2016
Magma und Scholle. Das soziale Imaginäre und die Wissenssoziologie
BINDER, WernerZákladní údaje
Originální název
Magma und Scholle. Das soziale Imaginäre und die Wissenssoziologie
Název anglicky
Magma and crust. The social imaginary and the sociology of knowledge
Autoři
Vydání
Weinheim; Basel, Wissensforschung – Forschungswissen. Beiträge und Debatten zum 1. Sektionskongress der Wissenssoziologie, od s. 533-543, 11 s. First edition, 2016
Nakladatel
Beltz Juventa
Další údaje
Jazyk
němčina
Typ výsledku
Kapitola resp. kapitoly v odborné knize
Obor
50000 5. Social Sciences
Stát vydavatele
Německo
Utajení
není předmětem státního či obchodního tajemství
Forma vydání
tištěná verze "print"
Odkazy
Označené pro přenos do RIV
Ano
Kód RIV
RIV/00216224:14230/16:00090946
Organizační jednotka
Fakulta sociálních studií
ISBN
978-3-7799-3439-4
Klíčová slova anglicky
Social imaginary; sociology of knowledge; Berger and Luckmann; Karl Mannheim; Cornelius Castoriadis; Charles Taylor
Změněno: 5. 1. 2017 10:16, Dr. Werner Binder
V originále
Vor bald fünfzig Jahren erschien in den Vereinigten Staaten The Construction of Social Reality mit dem Untertitel A Treatise in the Sociology of Knowledge von Peter L. Berger und Thomas Luckmann. Es zählt zu den wichtigsten soziologischen Büchern des 20. Jahrhunderts und beflügelte die soziologische Phantasie von Generationen von Studierenden. Trotz seines weltweiten Erfolgs wurde die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit nur im deutschsprachigen Raum als eine programmatische Schrift rezipiert. Im Zuge seiner Rezeption etablierte sich in Deutschland eine neue Wissenssoziologie, die sich überwiegend dem Bereich alltäglichen Handelns zuwandte. In Teilen der deutschen Wissenssoziologie ist die Lehre von Berger und Luckmann schon fast zu einer Orthodoxie geworden ist, die es kritisch zu hinterfragen gilt. Es geht mir im Folgenden darum, die sozialontologischen und theoriearchitektonischen Festlegungen des Ansatzes von Berger und Luckmann im Theorievergleich sichtbar zu machen. Dabei soll vor allem die Konstruktion von symbolischen Sinnwelten problematisiert werden, die der Legitimierung von institutionellen Ordnungen dienen, die wiederum auf Habitualisierungen und wechselseitigen Typisierungen fußen. Berger und Luckmann vertreten, im Anschluss an die philosophische Anthropologie und Sozialphänomenologie, eine mikrosoziologisch fundierte Gesellschaftstheorie, in der sich symbolische Sinnwelten nach Art eines marxistischen Überbaus über eine Basis alltäglicher Praktiken wölben. Als Kontrast und Korrektiv soll im Folgenden der Begriff des sozialen Imaginären ins wissensoziologische Sprachspiel eingeführt werden. Charles Taylor verwendet den Begriff um zu beschreiben, wie höherstufigen Sinnkonstruktionen in das Alltagshandeln eingehen und Institutionen von „unten“ legitimieren. Radikaler ist der Vorschlag von Cornelius Castoriadis, demzufolge Gesellschaft als imaginäre Institution zu begreifen ist. In seiner Sozialontologie werden Alltagswirklichkeit, institutionelle Ordnungen und symbolische Sinnwelten von imaginären Bedeutungen geformt und getragen, die nicht mehr individuellen Subjekten zugerechnet werden können. Die Wissenssoziologie ist gut beraten, sich gegenüber solchen Überlegungen zu öffnen, will sie ihre soziologische Phantasie bewahren.
Anglicky
The Construction of Social Reality written by Peter L. Berger und Thomas Luckmann belongs to the most important sociological books of the 20th century. This paper discusses the theoretical and social ontological commitments of the book, which had a crucial impact on the German sociology of knowledge. In particular, the construction of symbolic universes, portrayed by Berger and Luckmann as a Marxian superstructure legitimizing societal institutions and social practices, is problematized and contrasted with theories of the social imaginary. Theorists of the imaginary, such as Charles Taylor and Cornelius Castoriadis, describe legitimization as a bottom-up process, involving imaginary significations as the foundation of the institutional as well as symbolic order. I argue that the sociology of knowledge should open itself to theories of the imaginary not to loose its sociological imagination to think the social in radically different ways.
Návaznosti
| EE2.3.30.0009, projekt VaV |
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