung auf. Kein mildes Wort, keine sanfte Umarmung, keine Zärtlichkeit. Als Hermann auf den Hof kam, war seine Aufmerksamkeit für sie eine Erfrischung für ihre Seele. Sie war nie besonders hübsch, mit 32 Jahre war sie eine alte Jungfer, noch nicht verheiratet, ihre Figur war klein und unscheinbar. Sie ahnte damals, dass er nur nach dem Hof gierte, aber trotzdem heiratete sie ihn. Ihr Leben verbesserte sich aber gar nicht. Hermann war böse, schlug sie und sie ertrug es. Sie liebte ihn sogar, obwohl er so grob war. Sie fügte sich immer seines Willen, wurde abhängig von ihm. Sie ließ alles klaglos über sich ergehen. Keiner konnte das verstehen, aber sie liebte diesen Mann, sie liebte ihn sogar, wenn er sie schlug. Sie war abhängig von jedem Wort, das er sprach, von jeder seiner Handlungen. Egal, wie hartherzig und roh er sich zeigte. [...] Sie war ihm verfallen, ihm untertan, ihm hörig. Ihr ganzes weiteres Leben. (S. 61) Theresie denkt, dass sie alles ertragen muss, weil sie zu schwach ist, sich von Danner zu lösen. Ihr hartes Leben voller Erniedrigung soll die Prüfung von dem Herrgott sein. 11 3.3.3 Barbara Spangler Barbara ist Tochter von Hermann und Theresie Danner. Sie ist eine schöne Frau, sieht „sauber" aus, ist aber stolz, genauso, wie ihr Vater, dem sie sehr ähnlich ist. Ihr Leben war auch nicht leicht, als sie 12 Jahre alt war, wurde sie zum ersten Mal von Danner missbraucht. Zuerst gefielt es ihr nicht, aber nach einiger Zeit gewann sie die Überzeugung, dass das Handeln ihres Vaters gut ist und ihr Benehmen schlecht ist. Sie wollte immer eine gute Tochter sein und sie liebte ihren Vater. Niemand hatte ihm widersprochen, nicht einmal ihre Mutter, also tat sie es auch nicht. Nur eine „gute Tochter" wollte sie sein, Vater und Mutter ehren. Wie es der Pfarrer im Religionsunterricht von ihnen verlangte. Alles, was der Vater tat, war richtig. Er war das Zentrum ihres Lebens, der „Herrgott" auf dem Hof. (S. 113) Als sie erstes Mal schwanger wurde, musste sie jemanden anderen als Vater von ihrem Kind bezeichnen. Auf dem Hof arbeitete damals Vinzenz, ein Flüchtling aus dem Osten. Sie verführte ihn und dann heirateten sie. Aber Vinzenz stellte fest, was zwischen Barbara und Danner geschah und verließ den Hof. Als sie zum zweiten Mal schwanger wurde, verführte sie Hauer, ihren frisch verwitweten Nachbar. Sie liebte ihn nicht, brauchte nur einen „Vater" für das zweite Kind. Das Verhalten Danners hatte zur Folge, dass sich Barbara vor ihm und den Männern ekelte. Je älter sie wurde, desto mehr. Ihrer Meinung nach waren alle gleich. Sie wollte nicht mehr, eine gute Tochter zu sein. Mit den Jahren lernte sie, Danner von sich abhängig zu machen. Er stand in ihrer Macht. Für seine verbotene Leidenschaft muss er zahlen. Mit dem Hof, er hat ihr den Hof überschrieben zu ihren Bedingungen. Sie hat ihm die Überschreibung diktiert. Er ist nun von ihr und ihrer Gunst abhängig. (S. 115) Soweit ist Barbara keine schlechte Person, sie ist nur eine Frau, der ein schweres Leid angetan wurde. 12 3.3.4 Marianne Danner Marianne ist das erste Kind von Barbara und Hermann Danner, obwohl ihr offizieller Vater der Flüchtling Vinzenz ist, der angeblich in Amerika lebt. Marianne ist ein achtjähriges, hübsches Mädchen mit blonden Zöpfen. Eine stille Träumerin, die Rohrnudeln von Bettys Mutter liebt. Betty ist ihre beste Freundin, in der Schule sitzen sie neben einander und in der Freizeit spielen sie miteinander. Marianne sagt ihr immer, dass ihr Vater in Amerika lebt „und er kommt sie ganz bestimmt bald holen." (S. 11) Sie möchte mit dem Vater nach Amerika fahren, weil ihre Mutter und Großvater streng sind. Daraus kann der Leser einen Eindruck gewinnen, dass Marianne eigentlich ein unglückliches Geschöpf ist. Ihr ganzes Leben wartet sie auf den Vater und der Leser weiß, dass es nie geschehen wird. 3.3.5 Marie Meiler Marie ist eine 44 Jahre alte Frau, die zu Danners als Magd kommt. Und gerade an dem Mordtag. Vorher arbeitete sie als Haushaltshilfe bei einer alten Frau, Babette Kirchmeier. Gerade von Babette bekommt der Leser die ersten Informationen über Marie. Sie beschreibt sie als ein braves Mädchen, nicht besonders hübsch, aber arbeitsam, geschickt und anspruchslos. Als Babette ins Altersheim ging, musste Marie auch weg. Sie zog zu ihrer Schwester Traudl, konnte aber nicht lange bleiben. Die Marie war eine gute Haut, wissen Sie. Eine richtig gute Haut, die konnte wirklich hinlangen und arbeitete gern, aber sie war auch sehr einfältig. Ich meine, sie war etwas zurückgeblieben. Nicht geistig behindert oder so, nein, eher bisschen naiv und gutmütig. (S. 23) Marie ist nicht dumm, nur zu gut. Sie wird auch manchmal ausgenutzt, weil sie immer alles macht, was ihr gesagt wird. „So war sie eben. Ein armes Luder wars." (S. 23) 13 4 Der Film 4.1 Die Regisseurin Bettina Oberli ist eine Schweizer Regisseurin und Drehbuchautorin, die in Interlaken im Jahr 1972 geboren wurde. Sie besuchte die Hochschule für Gestaltung und Kunst, ihr Studium beendete sie im Jahre 2000 mit dem Kurzfilm Supernova. Im Jahre 2004 kam ihr Leinwanddebüt Im Nordwind in Kinos und gleich gewann den Zürcher Filmpreis. Darauf wurde er noch für den Schweizer Filmpreis nominiert. Dieser Film löste neue Hoffnungen vor allem bei den Filmkritikern aus. Im Jahre 2006 gelang es ihr wieder eine große Überraschung mit dem Film Die Herbstzeitlosen, der anfangs nur als eine Fernsehkomödie geplant worden war. Er wurde sehr erfolgreich, sowohl in der Schweiz, als auch im Ausland. Aus Japan bekam Oberli sogar das Angebot, einen Manga (japanischen Aktionscomic) zu verfilmen. Nach dem großen Erfolg von Die Herbstzeitlosen erhielt die Regisseurin mehrere Projektvorschläge und Drehbuchangebote, aus denen sie sich die Verfilmung des Bestsellerromans Tannöd auswählte. Nach dem düsteren, abgründigen Stoff des Buches drehte sie einen sehr atmosphärischen Film. Oberli interessierte sich nicht zu viel für die Auflösung des Mordes, sondern für „den sozialen Humus, in dem eine solche Eruption von Gewalt überhaupt erst zum Keimen kommt."6 Tannöd zeigt die dunkle Seite des Lebens in einem abgelegenen Dorf. Bettina Oberlis Filme haben etwas miteinander gemeinsam - und das ist das Thema der Einsamkeit und der unerfüllten Sehnsucht. Diese spiegelt sich in den Filmen sowohl inhaltlich, als auch formal-inszenatorisch wider - durch die Kamera. Die drei Fiktionen - Im Nordwind, Die Herbstzeitlosen und Tannöd - waren nicht Oberlis einzige Werke. Sie schuf sieben Kurzfilme (Zapf, Die Bombe, Die Schuld, Sommerbriefe, Klara & Alfred, Supernova, Ibiza), drei Dokumentarfilme ( Zwerge, Zauberwesen, Feen), zwei Experimentalfilme (Driver, Die Blechtrommel) und zwei Animationen (Oskar W. aus M., Früh-Stück). Für einige Filme wurde sie ausgezeichnet, sie bekam beispielsweise den Preis für Kinderkurzfilme bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen für Ibiza und Supernova. Letztere wurde auch 2001 mit dem Prix Suissimage Schweizer Nachwuchspreis, 6 Stäheli, Alexandra. Director's Portrait Bettina Oberli [online]. 2009 [zit. 2013-09-07] Zugänglich auf: http://www.swissfilms.ch/de/infonnation_publications/cine-portraits/#5185 14 ausgezeichnet. Die Herbstzeitlosen gewannen den Prix Swissperform, Tannöd bekam den Zürcher Filmpreis. 4.2. Tannöd als Film Tannöd ist ein sehr atmosphärischer Film, der am 19. November 2009 in Kinos kam. Er fällt in die Genres Krimi, Drama, Thriller, Historisch. Die Geschichte wurde teilweise in der Eifel und teilweise im Kreis Siegen-Wittgenstein vom September bis November 2008 gedreht. Am 15. November feierte er Premiere in Berlin. Die Haupthandlung wird in die 1960er Jahre hineinversetzt und spielt sich im Laufe von ein paar Tagen ab. Von Kathrins Ankunft bis ihrer Abfahrt. Kathrin ist die Hauptfigur der Geschichte, was ein großer Unterschied zwischen dem Film und dem Buch ist, weil im Buch Kathrin gar nicht vorkommt. Was aber im Film bewahrt wird, sind zwei Zeitebenen die Gegenwart und die Vergangenheit. Tannöd folgt also der Chronologie nicht, sondern die Handlung springt zwischen die Zeitebenen. Beide unterscheiden sich vor einander durch die Farbe. Die Vergangenheit, die Zeit kurz vor und nach dem Mord, hält der Kameramann dunkelblau, fast schwarz fest. Die Gegenwart, die Kathrin betrifft, ist dagegen färbiger und dadurch aggressiver. 4.2.2 Die Handlung Für die Beschreibung der Handlung kann man nicht die Farben benutzen, darum sind die Zeitebenen durch eine Schrift unterschieden. Die Gegenwart ist mit der normalen Schrift veranschaulicht, die Vergangenheit ist mit der Kursive geschrieben. Durch einen in Nebel gehüllten Wald gehen zwei Frauen, Marie und Traudl, eine schiebt das Rad. Sie suchen den Tannödhof, weil dort Marie als Magd antreten soll, aber sie verliefen sich. Darum fragen sie einen Mann, dem sie begegnen, nach dem Weg. Der antwortet aber nicht, erschreckt sie nur und geht weg. Dann kommen die zwei zu einem Hof und dort bekommen sie endlich die richtige Antwort. „Da, den Weg entlang. Und im 15 Wald am Marterl vorbei. " Sie machen sich wieder auf den Weg durch den Wald und bald treffen sie zum Tannödhof ein. Eine kurze Weile halten sie da sich auf und dann fährt Traudl weg. Marie ist in ihrem Kämmerchen, kleidet sich in das Nachthemd um. Plötzlich hört sie seltsame Geräusche. Sie tritt aus der Kammer heraus - und erhielt einen Schlag mit einer Spitzhacke auf den Kopf Zwei Jahre später reist ein Mädchen namens Kathrin ins Dorf an, weil ihre Mutter dort starb. Sie will nicht lange Zeit bleiben, nur bis zur Beerdigung. Bis dahin soll sie bei den Geschwistern Georg und Ruth Hauer wohnen, wo ihre Mutter als Magd arbeitete. Wenn sie in der Gesindewohnung bei Hauers absteigt, lernt sie Traudl Krieger kennen. Das ist die Frau, deren Schwester Marie in Tannöd auch erschlagen wurde. Sie spricht über den Mord, bis sie plötzlich unterbrochen von Ruth Hauer wird, die gerade auftaucht. Beide entfernen sich nach einer Weile und Kathrin bleibt allein. Sie sieht sich Mutters Sachen an und findet ein paar seltsame Briefe. Ihre Mutter schrieb sie für Hermann Danner. Sie wollte einiges Geld von ihm, das ihr angeblich zustand. Zum Tannöd nähert sich ein Mann, es ist ein Dieb. Er gerät in das Haus, in den Stall und beobachtet alten Danner und seinen Hund. Danner merktjedoch frische Spuren im Schnee, die zum Stall führen, undfolgt ihnen. Er sucht den Fremden, aber wenn der Fremde fast entdeckt wird, kommt Barbara, um die Kühe zufüttern, und Danner hört auf zu suchen. Er geht zur Barbara, fängt an, sie zu belästigen, aber sie tut ihn ab. Am Abend betet Dannerin in der Küche, wärmt das Wasserfür das Bad auf. In der Küche befinden sich auch die Kinder, Marianne und Josef, sie spielen mit einander. Plötzlich erschallt Klopfen auf die Tür. Es ist die neue Magd, Marie, die ihre Schwester Traudl begleitet. Sie betreten die Küche und warten auf Danner. Wenn er sich einfindet, verlässt Traudl den Hof Am zweiten Tag macht sich Kathi mit Traudl auf den Weg zum Pfarrer, die Beerdigung zu besprechen. Auf dem Weg begegnen sie Georg Hauer und seinem Sohn Johann. Sie tauschen paar Worte mit einander aus und fahren ihren Weg fort. Bei dem Pfarrer bleibt Traudl nicht, nur Kathi spricht mit ihm. Er erzählt über Barbara. An dem Tag, als es 7 Oberli, Bettina. Tannöd. Wüste Film West 2009 16 passierte, wollte sie mit ihm sprechen, aber dann überlegte sie es sich anders. Nach dem Gespräch kehrt Kathi nach Hause zurück. Nach dem Abendessen setzt sich Kathi erschöpft auf das Bett in ihrem Zimmer und gleich hört sie Klopfen. Es ist Betti, die Pfarrköchin, sie bringt Beerdigungsunterlagen. Sie nehmen Platz am Tisch und Betti erzählt über Danners, über Marianne und Barbara. Nach Bettis Abgang liest Kathi den Brief, den sie vom Pfarrer bekam. Den nächsten Tag findet die Beerdigung statt. Alle Bewohner des Dorfes nehmen teil. Bei dem Mittagessen in einer Kneipe fangen sie wieder an, von Danners zu reden. Zuerst sagt Ruth Hauer, sie waren von niemandem gemocht, hauptsächlich Danner, weil er böse war. „Wie Dreck hat der Danner die Leute behandelt. Wie den letzten Dreck." (Oberli 2009: Minute 39) Dann spricht der Briefträger. „Man soll nicht schlecht reden, aber der Danner hat immer den Leuten Angst gemacht. Zu uns allen war der schlimm." (Oberli 2009: Minute 39) Auf einmal erscheint Traudl und schaltet sich in die Diskussion ein. Der Mechaniker erzählt über den Tag, als er bei Danner die Maschine reparierte. Niemand war zu Hause, aber trotzdem gab es dort jemanden. „Da war ganz sicher einer. Ich hab die Person doch gesehen!" (Oberli 2009: Minute 44) Dann beginnen sie sich alle gegenseitig aus dem Mord beschuldigen. Kathi hält es nicht aus und läuft raus. An der Bar hält sie an, um mit Betti zu sprechen. Beide kommen zum Tisch, wo betrunkener Hansl von Barbara und seinem Onkel Georg Hauer redet. Am Mordtag sah er sie zusammen. Hauer gab ihr ein Medaillon. Danach geht Kathi wieder raus, Betti und Hansl folgen ihr. Draußen beginnt Betti Hansl zu küssen. Männer, die es dort auch gibt, machen sich über sie lustig, einer fängt an, Betti zu beschimpfen. Das gefällt Hansl nicht und greift den Mann an, die Anderen regen sie an. Nur Kathi schreit, damit sie aufhören. Einer der Kämpfenden fährt sie an, sie sei Tochter von Danner. „Meinst wohl, du bist was Besseres? Du bist doch auch bloß so n Bastard vom Danner." (Oberli 2009: Minute 51) Kathi packt ihre Sachen ein und läuft in den Wald, obwohl es schon dämmerte. Sie rennt durch den Wald, bis sie schließlich in eine Grube fällt und verliert ihr Bewusstsein. Am Morgen wird sie von Johann gefunden, der sie wieder zurück zu Hauers trägt und wo sie sorgfältig gepflegt wird. Wenn Kathi wieder gesund wird, macht sie sich auf den Weg zum Tannöd auf. Sie schaut sich dort die Räume an und auf einmal hört sie etwas poltern. Es ist Hansl, er erschreckt sie und verschwindet. Kathi will auch weg, in einem Zimmer erblickt sie eine eingetrocknete Blutlache, bekommt Angst und rennt durch das Haus in den Stall. 17 Wenn sie aber hinauslaufen will, bemerkt sie vor sich den Danners Hund, der böse knurrt und bellt. Kathrin schlägt die Tür vor ihm zu und sieht sich um, wo sie sich verstecken könnte. Der Hund stürmt zuerst an das Scheunentor, dann verschwindet er. Eine kurze Weile geschieht nichts, dann taucht er auf dem Dachboden über Kathrins Kopf auf. In diesem Moment erscheint Johann. Stößt die Tür auf und gleich wird vom Hund angegriffen. Mit vereinten Kräften töten sie den Hund und gehen nach Hause. Es ist Nacht, der Dieb bei Danners bereitet sich für den Raub. Er zieht Schraubenzieher und eine Flasche Branntwein aus dem Rucksack. Er will den Stall anbrennen. Er hat schon alles vorbereitet, wenn er plötzlich hört Barbara. Der Dieb liegt auf dem Dachboden und beobachtet sie durch Fußbodenritze. Sie spricht mit einem Mann. Sie streiten sich zuerst, dannfängt der Mann an, Barbara zu würgen und schließlich schlägt er sie in den Kopf mit einer Hacke. Er reißt ihr ihr Medaillon aus dem Hals und schleppt sie weg. Da stört ihn aber Dannerin, die Barbara sucht. Er muss sie auch erschlagen, sowie Danner und Marianne, die auch erscheinen. Der Dieb hört alles, hält sich die Ohren erschrocken zu. Wenn Stille eintritt, läuft er aus dem Hof, was seine Beine hergeben. Die Dörfler sitzen im Wald am Lagerfeuer, Hansl erzählt von dem Leichenfund Danners. Ruth Hauer schickte ihn damals zum Tannödhof, denn „von denen hat man seit Tagen nichts gehört. Vielleicht ist jemand krank und sie brauchen Hilfe." (Oberli 2009: Minute 71) Hansl klopfte dort an die Tür, rief Barbara, aber hörte keine Antwort, nur die Kühe muhten. Er versuchte sogar in den Stall zu geraten, aber es gelang ihm nicht. Plötzlich bekam er Angst und lief weg. Dann kam er zusammen mit Hauer und Nachbarn Sterzer wieder zurück. Sie alle versuchten hinein zu geraten, aber die Türen waren geschlossen. Schließlich gelang es ihnen eine kleine Tür aufzubrechen. Sie traten hinein, in den Stall, dort fanden sie im Stroh vier Leichen - Danner, Dannerin, Marianne und Barbara. Alle schwankten schockiert raus, um Luft zu holen. Hauer mit Hansel gingen dann noch ins Haus, dort fanden sie die Magd und kleinen Josef. Hansl lief danach hastig fort. „Und dann bin ich gelaufen. Ich bin ins Dorf gelaufen. Ich hab immer wieder geschrien: Sie sind tot, sie sind alle tot!" (Oberli 2009: Minute 76) Nachdem Hansl die Rede beendete, breitet sich beim Feuer Stille aus, man kann nur Hauer weinen hören. Aber nur bis Traudl aus dem Dunkel auftaucht und alle fangen an, wegen Barbara zu streiten. Johann und Kathi nehmen weinenden Hauer nach Hause. Hauer will 18 Kathi im Stall noch etwas zeigen - und zwar ein Kalb. Kathi streichelt es, während Hauer bei der Werkbank etwas macht. In Händen hält er Barbaras Medaillon. Das kann Kathi nicht sehen, sie findet ihn aber verdächtig, darum nähert sie sich ihm. In diesem Augenblick hört sie Ruth sie rufen. Sie gehen zusammen ins Haus, Kathi hilft Ruth das Wasser von den Kartoffeln abgießen und dann stiehlt sie sich in den Stall. Hinter der Werkbank findet Sie die kleine Schachtel, mit der Hauer vordem etwas gemacht hatte. In der Schachtel gibt es jetzt aber nichts, sie ist leer. Kathi gibt sie zurück und will davonschleichen, wenn Johann ihr plötzlich in den Weg tritt. Er fragt sie, was ihr Hauer vorher zeigte. Sie sagt nichts. Er umarmt sie und beginnt zu weinen. Am darauf folgenden Tag fährt Kathi weg. 19 5 Der Film und das Buch im Vergleich In diesem Kapitel werde ich die beiden Medien miteinander vergleichen. Ich möchte hier auf manche Unterschiede hinweisen, die es da gibt. Ich zeichne immer eine Passage aus dem Buch mit der normalen Schrift auf, dann werde ich die gleiche Passage aus dem Film mit der Kursive beschreiben. Ich wählte zwei Themen, die im Buch eine wichtige Rolle spielten. Eigentlich drehte sich die ganze Geschichte nur um sie und zwar um den Mord und Inzest. Ich möchte also meine Analyse in drei Hauptteile gliedern. Zuerst werde ich den Aufbau beider Fassungen beschreiben, dann werde ich die Szenen vergleichen, die den Mord und den Inzest betreffen. Am Ende möchte ich mich mit den Szenen beschäftigen, die in beiden Fassungen vorkommen, aber haben weder mit dem Mord noch dem Inzest was zu tun. 5.1 Der Aufbau 5.1.1 Die Form und der Erzähler Tannöd ist ein bemerkenswertes Buch, das auf einer sehr ungewöhnlichen Weise geschrieben ist. Das Werk wird in mehr als dreißig kurzen Kapiteln gegliedert und diese kann man in drei Gruppen nach dem Inhalt und der Weise der Erzählungen verteilen. Die erste Gruppe sind Gebete. Die spielen in der Geschichte keine große Rolle, sie gibt es dort nur als Besonderheit. Die zweite Gruppe sind die einzelnen Erzählungen und Beschreibungen der Bewohner des Dorfes. Diese Ich-Erzähler schildern vor allem die Ereignisse der Tage zwischen dem Mord und dem Leichenfund, sie machen das aus der Innenperspektive mit der Anwendung der direkten Rede. Hier begegnen wir auch der Charakteristik der Hauptpersonen, sprich Danners und Marie. Die dritte Gruppe umfasst die Kapitel, die mit dem Mörder, Michael (den Dieb, der auf dem Tannödhof stehlen wollte) und der Tätigkeit Danners vor ihrem Tod zusammenhängen. Für diese Passagen werden auch die Innenperspektive und die erlebte Rede angewendet. So ein ungewöhnlicher Buchauflau ist nicht leicht für den Film zu verarbeiten, die Drehbuchautorinnen lösten dieses Problem in folgender Weise. In dem Film wird eine 20 Handlungslinie mehr eingefügt. Das, was in der literarischen Vorlage die Hauptrolle spielt, wird in der Filmadaptation nebensächlich. Dafür wurde das Hauptelement, das Erzählen der Bewohner, erhalten. 5.1.2 Anfang und Schluss Die Geschichte wird nicht chronologisch gegeben, sondern es handelt sich um ein diskontinuierliches Erzählen, das mit einem Vorwort beginnt. Der Erzähler, über den man nichts weiß, nicht einmal sein Geschlecht, gibt mit diesem Prolog einen kurzen Abriss der Handlung. Den ersten Sommer nach Kriegsende verbrachte ich bei entfernten Verwandten auf dem Land. [...] Jahre später [...] las ich von eben jenem Dorf in der Zeitung. Mein Dorf war zum „Morddorf" geworden und die Tat ließ mir keine Ruhe mehr. Mit gemischten Gefühlen bin ich in das Dorf gefahren. Die, die ich dort traf, wollten mir von dem Verbrechen erzählen. (S. 5) Auch die Haupthandlung des Filmes beginnt mit einem Vorwort, das dem Buch ähnelt. Diesmal wurde aber dieser Erzähler dem Zuschauer nicht verborgen. Es handelt sich um ein Mädchen, das ins Dorf Jahre später nach dem Mord ankommt, um ihre gestorbene Mutter zu beerdigen, wie man nach einer Weilefeststellt. Seit vielen Jahren bin ich nicht mehr hier im Dorf gewesen. Obwohl meine Mutter Anna hier gelebt hat. Vor einiger Zeit ist ein Brief von ihr gekommen, sie sei krank. Wegen dem Morde auf dem Tannödhof wollte sie nicht, dass ich komme. Eine ganze Familie, samt Kinder und Magd, ist erschlagen worden. Sechs Leute in einer Nacht. Jetzt ist das schöne Dorf zum Morddorfgeworden, schrieb sie. Vor ein paar Lagen ist meine Mutter an Krebs gestorben, ohne dass ich sie noch mal gesehen habe. (Oberli 2009: Minute 7) Was den Schluss betrifft, wählte die Buchautorin ein geschlossenes Ende aus. Dem Leser wird also Mörders Identität aufgedeckt. Vor sich sieht er die Bilder des Nachmittags, sein Gespräch mit Anna, seiner Schwägerin. [... ] Warum er in jener Nacht auf den Hof gegangen ist? Er konnte es ihr 21 nicht sagen. Er weiß es selber nicht. Sprechen wollte er mit der Barbara. Nur sprechen. An ihr Fenster hatte er sich nicht zu klopfen getraut. Zu oft hatte er bereits an ihr Fenster geklopft und sie hatte ihm nicht geöffnet, nicht mit ihm gesprochen. (S.121-122) Nach diesen Indizien erkennt man, dass es sich um Georg Hauer handelt. Er wohnt mit seiner Schwägerin Anna und wenn Barbara noch am Leben war, stellte er ihr nach - das wird etwa in der Mitte des Buches schon erwähnt. Hauer sitzt mit Anna auf der Bank hinter ihrem Haus. Sie hat ein Tuch in der Hand. „Ein Tuch rot vom Blut. Sein Tuch. Das Tuch, an dem er sich die Hände abgewischt hatte." (S. 121) Er erzählt, wie es passierte, wie er alle umbrachte. Das ganze Werk wird dann mit einem kurzen Gebet beendet. Im Gegensatz zu der Vorlage entschieden sich die Drehbuchautorinnen für ein offenes Ende. Der Zuschauer entdeckt den Mörder nicht, aber er kann ihn ahnen. Fast am Filmschluss sitzt ein Teil der Dörfler im Wald am Feuer. Hansl spricht von der Entdeckung der Leichen, was Hauer zum Weinen bringt. Kathrin und Johann entscheiden sich, mit ihm nach Hause zu gehen. Hauer will dann Kathi noch etwas im Stall zeigen. Inzwischen sieht er sich Barbaras Kette, die er in einer Schachtel versteckt hat. Dies führt den Zuschauer zur Überzeugung, dass Hauer der Mörder ist. Die Kette riss der Mörder nämlich vom Barbaras Hals, nachdem er sie erschlagen hatte. Der ganze Film wird dann auch mit einem kurzen Gebet geschlossen. 5.2 Der Vergleich nach Themen 5.2.1 Der Mord Der Mord ist das Hauptthema des Buches und alles, was im Buch geschieht, wird mit dem Mord immer irgendwie verbunden. Im Buch wird die Tätigkeit jedes Familienmitglieds vor dem Tod beschrieben, außer Barbara und Josef. Es ist nicht chronologisch, sondern der Wichtigkeit der Gestaltung nach. 22 Es beginnt mit Marianne. Sie liegt im Bett und denkt an eine spuckhafte Geschichte, die ihr ihre Großmutter oft erzählte. Sie hat Angst. Dann steht sie auf und geht aus dem Zimmer hinaus. Da bemerkt sie, dass die Tür zum Nebenraum noch ein Stück offen steht. Die Mutter wird noch in den Stall gegangen sein, denkt sich Marianne. Sie öffnet die Tür zum Nebenraum ganz. Von dort gelangt man durch eine weitere Tür in den Gang, der zum Stall und in den Stadel führt. [...] Sie geht den Gang weiter entlang in Richtung Stadel. An der Tür bleibt sie erneut unschlüssig stehen. Keinen Laut vernimmt sie aus dem Dunkel. Sie atmet tief durch und geht hinein. (S. 16) Was geschieht hinter der Tür weiß man noch nicht, jeder Leser kann sich aber hinzudenken, dass dort etwas Schlechtes geschieht. In dem Film spielt Marianne keine große Rolle, vielleicht darum beschäftigt sich Oberli mit dieser Passage fast nicht. Der Film enthält nur eine kurze Aufnahme. In der legt Barbara die Kinder hin. Sie erzählt eine Geschichte über eine „wilde Jagd", Marianne sieht sich ein Bilderbuch an. Dann macht Barbara das Licht aus und verlässt den Raum. Marie ist in ihrer Kammer, denkt über ihre Schwester nach und räumt ihre Sachen ein. In diesem Zimmer wird sie auch getötet. Marie bemerkt einen Luftzug. Sie dreht sich zur Tür. Die Tür steht leicht offen. Marie will sie schließen. Da bemerkt sie, wie sich die Tür langsam, knarrend immer mehr öffnet. [...] Steif und starr bleibt sie einfach nur stehen. Den Blick auf die Tür gerichtet. Bis sie ohne ein Wort, ohne eine Silbe von der Wucht des Schlages zu Boden fällt. (S. 30) Dieser Ausschnitt wird in der Filmverarbeitung mit dem Buch ziemlich identisch verarbeitet. Marie bereitet sich zum Schlafen vor, wenn sie einen Luftzug bemerkt. Hier unterscheiden sich die Versionen. Marie bleibt nicht im Zimmer, sondern tritt heraus. Sie hört noch die Marianne ihre Mutter rufen und dann erhielt sie einen Schlag auf den Kopf. 23 Dannerin sitzt am Tisch in der Küche und betet. Sie grübelt über ihr Leben nach und wartet auf Barbara, bis sie aus dem Stall zurückkommt. Es dauert schon lange Zeit, darum steht sie auf und begibt sich, Barbara in dem Stall zu suchen. Danner liegt im Bett und kann nicht einschlafen. Seine Frau ist noch im Bett nicht, das sagt ihm nicht zu. Er klettert aus dem Bett und lenkt seine Schritte ebenfalls in den Stall. Diese zwei Szenen gibt es im Film nicht. Über Dannerin weiß man gar nichts, Danner schläft mit Barbara im Bett. Der Mord wird im Buch zwei Mal beschrieben. Erstmals aus der Sicht Michaels, des Diebes, der auf dem Dachboden versteckt ist, weil er im Hof stehlen will. Den Mörder kennt der Leser noch nicht. Zum zweiten Mal wird es aus der Sicht des Mörders geschildert. Beide Beschreibungen befinden sich ganz am Ende. Barbara geht in den Stadel „nachschauen, ob alles seine Ordnung hat". (S.63) Dort trifft sie einen Mann. Michael kann sie beiden durch die Dielenbretter beobachten. Er kennt den Mann nicht, darum kann ihn nicht auch der Leser kennen. Barbara und der Unbekannte sprechen miteinander. Dann beginnen sie zu streiten und plötzlich drückt er Barbara die Kehle zu. Mich dreht für einen Augenblick seinen Kopf zur Seite. Versucht, aus einer anderen Position heraus besser sehen zu können. Als er die beiden endlich wieder im Blickfeld hat, hält der Mann eine Spitzhacke über den Kopf. Schlägt damit auf Barbara ein, diese sackt lautlos in sich zusammen. Liegt am Boden. Besinnungslos schlägt der Angreifer weiter auf die wehrlos am Boden Liegende ein. Immer wieder holt er aus. Lässt erst nach einer ganzen Weile von ihr ab. (S. 117) Der Mörder will den Körper weg vom Licht ziehen, aber wird von Dannerin unterbrochen. Sie sucht Barbara. „Noch ehe die Alte den Stadel richtig betreten hat, wird sie bereits von einem Schlag niedergestreckt." (S. 118) Der Mann tötet auch Danner, der nichts ahnend kommt, und Marianne, die auch ihre Mutter sucht. Alle werden erschlagen. Michael liegt auf dem Boden und hört alles. Er ist zu Tode erschrocken. Wenn Stille eintritt, läuft er raus und weg vom Haus. 24 Barbara liegt mit ihrem Vater im Bett. Auf einmal hört sie Rumpeln und die Kühe muhen. Darum erhebt sie sich, zieht sich an und mit dem Ruf „Hallo " nähert sich dem Stall. Dort trifft sie einen Mann, der den Zuschauer verborgen bleibt, man weiß also nicht, wer das ist. Barbara und er sprechen miteinander, dann streiten sie sich, am Ende schlägt er sie mit einer Spitzhacke auf den Kopf. Dann reißt er ihre Kette aus dem Hals und zieht die Leiche aus der Sicht des Zuschauers. Nach ein paar Sekunden taucht Dannerin auf auch sie bekommt einen Schlag. Der Mörder schleppt sie weg und gleich danach erscheint Danner. Er hält eine Waffe in der Hand, als ob er etwas ahnte. Das hilft ihm aber nicht. Der Mörder bringt ihn auch um. Dann verschiebt er sich ins Haus und tötet die Magd. Marianne tritt in diesem Teil nicht auf, der Zuschauer kann nur ihre Stimme hören. Entdeckung der Toten Hansl Hauer rennt zum Tannödhof, weil ihm das seine Tante sagte. Danners wurden seit ein paar Tagen nicht gesehen und das scheint den Leuten seltsam zu sein. Auf dem Hof sieht er niemanden, er klopft also an die Tür. Er versucht auch die Tür zu öffnen, aber ohne Erfolg. Er blickt noch in die Fenster hinein, doch der Hof schaut verlassen aus. Hansl läuft nach Hause und erzählt alles seinem Vater. Der schickt ihn zu einem Nachbar, Sterzer, um mit ihm zum Tannöd zu gehen. Dem schließt sich noch Sterzers Knecht Lois an. Alle zusammen begeben sich zu dem verlassenen Hof. Hansl bleibt draußen, die anderen drücken eine kleine Tür in den Stadel ein. Wenn sie aber durch den Stadel gehen, stolpert Lois über etwas. Sie bemerken, dass es ein Fuß ist. Hauer schaufelt das Stroh weg und entdeckt Leichen. Danner, Marianne, Dannerin und Barbara. Sterzer und Lois können das nicht aushalten und taumeln raus. Hauer zwingt sie, mit ihm noch ins Haus zu gehen, nach den kleinen Josef zu suchen. Drinnen finden sie nicht nur getöteten Josef, sondern auch die tote Magd. Hauer schickt dann Hansl zum Bürgermeister ins Dorf, damit er die Gendarmen alarmiert. „Das hab ich auch dann getan. Ich hab mir mein Radi geholt und bin rüber ins Dorf, zum Bürgermeister und geschrien hab ich, dass beim Danner alle tot sind." (S. 69) In dem Film putzt Hansl eine Milchkanne, wenn ihn seine Tante ruft. „Hansl, geh mal rüber zum Tannödhof. Von denen hat man seit Tagen nichts gehört. Vielleicht ist jemand krank und sie brauchen Hilfe. " (Oberli 2009: Minute 71) Die bevorstehende Szene spielt sich genauso wie im Buch ab. Hansl rennt zum Tannöd, klopft an die Tür, ruft Barbara und Marianne. Dann bekommt er Angst und läuft wieder weg. Auf der nächsten Aufnahme sieht 25 man Hansl, Hauer und Sterzer zum Hof eilen. Sie schauen in die Fenster, versuchen die Türe zu öffnen. Schließlich bricht Hauer eine kleine Tür in den Stadel auf. Sie treten hinein und gleich riechen sie Gestank. Sie rücken vor und Hansl mit Sterzer bemerken einen Fuß im Stroh. Alle stolpern schockiert raus. Hauer und Hansl gehen dann noch einmal ins Haus. „ Wir sind rein ins Haus. Rauf, in den ersten Stock. Die Blutspur war im ganzen Zimmer. Und da lag die neue Magd. Die Marie. Ins nächste Zimmer. Da war der Josef. Das blonde Haar war ganz schwarz von den Fliegen. "(Oberli 2009: Minute 75) Während Sterzer noch vor dem Haus ganz schockiert sitzt, läuft Hansl ins Dorf und schreit, dass sie alle tot sind. 5.1.2 Inzest Ein weiteres wichtiges Thema, das im Buch vorkommt, ist der Inzest. „Unter "Inzest" wurde in der Geschichte immer eine inkriminierte sexuelle Beziehung zwischen Verwandten verstanden." In Tannöd ist es die Beziehung zwischen Barbara und ihrem Vater. Der Leser erfährt darüber aus den Erzählungen der Dörfler. Im Dorf verbreitet sich nämlich ein Gerücht, „dass bei denen alles immer in der Familie bleibt, sogar die Kinder." (S. 37) Alle kennen diese Gerüchte, einige glauben das und einige nicht, aber in Wirklichkeit weiß es niemand. Es fällt aber keinem ein, dass sie die Opfer ist und alle ihr Unrecht tun. Der Leser weiß auch nicht, ob es Wahrheit ist. Die kommt etwa in der Mitte des Romans ans Licht, wenn Dannerin über ihr Leben nachdenkt. Barbara, ihre Tochter, wuchs heran. Sie liebte ihren Vater abgöttisch und zu ihr war er voll Hingabe und Zärtlichkeit. Sie war zwölf, als ihr Vater sich zum ersten Mal an ihr verging. Ihre Mutter brauchte eine Zeit, bis sie die Veränderung an ihrer Tochter bemerkte. Sie wollte den Missbrauch an ihrer eigenen Tochter nicht sehen. Wollte es nicht wahrhaben. (S. 62) Dies zeigt, dass Dannerin über den Missbrauch weiß, aber unternimmt nichts dagegen. Der Film beschäftigt sich mit diesem Thema nicht so viel wie das Buch. Die Leute sprechen hier nicht von dem Verhältnis zwischen Danner und Barbara, sondern sie halten Rolf Cantzen: Es bleibt in der Familie - Zur Geschichte des Inzest. In: SWR2 Wissen-Manuskriptdienst [online]. 2007. [zit. 2013-17-07] Zugänglich auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Inzest 26 Barbara für eine Kokette, die alle Männer verführt. Das sagen hauptsächlich die Männer, denen sie gefiel und die von ihr abgewiesen wurden. Sie reden davon, wenn sie am Feuer im Wald sitzen und versuchen, Hauer zu überzeugen, dass Josef (der in Tannöd getötete Junge) vielleicht gar nicht sein Kind war. „Die Barbara hat ihren Rock sicher für andere auch gehoben. Ja, Hörner hat sie dir aufgesetzt. " (Oberli 2009: Minute 78) Der Inzest selbst wird im Film zweimal veranschaulicht. Zum ersten Mal am Filmanfang, wenn Barbara Mist im Stall wirft. Danner fängt sofort an, sie zu belästigen. An ihrem Gesicht kann man ablesen, dass sie vor ihrem Vater Abscheu hat. Ihr Hass gegen ihn ist auch in ihren Worten offensichtlich. „Dagibt's sicher manch einen, der dir an den Kragen will, Vater. Verstehen kann ich 's schon. " (Oberli 2009: Minute 19) Am Filmende gibt es noch eine Szene. Barbara geht in sein Schlafzimmer, Danner folgt ihr mit einem Brief. Es ist eine amtliche Bescheinigung, dass ab sofort der ganze Hof nur ihr gehört. Sie hofft, dass ihre Probleme damit gelöst werden. Jetzt kann sie Danner endlich von sich fernhalten. Danner: Kannst dich freuen. Der Hof gehört dir. Ich will, dass es wieder ist wie früher. Jetzt halt, was du versprochen hast! Barbara: Das glaubst auch nur du. Du packst mich nie wieder an, du dreckige Sau, sonstjag ich dich von meinem Hof. (Oberli 2009: Minute 55) Das regt ihn an. Er packt sie an den Haaren, wirft sie auf das Bett und vergewaltigt. In dieser Szene wird auch Dannerins Stellung gezeigt. Wenn Danner von Barbara das Kleid reißt, bemerkt er, dass Dannerin in der Tür steht. Er schlägt ihr die Tür vor der Nase. Sie tut nichts, obwohl sie weiß, was in dem Zimmer geschieht. 5.3 Ausgewählte Szenen, die unterschiedlich sind 5.3.1 Der Anfang Wie schon erwähnt, das Buch beginnt mit einem Vorwort des „Interviewers". Daran schließt ein Gebet an, aber der Leser weiß nicht, wer es spricht. Dem Gebet folgt die Beschreibung der Mörder Vorgehensweise. Am frühen Morgen kommt er zum Tannödhof. Er füttert und melkt das Vieh. Die Milch gießt er weg. Aus dem Text ist dem Leser noch 27 nicht klar, wer das ist oder wo er ist und warum macht er das. Der Leser hat keine Ahnung, dass der Mann ein Mörder ist, ihm wird nur klar, dass das Verhalten des Mannes verdächtig ist. Am Abend würde er erneut in den Stall gehen. Er würde den Hund füttern, der sich bei seinem Kommen stets winselnd in die Ecke verkriecht. Er würde die Tiere versorgen. Dabei würde er stets darauf achten, um den Strohhaufen in der linken hinteren Ecke des Stadels einen Bogen zu machen. (S. 10) Am Anfang des Filmes hört man auch ein Gebet, aber in diesem Fall weiß man, dass es Frau Danner, „ die Dannerin ", spricht. Es ist nicht das gleiche Gebet als am Anfang des Buches, aber das merkt man nicht. In ein paar Aufnahmen beobachtet der Zuschauer jemanden die Milch ausgießen. Es ist der Mörder, aber seine Gestalt ist nicht sichtbar. Der Hund, der dem Buch gemäß in einer Ecke verkrochen sein sollte, trinkt die Milch und neben ihm können wir eine Leiche erkennen. Diese wird nach ein paar Sekunden abgeschoben und mit Stroh zugeschüttet. Nach all diesem folgt erst die Haupthandlung, deren Anfang ich in dem Kapitel 5.1.2 beschrieb. 5.3.2 Erzählungen Nicht einmal sind die einzelnen Geschichten der Dörfler gleich. Ich werde hier vier Erzählungen interpretieren. So, wie sie in dem Buch geschrieben und in dem Film gedreht sind. Barbara und Herr Pfarrer Im Buch sagt der Pfarrer, dass Barbara bei ihm in der Woche vor dem Mord Ratschlag suchte. Sie wollte beichten, aber gleich überlegte sie es sich. Bevor sie das Pfarrhaus verlässt, hatte sie dort einen Briefumschlag gelassen, in dem sich 500 Mark befanden. Im Film spielt es sich ein bisschen anders. Barbara und der Pfarrer treffen sich nicht im Pfarrhaus, sondern im Wald bei dem Marterl. Sie spricht über ihren Missbrauch. Er gibt ihr Vergebung und dann beten sie zusammen das Vaterunser. Vorher gibt sie ihm noch einiges Geld. 28 Postschaffners Geschichte Ludwig Eibl, der Postschaffner, erinnert sich, wie er am Montag nach dem Mord bei Danners war. Er fuhr dorthin mit einer Zeitung jeden Montag, mittwochs und freitags. Er hatte mit Danner vereinbart, dass er die Zeitung an das Fenster legen sollte, falls niemand zu Hause war. An diesem Tag war es gerade so. Eibl legte also die Zeitung an das Fenster und zugleich blickte er in das Fenster hinein. Weil er keinen sehen konnte, stieg er auf sein Fahrrad und verließ den Ort. Das Histörchen Eibls ist in dem Film ganz anders. Eibl erzählt es wie folgt. Bei Danners war er an dem „Mordtag", er musste einen Brief für Barbara zustellen. Es war ein Amtsbrief, für den man noch etwas bezahlen musste. Eibl gab den Brief Danner, aber der wollte nicht zahlen, darum nahm er den Brief zurück undfuhr weg. In Wirklichkeit war es aber nicht so. Eibl wollte den Brief entnehmen, aber Danner gab ihm ihn nicht. Sie fingen an, sich gegenseitig zu beschimpfen und Eibl fuhr weg erst nachdem Danner seinen Hund auf ihn gehetzt hatte. Monteurs Geschichte Am Dienstag nach dem Mord kommt ein Monteur zum Tannöd, um eine Maschine dort zu reparieren. Der Hof schaut leer aus, aber der Monteur will seine Arbeit trotzdem machen. Er wartet ein paar Minuten, ob jemand auftaucht und dann begibt er sich in den Schuppen, wo die Maschine steht. Wenn er die Arbeit fast fertig hat, fällt ihm eine Schraubenmutter in die Wassergrube. „Genau in dem Augenblick, in dem ich mich bücke, um nach der Mutter zu suchen, war mir, als huscht da ein Schatten vorbei." (S. 44) Der Monteur ruft, ob es da jemanden gibt, hört aber keine Antwort. Er vollendet die Reparatur so schnell wie möglich und fährt mit dem Fahrrad weg. In dem Film kommt der Monteur mit einem Auto. Bei Danners gibt es niemanden. Er wartet eine Weile bei dem Wagen, raucht eine Zigarette aus und dann will er sich an die Arbeit machen. In dem Augenblick, wenn er mit der Reparatur beginnt, erblickt er jemanden auf dem Hof. Er geht dort und bemerkt eine umgekippte Kanne. Diejenige Person kippte sie um. Der Monteur bekommt Angst und fährt schnell weg, ohne seine Arbeitfertig zu machen. 29 Personen Die Unterschiede betreffen auch die Personen. Einige werden nur ein bisschen abgeändert, einige werden völlig ausgedacht. Z.B. Kathrin spielt in dem Film die wichtigste Rolle, weil sie die Hauptperson ist, aber in dem Buch tritt sie gar nicht auf. Obwohl ihre Gestalt sich dem „hiterviewer" ähnelt, der im Buch vorkommt. Den beiden wird die Geschichte über den Mord erzählt. Anna, Kathrins gestorbene Mutter, gibt es im Buch auch nicht und Anna, Georg Hauers Schwägerin, wird im Film von seiner Schwester Ruth ersetzt. Ebenso Hansl, Hauers Sohn, wird in dem Film von Johann ersetzt und Hansl ist hier Hauers Neffe. 30 6 Zusammenfassung In meiner Arbeit widmete ich mich dem Bestseller Tannöd, seiner Filmadaptation und ihrem Vergleich. Anfangs beschäftigte ich mich mit dem authentischen Ereignis, von dem sich der Kriminalroman inspiriert hatte. Ich beschrieb die Umstände des Falles und seine Ermittlung. An der Hand war mir hauptsächlich ein Bericht von Studenten an der Fachhochschule für Verwaltung und Recht in Fürstenfeldbruck bei München. Das Kapitel beendete ich mit einem Verzeichnis einiger Werke, die sich mit diesem Fall befassten. Das andere Kapitel hatte die Aufgabe, über das Buch und ihre Autorin Andrea Maria Schenkel zu informieren. Dabei erwähnte ich auch ihre anderen Werke und deutete den Fall an, als sie für ein angebliches Plagiat beschuldigt wurde. In diesem Kapitel stellte ich noch die Hauptpersonen des Buches vor. Den nächsten Teil baute ich auf dem Film auf. In kurzem führte ich das Leben der Regisseurin Bettina Oberli an, die zugleich die Mittverfasserin des Drehbuches ist. Ich erwähnte auch ihre andere Werke und einige Auszeichnungen. Weiter beschäftigte ich mich mit dem Film selbst, zuerst schrieb ich einige Informationen darüber und dann schilderte ich die Handlung. Den Hauptteil meiner Arbeit widmete ich dem Vergleich selbst. Ich wollte nicht nur auf inhaltliche Unterschiede hinweisen, sondern auch auf die Unterschiede im Aufbau beider Fassungen. Um es übersichtlicher zu machen, gliederte ich dieses Kapitel in zwei Teile. Der erste Teil befasste sich mit dem Vergleich der Aufbauten und der zweite, in drei Unterkapitel gegliederte, beschrieb die Unterschiede, die sich auf den Inhalt bezogen. 31 7 Literaturverzeichnis Primärliteratur [1] Schenkel, Andrea Maria. Tannöd. Hamburg: Lutz Schulenburg, 2006 [2] Oberli, Bettina: Tannöd. Wüste Film West, 2009 Sekundärliteratur [3] Eco, Umberto. Jak napsat diplomovou práci. Olomouc: Votobia, 1997 [4] Lutz, Bernd a Benedikt Jeßling. Metzler Autoren Lexikon: Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Stutgart: J.B. Metzler, 2010 [5] Gigl, Claus. Textanalyse und Interpretation: Lyrik, Drama, Prosa. Stuttgart: Ernst Klett Verlag, 2005 [6] Monaco, James. Jak číst film: svět filmů, médií a multimédií; umění, technologie, jazyk, dějiny, teorie. Praha: Albatros, 2004 [7] Možný, Ivo. Sociologie rodiny. 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